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Betriebsbesichtigungen mit Staatsminister Helmut Brunner
Der Bayerische Weg in der Praxis

Mit dem eigenständigen Bayerischen Weg in der Agrarpolitik setzt Landwirtschaftsminister Helmut Brunner gezielt auf die Vielfalt wettbewerbsfähiger bäuerlicher Familienbetriebe.

Bei mehreren Betriebsbesichtigungen mit verschiedenen Unternehmensschwerpunkten, Bewirtschaftungsformen, Produktionsausrichtungen und Einkommenskombinationen will sich Minister Brunner vor Ort ein Bild davon machen, wie seine aktive Politik in ganz Bayern in der Praxis erfolgreich umgesetzt wird.

Der Bayerische Weg

Der Bayerische Weg unterstützt die vielen "kleineren" unternehmerischen Landwirte in Bayern, meist Familienbetriebe, die flächendeckend und nachhaltig wirtschaften und darüber hinaus ihre gesellschaftliche Verantwortung auch als Arbeitgeber und im Ehrenamt wahrnehmen. Zudem erhalten sie die Kulturlandschaft und die Biodiversität, tragen maßgeblich zur Vitalität des ländlichen Raums bei und halten die Traditionen lebendig. Ohne Land- und Forstwirtschaft wird es auch in Zukunft keinen starken ländlichen Raum geben.

Der Bayerische Weg - Agrarpolitik ist Gesellschaftspolitik

Betriebsbesichtigungen

Bullenmastbetrieb Max und Christa Gilch, Offenberg, Lkr. Deggendorf

Der Abschluss seiner diesjährigen Betriebsbereisungen von Staatsminister Helmut Brunner fand auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Gilch in Niederbayern statt. Seit vier Generationen ist dieser Betrieb im vorderen bayerischen Wald im Besitz der Familien Gilch. 1909 erwarb der Großvater Max Gilch dieses Anwesen in Einzelhoflage, das dann über 12 Jahrzehnte weiterentwickelt wurde.

Rinder wurden immer auf dem Betrieb gehalten, heute sind es 230 männliche Mastrinder. Gekauft werden ausschließlich bayerische Kälber, die dann über 17 Monate hinweg aufgezogen und bis zum stattlichen Mastbullen gefüttert werden. Vermarktet werden sie über die Erzeugergemeinschaft Südostbayern w.V. und in Waldkraiburg geschlachtet. Damit erfüllen sie drei Kriterien für das Qualitäts- und Herkunftsprogramm "Geprüfte Qualität Bayern (GQ)" - geboren, aufgezogen und geschlachtet in Bayern.

Doch die Familie Gilch versteht sich nicht nur auf die erfolgreiche Rindermast. Neben 65 Hektar Ackerbau zur Erzeugung für das wirtschaftseigene Futter für die Tiere, Getreide und Maissilage; werden auch 26 Hektar Landschaftspflegeflächen bewirtschaftet. Der Aufwuchs dieser Flächen wird zum Teil als getrocknete Einstreu im tierfreundlichen Tretmiststall bei den Mastrindern verwendet oder auch an Pferdehalter verkauft.

Mit seiner Tätigkeit der Landschaftspflege im Rahmen der geförderten Vertragsnaturschutzprogramme hat sich Max Gilch ein zweites Standbein geschaffen und erbringt gleichzeitig eine wichtige Leistung für die Gesellschaft und Kulturlandschaft. Selten gewordenen Pflanzen und Vögel, die auf der Roten Liste aufgeführt sind, haben auf diesen Flächen im Naturschutzgebiet „Runstwiesen und Totenmoos“ wieder einen Lebensraum gefunden.

