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Deutsches Hutmuseum Lindenberg
Mut zum Hut!

Auch wenn Lindenberg zu den sonnenreichsten Städten Deutschlands zählt – seinen Aufstieg zur Hutstadt des Allgäus verdankt es wohl eher der Tatsache, dass es hier schon immer findige und handwerklich geschickte Menschen gegeben hat, die zudem aus der Not eine Tugend zu machen wussten.

Hut ab vor Lindenberg, dem einstigen „Klein-Paris“ der Hutmode

So soll der Überlieferung nach ein Pferdehändler im 16. Jahrhundert den Grundstein für die jahrhundertalte Huttradition in Lindenberg und Umgebung gelegt haben: Als er in Italien krankheitsbedingt den Winter über ausharren musste, hat er dort die Gelegenheit genutzt, um die Kunst des Strohflechtens und Hütemachens zu erlernen. Anfangs wurden die Hüte lediglich für den eigenen Gebrauch hergestellt. Bald schon jedoch wurden Lindenberger Strohhüte im Hausierhandel und auf Märkten verkauft. Die ersten Hutfabriken des Westallgäus wurden dann in der Biedermeierzeit um 1830 gegründet.

Im Jahr 1900 galt Lindenberg gar als das „Klein-Paris“ der Hutmode: Rund 3000 fleißige Frauen und Männer fertigten damals in hiesigen Werkstätten oder in Heimarbeit mit 34 Pressen und 1500 Nähmaschinen im Jahresdurchschnitt mehr als vier Millionen Strohhüte! Alle Welt trug Hüte aus Lindenberg. Ein richtiger „Renner“ und weit über die Landesgrenzen hinaus bis in die USA exportiert: der Matelot – auch als „Kreissäge“ bekannt.

Dann begann es in den zwanziger Jahren in der Strohhutindustrie zu kriseln. Man versuchte gegenzusteuern. In Italien etwa per verordneter Strohhutpflicht, anderorts mit der Verwendung anderer Materialien wie z.B. Filz, Leder, Dralon oder Pelz. Nach einer kurzen Erholungsphase hatte man dann in den 60er und 70er Jahren grundsätzlich „mit dem Hut nichts mehr am Hut“. Die Folge: zahlreiche alteingesessene Firmen mussten für immer schließen.

Huttornado im Hutmuseum Lindenberg (Foto: Daniel Stauch)

Huttornado im Hutmuseum Lindenberg (Foto: Daniel Stauch)

Vorbildlich unter einen Hut gebracht: Bürger, Fachstellen und Geldgeber

Doch das kulturelle Erbe der Hutmacherei wurde in Lindenberg nie vergessen. So wird die jahrhundertalte Huttradition im ehemaligen Hutfabrikgebäude der Fa. Ottmar Reich mit dem neuen Kulturzentrum Lindenberg fortgeführt. Zur Umsetzung dieses rund 10 Mio. € teuren Gesamtprojekts wurden verschiedene Fachstellen, Verwaltungen und Fördergeber erfolgreich unter einen Hut gebracht.

Da viele in vorbildlicher Weise an einem Strang gezogen haben, konnten der denkmalgeschützte Industriebau saniert, ein Sonderveranstaltungsbereich, eine Erlebnisgastronomie und Kleinkunstbühne, die Touristinformation der Stadt Lindenberg sowie ein Museumsshop eingerichtet werden. „Herzstück“ ist die Deutsche Huterlebniswelt - ein mit rund 1 Mio. € LEADER-Mitteln gefördertes Museum. Nach Meinung von Fachleuten ist es in seiner Art und Größe einzigartig in Bayern, ja ganz Deutschland.

Alles andere als ein alter Hut!

Was man schon jetzt weiß: Das Museum ist alles andere als ein alter Hut! Auf einer Fläche von knapp 1000 m² und über 2 Geschosse werden nicht nur 300 Jahre Hutmode lebendig. In einer didaktisch hervorragend aufbereiteten und modern konzipierten Dauerausstellung lernt der interessierte Besucher auch die besondere Geschichte der Deutschen Hutindustrie, ihre enge Verbindung zur Region Westallgäu-Bodensee sowie den Hut als Kulturfaktor kennen.

Dabei richtet sich das Angebot nicht nur an die heimische Bevölkerung – fast jede Familie hat eine persönliche Verbindung zur Hutfabrikation. Jährlich werden mindestens 30.000 zusätzliche Besucher im Kulturzentrum aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Region Westallgäu – Bodensee erwartet! Erfreuliche Aussichten also für den Wirtschaftsfaktor Tourismus im ländlich geprägten Raum.

Alle unter einem Hut: Ministerialrat Dieter Ofenhitzer, Lindenbergs Bürgermeister Eric Ballerstedt, Deutsche Hutkönigin Norina Mitter, Ethelbert Babl, LEADER-Manager Allgäu – westl. Oberland und Ministerialdirigent Maximilian Geierhos bei der Eröffnung des Hutmuseums (Foto: Thomas Gretler)

Alle unter einem Hut: Ministerialrat Dieter Ofenhitzer, Lindenbergs Bürgermeister Eric Ballerstedt, Deutsche Hutkönigin Norina Mitter, Ethelbert Babl, LEADER-Manager Allgäu – westl. Oberland und Ministerialdirigent Maximilian Geierhos bei der Eröffnung des Hutmuseums (Foto: Thomas Gretler)

Bei Leader wird KOOPERATION groß geschrieben!

Diese Feder kann sich Leader stolz an den Hut stecken: Kein anderes Förderinstrument im ländlichen Raum schafft es seit Jahrzehnten so erfolgreich, engagierte Menschen vor Ort immer wieder dabei zu unterstützen, so beeindruckende Projekte ins Leben rufen. Aus diesen erwachsen Lebensqualität, Gemeinschaftsgeist und eine starke Identifikation mit der Heimat. Ministerialdirigent Maximilian Geierhos, der in Vertretung von Minister Brunner das Hutmuseum offiziell eröffnete, lobte deshalb die Deutsche Huterlebniswelt als ein Vorzeigeprojekt für Kreativität, Bürgerengagement und Kooperation.

Basierend auf einem breiten Bürgerbeteiligungsprozess, der im Jahr 2000 startete, gründete sich aus einem anfänglichen Arbeitskreis ein Geschichts- und Museumsverein. Er wird das Kulturzentrum auch weiterhin ehrenamtlich unterstützen. Geplant ist zudem, mit den beiden noch bestehenden Westallgäuer Hutfabriken sowie mit freien Modistinnen und kleineren Hutmanufakturen in der Region zusammenzuarbeiten.

Ein Ziel der Zusammenarbeit ist etwa die repräsentativen Räume des Museums für aktuelle Präsentationen von Hutkollektionen zu nutzen. Auch Kinder und Jugendliche sollen nicht zu kurz kommen. Für sie werden entsprechende museumspädagogische Angebote entwickelt, die auf den Lehrplan abgestimmt sind und die besondere historische Bedeutung der Hutindustrie in der Region veranschaulichen. Außerdem will man den Austausch zwischen der zuständigen Lokalen Aktionsgruppe (LAG), die das Projekt auf den Weg gebracht hat, und einer italienischen LAG in der Provinz Fermo, dem Zentrum der italienischen Hutindustrie, weiter ausbauen. Womit sich der Kreis wieder schließt.