Der Handschlag zweier Personen symbolisiert die Übereinkunft zum freiwilligen Tausch von Grundstücken

Dirlewang
Bodenmanagement zum Hochwasserschutz Dirlewangs und für agrarstrukturelle Verbesserungen

Ein 850 Meter langer Damm staut Hochwasser, ein ingenieurtechnisches Bauwerk reguliert den Durchfluss bei Hochwasser, ein aufgeweitetes und naturnah gestaltetes Bachprofil auf drei Kilometern mit ökologischer Aufwertung und Abflussminderung vor dem Dorf – sie verhindern künftig Millionenschäden an Haus und Hof und vermeiden bei kleineren Starkniederschlägen überschwemmte Grundstücke. Gleichzeitig wurde der landwirtschaftliche Grundbesitz neu geordnet.

Vor diesen Maßnahmen galt für bis zu 100 Häuser in sechs Jahren sechs Mal „Land unter“. Stark betroffen waren neben den vielen Hausbesitzern besonders die landwirtschaftlichen Betriebe mit ihren Stallungen, Maschinen- und Lagerhallen. Heute reißen die Fluten kein Heizöl oder keine Gülle mehr mit - ein Gewinn für die Umwelt. Zudem können die Bürgerinnen und Bürger aufgrund der Hochwasserschutzmaßnahmen und trotz zunehmender Starkniederschläge ruhig schlafen; sie haben deutlich an Lebensqualität gewonnen. Zur Realisierung des Projektes des Freistaates Bayern war das Bodenmanagement der Ländlichen Entwicklung zur Grundbereitstellung und zum Ausgleich der Interessen von den Grundeigentümern, Wasserwirtschaftsverwaltung und Landwirtschaft Wegbereiter.

Landtransfer zum richtigen Standort

Auslöser für die Durchführung des Hochwasserschutzprojekts war letztlich das Pfingsthochwasser im Jahre 1999. Vor der Planfeststellung im Jahre 2004 ereignete sich aber noch einmal ein sehr starkes Hochwasser. Der Markt Dirlewang und seine Bürger drängten folglich auf die rasche Umsetzung des Projektes. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Wasserwirtschaftsamt Kempten von Grundeigentümern bereits 23,6 Hektar Land gekauft. Mit dem Baubeginn Anfang 2005 wurde die Ländliche Entwicklung unverzichtbarer Partner der Wasserwirtschaftsverwaltung, um mit Hilfe des Bodenmanagements diese Flächen in die richtige Lage zu verlegen und die Interessen der einbezogenen Grundeigentümer auszugleichen. Heute stehen die Bauwerke nicht nur aus technischer Sicht am richtigen Ort, sondern auch auf dem Eigentum des Freistaates Bayern. Weiteres gekauftes Land wertet entlang der Mindel die naturnahe Bachachse ökologisch erheblich auf und verhindert bei kleineren Hochwasserereignissen Überschwemmungen der Landschaft.

Als geeignetes Instrument für die agrarstrukturellen Verbesserungen und den Interessenausgleich sah das Amt für Ländliche Entwicklung einen Freiwilligen Landtausch. Voraussetzungen für ein solches Verfahren sind, dass die Grundstückseigentümer die Durchführung beantragen, auf eine Wertermittlung verzichtet werden kann und das vorhandene landwirtschaftliche Wegenetz den Anforderungen genügt. Insgesamt lagen entlang von drei Kilometern der Mindel 21 Grundeigentümer mit 67,8 Hektar in der Projektkulisse. Von Anfang an stand im Fall Dirlewang klar die Umsetzung des Hochwasserschutzprojektes im Vordergrund. So war das Wasserwirtschaftsamt Tauschpartner aller Grundeigentümer, die nicht zu den Verkäufern zählten. Den Grundeigentümern wurden die abgetretenen Streifen von ca. 20 m für den aufgeweiteten Mindellauf flächengleich ersetzt, meist in fast gleicher Lage und mit breiteren Grundstücken. Die Umsetzung des Bodenmanagements erfolgte in acht Monaten.

Herzstück des Projektes

Herzstück des Projektes ist das Durchlassbauwerk im 850 Meter langen Damm mit einer Höhe bis zu 4,5 Metern bei einem Einzugsgebiet von 55 qkm. Es kommt bei den „früheren Land-unter-Ereignissen“ zum Einsatz und reguliert elektronisch mit zwei Schützen den Abfluss des gestauten Hochwassers (Retentionsvolumen 675 000 cbm) auf maximal 13,6 Kubikmeter pro Sekunde. Zusammen mit der auch regulierten Wasserzufuhr aus dem Mühlbach ergibt dies einen schadensfreien Hochwasserabfluss der Mindel von 15 Kubikmeter pro Sekunde durch Dirlewang. Die Projektkosten betrugen 4,8 Mio. Euro einschließlich dem Ausleitungs- und Durchflussbegrenzungsbauwerk am Mühlbach, dem Bau der Straße auf dem Damm, einer Mindelbrücke für die Landwirte, sieben Sohlgleiten, die jetzt elf Absturzbauwerke ersetzen, und der ökologischen Gestaltung der Mindel auf drei Kilometer Länge mit begleitendem Wirtschaftsweg.

Projektträger
Freiwilliger Landtausch Dirlewang, Landkreis Unterallgäu