Eine weitere Einkommensquelle hat Familie Gilch mit der umweltfreundlichen Stromerzeugung erschlossen. Die Photovoltaikanlage nutzt die vorhandenen Dachflächen am Hof. „Die Diversifizierung in den bayerischen Betrieben hat für mich einen besonders hohen Stellenwert. Hier wird das im Betrieb zur Erschließung mehrerer Einkommensstandbeine erfolgreich umgesetzt“ lobt Staatsminister Brunner das Betriebskonzept.
Fotos Tobias Hase/StMELF, Abdruck honorarfrei
Gemüsebetrieb Karin und Peter Link, Nürnberg
Der Familienbetrieb Link hat sich von der kleinbäuerlichen Landwirtschaft mit Tierhaltung zu einem modernen Gemüsebaubetrieb mit ca. 11 ha Freiland- und 5.000 m² Gewächshausfläche entwickelt. Dabei setzt der Betrieb nicht auf Größenwachstum sondern gezielt auf Vermarktungsnischen. Neben dem traditionellen Großmarktabsatz hat sich die Betriebsleiterfamilie für die Direktvermarktung regionaler Produkte im eigenen Hofladen entschieden. Darüber hinaus wurde in den letzten Jahren neben dem Absatz an den Fachhandel vor allem der Gastronomie-Abholmarkt und Gastronomie-Lieferservice stark ausgebaut.

Aus der Region – für die Region. Dies ist das Motto für die Familie Link. Im Umfeld der Großstadt Nürnberg ist eine Belieferung mit dem Vollsortiment notwendig. Was nicht selbst produziert werden kann, wird von Partnern in der Region geliefert. Herr Link ist Vorstandsmitglied im Regionalbuffet Nürnberg. Dieser Zusammenschluss von bäuerlichen Direktvermarktern, Gastronomie und Handwerksbetrieben beweist, wie stark sich der Betrieb mit der Region Nürnberg und dem „Knoblauchsland“ identifiziert.

Dabei ist der Betrieb nah am Kunden. Die Transparenz im kontrolliert-integrierten Anbau von mehr als 20 Gemüsekulturen, die breite Palette an Bio-Produkten im Zukaufssortiment und nicht zuletzt die Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit sind laut Minister Brunner vorbildlich. Neben der Teilnahme an der Bauernmarktmeile, dem monatlichen stattfindenden Hofmarkt und der ständigen Präsenz in der Lokalpresse, ist es vor allem der starke Internetauftritt, der wöchentlich aktualisiert wird und auch die Möglichkeit des Einkaufs bietet.

Nach Aussage von Minister Brunner ist der Gemüsebetrieb Link ein Musterbeispiel dafür, welches Potential in alternativen Betriebskonzepten steckt. Den Mut, in einem umkämpften Markt andere Wege zu gehen, will das Ministerium auch in Zukunft durch Beratung, Förderung und Bildungsangebote unterstützen.
Fotos Tobias Hase/StMELF, Abdruck honorarfrei
Schweinemastbetrieb Josef Gelb, Steinach, Lkr. Aichach-Friedberg
Staatsminister Helmut Brunner informierte sich auf dem Schweinemastbetrieb der Familie Gelb in Steinach, Gemeinde Merching im Landkreis Aichach-Friedberg über moderne, tiergerechte Schweinemast.
Die Betriebsleiterfamilie hat für ihre Mastschweine einen innovativen und emissionsarmen Außenklimastall gebaut. Im Liegebereich steht den Schweinen Stroh zur Verfügung. Die Schweine haben deutlich mehr Platz als gesetzlich gefordert, eine Fußbodenheizung und können jederzeit in den vollüberdachten Auslaufbereich ins Freie gehen. Die Gülle der Tiere und nachwachsende Rohstoffe gehen in die Biogasanlage, die Wärme für Ställe und Hallen liefert.

Brunner betonte, dass für die Schweinehalter der zunehmende, öffentliche Druck und die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz sehr belastend sind. Hier sei es wichtig, den Verbrauchern deutlich zu machen, dass das Tierwohl den Landwirten ein wichtiges Anliegen ist und dass sie versuchen, die Stallsysteme noch tierfreundlicher zu gestalten. Der Minister dankte der Familie Gelb, die mit dem neuen Außenklimastall hier wertvolle Pionierarbeit leistet.

