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Hopferstadt
Von diesem Ort will keiner fort!

Blick auf den Ort. Der Kirchtum ist gut zu sehen.

Nach 15 Jahren Dorferneuerung erstrahlen im unterfränkischen Hopferstadt nicht nur die Marterl im neuen Glanz. Der Ortskern lebt jetzt wieder, der Kindergarten ist gut besucht, die Abwanderung gestoppt. Nur den Heizöllieferanten können die Neuerungen nicht gefallen.

In diesem Vers steckte einst viel Wahrheit: „Hopferstadt - ein Gnadenort / Wer einmal dort, geht nicht mehr fort". Einst war das Gaudorf südlich von Würzburg finanziell und kulturell gesegnet, der fruchtbare Lößboden und das milde Klima schenkten hohe Erträge, und die vielen Hofstellen entlang der Dorfstraße waren groß. Einst, das ist lange her.

Ende des 20. Jahrhunderts war der Wohlstand von Hopferstadt nur noch als Echo vorhanden. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hatte sich nahezu halbiert, vor allem junge Hopferstadter sind fortgezogen. Schule, Post, Bank, Bäcker und Metzger gab es nicht mehr, und selbst der Kindergarten stand wegen mangelnder Nachfrage kurz vor dem Aus. Der Ortskern hatte seine Funktion verloren; auf dem mittigen Zehntplatz häuften nur noch die Landwirte zur Erntezeit ihre Zuckerrüben auf.

Was tun mit 57 Leerständen?

57 Gebäude im Ortskern (vor allem Wirtschaftsgebäude) standen Anfang 2000 leer, das Kopfsteinpflaster der Dorfstraße war ein einziges Flickwerk. Nur die zahlreichen privaten Bildstöcke und die Hausheiligen an fast jeder Hausfassade erinnerten noch an gesegnete Zeiten. Doch selbst die Marterl sahen marode aus.

Das war einmal! 2017 führt Stefan Pohl, örtlicher Beauftragter der Teilnehmergemeinschaft Dorferneuerung, voller Stolz durch Hopferstadt. Die Dorfheiligen St. Nepomuk und Aquilin, stehen - frisch renoviert - am Anfang der Dorfstraße. Diese ist in Gänze frisch gepflastert worden, der Echterplatz vor der Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde neu gestaltet, der Kirchenzugang behindertengerecht umgebaut. Es gibt wieder eine Bäckerei im Ort, und im Kindergarten spielen aktuell 25 Kinder. Die meisten Häuser im Herzen von Hopferstadt sehen frisch renoviert aus, an anderen zeugen Gerüste und samstäglicher Baulärm von reger Tätigkeit. „Nur noch ein Haus in der Dorfmitte", sagt Pohl, „steht aktuell leer."

Ein Dorf erneuert sich und alle machen mit

Was ist passiert im Gnadenort? Ein Wunder? Mitnichten. Die ganz und gar irdische Dorferneuerung hat hier stattgefunden, jenes Programm, mit dem die Regierung Bayern - und in diesem konkreten Fall das Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken - den Ländlichen Raum stärken sowie die Lebensqualität in Dörfern und Gemeinden nachhaltig verbessern möchte.

2002 stellte die Stadt Ochsenfurt für ihren Stadtteil Hopferstadt den Antrag auf Aufnahme ins Programm. Von 2004 bis 2006 setzten sich die Bürger und Bürgerinnen zusammen mit den Experten vom Amt und entwickelten in sechs Arbeitskreisen den Dorferneuerungsplan. „Hopferstadt als aktives, eigenständiges, fränkisches Dorf mit reicher Tradition gestaltet seine Zukunft" lautete der Leitsatz, der vorgibt, in welche Richtung die Reise gehen soll. 2007 wurde der Ort bereits Preisträger beim Wettbewerb „Dorf vital" in der etwas sperrigen Kategorie „Dörfer mit vielfältigen Ansätzen zur Vitalitätsverbesserung und Erfolg versprechenden Entwicklungsprozessen". Ein Stein war ins Rollen gekommen.
Hopferstadts größtes Pfund ist eine engagierte Bürgerschaft, erklärt Stefan Pohl. Das zeigt nicht nur die große Anzahl von Vereinen im Ort, sondern vor allem die große Bereitschaft, eben diesen rollenden Stein nun weiter voranzutreiben. „Der Dorferneuerungsplan war eine Art Initialzündung", erzählt etwa Ludwig Antoni, der am oberen Ende der Dorfstraße wohnt. Seine Hausfassade hat er nun machen lassen, das Dach wurde neu gedeckt, das für den Ort so typische Holztor ersetzt. Alles Dinge, die bereits auf seinem persönlichen Plan gestanden hatten, aber so etwas schiebt man ja gerne auf die etwas längere Bank.

