Kopfbild: Kuhkopf (Foto: Dieter Hawlan/iStockphoto.com)

Tierische Erzeugung
Bayern ist frei von der Rinderseuche BHV-1

Das bayerische Programm zur Bekämpfung der Rinderseuche BHV-1 ist erfolgreich abgeschlossen worden.
Bayern hat als erstes Bundesland die europäische Anerkennung als frei von BHV-1 erhalten.

Neben Österreich und der Provinz Bozen in Italien sind noch Dänemark, Finnland, Schweden und die Schweiz BHV-1 frei.

Allgemeines zum Virus

Das BHV-1 ist weltweit verbreitet. Ob Rinder das eigentliche Virusreservoir sind oder ob das Virus ursprünglich aus Wildwiederkäuern (insbesondere in Afrika) stammt, ist nicht sicher geklärt.

Eine Impfung schützt vor Erkrankung, aber nicht vor Infektion. Geimpfte Tiere können Virusträger sein. Die Impfung kann die Virusausscheidung latent infizierter Tiere aber verringern oder sogar unterbinden.

Krankheitsbild

BHV-1 steht für Bovines Herpesvirus Typ 1. Das Virus ist für den Menschen völlig ungefährlich.

Beim Rind verursacht es meist Entzündungen des Nasen-Rachenraumes, der Luftröhre und Lunge sowie der Lidbindehäute (auch Infektiöse Bovine Rhinotracheitis, IBR, genannt). IBR kann mit hohem Fieber einhergehen, zu Leistungseinbußen (z. B. Milchrückgang) und auch zu Fehlgeburten bzw. Todesfällen führen.

Infektionen ohne deutliche Krankheitsanzeichen sind häufig. Eine Infektion führt aber in der Regel zu einer lebenslangen Persistenz des Virus im Wirtstier. Diese Tiere erscheinen gesund, können jedoch z.B. bei Geburt oder Stresssituationen Viren ausscheiden und so BHV-1-freie Bestände infizieren.

Sanierungsprogramm

Im Rahmen des Sanierungsprogrammes wurden seit 1988 rund 60.000 Betriebe im Freistaat regelmäßig auf diese Rinderseuche untersucht. Seit dem 16. September 2011 gibt es in Bayern kein BHV-1-infiziertes Tier mehr. Die bayerischen Rinderhalter haben insgesamt rund 115 Mio. Euro für die Bekämpfung aufgewendet, der Freistaat beteiligte sich mit rund 37 Mio. Euro.

Tierseuchenrecht

Die Zuständigkeit für die Bekämpfung von Tierseuchen und damit für das BHV-1 Bekämpfungsverfahren liegt in Bayern beim Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit.
Die EU-Richtlinie 64/432 /EWG vom 26. Juni 1964 zur Regelung viehseuchenrechtlicher Fragen beim innergemeinschaftlichen Handelsverkehr mit Rindern und Schweinen regelt in Artikel 9 und 10 den Status eines Mitgliedsstaates in Bezug auf die Bekämpfung einer Tierseuche.

Nach Artikel 9 werden solche Mitgliedsstaaten und Regionen anerkannt, die ein genehmigtes Bekämpfungsprogramm betreiben. Bei BHV-1 ist ein uneingeschränkter Handel nur mit BHV-1-freien Rindern möglich, die von einer amtstierärztlichen Bescheinigung begleitet werden (Attestpflicht). Ausnahmen gelten für Schlacht- und Mastrinder.

Nach Artikel 10 anerkannte Regionen können für den innergemeinschaftlichen Handel zusätzliche Garantien verlangen (z.B. Quarantäne und serologische Untersuchung). Im Fall von BHV-1 sind diese zusätzlichen Garantien in der Entscheidung der Kommission 558/2004 vom 15. Juli 2004 festgelegt.

Konsequenzen für den Tierverkehr

Der BHV1-Status hat Konsequenzen für den Tierverkehr und die Vermarktung.

Neben der Verbesserung der Tiergesundheit bringt der neue Status den Landwirten formale Erleichterungen:

  • Untersuchungen müssen nur noch stichprobenartig durchgeführt werden und das Bescheinigungswesen wird vereinfacht.
  • Kälber und Rinder können nun leichter in die Länder verkauft werden, die nur Rinder aus BHV-1 freien Regionen akzeptieren.
  • Zum Schutz vor einer Wiedereinschleppung gelten ab sofort zusätzliche Bestimmungen für Rinder, die von außerhalb nach Bayern gebracht werden. Nur wenn diese Tiere nachweislich frei von der Rinderseuche sind, dürfen sie in einen bayerischen Betrieb eingestellt werden.

Konsequenzen für einzelne Marktteilnehmer

Durch die zusätzlichen Garantien, die Regionen mit Bekämpfungsverfahren bzw. BHV-1-freie Regionen beim Handel mit Rindern verlangen können, ergeben sich für die Marktteilnehmer abhängig von ihrer Interessenlage sowohl Vor- als auch Nachteile.