Die Tierhalter, die in neue bauliche oder technische Einrichtungen für mehr Tierwohl investieren, seien auch auf angemessene Preise angewiesen, erklärte Brunner. Daher kommt dem Qualitäts- und Herkunftszeichen "Geprüfte Qualität - Bayern", bei dem das Staatsministerium Zeichenträger ist, eine wichtige Bedeutung zu. "Dieses Segment der heimischen Qualitätsprodukte müssen wir weiter ausbauen und es schaffen, hiermit noch mehr zusätzliche Wertschöpfung für die Landwirte zu erzielen", so Brunner.

Am Ende der Diskussion unterstrich der Minister, dass er auch zukünftig alles daran setzen wird, verlässliche Rahmenbedingungen für die bayerischen Landwirte und Schweinehalter zu schaffen.
Fotos Tobias Hase/StMELF, Abdruck honorarfrei
Weingut Ewald Neder, Ramsthal, Lkr. Bad Kissingen
Familie Neder bewirtschaftet einen rund 11 ha großen Weinbaubetrieb im fränkischen Saaletal. Hier wird schon seit dem Jahr 1122 Wein angebaut. Die Betriebsleiterfamilie hat den Weinbaubetrieb mit unternehmerischem Geschick von einem Nebenerwerbsbetrieb zu einem führenden fränkischen Haupterwerbsbetrieb mit eigener Flaschenweinvermarktung entwickelt. Mit dem Neubau einer Vinothek 2016 wurde die Betriebsentwicklung soweit abgeschlossen, dass die Nachfolgegeneration sehr gute Perspektiven für eine Übernahme hat.

Ein Großteil der bewirtschafteten Rebflächen befindet sich in Steillagen mit einer Hangneigung von über 40 %. Die Bewirtschaftung der Steillagen ist mit einem erheblichen Arbeitsaufwand verbunden, der im Weingut Neder noch überwiegend von den familieneigenen Arbeitskräften gestemmt wird. Gerade die Bewirtschaftung der Steillagen trägt zum Erhalt des Landschaftsbildes im fränkischen Saaletal bei. Dabei fördert der Steillagenweinbau die Attraktivität der Kulturlandschaft, den Tourismus und die damit verbundenen vor- und nachgelagerten Wirtschaftszweige.

Nach Aussage von Minister Brunner ist es vor allem die Kombination aus unternehmerischem Geschick, Beratung und Förderung, die es ermöglicht, auch im ländlichen Raum erfolgreich wettbewerbsfähig zu sein. Dieses Geschick, so der Minister weiter, ist in familiengeführten Betrieben eine Folge der generationenübergreifenden Ideenvielfalt, von Flexibilität und Kreativität.
Fotos Tobias Hase/StMELF, Abdruck honorarfrei
Zuckerrübenbetrieb Thomas Koller, Greilsberg, Lkr. Landshut
Familie Koller bewirtschaftet einen Ackerbaubetrieb mit einem bedeutenden Zuckerrübenanteil in der Fruchtfolge. Getreide, Mais und Kartoffeln runden die Marktfrüchte ab. Weitere Einkommensquellen wie die Herstellung von Edelbränden sowie deren Direktvermarktung im Hofladen, die Stromerzeugung aus Photovoltaik und der Landmaschinenhandel runden das Portfolio des vollarrondierten Haupterwerbsbetriebs ab.

Im Jahr 2017 wird die Zuckerquote wegfallen. Dies wird auch auf dem Zuckermarkt zu einer höheren Preisvolatilität und einem schärferen Wettbewerb führen. Welche Auswirkungen hat das auf die Erzeuger, die Vermarktung, die Arbeitslabläufe und die regionale Wertschöpfung?

