Leicht hängige Ackerlandschaft mit blühendem Rapsfeld am Bildhorizont. Auf drei von vier weiteren Feldern ist die Saat aufgegangen. Bebuschte Raine strukturieren die Landschaft.

Nurn
Mit Flurneuordnung und Bodenordnung zum Pilotprojekt für Beweidung von Grünland im Frankenwald

In einer Flurneuordnung werden Maßnahmen durchgeführt, die Flächen beanspruchen. Die Teilnehmergemeinschaften als Projektträger sind nach Naturschutzrecht verpflichtet, im Gegenzug Ausgleichs- und Ersatzflächen bereit zu stellen. Die Teilnehmergemeinschaft Nurn wollte aber diese Flächen nicht nur schützen, sondern auch weiterhin landwirtschaftlich nutzen. So weidet heute auf neun Hektar extensiv genutztem Grünland einer Rodungsinsel eine Rinderherde. Zusätzlich wurde auch die Initiative „Weidewelt-Vieh(l)falt im Frankenwald“ des Bundes Naturschutz unterstützt.
Die Idee zu diesem naturnahen Weidegebiet reifte im Rahmen der Neuordnung des Grundbesitzes in der Flurneuordnung Nurn. Bis dahin war noch etwa die Hälfte der heutigen Weidefläche in intensiver Ackernutzung. Andere Flächen dienten bereits vorher dem Staatlichen Bauamt Bamberg als Ersatz- und Ausgleichsflächen.
Erleichternd kam bei der Neuverteilung des Grundbesitzes hinzu, dass die Teilnehmergemeinschaft 6,3 ha Acker- und Grünlandflächen erwerben und so auf Anforderungen zur Zusammenlegung und Landnutzung flexibel eingehen konnte. Dadurch konnte das nicht sehr ertragreiche Ackerland an anderer Stelle abgefunden und eine extensive Grünlandfläche ausgewiesen werden. Seit Sommer 2011 grast nun dort eine Galloway-Herde mit sieben Rindern und mehreren Kälbern, die auf der Weide ausreichend Futter vorfinden. Den Winter verbringen sie im Stall eines benachbarten Dorfes.

Beitrag zur Naturschutzinitiative

Während der Flurneuordnung arbeitete der Bund Naturschutz Kreisgruppe Hof an der Initiative „Weidewelt-Vieh(l)falt im Frankenwald“, um die artenreichen Wiesen des Naturparks Frankenwald mit extensiver Weidehaltung von Rindern zu erhalten. Das Nurner Beweidungskonzept brachte daher nicht nur erforderliche Ersatz- und Ausgleichsflächen, sondern ist auch ein Pilotprojekt zum Pflege- und Entwicklungsplan des Naturparks. Damit werden solche ertragsschwachen Hochflächen im Frankenwald offen gehalten bzw. vor einem Brachfallen oder einer Aufforstung bewahrt.

Institutionen kooperieren vorbildlich

Landwirtschaft, Naturschutz und Gemeinde - alle profitieren dank der guten Zusammenarbeit der Behörden und Institutionen. Eigentümer der Weideflächen sind nun die Marktgemeinde, der Bund Naturschutz und der Freistaat Bayern. Zwei Nebenerwerbslandwirte aus der Gemeinde haben die Weideflächen langfristig gepachtet und erwirtschaften Zusatzeinkommen. Das Fleisch wird unter dem Label der Initiative „Weidewelt-Vieh(l)falt im Frankenwald“ von sechs regionalen Metzgereien vermarktet, die den Erzeugern 40 Cent mehr pro Kilogramm Rindfleisch bezahlen und die Nachfrage kaum befriedigen können.

Infrastruktur des Projekts

Die Teilnehmergemeinschaft Nurn hat auf dieser Weide 25 Laubbäume sowie rund 3 000 Sträucher als schützende Heckenstrukturen gepflanzt. Derzeit schützt noch ein einfacher Unterstand die Tiere vor Sonne, Wind und Regen. Ein solarbetriebener Elektrozaun grenzt die Weide ein. Die automatische Viehtränke wurde an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Erfreulicherweise konnten für die Pflanzungen und Einrichtungen fast 30.000 € an Zuschüssen bereitgestellt werden.

Naturschutzfachliches Monitoring

Die Entwicklung dieses Pilotprojektes hinsichtlich der Artenvielfalt auf der Weidefläche wird in einem Monitoring von einem Büro für ökologische Studien wissenschaftlich begleitet. Es stellte sich bereits in der zweiten Beweidungsperiode eine positive Entwicklung von Fauna und Flora heraus. Das zeigt, dass diese naturschutzrechtlich notwendigen Ausgleichs- und Ersatzflächen weiterhin so genutzt werden können. Dadurch entstehen den Grundeigentümern auch in Zukunft keine Aufwendungen für die Pflege dieser Flächen und sie können sogar eine Pachteinnahme verbuchen. Mittlerweile sind die Weiderinder zu einer Attraktion im Naturpark Frankenwald geworden.

Projektträger
Flurneuordnung Nurn, Markt Steinwiesen, Landkreis Kronach