Gebäude des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Wider das Vergessen
Freiheitsaktion Bayern – Erinnerung an die Ermordung von Widerstandskämpfern in der Münchner Ludwigstraße 2

Zum Gedenken an die Widerstandskämpfer, die am 28. und 29. April 1945 im Innenhof des damaligen Zentralministeriums und heutigen Landwirtschaftsministeriums ermordet wurden, hat Staatsministerin Michaela Kaniber am 75. Jahrestag einen Kranz niedergelegt.

Die Freiheitsaktion Bayern war ein Widerstandskreis, deren Mitglieder sich in den letzten Kriegswochen für ein Ende der NS-Diktatur einsetzen. Das Gebäude des heutigen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in der Münchner Ludwigstraße 2 ist dabei eng mit den Geschehnissen um die Freiheitsaktion Bayern verbunden. Im Hof des damaligen Zentralministeriums wurden auf Befehl der Gauleitung München vier Beteiligte der Freiheitsaktion Bayern ermordet, drei weitere wurden von dort in den Perlacher Forst transportiert und umgebracht.

Heute erinnert eine Gedenktafel im Innenhof des Landwirtschaftsministeriums an die Opfer. Der Erinnerungsort ist während der Dienstzeiten des Ministeriums öffentlich zugänglich. Anlässlich des 75. Jahrestages des Verbrechens wurde ein Faltblatt erstellt, das zur Mitnahme ausliegt.

Ministerin Kaniber vor einem Kranz an der Gedenktafel

"Gerade in diesen schwierigen Zeiten mit wachsendem Rechtspopulismus und gezielten Falschmeldungen ist es wichtig, ein Zeichen für Freiheit und Demokratie zu setzen und der Ermordeten zu gedenken", so Staatsministerin Michaela Kaniber bei der Kranzniederlegung an der Gedenktafel. (Fotos: Seyfarth/SMELF)
Die Freiheitsaktion Bayern (FAB) war ein Widerstandskreis, der sich aus heterogenen Gruppen von NS-Gegnern zusammensetzte.

In der Nacht vom 27. auf den 28. April 1945 unternahmen rund 440 Soldaten im Raum München einen Aufstandsversuch, bei dem es allerdings nicht gelang, die NS-Machthaber abzusetzen. Gelungen war jedoch die Übertragung von Rundfunkaufrufen an die Bevölkerung. Auf diese Aufrufe reagierten 78 Gruppen mit insgesamt etwa 990 Personen im Rahmen unterschiedlicher Aktionen im gesamten südbayerischen Raum. 21 dieser Situationen eskalierten, dabei verloren 58 Menschen ihr Leben.

Insgesamt hatte der Aufstand der FAB in den letzten Apriltagen nur lokal und punktuell Einfluss auf das Kriegsgeschehen. Auch flächendeckende Luftangriffe waren durch die Alliierten bereits um den 25. April 1945 herum eingestellt worden. Wenn die FAB-Aktion die militärische Lage weder ver- noch entschärft hat, so traf sie doch auf das Bedürfnis der Menschen, etwas zu unternehmen, um den Krieg zu beenden, beziehungsweise weitere Schäden zu vermeiden. Insgesamt gingen dafür rund 1.430 Menschen ein hohes persönliches Risiko ein: Etwa 440 Soldaten beteiligten sich an der zentralen FAB-Aktion und etwa 990 folgten den Rundfunkaufrufen.
Diesen Einsatz möchten wir vor dem Vergessen bewahren und der Opfer gedenken. Die Erinnerung an Unfreiheit und Willkür in der Vergangenheit ist gerade auch heute notwendig, um die Werte der Demokratie zu verdeutlichen, wertzuschätzen und sich aktiv dafür einzusetzen.

Ministerin Kaniber vor einem Kranz an der Gedenktafel

Zur Geschichte des Gebäudes in der Münchner Ludwigstraße 2

Um die Von-der-Tann-Straße als Ost-West-Achse zur Prinzregentenstraße zu verbreitern, wurden an der Kreuzung zur Ludwigstraße mehrere Gebäude abgerissen. Gegenüber dem ehemaligen Herzog-Max-Palais errichtete man das "Zentralministerium der Landesregierung", von wo aus das gleichgeschaltete Bayern regiert werden sollte. Das Ministerium wurde von 1938 bis 1940 nach den Plänen Friedrich Gablonskys erbaut. Heute befindet sich in dem Gebäude das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.