Mit der Betriebsleiterfamilie, Verbandsvertretern und Mandatsträgern wurden dieser Sachverhalt und mögliche Lösungen diskutiert. Nach Aussage von Minister Brunner sind für eine gute Zukunft vor allem das unternehmerische Geschick, die Kreativität und die Flexibilität der Betriebsleiterfamilie entscheidend. Mit der Beratung und der Förderung bietet die Landwirtschaftsverwaltung den bayerischen multifunktionalen Familienbetriebe Lösungen an, so der Minister weiter.
Fotos Tobias Hase/StMELF, Abdruck honorarfrei
Milchviehbetrieb Michael Brack, Kraftisried, Lkr. Ostallgäu
Familie Brack bewirtschaftet auf einem Dauergrünlandstandort im Ostallgäu einen Milchviehbetrieb mit rund 60 Milchkühen einschließlich eigener Nachzucht. Aufgrund weitgehend hofnaher Flächen gibt es für alle Tiere die Möglichkeit für einen Weideauslauf. Als weitere Standbeine neben der Milchviehhaltung dienen die hofeigene Biogas- und Photovoltaikanlage. Ein kleiner Anteil des Einkommens stammt aus der Landschaftspflege.

Über den Weideauslauf und die Landschaftspflege gestaltet der Betrieb die typische Voralpenlandschaft mit seinen „weichen Standortfaktoren“, die das Allgäu so attraktiv machen. Gerade die Weidehaltung ist eine wesentliche Komponente für die betriebliche Struktur und eine Grundlage für Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere. Der Betrieb vermarktet seine Milch über eine in der Region ansässige Molkerei als Bergbauernmilch. Wegen des hohen Ansehens von Produkten aus Bergbauernmilch kann dadurch ein höherer Erlös gegenüber konventioneller Milch erzielt werden. Voraussetzung dafür ist neben seiner Lage im Berggebiet auch die Verwendung von GVO-freien Futtermitteln.

Nach Aussage von Minister Brunner ist es gerade die Kombination der verschiedenen Standbeine, die sich optimal ergänzen und den Familienbetrieb Brack nachhaltig stärken. Voraussetzung dafür, so der Minister weiter, sind bäuerliche Betriebe, die durch Flexibilität und Kreativität mit die Grundlage für ihre Existenz und Wettbewerbsfähigkeit legen.
Fotos Tobias Hase/StMELF, Abdruck honorarfrei
Soja-Saatguterzeuger-Betrieb Endres, Gützingen, Lkr. Würzburg
Der Marktfruchtbetrieb Endres im unterfränkischen Gützingen erzeugt Saatgut für Weizen und Hybridroggen und vermehrt seit dem Jahr 2011 auch Soja. Der Betrieb ist Standort für die Landessortenversuche von Körnerleguminosen, also Ackerbohnen, Erbsen und Soja und er ist Leuchtturmbetrieb mit Demonstrationsflächen im bundesweiten Sojanetzwerk. Auf den Flächen des Betriebes werden zudem Versuche für den Verband fränkischer Rübenanbauer durchgeführt. Staatsminister Helmut Brunner hat sich bei seinem Besuch den Betrieb mit seinen Flächen angeschaut und den Einsatz digitaler Technik beim Soja-Bohnen-Anbau zeigen lassen.

"Die Soja-Bohne ist und bleibt ein wichtiger Pfeiler der Bayerischen Eiweißinitiative und ihr Anbau wird zudem als Greening-Maßnahme anerkannt", sagte der Minister. Für einen erfolgreichen Soja-Anbau in Bayern ist gentechnikfreies Soja-Saatgut die Grundlage – und die schafft der Betrieb Endres. Neben Information und Bildung sind Demonstrationsflächen und der Erfahrungsaustausch von Landwirt zu Landwirt wichtig für den Wissenstransfer. So können die Förderprogramme dann auch richtig wirken und die Importabhängigkeit von Eiweiß abnehmen.

