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Staatsminister Brunner eröffnet die Kartoffelwochen 2015
LEADER-Projekt "Kartoffelland Neuburg-Schrobenhausen"

Sie ist 13.000 Jahre alt und es soll von ihr weltweit 5.500 Sorten geben. Allein über 200 Sorten sind in Deutschland zugelassen. Auch ihr Name ist vielfältig: Grundbirne, Erdapfel, Bodaggn, Grombiera – oder eben Kartoffel. Ein LEADER-Projekt rückt in Neuburg-Schrobenhausen eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Welt wieder verstärkt in den Fokus für Feinschmecker, Ernährungsbewusste und Kochenthusiasten, aus deren Blickfeld die Kartoffel in den letzten Jahren etwas verschwunden war.

Vor 500 Jahren war die Kartoffel bei uns noch völlig unbekannt, heute ist sie ein Grundnahrungsmittel. Als im 16. Jahrhundert die ersten Kartoffeln aus Südamerika nach Europa importiert wurden, dauerte es noch lange, bis man ihre Vielfalt und ihren ernährungsphysiologischen Wert zu schätzen wusste.
Zwar sollen in Deutschland schon 1647 erstmals im oberfränkischen Rehau Kartoffeln auf Feldern - zumindest kurzzeitig - angebaut worden sein. Doch letztendlich waren Kartoffeln fast zwei Jahrhunderte lang nahezu ausschließlich in den botanischen Gärten und den Lustgärten der Fürstenhöfe zu finden. Als Zierpflanze war sie geschätzt: Die hübschen weißen, rosa oder lila Blüten dienten gar als Haarschmuck für noble Frauen. Essen jedoch wollte die Erdäpfel so gut wie niemand.

Eine lang verschmähte Erdknolle schafft es in aller Munde - dank königlicher List

"Morgens rund, mittags gestampft, abends in Scheiben, dabei soll's bleiben, es ist gesund.": Die Kartoffel von Johann Wolfgang v. Goethe

Erst per Gesetz und mit einer königlichen List soll es gelungen sein, der Knolle den Weg auf den Speiseteller zu ebnen. So verpflichtete kein Geringerer als Friedrich der Große in seinem "Kartoffelbefehl" von 1756 die Bauern, auf einem Zehntel ihres Ackerlandes Kartoffeln anzubauen. Dadurch wollte er die wiederkehrenden Hungersnöte bekämpfen.

Angeblich ließ der "Alte Fritz" auch Kartoffeläcker von Soldaten bewachen - und zwar nur, um die Landbevölkerung neugierig auf die unbekannte Feldfrucht zu machen. Mit nachhaltigem Erfolg: Bis heute werden in Deutschland jährlich mehr als 10 Millionen Tonnen geerntet – rund 50 Kilogramm verzehrt jeder Deutsche im Jahr. 

Powerknolle mit großer Bedeutung für Landwirtschaft und Ernährung

Staatsminister Helmut Brunner bei der Eröffnung der Kartoffelwochen im Landgasthof Vogelsang Weichering, Kartoffelkönigin Marina I und Bürgermeister Thomas Mack

(v.l.) Staatsminister Helmut Brunner bei der Eröffnung der Kartoffelwochen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, Kartoffelkönigin Marina I und Bürgermeister Thomas Mack.

In Bayern, mit rund 45.000 Hektar Kartoffelanbaufläche das zweitgrößte Kartoffelland in Deutschland, werden über fast alle Regionen hinweg beste Kartoffeln angebaut. Das deckt sich mit dem Wunsch vieler Verbraucher nach nachhaltig und regional erzeugten Lebensmitteln mit kurzen Transportwegen. Kartoffeln sind beliebt und überaus gesund. Bestehen sie doch zu 77 Prozent aus Wasser und sind daher bei richtiger Zubereitung für eine bewusste Ernährung besonders geeignet.

Ihr Stärkegehalt sowie ihr beachtlicher Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen machen die Kartoffel zu einem kalorienarmen Nährstofflieferanten, der es in sich hat. Die auch "Zitrone des Nordens" genannte Knolle punktet außerdem mit einen besonders hohen Nährstoffertrag pro Hektar hat. Knapp 85 Prozent einer Kartoffelpflanze dienen der Ernährung. Viele Experten halten sie deshalb schlichtweg für das "Nahrungsmittel der Zukunft". Vorbei die Zeiten, in denen ihr das Image des "Arme-Leute-Brots" anhaftete. 

Ausschlaggebend für die "neue Beliebtheit" ist auch ihre Vielfalt in Farben, Formen und im Geschmack - insbesondere was alte und seltene Sorten angeht. Dank ihrer vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten hat sie längst Eingang in die gehobene deutsche Küche gefunden. Besonders erfreulich: mittlerweile hat es dieses Nachtschattengewächs sogar in das Scheinwerferlicht der internationalen Kochszene geschafft.
Die Kartoffel spielt heute aber nicht nur eine wichtige Rolle in der Nahrungsmittelindustrie. Die Kartoffel ist Wirtschaftsgrundlage für viele Landwirte, sie unterhält zahlreiche Arbeitsplätze in Produktion, Verarbeitung und Handel. Und vielerorts sichtbar: der Kartoffelanbau gestaltet unsere Kulturlandschaft und prägt seit vielen Generationen das Leben und die Menschen.

Mit LEADER das Thema Kartoffel von allen Seiten beackern

Geradezu ein Paradebeispiel für Kartoffelanbau ist die Region Neuburg-Schrobenhausen. Mit über 7.000 Hektar ist dies der Landkreis mit der größten Kartoffelanbaufläche in Bayern. Viele Direktvermarkter finden sich hier. Aber auch die Vermehrung von Pflanzgut und die Züchtung regional angepasster Sorten spielen eine herausragende Rolle.
Idealer Nährboden also für die Idee hiesiger engagierte Bürger und Organisationen, ein mustergültiges LEADER-Projekt rund um die tolle Knolle zu starten. Ihr Anliegen ist es, die Kartoffel und den Kartoffelanbau verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken - auch über die Region hinaus. Zudem soll die Bevölkerung über den hohen Wert dieses regionalen Lebensmittels umfassend informiert werden.
"Mit seinen einzelnen Bestandteilen schafft das LEADER-Projekt eine vorbildliche Vernetzung zwischen landwirtschaftlichen Erzeugern, Verarbeitern, Gastronomie und Kultur." lobte Staatsminister Helmut Brunner kürzlich bei der Eröffnung der Kartoffelwochen. "Sie tun damit etwas für die Erzeuger, stärken aber auch den Tourismus und fördern die Lebensqualität in der Region", so Brunner an die Initiatoren weiter.
Die Bürger und Organisationen wollen über zwei Jahre hinweg mit einer breiten, durch LEADER geförderten Palette verschiedenster Aktivitäten "das Thema Kartoffel von allen Seiten beackern", um so eine Renaissance dieser unterschätzten Kulturfrucht einzuläuten. Vorgesehen sind hierzu unter anderem eine Wanderausstellung, ein spannendes Buchprojekt, die Fertigung eines Messestandes, verschiedene Aktionen der Öffentlichkeitsarbeit, eine jährliches Kartoffelfest sowie die Etablierung jährlicher Kartoffelwochen unter Einbeziehung der regionalen Gastronomie jeweils im Oktober. Die diesjährige Eröffnung stellte den Höhepunkt des LEADER-Projektes dar.

Kartoffelfest (Aktionstag zum Kartoffelprojekt)

Historische Kartoffelernte: Kartoffel selbst ernten macht allen sichtlich große Freude