Forstpolitik

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Chancen für eine nachhaltige Regionalentwicklung
Kulturlandschaft Steigerwald

Eine auffällig vielfältige Kulturlandschaft, die sich wunderbar in ihren Naturraum einfügt, ist das herausragende Merkmal des Steigerwalds. Die vorhandenen historischen Elemente der Kulturlandschaft und das gelebte Brauchtum sind nicht nur Fenster in die Vergangenheit, sondern bergen vielfältige Zukunftschancen für eine nachhaltige Regionalentwicklung.

Grundlagen für eine mögliche Bewerbung um einen Kulturerbe-Titel

Landschaftsaufnahme: Blick in ein Tal mit Feldern, Wald und einem Fluss.Zoombild vorhanden

Fotos: Thomas Büttner

Ende 2014 vereinbarte die bayerische Staatsregierung mit den Landräten des nördlichen Steigerwalds, die Chancen des Steigerwalds für ein UNESCO-Welterbe (Weltnatur- oder Weltkulturerbe) oder ähnliche Titel zu prüfen. Um die Chancen für ein Kulturerbe auszuloten, wurde im Auftrag des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten von 2015 bis 2016 in Kooperation mit der Bayerische Staatsforsten AöR und in Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst eine Erhebungen der Kulturlandschaft und wichtiger Bräuche (sogenannte Kulturlandschaftsinventarisation) durchgeführt. Gemeinsam mit dem südlichen Steigerwald wurde in zwei Schritten der gesamte Naturpark eingebunden.

Die Kulturlandschaft des Steigerwalds ist allein bereits durch ihre Vielfalt etwas Besonderes. Die umfassende Analyse durch den Gutachter Dr. Thomas Büttner (Büro für Heimatkunde und Kulturlandschaftspflege, Morschen) und der Archäologin Andrea Lorenz erfolgte, neben Außenaufnahmen und Auswertung von zahllosen Karten, Luftbildern und Büchern, unter enger Einbindung und Beteiligung der Region. In über 20 sogenannten "Landschaftswerkstätten" als kleine örtliche Dialogforen mit gut 240 Teilnehmern, wurden erst viele Schätze der Kulturlandschaft und des Brauchtums offenkundig.
Gutachten "Kulturlandschaft Steigerwald" - Schlussbericht
Mit dem Schlussbericht des Gutachtens "Kulturlandschaft Steigerwald" liegt nun ein umfassendes Werk über den gesamten Steigerwald vor.
Die umfangreiche Langfassung des Schlussberichts zur Kulturlandschaftsinventarisation (478 Seiten) kann bei Interesse unter folgender Adresse über E-Mail angefordert werden:

infoforst@stmelf.bayern.de

Chancen und Möglichkeiten

Für den Steigerwald eröffnen sich demnach vielfältige Möglichkeiten eines Kulturerbes, insbesondere:
Europäisches Kulturerbe-Jahr 2018
Der Steigerwald nimmt am Europäischen Kulturerbe-Jahr 2018 (European Cultural Heritage Year, kurz ECHY 2018 "Sharing Heritage") teil. Ende Juli 2017 wurde die fränkische Initiative von Frau Prof. Monika Grütters, Kulturbeauftragte der Bundesregierung, als eines von bundesweit 34 herausragenden, gesamtstaatlich bedeutsamen Projekten für das Europäische Kulturerbe-Jahr ausgewählt. Unter dem Motto "Vielfalt in der Einheit – Zisterziensische Klosterlandschaften in Mitteleuropa" werden die Zisterzienserklöster und Klosterlandschaften um Ebrach, Waldsassen, Plasy (Plaß) mit Mariánská Týnice (Maria Teinitz) in Tschechien und Stift Lilienfeld in Österreich ihre gemeinsamen Wurzeln präsentieren. Weitere Partner sind im Gespräch, insbesondere das Stift Zwettl in Niederösterreich und das Kloster Morimond in Frankreich.

