Le Headerbild Dorferneuerung Gemeindeentwicklung

RSS-Feed Pressemitteilungen des StMELF

Immer aktuell informiert über die Pressemitteilungen des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF).

Aufruf des Presse-RSS-Feeds

Fraunberg
Pioniergemeinde der Gemeindeentwicklung und für eine moderne Bauleitplanung

Landschaftsaufnahme aus der Vogelperspektive. Wiesen, Felder, Wälder und zahlreiche Ortschaften. Am linken Horizont der Flughafen München.

In unmittelbarer Nähe zum Flughafen München gelegen, unterliegt die Gemeinde Fraunberg mit ihren 42 Ortsteilen seit vielen Jahren einem enormen Veränderungs- und Anpassungsdruck. So ist die Zahl der Einwohner von 2700 auf 3450 gestiegen, allerdings fast ausschließlich in den Hauptorten. Dagegen drohte in den kleineren Ortsteilen Leerstand und Überalterung. Mit einem aktiv betriebenen Gemeindeentwicklungsprozess haben sich Gemeinde und Bürger entschlossen, mit Unterstützung der Ländlichen Entwicklung und externer Experten neue Wege zu beschreiten, die Entwicklung aktiv zu steuern und dabei vitale Dörfer zu erhalten und den Flächenverbrauch zu reduzieren.

Neue Lösungsstrategien entwickelt

Schon seit 1993 betreute das Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern im Ortsteil Maria Thalheim eine Dorferneuerung mit intensiver Mitwirkung der Bürger. Bald zeigte sich der Bedarf, in weiteren Ortsteilen Dorferneuerungsmaßnahmen durchzuführen. Im Rahmen eines Seminars an der Schule der Dorf- und Landentwicklung Thierhaupten im Jahr 1999 wurde jedoch deutlich, dass für die Gemeinde eine umfassende Strategie für das gesamte Gemeindegebiet erforderlich ist, um die Probleme zu lösen und eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen.

Pionier der Gemeindeentwicklung

In einem daraufhin im Jahr 2002 von der Ländlichen Entwicklung initiierten und begleiteten Modellprojekt zur Gemeindeentwicklung erarbeiteten die Gemeinde Fraunberg und ihre Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Experten ein Handlungs- und Entwicklungskonzept. Zur gemeindeweiten Realisierung der Planungen leitete das Amt für Ländliche Entwicklung auf dieser Grundlage die „Gemeindeentwicklung Fraunberg“ ein, das erste Projekt dieser Art in Bayern. Das Amt unterstützt die Gemeinde durch finanzielle Förderung, Bauberatung, Umsetzung von Baumaßnahmen sowie Bodenordnung.

Schwerpunkte des Handelns

Die Erhaltung der Kulturlandschaft ist das zentrale Leitbild in der Gemeinde Fraunberg. Diese ist geprägt von Feldern und Wäldern sowie den Dörfern und Weilern im Außenbereich. Ein Schwerpunkt des Handlungs- und Entwicklungskonzepts lag deshalb von Anfang an darauf, attraktives Wohnen und Arbeiten auch in den vielen Ortsteilen möglich zu machen. Dazu sollte
  • die gezielte Ansiedlung von Gewerbe in untergenutzten oder leer stehenden Hofstellen gefördert und mit Bauberatungen unterstützt,
  • die Entwicklung von lebendigen Ortskernen sowie eine nachhaltige Innenentwicklung gefördert und
  • eine ausreichende Nahversorgung erhalten und weiterentwickelt werden.

Inovative Bauleitplanung und Umnutzung von landwirtschaftlichen Anwesen

Eine der wesentlichen Erkenntnisse in Fraunberg war: Die Gemeinde muss neue Wege in der Bauleitplanung beschreiten, um alle Ortsteile ausgewogen und gemeinsam entwickeln zu können. So wurden bereits für Gewerbegebiete geplante Flächen aus dem Flächennutzungsplan gestrichen und stattdessen die Grundlagen geschaffen, um leer stehende landwirtschaftliche Hofstellen für Handwerk und Gewerbe umzunutzen. Dazu wurde als Innovation im Flächennutzungsplan die neue Kategorie „erhaltenswerte Kulturlandschaft“ eingeführt, die sich über das gesamte Gemeindegebiet erstreckt. Der Außenbereich bleibt so nicht mehr allein den privilegierten Vorhaben der Land- und Forstwirtschaft vorbehalten.

