Teil eines Dachstuhls mit zahlreichen Verstrebungen

Obere Vils-Ehenbach
Gemeinsam stärker sein – neun Gemeinden fördern die Energiewende und bauen Brücken zwischen Generationen

Auftraggeberin und eine Jugendliche der Taschengeldbörse bei Gartenarbeiten

Auslöser für den Entschluss, die Entwicklung der Region Obere Vils-Ehenbach gemeinsam voranzutreiben, waren der Strukturwandel in der Landwirtschaft, der Verlust von Arbeitsplätzen durch die Stilllegung der Maxhütte sowie die Randlage am Truppenübungsplatz Grafenwöhr und ungünstige Verkehrsanbindungen an überregionale Wirtschaftsräume. Um diesen Problemen zu begegnen, gründete 1993 das Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz zusammen mit zehn Teilnehmergemeinschaften überörtliche Arbeitskreise. Daraus entstand zunächst 1996 eine Arbeitsgemeinschaft und später dann 1998 die heutige GmbH.

Handlungsfelder und Kooperationsform

Mit einer Vielzahl von Projekten widmet sich die Integrierte Ländliche Entwicklung Arbeitsgemeinschaft Obere Vils-Ehenbach den Handlungsfeldern Wirtschaft, Landwirtschaft & Erneuerbare Energien, Natur, Kultur & Tourismus, Demografische Entwicklung & Soziales, Ländliche Entwicklung, Siedlung & Städtebau sowie Interkommunale Zusammenarbeit.
Außerdem tragen die Kommunen mit einer großen Anzahl von Dorferneuerungs- und städtebaulichen Maßnahmen, Flurneuordnungen und Maßnahmen des Wegebaus zur Stärkung und Weiterentwicklung des ländlichen Raums bei.
Die Kooperation begann unter dem Motto „Vom Standort zum Bewegungsraum“ mit den Kommunen Edelsfeld, Freihung, Gebenbach, Hirschau, Hahnbach und Vilseck 1996 als Arbeitsgemeinschaft Obere Vils-Ehenbach (AOVE). Bis zur Gründung einer GmbH 1998 kamen noch die Stadt Schnaittenbach sowie die Gemeinden Freudenberg und Poppenricht hinzu. Die gemeinsame Geschäftsstelle und deren Projekte werden zum einen über eine Einwohnerumlage, zum anderen über Förderprogramme, namentlich bis 2008 über das Europäische Förderprogramm LEADER, danach über das Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz als Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) finanziert.

Erneuerbare Energie

Schon seit 2002 beschäftigen sich die neun AOVE-Kommunen mit dem Thema Energie. Im selben Jahr fassten alle neun Kommunen in ihren kommunalen Parlamenten den Beschluss, bis 2020 die Region mit 100 % erneuerbarer Energie zu versorgen und das im Energieplan 2020 des Landkreises Amberg-Sulzbach festgelegte Ziel der Reduktion der CO2-Emission um 40 % zu erreichen.
Um diese Ziele zu verwirklichen, wurden verschiedene Bausteine entwickelt. 2003 erfolgte die Gründung der AOVE-Bürgersonnenkraftwerk GmbH, 2010 die der AOVE-BioEnergie eG und 2011 die der AOVE-BürgerEnergie eG. Grundlage für das Handlungsfeld „Energie“ ist das 2009 erstellte Integrierte Klimaschutzkonzept. Die Erfassung des Ist-Zustands sowie die Situations- und Potenzialanalyse für die Verbrauchergruppen Privathaushalte, Gewerbe/Industrie, kommunale Liegenschaften und Verkehr münden in einem zielgruppenspezifischen Maßnahmenkatalog. Die kommunalen Projekte umfassen u. a. die Sanierung des kommunalen Gebäudebestands, Betriebsoptimierung, Ausbau erneuerbarer Energieträger und die Rekommunalisierung der Straßenbeleuchtung. Ab April steht für die nächsten drei Jahre ein über das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geförderter Klimaschutzmanager zur Verfügung, der die Umsetzung dieser Projekte koordinieren wird.