Eine weitere Besonderheit des Betriebs Endres ist der überbetriebliche Maschineneinsatz sowie die intensiven Kooperationen im Maschinenbereich. Hierbei kommt unter anderem digitale Technik zum Einsatz. Das automatische Lenksystem (GPS-Technik mit RTK-Korrektursignalen) zur Spurführung und Teilbreitenschaltung der Pflanzenschutzspritze und des Düngerstreuers steigert die Effizienz und schont die Ressourcen. "Mit Soja und Digitalisierung besetzen Sie zwei Zukunftsfelder und sind ein absoluter Vorreiter", so Minister Brunner.
Fotos Tobias Hase/StMELF, Abdruck honorarfrei
Mutterkuhbetrieb Erika Sauer, Moosbach, Lkr. Neustadt an der Waldnaab
Familie Sauer bewirtschaftet in Moosbach im Oberpfälzer Wald einen Mutterkuhbetrieb im Nebenerwerb. Auf den Grünlandflächen des Herdbuchzuchtbetriebes werden 22 Kühe mit 4 Zuchtbullen und die gesamte Nachzucht gehalten. Die Rasse „Rotes Höhenvieh“ liegt der Betriebsleiterin, die zugleich 1. Vorsitzende des Fleischrinderverbandes Bayern e.V ist, besonders am Herzen. Der Erhalt dieser ursprünglich in der Region typischen Rinderrasse, die zu den gefährdeten Nutztierrassen zählt, wird staatlich gefördert.

Die Sommermonate verbringen die Tiere auf der Weide und tragen dadurch maßgeblich zur Flächennutzung und zum Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft in Bayern bei. Die nicht zur Zucht benötigten Rinder werden im Betrieb Sauer gemästet und das Fleisch direkt an die Verbraucher, aber auch an die regionale Gastronomie vermarktet. Dazu wurde das von der bäuerlichen Schlachtgemeinschaft Moosbach-Waidhaus e.V. betriebene örtliche Schlachthaus nach den zur EU-Zertifizierung nötigen Auflagen zur Sicherung der Lebensmittelhygiene modernisiert. Durch das Schlachten vor Ort werden sehr kurze Tiertransportwege ermöglicht. Eine lange Reifezeit und die anschließende Zerlegung sichern eine sehr gute Fleischqualität.

Minister Helmut Brunner stellte am Beispiel des Betriebes Sauer die Bedeutung der Regionalvermarktung besonders hervor. Das Staatministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten will mit dem Programm „Ausgezeichnete Bayerische Küche“ regional erzeugte Lebensmittel stärker in der heimischen Gastronomie verankern. „Genuss von regional erzeugten Köstlichkeiten in der Gastwirtschaft vor Ort, das ist unser Ziel“ erklärte der Minister.
Fotos Nicolas Armer/StMELF, Abdruck honorarfrei
Fischbetrieb Thomas Beer, Kleinsterz, Lkr. Tirschenreuth
Der Fischbetrieb Beer lebt seit Generationen von der Teichwirtschaft im Land der 1000 Teiche. Die Lage in der nördlichen Oberpfalz und die starke Vermehrung von Kormoran, Fischotter und Biber schaffen besondere Herausforderungen, die unternehmerische Entscheidungen im landwirtschaftlichen Betrieb erfordern. So hat sich der Betrieb Beer diversifiziert, also breiter aufgestellt. Staatsminister Helmut Brunner hat sich bei seinem Betriebsbesuch neben den Fischteichen und der Aquakultur die weiteren Einnahmequellen Bauernhofgastronomie, Urlaub auf dem Bauernhof, Erlebnis Bauernhof und erlebnisorientierte Angebote wie Teichführungen vor Ort angeschaut.

