Leicht hängige Ackerlandschaft mit blühendem Rapsfeld am Bildhorizont. Auf drei von vier weiteren Feldern ist die Saat aufgegangen. Bebuschte Raine strukturieren die Landschaft.

Hannesried
Auerochsen in der Markbachaue verbinden Landwirtschaft mit Naturschutz und Landschaftspflege

Landschaftsaufnahme aus der Vogelperspektive. Wiesen, Felder, Wälder und einige Ortschaften. Am Horizont erstrecken sich bewaldete Höhenzüge.

Für die strukturschwache, landwirtschaftlich geprägte und landschaftlich reizvoll gelegene Gemeinde Tiefenbach hat die Flurneuordnung die richtige Hilfestellung geboten. Das landwirtschaftliche Wegenetz war unzureichend und entsprach nicht den Anforderungen der modernen Landwirtschaft. Der Grundbesitz war stark zersplittert, die Grundstücke ungünstig geformt und viele Grenzen unklar. Ein neu ausgebautes Wegenetz, zusammengelegte landwirtschaftliche Flächen und umfangreiche ökologische Maßnahmen machen Hannesried zusammen mit den verbessernden Maßnahmen der Dorferneuerung nun zu einem noch attraktiveren Lebens- und Wirtschaftsraum.

Zukunftsfähige Landwirtschaft

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und das sinkende Einkommen veranlassten die Landwirte, über die Möglichkeiten und Chancen einer Flurneuordnung nachzudenken. Sie erkannten: Die dringend notwendigen Verbesserungen des Wegenetzes, eine Vergrößerung der Wirtschaftsflächen und die Sicherung des Eigentums konnten nur mit einer Flurneuordnung erreicht werden. Das Projektgebiet umfasst eine Fläche von 325 ha Fläche.

Die Erschließung der Grundstücke erfolgt über ein bedarfsgerechtes Wegenetz. Beim Bau der rund 9,5 km Wirtschaftswege wurde darauf geachtet, die Kosten und den Flächenverbrauch gering zu halten sowie die Trassenführung an die naturräumlichen Gegebenheiten anzupassen. Besonders hervorzuheben sind die naturnah gestalteten Wegseitengräben. Sie dienen zugleich der Wasserrückhaltung und der Bereicherung des Landschaftsbildes.

Einklang von Ökologie und Landwirtschaft

Zahlreiche ökologische Maßnahmen zur Erhaltung und Gestaltung der Kulturlandschaft belegen das große Interesse und Engagement der Landwirte und Grundstückseigentümer. Sie prägen heute das Landschaftsbild und stärken in hohem Maße den Naturhaushalt. Im Vordergrund stand dabei die Schaffung eines Biotopverbundsystems mit der Vernetzung von Landschaftsbestandteilen. Die Entwicklungsachsen sind die natürlichen Gräben, die Wegseitengräben und Gewässer.

Dank der Bereitschaft der Grundstückseigentümer konnten am Markbach große Flächen als Uferschutzflächen ausgewiesen und entlang vieler Wege naturnah gestaltete Wegseitengräben mit breiten Versickerungsmulden umgesetzt werden. Im gesamten Projektgebiet wurden viele neue Hecken und Bäume gepflanzt.

Kinder bauen Insektenhotels

Auch die Kinder von Hannesried haben einen wichtigen ökologischen Beitrag geleistet und mit großer Begeisterung zahlreiche Insektenhotels gebaut, die als Nist- und Überwinterungshilfen, z. B. für Wildbienen, Hummeln oder Schlupfwespen dienen.

Heckrinder pflegen Auenlandschaft

Ein Glanzpunkt ist die Ausweisung von gut 20 ha ökologischer Flächen, davon 8 ha für den Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. und 6 ha für den Landkreis Cham. Die Ökoflächen entlang des Markbachs und der Bayerischen Schwarzach sind von großer Bedeutung für die Erhaltung einer großflächigen, zusammenhängenden Aue und den Schutz der Flussperlmuschelpopulation. Damit verbunden sind die Verbesserung der Nahrungsgründe z. B. für den Weißstorch, die Erhöhung der Strukturenvielfalt sowie die Offenhaltung der vom Grünland geprägten Auelandschaft durch eine extensive Ganzjahresbeweidung mit Heckrindern. Das Heckrind ist eine Rückzüchtung des Auerochsen.

Die Fläche des Landesbundes für Vogelschutz am Markbach wird von einer kleinen Rinderherde genutzt. Sie ersetzen weitestgehend eine zeitaufwändige Landschaftspflege. Die Beweidung mit Heckrindern wertet die Auenlandschaft ökologisch auf, indem sie die Struktur- und Standortvielfalt und damit indirekt die Artenvielfalt fördert. Das „selektive Fressen", das zu einem Mosaik aus Altgrasbeständen, Fressinseln und offenen Trittstellen führt, lässt ein strukturreiches offenes Wiesenland entstehen - Lebensraum für viele seltene Pflanzen- und Tierarten.

Flurneuordnung - ein Gewinn für Hannesried

Die Flurneuordnung Hannesried stellt eine umfassende und für Generationen nachhaltig wirkende Strukturmaßnahme dar, die das Einkommen, die Arbeits- und damit die Lebensbedingungen der bäuerlichen Familienbetriebe und der Dorfbewohner verbessert. Sie trägt dazu bei, öffentliche Interessen und ökologische Erfordernisse mit den wirtschaftlichen Notwendigkeiten der Landwirtschaft in Einklang zu bringen.

Projektträger
Flurneuordnung Hannesried, Gemeinde Tiefenbach, Landkreis Cham