In diesem Projekt engagieren sich unter anderem

  • die Steigerwald-Landkreise (Projektträger Landkreis Bamberg),
  • die LEADER-Aktionsgruppen im Steigerwald und InitiAKTIVkreis Tirschenreuth e. V.,
  • der Forschungskreis Ebrach e. V.,
  • der Förderverein Welterbe Klosterlandschaft Waldsassen Stiftland e. V.,
  • das Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) und
  • das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF).
Europäisches Kulturerbe-Siegel
Für die nächste Nominierung im Jahr 2021 wird eine Bewerbung für das Europäische Kulturerbe-Siegel (kurz EKS) mit dem Steigerwald um das ehemalige Zisterzienserkloster Ebrach und Partnerstätten aus Tschechien, Österreich und anderen Ländern angestrebt. Eine Antragsidee, die "zisterziensisch geprägte Klosterlandschaften in Europa" in den Mittelpunkt stellt, wird von Experten als aussichtsreich eingeschätzt.
UNESCO-Weltkulturerbe
Die Teilnahme des Steigerwalds am Europäischen Kulturerbe-Jahr 2018 unter dem Motto "Vielfalt in der Einheit – Zisterziensische Klosterlandschaften in Mitteleuropa" und die angestrebte Bewerbung um das Europäische Kulturerbe-Siegel werden wertvolle Impulse zur möglichen Vorbereitung eines späteren seriellen, transnationalen UNESCO-Weltkulturerbe-Antrages "Klosterlandschaften" geben.
Immaterielles (lebendiges) UNESCO-Kulturerbe
Die Bundesrepublik Deutschland ist Vertragsstaat des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes. Die Anerkennung von lebendigen kulturellen Ausdrucksformen und gelebten Traditionen als Immaterielles Kulturerbe erfolgt in der Regel über mehrere Stufen. Am Anfang steht die Aufnahme in das Bayerische Landesverzeichnis. Darauf kann eine Nominierung für das Bundesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes folgen. Bei herausragenden Themen kann dann eine internationale Bewerbung zum UNESCO-Weltkulturerbe angestrebt werden.
Folgende, den Steigerwald vernetzende Traditionen und Bräuche bieten gute Chancen für die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe:
Bäuerliche Gemeinschaftswälder
Die bäuerlichen Gemeinschaftswälder im Steigerwald gehören aufgrund der gelebten Traditionen des Rechtlerwesens mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen und ihren vielfältigen Gründen der Entstehung zu den besonderen Wesensmerkmalen des Steigerwaldes. In den Landschaftswerkstätten als Teil der Kulturlandschaftsinventarisation Steigerwald wurde immer wieder deutlich, dass diese Gemeinschaftswälder bis heute eng mit der Lebenswelt der alteingesessenen Bevölkerung verbunden sind. Um die gemeinschaftliche Waldbewirtschaftung, die in früheren Zeiten mit der Stockausschlagwirtschaft in Verbindung stand, gewährleisten zu können, haben die Rechtlergemeinschaften im Laufe von Jahrhunderten gewisse "Spielregeln" entwickelt. Im Mittelpunkt der Regeln steht hierbei häufig die gerechte Verteilung von Rechten und Pflichten auf die Forstberechtigten.
Baumfelderwirtschaft und Dörrobstherstellung
Die in Fatschenbrunn (Gemeinde Oberaurach, Landkreis Haßberge) gelebte Tradition des Obstdörrens und des Obstanbaus ist eng mit der Baumfelderwirtschaft, einer historischen Form der Landbewirtschaftung verbunden. Die Baumfelderwirtschaft und das Obstdörren waren einst im Steigerwald weit verbreitet und sind heute nur noch auf wenigen Flächen rund um Fatschenbrunn als Relikt vergangener Zeiten erhalten. Hier stocken hochstämmige Obstbäume auf Ackerflächen, die im Wechsel mit Getreide und Hackfrüchten bebaut werden. Aufgrund der Höhenlage des Ortes wachsen vorwiegend robuste Birnensorten, die zum Obstdörren verwandt werden. Die Fatschenbrunner (Birnen-)Hutzeln stellten im 20. Jahrhundert eine wichtige Einnahmequelle der Bauern dar. Die traditionelle Trockenobstherstellung wird in Fatschenbrunn heutzutage jedoch nur noch von einer Familie in althergebrachter Weise ausgeübt.
Historische Bürgerwehren und Glücksschießen
Ein überaus eindrucksvolles Beispiel gelebter Traditionen im Steigerwald sind die Bürgerwehren. Deren Ursprung liegt in den für die einstigen Landesherren zu leistenden Wehr- und Verteidigungsaufgaben. Im Laufe der Zeit vollzog sich ein Wandel von verordneten regelmäßigen Schießübungen hin zu einem festlichen Bürgerauszug und Bürgerschießen (Glückschießen) in der Kirchweihzeit. Diese gelebte Tradition stellt in den Orten Wiesentheid, Wiesenbronn, Castell, Rüdenhausen und Markt Einersheim (allesamt Landkreis Kitzingen) einen kulturellen Höhepunkt im fränkischen Dorfleben dar. In Oberschwarzach (Landkreis Schweinfurt) geht der alljährliche Aufmarsch der Bürgerwehr auf ein Gelübde von 1611 zurück, das mit Überwindung von Pestwehen im Zusammenhang steht.
Alle Antragsthemen können zeitgleich und unabhängig voneinander verfolgt werden. Auch schließen sie weitere Entscheidungen der Region nicht aus.

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