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Vielfalt in der Einheit - Zisterziensische Klosterlandschaften in Mitteleuropa
Auf den Spuren der Zisterzienser im Europäischen Kulturerbejahr 2018

Kirchliche Exponate der Ausstellung
"Ora et labora", bete und arbeite, das ist der wesentliche Grundsatz der Zisterzienser und dies hat bis heute Spuren in der Landschaft hinterlassen. Gegründet in Burgund vor fast 1000 Jahren, ließen sich die Zisterzienser in ganz Europa nieder und errichteten ihre Klöster in meist unbesiedelten Gebieten, da die Ordensregeln für die Klosterstandorte Zurückgezogenheit und Entlegenheit vorschrieben.

Die Mönche legten sumpfige Täler trocken, rodeten dichte Wälder oder kultivierten wildes Ackerland. So hat der Orden seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert überall deutliche Spuren hinterlassen. Noch heute finden sich in und um die Siedlungsgebiete der Zisterzienser viele Besonderheiten, die an die Prägung durch die Mönche erinnern. Für sie wurde der Begriff "Klosterlandschaften" geschaffen.

Mit LEADER die Spuren der Zisterzienser ergründen

Mit Hilfe einer LEADER-Förderung in Höhe von 120.000 Euro wurde in einem einmaligen Kooperationsprojekt die Spur der Zisterzienser in Mitteleuropa aufgenommen. Das Projekt "Vielfalt in der Einheit – Zisterziensische Klosterlandschaften in Mitteleuropa" betrachtet die Primärabtei Morimond in Frankreich und fünf ihrer Tochterklöster: Die Abtei Ebrach und das Kloster Waldsassen in Bayern, Stift Zwettl und Stift Rein in Österreich sowie das Kloster Plasy in Tschechien und erforscht inwieweit die Mönche auch "Landschaftsgestalter" waren. Analysiert und verglichen wurde dabei das bauliche und landschaftliche Erbe der Zisterzienser an den sechs verschiedenen Standorten mit Hilfe von sogenannten Kulturlandschaftsinventarisationen (KLI).

Kulturerbe bedeutet nicht nur Kunst, Literatur, Architektur, sondern auch die durch die Menschen geprägten Landschaften. Dazu gehören alte Wegenetze, Fischteiche und Bewässerungsvorrichtungen, Wirtschaftshöfe, land- und forstwirtschaftliche Nutzungsformen oder auch Pilgerwege, Kapellen oder die prachtvollen barocken Amtsschlösser und Stadthöfe der Zisterzienser.

Wie geht's weiter mit dem Projekt?

Im ersten Projektabschnitt wurden die Klosterlandschaften wissenschaftlich erfasst und dokumentiert. Die Ergebnisse der Analysen wurden 2018 auf einer internationalen Fachtagung vorgestellt und werden nun in einer Ausstellung präsentiert.
Ausstellung vom 2. Juni bis 9. September 2018
Die Ausstellung bildet die von den Zisterziensern in Mitteleuropa seit rund 900 Jahren gelebten Nutzungen und Traditionen ab und zeigt die Wechselwirkungen zwischen Raum und Mensch. Hier gibt es noch weit mehr zu entdecken als blühende Flusslandschaften mit imposanten Klöstern. Neben der Ausstellung werden im Rahmen des Projekts auch Wanderungen, Radtouren und Führungen angeboten, die zum gemeinsamen Spurenlesen anregen sollen.
Die Ausstellung ist vom 2. Juni bis zum 9. September 2018 parallel an 6 Standorten zu sehen. Neben dem Kloster Ebrach und der Abtei Waldsassen in Bayern, ist sie zeitgleich auch in der Abtei Morimond in Frankreich, im Stift Zwettl und Stift Rein in Österreich, sowie im Kloster Plasy in Tschechien zu besichtigen. Im Anschluss wird die Ausstellung eine Rundreise durch die jeweiligen Regionen machen.

Europäisches Kulturerbejahr 2018 (Landratsamt Bamberg) Externer Link

Erstes Europäisches Netzwerk

Ganz im Sinne des Europäischen Kulturerbejahres 2018 verdeutlicht das Projekt, wie viele verbindende, europaweit vergleichbare Elemente in unserer Heimat stecken und wie sich die aus der Fremde kommenden Mönche jeweils den regionalen Gegebenheiten anpassten. Der Zisterzienserorden ist ein Paradebeispiel für ein gut funktionierendes Netzwerk, das sich über die Jahrhunderte erhalten hat. Ganz im Sinne von LEADER halt.