Bei den Vorgaben für die Weiterentwicklung steht der schonende Umgang mit Grund und Boden und damit das Flächensparen immer im Vordergrund:
  • die Innenentwicklung steht vor der Außenentwicklung,
  • Nutzungsänderungen in der bestehenden Bausubstanz werden gefördert,
  • eine maßvolle Weiterentwicklung der Siedlungsflächen und Ersatzbauten sollen möglich sein und
  • Neuausweisungen von Bauflächen sollen minimiert werden.
Entsprechend der Zielsetzungen wurden mehrere, teilweise leer stehende landwirtschaftliche Anwesen umgebaut und mit neuen Nutzungen belebt. So siedelte sich in Maria Thalheim ein Betrieb für Feinmechanik in einem größeren landwirtschaftlichen Anwesen an. Stall und Nebengebäude wurden entsprechend saniert. Im Ortsteil Bachham entstanden in einem ehemaligen Wohnstallhaus und in Nebengebäuden ansprechende Ferienwohnungen.

Verein für Bürgerbeteiligung

Die Gemeindeentwicklung Fraunberg zeichnet sich auch durch eine neue und besondere Form der Bürgereinbindung aus: Der eigens gegründete „Gemeindeentwicklungsverein“ fungiert als Schnittstelle zwischen Bürgern, Gemeinderat und Vorstand der Teilnehmergemeinschaft. Jedem Dorfbewohner bietet sich hier die Möglichkeit, sich in den Entwicklungsprozess aktiv einzubringen. In Projektgruppen werden neue Ideen besprochen und dann im Verein abgestimmt, bevor sie dem Vorstand der Teilnehmergemeinschaft und dem Gemeinderat vorgelegt werden. Der Gemeinderat wird so entlastet und das Bürgerengagement unterstützt.

Grucking - Ortsteil mit Eigenentwicklung

Besonders beispielhaft für die Gemeindeentwicklung Fraunberg ist das 250-Einwohner-Dorf Grucking. Nach dem Erwerb und Abriss einer alten Hofstelle konnten neue Bauplätze in zentraler Lage ausgewiesen und der Dorfplatz neu gestaltet werden. Regelmäßig finden hier Festlichkeiten oder sonstige Veranstaltungen wie das Gruckinger Eisstockschießen statt. Das neue Buswartehaus dient zugleich als Schenke bei Dorffesten. Mit dem angrenzenden Spielplatz sind auch Kinder und Jugendliche in die Dorfmitte eingebunden. Eine ansprechend gestaltete Dorfstraße und ein sicherer Geh- und Radweg an der neu ausgebauten Kreisstraße komplettieren die Maßnahmen in der Ortsmitte von Grucking.

Neue Dorfmitte Fraunberg

Nach dem Erwerb des leer stehenden Anwesens zwischen Kirche und Schloss Fraunberg kann eine zentrale Baumaßnahme der Gemeindeentwicklung Fraunberg umgesetzt werden: Die neugestaltete Fraunberger Dorfmitte. Prägend ist der moderne Neubau, in dem das Rathaus und das Bürgerhaus unter einem Dach sind.

Der neue Dorfplatz wird zum Aufenthalts- und Erlebnisbereich für die Bürger. Eine moderne Platz¬überdachung bietet beste Voraussetzungen für kul¬turelle Veranstaltungen. Eine Umgehung für die Staatsstraße wurde nicht forciert. Vielmehr soll die Verkehrsfläche deutlich reduziert und die Durch¬fahrtsgeschwindigkeit verringert werden. Ein Geh- und Radweg entlang der Ortsdurchfahrt wird die Verkehrssicherheit weiter erhöhen und die Dorfmitte mit den Freizeitanlagen westlich der Flussaue verbinden.

Projektträger
Gemeindeentwicklung Fraunberg, Landkreis Erding