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Altenau
Ein Dorf wird Wirt – mit viel Leidenschaft, Engagement und Fleiß holten sich die Altenauer ihr Wirtshaus zurück

Über zehn Jahre stand das Gasthaus zur Post leer. Die „Post“ war aber nicht irgendein Wirtshaus, sondern das Zentrum der Altenauer Dorfgemeinschaft. Die Bürger verbinden mit ihrem Wirtshaus viele schöne Erinnerungen und gemeinsame Feste. Mit dem leeren Gasthaus ging ein wesentliches Element der Altenauer Identität verloren. Bereits beim Startseminar zur Dorferneuerung an der Schule der Dorf- und Landentwicklung in Thierhaupten wurde der Wunsch nach einer Dorfwirtschaft mit Gemeinschaftssaal formuliert. Bei der anschließenden Vorbereitungsplanung war in den Arbeitskreisen die leer stehende Dorfwirtschaft ein immer wiederkehrendes Diskussionsthema.

Vor dem Verkauf gerettet

Als im Juni 2012 das Gasthaus zur Post zum Verkauf stand, griffen engagierte Altenauer die Idee zur Wiedereröffnung des Gasthauses auf und suchten Lösungen zum Erwerb. Die Befürchtung, dass durch einen raschen Verkauf der Mittelpunkt des dörflichen Lebens endgültig verschwindet und durch rein kommerzielle Nutzungen ersetzt wird, war der Antrieb für schnelles Handeln. Mit weiteren Interessenten bildete sich die Projektgruppe „Ein Dorf wird Wirt“. Sie legten den Grundstein zur Rettung ihrer „Post“.

Ein Dorf wird Wirt

Die Projektgruppe informierte sich bei verschiedenen Stellen über Voraussetzungen und Finanzierungsmöglichkeiten zur Umsetzung der Idee der Dorfwirtschaft. Rasch hatten sie ein tragfähiges Genossenschaftsmodell ausgearbeitet. Mit den von Bürgern zugesagten Beteiligungen in Höhe von ca. 425.000 Euro im Rücken ging die Projektgruppe in eine Informationsveranstaltung zur Dorfwirtschaft. Mit überwältigender Mehrheit standen die Altenauer hinter dem Projekt und die fortan intensive Beteiligung vieler Altenauer Bürger ließ nicht lange auf sich warten. Bestes Beispiel waren die noch fehlenden 95.000 Euro zur Finanzierung, die weitere Bürger binnen weniger Tage beisteuerten.

Zwei Genossenschaften – ein Ziel

Am 19. Mai 2013 gingen die zwei Genossenschaften zum Betrieb des Altenauer Dorfwirtshauses an den Start. Die sogenannte „Objektgenossenschaft“ kaufte die Immobilie. Sie hatte zudem bereits das geeignete junge Wirtsehepaar als Pächter der Gastwirtschaft gefunden. Die „Dorfsaalgenossenschaft“ sanierte den ehemaligen Saal des Gasthauses mit finanzieller Unterstützung durch die Dorferneuerung und betreibt nun den neuen Gemeinschaftssaal. Jetzt sind für die Öffentlichkeit und die Vereine geeignete räumliche Voraussetzungen vorhanden. Mit dem neuen Dorfsaal werden Gemeinschaft und Zusammenhalt im Dorf gestärkt und das kulturelle Angebot gefördert.

Fleiß und Liebe zum Detail

Mit viel Leidenschaft, Engagement und Fleiß arbeiteten von Frühjahr 2013 bis August 2014 viele freiwillige Helfer jedes Wochenende an der Revitalisierung ihres Wirtshauses. Gemeinsames Arbeiten von Jung und Alt fördert den Zusammenhalt – diese Erkenntnis bewahrheitete sich auch in Altenau. Bis zu 30 Personen trafen sich regelmäßig auf der Baustelle und packten an. Zusammen haben sie rund 20 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet.

Bei den Sanierungsarbeiten kam auch Verborgenes hervor, für das die tatkräftigen Handwerker viel Gespür bewiesen. Hinter den Küchenfliesen entdeckten sie eine Wand mit historischen Ettaler Tonziegeln, die mit viel Liebe gesäubert und saniert wurde. Dieses Mauerwerk ist nun der Blickfang in der Gaststube. Auch der Klimaschutz genießt hohen Stellenwert: Das gesamte Gebäude wird über ein Nahwärmenetz mit Holzhackschnitzeln beheizt und ist mit modernster Technik ausgestattet.

Gebührende Eröffnung

Die Eröffnung des Wirtshauses wurde gebührend begangen: Sie dauerte mit einer offiziellen Eröffnung, einem Bauarbeiterfest mit 120 Personen sowie einem Tag der offenen Tür insgesamt drei Tage!

Das Bayerische Fernsehen würdigte die Eröffnung des „Altenauer Dorfwirts“ und war später zu einer Live-Sendung einen Tag in Altenau. Denn das sensationelle Engagement und die Idee der Wirtshausrettung hatte die Fernseh-Leute von Anfang an so begeistert, dass sie über das Projekt wöchentlich in der Sendung „Wir in Bayern“ und im Rundfunk BR 1 berichteten. Der Altenauer Dorfwirt ist ein Vorzeigebeispiel für Bürgerengagement und beweist: „So kann Wirtshausrettung in Bayern funktionieren.“

Projektträger
Dorferneuerung Saulgrub, Landkreis Garmisch-Partenkirchen