„Es ist nicht die Regel, dass gleichzeitig so viele verschiedene Standbeine betrieben werden, aber sie ergänzen und verstärken sich gegenseitig und erhöhen so die Wertschöpfung dieses Betriebs hervorragend“ sagte der Minister. Bei der Betriebsentwicklung spielt die Bildung der Betriebsleiterfamilie eine Schlüsselrolle. Die einzigartige Verzahnung der Qualifizierung mit den Fördermöglichkeiten der Landwirtschaftsverwaltung, den Bayerischen Staatsforsten, der Forstverwaltung und der Verwaltung für Ländliche Entwicklung schafft Synergien und unterstützt so das unternehmerische Handeln der Betriebsleiterfamilie.

Mit der Betriebsleiterfamilie, Verbandsvertretern und Mandatsträgern wurden die Probleme der Fischzucht mit Kormoran, Fischotter und Biber diskutiert und die weiteren Möglichkeiten der Betriebsentwicklung besprochen, die sich im Tourismus z.B. durch die Interkommunale Allianz Stiftland (IKOM) sowie den Teicherlebnis- und Waldlehrpfad ergeben. Die Kombination von Genuss, Erlebnis und Tourismus machen den Betrieb Beer zu einem Botschafter im Erzeuger-Verbraucher-Dialog. „Der ländliche Raum lebt von unternehmerischen Seelen wie der Familie Beer“, so der Minister.
Fotos Tobias Hase/StMELF, Abdruck honorarfrei
Geflügelbetrieb Christine und Christian Paletta, Bachbauernhof, Holzheim, Lkr. Donau-Ries
Bei dem vierten Termin besuchte Minister Helmut Brunner den Bachbauernhof in Holzheim, Landkreis Donau-Ries. Christine und Christian Paletta bewirtschaften dort mit ihren Söhnen Florian, Matthias und Thomas und der Schwiegertochter Theresa einen vielseitigen Geflügelbetrieb mit Legehennen, Hähnchen-, Enten- und Gänsemast. Ein neu errichteter Schlachtbetrieb ermöglicht die vollständige Vermarktung der eigenen Erzeugung in der Region und bietet zusätzlich für kleinere Geflügelhalter die Möglichkeit, ihre Tiere fachgerecht schlachten zu lassen.

Die Umstellung von Käfig- auf Bodenhaltung hat bei den Legehennen die Probleme „Federpicken“ und „Kannibalismus“ verstärkt. Die langjährige Praxis, den Hennen deshalb die Schnabelspitze zu kürzen, wird als vermeidbarer Eingriff kritisiert. Der „Runde Tisch Tierwohl“, initiiert durch Minister Brunner, hat dies aufgenommen und Lösungen gesucht. Der Betrieb Paletta beteiligt sich mit seinen Legehennen an dem Projekt „Verzicht auf Schnabelbehandlung bei Legehennen“, das mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München unter Mitwirkung der Geflügelfachberatung Maßnahmen erprobt, die ein Kürzen der Schnäbel überflüssig macht.

Minister Brunner hob hervor, dass Familie Paletta den Erfolg in der Direktvermarktung durch kurze Wege und Frische der Produkte, eine gute Beratung und persönlichen Kontakt zu den Kunden erreicht. Der Ansatz, eine höchstmögliche Wertschöpfung in der Region zu erreichen, entspräche auch den Zielen seiner Agrarpolitik. Bei dem geringen Selbstversorgungsgrad von Eiern könnte das auch für andere Betriebe noch eine Möglichkeit bieten. Auch bei Geflügelfleisch ist die Nachfrage in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. Als hochwertiges Nahrungsmittel, das vielseitig und relativ einfach zubereitet werden kann, hat es zudem den großen Vorteil, dass es in allen Religionen akzeptiert wird. „Ich bin davon überzeugt, dass die Geflügelhaltung in Bayern eine Zukunft hat und dass der Bayerische Weg im Miteinander von Klein und Groß eine ständige Weiterentwicklung ermöglicht!“ so der Minister.
Fotos Tobias Hase/StMELF, Abdruck honorarfrei
Ferkelerzeugerbetrieb Thomas und Martina Braun, Gem. Reisbach, Lkr. Dingolfing-Landau, Träger des Bayerischen Nutztierwohlpreises 2015
Der dritte Besuch führte Minister Helmut Brunner zum Ferkelerzeugerbetrieb von Martina und Thomas Braun in Reisbach, Landkreis Dingolfing-Landau. Minister Brunner informierte sich dort unter anderem über die sogenannten Bewegungsbuchten. Diese Buchten sollen den säugenden Sauen mehr Bewegungsfreiheit verschaffen, gleichzeitig aber auch die Ferkel vor dem Erdrücken schützen. Der Betrieb Braun erprobt diese Bewegungsbuchten und beteiligt sich an der Weiterentwicklung dieses innovativen Aufstallungssystems. Für dieses Engagement wurde der Betrieb im Jahr 2015 mit dem Bayerischen Nutztierwohlpreis ausgezeichnet.