AOVE-Bürgersonnenkraftwerke GmbH

Die beteiligten Kommunen stellen für Photovoltaik-Anlagen kostenlos geeignete Dachflächen auf öffentlichen Gebäuden zur Verfügung. Bürger, Vereine und Unternehmen haben die Möglichkeit sogenannte Solarbausteine zu je 500 € zu erwerben um nachhaltig zum Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz beizutragen. Die Bürgersonnenkraftwerke GmbH übernimmt für die Anteilseigner die Errichtung, Wartung, Verwaltung und betriebswirtschaftliche Abrechnung der Bürgersonnenkraftwerke. Seit 2003 wurden bereits mehr als 1 000 Solarbausteine gezeichnet und elf Photovoltaik-Anlagen gebaut. Bei der ersten Anlage war es noch das größte Problem, die Bürger von der neuen ökologischen Geldanlage zu überzeugen. Inzwischen gibt es sogar Wartelisten für die Solarbausteine!

BioEnergie eG

Ein weiterer Schritt zur Energieregion war 2012 die Gründung einer Energiegenossenschaft. Aufgabe der BioEnergie eG ist die Realisierung von Projekten in allen Bereichen der erneuerbaren Energien: Erzeugung und Verkauf (Windkraft, Solar, Biomasse), Betrieb von Fernwärme- und Stromnetzen sowie die Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzeptes. Als Ziele wurden die Unabhängigkeit von externen Energieversorgern, der Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten und die Bindung von regionalem Kapital definiert. Drei Fernwärmenetze wurden bereits realisiert. Im Rahmen der unternehmerischen Aktivitäten betreibt die BioEnergie eG nicht nur selbst Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien, vielmehr beteiligt sie sich auch an regionalen Projekten wie den beiden Bürgerwindanlagen in Edelsfeld und Freudenberg.

BürgerEnergie eG

Das Motto der im Jahr 2011 ins Leben gerufenen BürgerEnergie eG lautet „Regionales Kapital für regionale Projekte“. Die Genossenschaft, an der bereits über 100 Personen Anteile zu einem Wert von je 2.000 € gezeichnet haben, unterstützt die Ziele einer energieneutralen Region mit höherer Wertschöpfung sowie nachhaltigem Klimaschutz durch intelligente Erzeugung und Verwendung von erneuerbarer Energie. Das Bürgermodell soll eine unmittelbare und breite Beteiligung in allen Formen von erneuerbaren Energien ermöglichen. Zudem soll ein Beitrag zum Ausbau einer nachhaltigen, dezentralen Energieversorgung, zur Regionalisierung der erneuerbaren Energieerzeugung sowie zu Reduzierung der Versorgungsabhängigkeit und Kontrolle der Energiequellen (Energie in Bürgerhand) geleistet werden.

Wir stellen uns dem demografischen Wandel

Ziel ist es, örtlich angepasste Entwicklungsstrategien zu finden und dazu die geeigneten Projekte in die Wege zu leiten in Bereichen, die vom demografischen Wandel betroffen sind. Die Vernetzung aller Einzelaktivitäten und eine konsequente interkommunale Zusammenarbeit sind dabei entscheidende Erfolgsfaktoren und ermöglichen die Umsetzung von Projekten, die sonst aufgrund fehlender „kritischer Masse“ nicht möglich wären.

Alt werden zu Hause

Senioren sollen solange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden und einer vertrauten Umgebung führen können. Die trägerunabhängige Koordinationsstelle ermöglicht kostenlose Beratungen, regelmäßige Besuchsdienste durch ehrenamtliche Alltagsbegleiter, die Vermittlung von Dienstleistungen sowie die Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen und Kursen. Eine ehrenamtliche Wohnanpassungsberatung, die Taschengeldbörse und Bewegungsangebote für Hochbetagte ergänzen das Projekt. Als Ansprechpartner stehen die jeweiligen Seniorenbeauftragten für die älteren Menschen in der Region zur Verfügung. Die Seniorenbeauftragten der Verwaltung dienen als Anlaufstelle für Rat suchende Senioren z.B. bei Behördenangelegenheiten, vermitteln entsprechende Fachstellen und geben Hilfestellung bei Formularen. Die Seniorenbeauftragten im Bereich der Kommunalpolitik sind als Mitglieder des Stadt-, Markt- oder Gemeinderates für den Aufbau und die Organisation eines runden Tisches „Senioren“ verantwortlich. Als drittes Standbein gibt es die ehrenamtlichen Seniorenbeauftragten, die die Interessen, Wünsche und Anregungen der älteren Menschen gegenüber den kommunalen Gremien und der Verwaltung vertreten. Zudem kümmern sie sich um die Umsetzung der Projekte.