Die Möglichkeit, sich durch das Dorferneuerungsprogramm zumindest einen Teil der Investitionen erstatten zu lassen, war aber nicht der einzige Anlass, fällige Renovierungen nun endlich anzugehen. „Die Aufbruchsstimmung im Ort hat mich mitgerissen", sagt Antoni. Übrigens nicht nur im eigenen Reich - zusammen mit anderen ehrenamtlichen Helfern hat Antoni den Kirchturm von St. Peter und Paul entrümpelt, mit einer neuen Holztreppe innen versehen und sogar die Aufhängung der mächtigen Kirchenglocke erneuert. Lediglich die Materialkosten musste die Gemeinde übernehmen. Die vielen Arbeitsstunden? Vergelt‘s Gott!

Die Landwirtschaft mit neuer Rolle im Ort

Schräg gegenüber von Antonis Haus haben auch Arno Karl und Ehefrau Renate ihren Innenhof aufgehübscht. Nachdem der Landwirt aufgrund eines Unfalls die Viehwirtschaft aufgeben musste, war ein Misthaufen nicht mehr nötig. Dort, wo er einst emporwuchs, befindet sich nun eine lauschig eingerichtete, schön bepflanzte Sitzecke; außerdem wurden die Hoftore und die im Halbrund angeordneten Pflastersteine erneuert und der Hausheilige St. Nepomuk renoviert. Jetzt springt den Karls bei Betreten des Hofes nicht mehr allein die Arbeit ins Auge, sondern auch die Möglichkeit, mal den Moment zu genießen. ,Work-Life-Balance" würde man in der Großstadt wohl dazu sagen.

Es sind die Veränderungen in der Landwirtschaft, die das Ortsbild von Hopferstadt verändert haben. Weil die Zahl der Vollerwerbslandwirte drastisch gesunken war, standen viele der einst für große Ernten oder Vieh gebauten Scheunen sowie Nebengebäude leer und drohten zu verfallen. Vermögensberater Otmar Reißmann hat einen Teil seines Stalles umgebaut zum Büro. Doch was tun mit dem Rest? Weg damit, entschied Familie Reißmann. Lediglich die hintere Steinmauer vom Stall, ein Teil vom Gebälk, sowie der Mostkeller blieben übrig. Susanne Reißmann legte dann auf der Grundfläche des Gebäudes ihren Nutzgarten an, eine idyllische Sitzecke entstand außerdem: ein Garten im Innenhof. „Unsere Wohnqualität hat sich enorm gesteigert", findet sie. Positiver Nebeneffekt der vielen Baumaßnahmen: Auch das regionale Handwerk profitiert extrem, das Geld bleibt quasi im Ort. Insgesamt 3,8 Millionen Euro wurden im Rahmen der Dorferneuerung bis heute von den Hopferstadtern in private, förderfähige Maßnahmen investiert, eine Zahl, die - so Pohl - ausdrückt, wie viel sich wirklich im Altort bewegt hat. Hinzu kommen die vielen Eigenleistungen.
Bereitschaft zur Eigenverantwortung zeigten die Hopferstadter auch auf dem Energiesektor. Zwei Biogasanlagen am Ortsrand gab es bereits. Warum nicht deren Abwärme sinnvoll nutzen, fragte sich einer der Betreiber, Richard Düchs. Da die Dorfstraße ja nun einmal erneuert werden musste, bot sich die einmalige Gelegenheit, Wärmeleitungen kostengünstig zu verlegen. Zunächst favorisierten die Bürger ein Nahwärmenetz unter der Ägide eines regionalen Energieversorgers. Doch bald hieß es auf Anregung des Amts für Ländliche Entwicklung in Unterfranken hin: Das kann Hopferstadt selbst. 2009 wurde die Nahwärmegenossenschaft Hopferstadt gegründet. Zufrieden zeigen Andreas Metzger und Josef Grieb, beide aktiv in der Genossenschaft, auf all die grün markierten Häuser im Ortsplan, in denen nun nicht mehr Heizöl für den Winter gebunkert wird, sondern die ihre Wärme aus den Biogasanlagen vor Ort beziehen. Etwa 420000 l Heizöl sparen sie sich jetzt jährlich. Gut 85 % der Hopferstadter Haushalte mit dabei. „Alles Anzeichen für eine starke Dorfgemeinschaft", betont Metzger: Das Hopferstadter Energiemodell habe die Bürgerschaft noch enger zusammenrücken lassen. Die Nahwärmezentrale befindet sich in einer umgenutzten Scheune; dort steht der Pufferspeicher, von dem aus die Wärme in die Haushalte verteilt wird. Zur Sicherheit wartet daneben ein Heizkessel, falls der Winter einmal besonders hart ausfallen sollte. Nahezu abgeschlossen ist nun der Dorferneuerungsplan, und auch wenn es durchaus anstrengende Jahre gewesen sind: Die Hopferstadter sind zu Recht stolz auf das, was sie erreicht haben. Stefan Pohl etwa, beruflich in ganz Deutschland unterwegs, könnte sich nie vorstellen, woanders zu leben. Es ist nun wieder so: „Hopferstadt - ein Gnadenort / Wer einmal dort, geht nicht mehr fort."

Beitrag veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Redakteurin Beate Strobel, Landwirtschaftliches Wochenblatt
Projekträger
Dorferneuerung Hopferstadt, Lkr. Würzburg