Zuchtbetriebe

Beim Verkauf von Zuchtrindern in die BHV1-freien Mitgliedstaaten musste bisher eine 30-tägige Quarantäne durchlaufen werden. Mit der Anerkennung als BHV-1-freies Gebiet wird der Export von Zuchttieren in freie Regionen deutlich erleichtert. Vorteile ergeben sich auch für den grenzüberschreitenden Alm- und Alpweidebetrieb zwischen Bayern, Österreich und der Schweiz, weil mittelfristig auf die Bescheinigung der BHV-1-Freiheit der aufgetriebenen Tiere verzichtet werden kann. Dasselbe gilt für den Verkauf auf Zuchtviehmärkten und den Handel innerhalb Deutschlands.

Umgekehrt wird der Zukauf von Tieren aus Regionen mit niedrigerem BHV-1-Status durch die zusätzlichen Garantien erschwert, was sich jedoch bei Zuchttieren gemessen an dem höheren Wert der Tiere und der längeren Nutzungsdauer nicht so stark auswirkt wie bei Masttieren.

Spezialisierte Mastbetriebe

Die zunehmende Arbeitsteilung in der Rinderhaltung hat zur Entstehung von spezialisierten Mastbetrieben geführt. Aus betriebswirtschaftlichen und seuchenhygienischen Gründen bevorzugen diese Betriebe den Zukauf einheitlicher (bzgl. Alter und Gewicht) und großer Tiergruppen gleicher Herkunft.

Nach der bis August 2010 geltenden Rechtslage war für einen Mäster im anerkannt freien Gebiet ein Zukauf aus nicht-BHV-1-freien Gebieten nur nach Quarantäne von 30 Tagen und negativer Blutuntersuchung möglich. Dadurch wären Kosten in Höhe von ca. 70 € pro Tier entstanden, die der Mastbetrieb nicht weitergeben kann, weil beim Endprodukt Fleisch die BHV-1-Freiheit keine Rolle spielt (kein Einfluss auf die menschliche Gesundheit).

Durch die vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit erwirkten Änderungen der Entscheidung der Kommission 558/2004 konnte dieses Problem entschärft werden, weil für Masttiere nun Alternativen zur Quarantänehaltung möglich sind.

Viehhandel

Die wesentlichen Dienstleistungen des Viehhandels sind der Zukauf von Tieren aus verschiedenen Betrieben und Regionen, das Zusammenstellen von Gruppen nach den Wünschen des Kunden und die Auslieferung der Tiere an die Abnehmer. Diese Tätigkeitsbereiche werden durch die zusätzlichen Garantien eingeschränkt, sofern der Zukauf aus nicht BHV-1-freien Gebieten erfolgt.

Schlachtbetriebe

Da die zusätzlichen Garantien beim Verbringen von Rindern nicht für das direkte Verbringen zur Schlachtung gelten, kann ein in einer BHV-1-freien Region gelegener Schlachtbetrieb ungehindert Schlachttiere zukaufen.

Veterinärverwaltung

Für die Veterinärämter ergibt sich durch die Anerkennung nach Art. 10 die Verpflichtung, das Verbringen von Rindern aus nicht BHV-1-freien Gebieten zu überwachen. Eine wesentliche Hilfestellung bietet dabei das Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HIT), indem das zuständige Veterinäramt automatisch einen Hinweis (Veterinärvorgang) über den Zugang von Tieren aus nicht freien Regionen erhält.

Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere Externer Link

Serviceangebot im Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HIT)

Zur Überwachung in einer BHV-1-freien Region generiert HIT eine Meldung für die Veterinärbehörde, wenn ein Tier aus einer Region mit niedrigerem Status in eine Art.10-Region verbracht wird.
Bundesländer, die noch nicht BHV-1 frei sind, können sich bei der Verwaltung der BHV-1-Bekämpfung von HIT unterstützen lassen. Der Tierhalter kann sich den Status jedes Einzeltieres anzeigen lassen. Voraussetzung ist die Eingabe der BHV-1-Einzelbefunde und/oder Impfdaten durch Labor, Veterinärbehörde oder bevollmächtigten Hoftierarzt. Auch das Datum der letzten Untersuchung sowie der letzten Impfung kann angezeigt werden.

Für die Veterinärbehörde bietet das Bestandsregister einen Überblick über die im Betrieb bereits untersuchten Tiere. So kann geprüft werden, ob ggf. noch Blutproben gezogen werden müssen. Außerdem kann über die Datenbank ein maschinenlesbarer BHV-1-Untersuchungsantrag erstellt werden. Schreibfehler z.B. bei der Erfassung der Ohrmarken werden so vermieden und die Zuordnung der Probe im Labor wird erleichtert.

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