Dorferneuerung und Gemeindeentwicklung

Tüschnitz
Durch Hochwasserschutz und Denkmalpflege entsteht eine ganz besondere Dorfmitte

Die heute so attraktive Dorfmitte mit den Umrissen einer lange in Vergessenheit geratenen Burganlage war früher nur eine oft überflutete Brachfläche. Eine von einem Bauunternehmer geplante Wohnbebauung wurde nach dem überraschenden Fund der Fundamente einer Niederungsburg gestoppt. Nach der Freilegung und den archäologischen Bestimmungen zur Burg sollten die Überreste wieder verfüllt werden. Doch die Bürgerinnen und Bürger sowie der Markt Küps setzten die Dorfmitte mit Hilfe der Dorferneuerung historisch und für das Gemeinschaftsleben in Wert.

Ein Ort entdeckt seinen Ursprung

Wie in vielen anderen Orten des ländlichen Raums wuchsen auch in Tüschnitz die Neubaugebiete um den Altort. Die Folge war ein vernachlässigtes Dorfzentrum ohne Gemeinschaftsleben. Häufige Überschwemmungen nach starken Regenfällen verschärften diese Entwicklung. Ein Versuch des Marktes Küps zur Verbesserung der Hochwassersituation scheiterte an der Flächenbereitstellung.

Schließlich wagte es ein Bauunternehmer, an dieser zentralen Stelle des Ortes Wohnhäuser zu errichten. Die Bauarbeiten dazu währten jedoch nicht sehr lange. Bei den Baggerarbeiten stieß man auf die Fundamente einer seit Jahrhunderten vergessenen Burganlage. Damit begannen zweijährige Grabungsarbeiten des Landesamtes für Denkmalpflege, um die Reste dieser im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Niederungsburg freizulegen und archäologisch zu bestimmen.

Bei vielen Tüschnitzer Bürgern war nun das Interesse an der Geschichte ihres Ortes geweckt und sie wollten das Zeugnis ihres Dorfursprungs nicht wieder verfüllt wissen. Die Gemeinde kaufte schließlich die Fläche zurück. In der Dorferneuerung hatten nun der Schutz vor Hochwasser und die Gestaltung der Dorfmitte für ein neues Gemeinschaftsleben höchste Priorität. Die Bürger des Dorfes mit rund 800 Einwohnern engagierten sich dabei sehr.

Grundlage Hochwasserschutz

Im Zentrum des Dorfes vereinen sich zwei kleine Bäche und fließen durch den Altort. Bei stärkeren Niederschlägen überfluteten sie die Ortsstraßen sowie die Garagen, Keller und Gärten der anliegenden Hausgrundstücke. Hier Abhilfe zu schaffen war grundlegende Voraussetzung zur nachhaltigen Innenentwicklung des Dorfes.
In Abstimmung mit der Wasserwirtschaftsverwaltung wurden deshalb zwei naturnah gestaltete Wasserrückhaltungen außerhalb des Ortes gebaut. Diese Schutzmaßnahme ist für ein hundertjährliches Hochwasser bemessen. Die benötigten Flächen konnten im Zuge der Bodenordnung bereitgestellt werden. Innerorts wurden die teilweise verrohrten Bäche unter Berücksichtigung des für den Hochwasserschutz erforderlichen Querschnitts renaturiert. Im Einvernehmen mit den Eigentümern der Anliegergrundstücke wurden die Bachbette geringfügig verändert und im neuen Verlauf eigentumsrechtlich gesichert. Im Rahmen der Bodenordnung für die Wasserrückhaltung am Ortsrand ergab sich für einen landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb zugleich die Möglichkeit, hochwasserfreie Flächen für einen Stallneubau zu erhalten.

Dorfzentrum mit Zeugnis des Ursprungs

Das Landesamt für Denkmalpflege willigte ein, die gefundenen Überreste der 1632 zerstörten Burg sichtbar zu lassen und die Umrisse durch neues Mauerwerk nach historischem Befund zur Geltung zu bringen. Die Wassergräben, die einst die Anlage umgaben, wurden durch die Öffnung der Bäche teilweise wieder hergestellt.

Die nun sichtbare Niederungsburg löste unerwartete Initiativen aus. So wurde der Verein „Tüschnitz aktiv“ gegründet mit dem Ziel, eine ökumenische Kapelle zu bauen und die Dorferneuerung durch Ideen, Eigenleistung und Sachspenden zu unterstützen. Mit Hilfe einer stetig wachsenden Zahl an Helfern und Unterstützern war es möglich, neben der Ruine einen neuen Dorfmittelpunkt mit Kapelle, zwei Brunnen, einem Gemeinschaftshaus mit einem kleinen Amphitheater, einem Festplatz, einem großzügigen Abenteuerspielplatz, einer Boule-Bahn, einem Pavillon, einem Pfad der Sinne und einem Backofen zu schaffen. Alles in allem – Jung und Alt bekommen in der Dorfmitte nur noch freiwillig nasse Füße und halten sich dort gerne auf, nahe dem jahrhundertelang verborgenen Zeugnis der Dorfgeschichte.

Projektträger
Dorferneuerung Tüschnitz, Markt Küps, Landkreis Kronach