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Waldthurn
Gesundheits- und Pflegezentrum Waldthurn – auch im Alter in der Dorfmitte leben

Ein Straßenzug mit fünf zweigeschossigen Gebäuden. Das erste hat Schleppgauben, das vierte steht giebelständig zur Straße.

Der demographische Wandel mit einer Zunahme alter Menschen, Bevölkerungsrückgang, veränderten Familienstrukturen und fehlenden Einrichtungen hat oftmals zur Folge, dass ältere und pflegebedürftige Menschen nicht zu Hause bleiben können. Mit diesen Herausforderungen kämpfen viele Gemeinden im ländlichen Raum, so auch der Markt Waldthurn. Dies wollten die Verantwortlichen in der Gemeinde nicht einfach hinnehmen – sie packten die Probleme an und sind neue Wege gegangen. Mit dem Gesundheits- und Pflegezentrum hat der Markt Waldthurn auch einen wichtigen Schritt für eine belebte, attraktive Ortsmitte unternommen.

Modellgemeinde und Gemeindeentwicklung

Der Markt Waldthurn ist eine von neun bayerischen Modellgemeinden beim „Marktplatz der Generationen“, einem Projekt des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration. Es hat zum Ziel, tragfähige Konzepte für die Sicherung der medizinischen, pflegerischen, wohnlichen und sozialen Infrastruktur zu entwickeln. Ein weiterer Impulsgeber war das mit Unterstützung des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberpfalz und mit den Bürgern erarbeitete Gemeindeentwicklungskonzept, in dem Ziele und Maßnahmen zur nachhaltigen Stärkung des Marktes mit seinen 19 Ortsteilen dargestellt sind. Die daraus abgeleitete Flurneuordnung und Dorferneuerung bietet dem Markt Waldthurn gezielte Unterstützung bei der Umsetzung der priorisierten Maßnahmen.

Gelebte Integration

Dabei ist Waldthurn besonders im sozialen Bereich seit Jahren beispielgebend. Bereits seit Dezember 1998 besteht das Reha-Zentrum OPf. e. V. in Waldthurn, eine soziotherapeutische Facheinrichtung für suchtkranke Menschen. Im Rahmen der Therapie werden nicht nur Gesprächsgruppen und sportliche Aktivitäten, sondern auch Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten. Dazu gehören die Pflege von kommunalen Grünflächen oder die Hilfe in Privathaushalten bei der Garten- und Hausarbeit – ein Gewinn für alle Beteiligten!

Auch im Umgang mit Flüchtlingen gehen die Waldthurner neue Wege. Ganz selbstverständlich werden sie bei den täglichen Erledigungen, beim Erlernen der deutschen Sprache, mit Fahrdiensten und bei der Arbeitssuche unterstützt.

Alt werden in der Ortsmitte

Das neue Gesundheits- und Pflegezentrum ist die logische Weiterentwicklung dieser Anstrengungen, damit die älteren oder pflegebedürftigen Mitmenschen in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. Der Standort war dafür schnell gefunden. Zwei leer stehende Gebäude direkt am Marktplatz entsprachen den Vorstellungen des privaten Investors und der Gemeindevertreter.

Das Wohnangebot im Gesundheits- und Pflegezentrum Waldthurn ist mittlerweile eine echte Alternative zur Unterbringung in einem betreuten Wohn- oder Pflegeheim. Die kleinen Einheiten und das vertraute, familiäre Umfeld ermöglichen es den älteren Mitbürgern, eine gewisse Selbstständigkeit sowie den Kontakt zu Freunden und zur Familie zu erhalten. In Waldthurn ist das Alt werden in der Heimat bereits heute wieder normal.

Haus 1 für Therapie und Ärzte

Nach dem Abbruch des ehemaligen Wohn-und Geschäftshauses Marktplatz 8 entstand ein neues Gebäude in Holzfertigbauweise. Im Erdgeschoss befindet sich ein Therapie- und Ärztebereich für bis zu zehn Ärzte- und drei Therapiefachrichtungen sowie ein Laden für Sanitätshausartikel und Arbeitssicherheit. Im 1. Obergeschoss sind acht Therapieplätze für Intensivpflege mit den zugehörigen Funktionsräumen untergebracht. Im Dachgeschoss befinden sich zwei behindertengerechte Wohnungen sowie eine Tagespflegeeinrichtung mit Therapieräumlichkeiten. Die Geschosse sind durch einen Aufzug behindertengerecht erschlossen und damit alle Räumlichkeiten barrierefrei erreichbar.

Haus 2 für Gemeinschaftsleben und Wohnen

Mit der Sanierung des Wohnhauses Marktplatz 10 entstanden im Erdgeschoss ein Café und Gemeinschaftsräume. Im Obergeschoss wurde eine behindertengerechte Seniorenwohnung errichtet, das Dachgeschoss ist nicht ausgebaut. In enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wurde die Fassade denkmalgerecht saniert, z. B. durch den Einbau von weißen zweiflügeligen Kreuzstockfenstern mit Oberlicht, die Restaurierung der Natursteingewände in den Fensterlaibungen oder doppelt gedeckte naturrote Biberschwanzziegel. Neu ist die Hackschnitzelanlage, ein Anbau am denkmalgeschützten Wohnhaus im Innenhof.

Projektträger
Dorferneuerung Waldthurn, Landkreis Neustadt a.d.Waldnaab