Minister Brunner hob hervor, dass sich der Betrieb Braun trotz der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Situation an der Erprobung und Weiterentwicklung dieser Bewegungsbuchten beteilige und so auch gegenüber der Gesellschaft deutlich mache, dass die stetige Weiterentwicklung der Haltungssysteme den landwirtschaftlichen Tierhaltern ein wichtiges Anliegen sei. In diesem Zusammenhang wies Brunner darauf hin, dass es gerade beim Thema Tierschutz wichtig sei, mit Augenmaß vorzugehen und auf Regelungen zu setzen, die wissenschaftlich begründet und in der Praxis mit vertretbarem Aufwand umsetzbar sind. Wenn es um neue Haltungsformen geht, seien auch die Verbraucher gefragt, so der Minister. Schließlich seien die Tierhalter, die in bauliche oder technische Einrichtungen für mehr Tierwohl investieren, auf angemessene Preise angewiesen.

Die niedrigen Ferkelpreise und die wachsenden gesellschaftlichen Anforderungen bereiten den Ferkelerzeuger derzeit erhebliche Sorgen. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hat daher den Betriebsbesuch auch genutzt, um mit Ferkelerzeugern und Vermarktern aus der Region die aktuelle Situation in der Sauenhaltung zu diskutieren. Dabei macht Brunner deutlich, dass die Politik zwar nicht höhere Preise festsetzen könne, dass es ihm aber ein sehr wichtiges Anliegen sei, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. „Wir brauchen Lösungen, die das Wohlbefinden der Tiere weiter verbessern, gleichzeitig unseren Landwirten aber auch dauerhaft eine wirtschaftliche Grundlage bieten“, so der Minister.
Fotos Tobias Hase/StMELF, Abdruck honorarfrei
Milchvieh- und Pro Gesund-Betrieb Josef Betz in Weng, Gemeinde Fahrenzhausen, Lkr. Freising
Der zweite Besuch führte Minister Brunner zum Milchviehbetrieb von Josef und Angelika Betz nach Weng, einem Pro Gesund Betrieb der ersten Stunde. Das Gesundheitsmonitoring bei Rindern basiert auf der Verknüpfung von Tierdaten, die bis dahin getrennt bei Landwirten, Tierärzten oder dem LKV erfasst wurden. 2012 hat der Minister einen Runden Tisch für tiergerechte Haltung eingerichtet und das Projekt "Pro Gesund" gestartet. Bislang wurden 630.000 Euro investiert. Der Betrieb Betz zeigte eindrucksvoll und beispielhaft für viele Milchviehbetriebe in Bayern, dass dieses Geld gut angelegt ist: Weniger Tierarztbesuche, ein genauer Einblick in die gesundheitliche Situation der Milchviehherde, aber auch jeder einzelnen Kuh anhand von anschaulichen Ampelsystemen und nicht zuletzt der anonymisierte Vergleich mit Berufskollegen. Pro Gesund zeigt auf, wo der Betrieb z.B. in der Eutergesundheit oder bei der Fruchtbarkeit steht und was genau er verbessern kann.

