Leicht hängige Ackerlandschaft mit blühendem Rapsfeld am Bildhorizont. Auf drei von vier weiteren Feldern ist die Saat aufgegangen. Bebuschte Raine strukturieren die Landschaft.

Blindheim - Gremheim
Flurneuordnung im Dienste der Landesentwicklung - so wurden in hochsensiblem Naturraum Interessen koordiniert

Landwirtschaftliche Nutzfläche umgeben von Seen, Wald und einem mäandrierenden Bach

Das Donauried liegt an der Donau zwischen Gundelfingen und Donauwörth und bildet etwa die Hälfte der Gebietskulisse des 1989 vom Bayerischen Landtag initiierten Gesamtökologischen Gutachtens Donauried. Das Donauried ist ein äußerst hochwertiges Element der europaweiten Biotopverbundachse vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer. Ziel des Gutachtens ist, die vielfältigen Landnutzungsinteressen zu koordinieren. In den Flurneuordnungen Blindheim und Gremheim mit insgesamt 2 800 Hektar war es Aufgabe, die Interessen zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Hochwasserschutz in Einklang zu bringen.

Hochwasserschutz und Naturschutz

Vor der Flurneuordnung waren in der Flur von Blindheim und Gremheim nur wenige ökologische Strukturen vorhanden. Selbst die zahlreichen Mulden wurden für den Feldfruchtanbau genutzt. Bereits kleinere Hochwässer überschwemmten diese Mulden einschließlich vieler der Äcker (84 %) und Wiesen (16 %). Nun halten 194 Hektar Mulden, von denen viele vertieft und erweitert wurden, sowie neu angelegte Gräben das Hochwasser (rund 1 Mio. cbm) länger in der Landschaft zurück ohne den Abfluss zu beschleunigen und reduzieren die Häufigkeit von Hochwasserschäden immens. Hinzu kommt eine zweite und besondere Funktion der Mulden und Gräben: Als im Grundbuch gesicherte Streuwiesen tragen sie zusammen mit weiteren 69 Hektar extensiv genutzten Wiesen mit Flachwassermulden und Wiesenstreifen im Wesentlichen das Biotopverbundsystem! Zahlreiche Mulden bieten Wiesenbrütern und Amphibien mehr Lebensraum. Mittlerweile wird der Kiebitz, ein Wiesenbrüter, vermehrt gesichtet. Alle hoffen nun, dass auch ein Storch zurückkommt.

Bodenmanagement macht flexibel

Mit dem Bodenmanagement in der Flurneuordnung konnten 25 Hektar Eigentum der Wasserwirtschaftsverwaltung in eine nun ehemalige Zuckerrübenlage gelegt werden. Dort werden nun mit Hilfe eines genauen digitalen Geländemodells die Hochwasserrückhaltemöglichkeiten (rund ¼ Mio. cbm) optimiert und ein neuer Damm angelegt. Die Fläche wurde bereits aus naturschutzfachlicher Sicht modelliert und wird durch etwa 15 Mutterkühe extensiv genutzt. So erwirtschaftet sich ein Haupterwerbslandwirt Zusatzeinkommen. Nachdem Landwirte einverstanden waren, für ihre rund 40 Hektar anderswo Ersatz zu bekommen, kann jetzt die Wasserwirtschaftsverwaltung wie geplant die grundsätzliche ökologische Funktion für rund 700 Hektar Auwald verbessern und die Flächen für den Hochwasserschutz aktivieren. Außerdem wurden mit dem Bodenmanagement Gemeindegrund und vor allem auch 17,6 Hektar aus aufgelösten Rechtlergrundstücken in die Trasse der Kreisstraße DLG 23 verlegt.

Flurneuordnung rechnet sich für die Landwirte

Die 18 Haupt- und 19 Nebenerwerbsbetriebe in Gremheim haben ausgerechnet, dass die Senkung ihres Bewirtschaftungsaufwands durch die Zusammenlegung der Grundstücke im Verhältnis 5 : 1 einem Wert von 250 000 Euro entspricht. Dabei blieben die Vorteile des ökonomisch und ökologisch bedarfsgerechten Wegenetzes ebenso unberücksichtigt wie die Kosteneinsparung aus neuen gemeinschaftlichen Maschinenhallen und Fahrsilos. Aufgrund der Agrarstruktur in Blindheim - nur noch ein Haupterwerbs- und 20 Nebenerwerbsbetriebe - und der naturräumlichen Gliederung liegen das Zusammenlegungsverhältnis und somit die betriebswirtschaftlichen Vorteile etwas niedriger.

Umsetzungsorientierte Dienstleistung

Dank der Flurneuordnung in Blindheim und Gremheim ist aus den Vorbehalten der Landwirte gegenüber den angestrebten Zielen des Gesamtökologischen Gutachtens nun Verständnis geworden. Die Projekte standen im Dienste der Landesentwicklung und sind beispielgebend für sechs weitere Flurneuordnungen, in denen zusätzliche Ziele des Gutachtens wie Kiesabbau, Stromerzeugung, Trinkwasserschutz und -gewinnung, Freizeit und Erholung zu verfolgen sind. Die verantwortlichen Behörden sind sich einig: Nur mit dem Bodenmanagement, nur mit den umsetzungsorientierten Dienstleistungen Flurneuordnung und Dorferneuerung kann das Gutachten optimal, eigentumsfreundlich und mit hoher Zustimmung umgesetzt werden. Insbesondere werden genauso wie in Blindheim und Gremheim Maßnahmen der Dorferneuerung die Vitalität in den Dörfern erheblich verbessern.

Projektträger
Dorferneuerungen und Flurneuordnungen Blindheim und Gremheim, Gemeinden Blindheim und Schwenningen, Landkreis Dillingen a. d. Donau