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Nachhaltige Ernährung (Schritt 5/7)
Gering verarbeitete Lebensmittel bevorzugen

Gering verarbeitete Lebensmittel sind ein wichtiger Aspekt von nachhaltiger Ernährung. Davon profitieren Gesundheit, Umwelt, Genuss und Geldbeutel.

Tiefkühlpizza, fertige Backmischungen, Snacks – in unserer beschleunigten Lebens- und Arbeitswelt greifen wir heute immer mehr zu stark verarbeiteten Lebensmitteln. Diese haben häufig nicht nur eine hohe Energiedichte bei gleichzeitig wenigen Ballast- und sekundären Pflanzenstoffen. Sie werden zusätzlich durch Farbstoffe aufgepeppt, durch Konservierungsstoffe haltbar und durch Aromen schmackhaft gemacht. Wer öfter zu gering verarbeitetem, frischem Essen greift, schont Umwelt und Geldbeutel und tut sich selbst was Gutes.

Stark verarbeitet heißt mehr Energieverbrauch

Und was mehr Energie verbraucht, verursacht auch mehr Treibhausgase. Industriell getrocknete Apfelringe benötigen im Vergleich zu frischen Äpfeln 26-mal mehr Energie und verursachen, auf das Kilogramm bezogen, 40-mal mehr Treibhausgase [1]. Tiefgekühlte Pommes schlagen mit bis zu 29-mal mehr CO2-Äquivalenten als frische Kartoffeln zu Buche [2]. Wer gering verarbeitete Lebensmittel kauft, spart zusätzlich in seiner persönlichen Bilanz: Er verbraucht weniger Transportkilometer, weniger Verpackungsmaterial und weniger Wasser [3].

Kochen als sinnliches und soziales Erlebnis

Wer sich, seine Familie oder Freunde kulinarisch überraschen möchte, wird wohl kaum ein Fertiggericht auftischen. Frische und natürliche Lebensmittel sind – gut zubereitet – ein sinnlicher wie auch aromatischer Genuss. Wer selbst anfängt zu kochen, schätzt die landwirtschaftlichen Rohprodukte wieder stärker und schult seine Kochkünste. Gemeinsames Kochen in der Familie oder in der Gruppe kann Spaß machen und wird heute zum Glück vermehrt als soziales Erlebnis wahrgenommen.

Natürlich voller guter Stoffe

In gering verarbeiteten Lebensmitteln steckt meist wenig Fett, Zucker und Salz. Dafür mehr an lebensnotwendigen und gesundheitsfördernden Substanzen wie Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.

Zum Beispiel werden bei der industriellen Herstellung von weißem Mehl die vitamin- und mineralstoffreichen Randschichten und der Keimling weitgehend abgetrennt. Beim Vollkornmehl dagegen wird das ganze Korn vermahlen.

Wie sich das auswirkt, sehen Sie in der Tabelle.

Die Prozentangaben in der Tabelle beziehen sich auf die größtmöglichen Mengen an Inhaltsstoffen in Brot (Vollkornbrot = 100 %).
     
     
     
     
     
     
     
Inhaltsstoff wichtig für in Vollkornbrot in Weißbrot Weißbrot im Vergleich
zu Vollkornbrot
Vitamin B1 starke Nerven 1,15 mg 0,45 mg 39 %
Vitamin E gute Abwehr 4 mg 3 mg 75 %
Folsäure vitale Zellen 125 µg 75 µg 60 %
Magnesium aktive Muskeln 300 mg 120 mg 40 %
Eisen gesundes Blut 10 mg 3,5 mg 35 %
Ballaststoffe aktiven Darm 42 g 15 g 36 %
Nachhaltige Ernährung bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, alles unverarbeitet bzw. roh zu verzehren. Vielmehr geht es um ein ausgewogenes Maß an erhitzten, verarbeiteten Essensportionen und nicht erhitzten, gar nicht oder gering verarbeiteten Lebensmitteln.

Heimische Landwirtschaft fördern

Fertigprodukte, Süßigkeiten und Alkoholika sind im Vergleich zu Grundnahrungsmitteln häufig relativ teuer; vor allem gemessen an ihrem fragwürdigen Gesundheitswert. Gering verarbeitete Lebensmittel schonen den Geldbeutel und fördern gleichzeitig die handwerkliche Verarbeitung in kleinen und mittleren Betrieben. Bleibt die Wertschöpfung in diesen Betrieben, stärkt dies die Wirtschaftskraft einer Region und sichert oder schafft neue Arbeitsplätze.

Quellen

[1] Hoffmann I: Ernährungsempfehlungen und Ernährungsweisen – Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft, Habilitationsschrift, Fachbereich Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement der Universität Gießen, 2002

[2] GEMIS – Globales Emissions-Modell integrierter Systeme, 4.5, www.gemis.de, 2009

[3] Wiegmann K, Eberle U, Fritsche U, Hünecke K: Umweltauswirkungen von Ernährung – Stoffstromanalysen und Szenarien. BMBF-Forschungsprojekt „Ernährungswende“, Diskussionspapier Nr. 7., Öko-Institut, Darmstadt/Hamburg, 2005

In 7 Schritten zu Nachhaltiger Ernährung