Schwankende Preise und sinkende Erlöse zwingen die Milchviehbetriebe, die Kosten genau zu analysieren und soweit möglich zu reduzieren. Minister Brunner betonte die Vorteile einer verbesserten Tiergesundheit für alle Seiten: die Tiere fühlen sich wohl und sind seltener krank, der Landwirt spart Kosten für Behandlung und Medikamente. Der Tierarzt übernimmt mehr die Rolle eines Beraters, unterstützt bei der Prophylaxe und muss weniger akute Behandlungen vornehmen. Die LfL-Projektleiterin Dr. Dr. Eva Zeiler, der behandelnde Hoftierarzt Dr. Michael Schmaußer und Dr. Siegfried Moder, Bayerische Landestierärztekammer, bekräftigten die Effekte. Und nicht zuletzt verdeutlichen die Ergebnisse von Pro Gesund in der gesellschaftlichen Diskussion mit dem Verbraucher den Willen der Milchviehhalter, das Thema Tierwohl und tiergerechte Haltung aktiv anzugehen.

„Seit dem Projektstart von Pro Gesund wurden rund 65.000 Diagnosen von Tierärzten und rund 2,4 Millionen gesundheitsrelevante Beobachtungen von Landwirten erfasst und verarbeitet“, stellte Brunner dar. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, dass Landwirte, Tierärzte und das LKV hier gemeinsam für die Gesundheit der Rinder arbeiten und einen wichtigen Schritt hin zu mehr Prophylaxe und weniger Behandlungen gemacht haben. „Pro Gesund ist ein freiwilliges Angebot für die Betriebe, und was man freiwillig macht, macht man gut“, so Brunner. Der Minister betonte, dass Bayern mit dem Gesundheitsmonitoring eine Vorreiterrolle in Deutschland einnimmt und auch die Schweiz Interesse an diesem bayerischen Weg bekundet.
Fotos Tobias Hase/StMELF, Abdruck honorarfrei
Naturkäserei TegernseerLand eG in Kreuth
Zum Auftakt der Besuchsreihe hat sich Minister Brunner in der Naturkäserei TegernseerLand eG in Kreuth über das Konzept der genossenschaftlich organisierten Käserei sowie über den Mehrwert für die milchliefernden Familienbetriebe und die ganze Region informiert. Die Naturkäserei, die vor allem Heumilch-Produkte vermarktet, wurde mit den Programmen Marktstrukturverbesserung und VuV-Regio unterstützt.

Minister Brunner lobte die Kooperation, weil alle Akteure in der Wertschöpfungskette eingebunden seien; die Landwirte profitieren von einer guten und stabilen Einkommensquelle, die Gemeinde von einem großen und attraktiven Arbeitgeber und die Region von den Führungen und Veranstaltungen der Käserei sowie vom Absatz an Metzgereien und Hotels bis hin zu Feinkostläden in der Landeshauptstadt. Diesen Mehrwert auf allen Ebenen unterstrichen Hans Leo, Vorstandsvorsitzender der Naturkäserei TegernseerLand eG, Josef Bierschneider, Bürgermeister der Gemeinde Kreuth, Wolfgang Rzehak, Landrat des Landkreis Miesbach, und Harald Gmeiner, Vorstand der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS).

Die Käserei wirbt mit der Region und die Region mit der Käserei, davon zeigte sich Brunner beeindruckt. "Mit ihren Heumilchprodukten sind Sie innovativ und überaus erfolgreich. Und die Nachfrage nach ihren über 20 Käsesorten sowie nach frischem Heumilchjogurt wächst beständig! Ihre TegernseerLand-Produkte sind gefragt!", so Brunner.

Fotos Tobias Hase/StMELF, Abdruck honorarfrei


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