Die Taschengeldbörse: Hilfe für Senioren und Jobs für Jugendliche

In enger und gut abgestimmter Zusammenarbeit mit der kommunalen Jugendpflege des Landkreises, dem Kreisjugendring, dem Jugendbeauftragten und der Politik werden – gefördert über den Bayerischen Umweltfonds – gemeinsam Projekte entwickelt und umgesetzt. Jungbürgerversammlungen, ein interkommunales Ferienprogramm für Jugendliche, Taschengeldbörse sowie die Forschungswerkstatt Heimat sind hier zu nennen. Die Taschengeldbörse für Jugendliche ist ein gemeinsames Projekt der Kommunen, um die Kontakte und das Verständnis zwischen den Generationen zu fördern. Sie verbindet Senioren, Familien und Berufstätige, die Hilfe bei kleinen Arbeiten benötigen, mit Jugendlichen, die Jobs suchen, um ihr Taschengeld aufzubessern. Mit Tätigkeiten wie Einkaufen, Rasen mähen, Computerhilfe etc. entstehen Brücken zwischen Generationen.

Innenentwicklung und Flächenmanagement

Im Rahmen des Projektes Innenentwicklung und Flächenmanagement wurden die innerörtlichen Leerstände nach Fläche und Bestand erhoben, die Ergebnisse kartografisch visualisiert und mit Einverständnis der Eigentümer in der AOVE-Internetpräsentation veröffentlicht. Im nächsten Schritt werden Konzepte für die Leerstände entwickelt.
Das Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz hat die Bearbeitung und Umsetzung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes gefördert und fachlich begleitet. Dazu gehören z.B. die finanzielle Unterstützung der Geschäftsstelle, die Förderung des „Interkommunalen Boden- und Flächenmanagements in der AOVE“ und die Durchführung von 35 Vorhaben. Im gesamten ILE-Gebiet sind dies zehn Flurneuordnungs-, sechs Dorferneuerungs- und zehn kombinierte Verfahren sowie fünf einfache Dorferneuerungen, zwei Erschließungsvorhaben und drei Freiwillige Landtäusche. Dafür stehen rund 16 Mio. Euro an Fördermitteln bereit.

Nachhaltig Bauen

Im Rahmen des Projekts „Nachhaltig Bauen“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Amberg-Sulzbach und seiner Volkshochschule ein Internet-Ratgeber erarbeitet. Er hilft Bauherren mit vielen praktischen Tipps und Ratschlägen, ein gesundes und schadstofffreies Wohnumfeld zu schaffen – sowohl bei einem Neubau, einer anfallenden Sanierung oder bei Modernisierungsmaßnahmen. Im Internet gibt es dazu Tipps und Hinweise zu landschaftsgerechtem, ökologischem und energiesparendem Bauen, zu Fördermöglichkeiten sowie Kontaktadressen für die weitere Informationssuche.

Heimat erhalten – Kulturen verbinden

Unter diesem Motto arbeiten die regionalen Akteure an der ständigen Weiterentwicklung des kulturellen Angebots entlang der Goldenen Straße, die früher einer der wichtigsten Handelswege zwischen den Metropolen Nürnberg und Prag war. Schwerpunkte dabei sind der Ausbau von Kulturführungen und Naturtouren sowie die Vermarktung der Osterbrunnen.
Das Karpfenland Mittlere Oberpfalz liegt in der Gebietskulisse des Europäischen Fischereifonds. Zu den Zielsetzungen des Förderprogramms gehören der Ausbau der touristischen Bedeutung, die Vermarktung sowie der Erhalt der landschaftsprägenden Teichgebiete. Als Projekte in der AOVE-Region sind u.a. Fischwochen, der Fischlehrpfad Kümmersbuch sowie ein Infozentrum Fisch/grünes Klassenzimmer geplant.
Auch die Entwicklung der Gewässer III. Ordnung gehen die AOVE-Kommunen gemeinsam an. Ziel des Projektes ist die Sicherung bzw. Wiederherstellung naturnaher, intakter Fließgewässer im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Projektträger
Integrierte Ländliche Entwicklung Arbeitsgemeinschaft Obere Vils-Ehenbach mit den Kommunen Edelsfeld, Freihung, Freudenberg, Gebenbach, Hahnbach, Hirschau, Poppenricht, Schnaittenbach und Vilseck, alle Landkreis Amberg-Sulzbach