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Stille Waldbewohner
Pilze des Waldes

Wussten Sie schon, dass es in Bayerns Wäldern mehrere tausend Pilzarten gibt?

Buchen-Schleimrübling an einer AltbucheZoombild vorhanden

Buchen-Schleimrübling oder Beringter Schleimrübling (Oudemansiella mucida) an Altbuche bei Andechs (Bild: LWF)

Pilze begegenen uns überall, jeden Tag und nicht nur im Wald. Pilze bilden dabei einen ganz eigenen Typ von Lebewesen. Sie sind keine Tiere und gehören auch nicht zu den Pflanzen.

Der meist sichtbare Fruchtkörper, den wir gemeinhin als Pilz bezeichnen, ist nur ein Teil des Pilzorganismus. Der größte Teil des Pilzes ist das sogenannte Mycel: Es durchwurzelt die obersten Wald-Bodenschichten oder auch totes Holz verschiedener Baumarten und ist für die Ernährung und das Wachstum des Pilzes zuständig.

Wissenswertes über die Pilze unserer Wälder

Ein Pilz - was ist das?

Pilze bilden eine eigene, selbstständige Gruppe von Lebewesen: Sie sind keine Tiere und im Gegensatz zu den grünen Pflanzen besitzen sie kein Chlorophyll. Pilze sind somit nicht in der Lage, durch Photosynthese aus Wasser und Kohlendioxid organisches Material herzustellen, sondern brauchen zum Leben, wie Mensch und Tier, organisches Material anderer Lebewesen.

Als meist faden- oder plattenförmige Gebilde, den Mycelien, durchwachsen Pilze ihren Lebensraum. Unter günstigen Lebensbedingungen können diese Mycelien dann Fruchtkörper bilden. Diese Fruchtkörper bezeichnen wir gemeinhin als "Pilze". Häufig haben sie den charakteristischen pilzförmigen Aufbau von Stiel und Hut. Die Vielfalt der Formen und Farben ist jedoch unvorstellbar.

Pilz: Kammförmige Koralle (Foto:K. Amereller, LWF)

Kammförmige Koralle

Mehrere tausend Pilzarten in Bayern?

Pilze leben als Schmarotzer, als Zersetzer oder in Partnerschaft mit Tieren und Pflanzen. Man schätzt, dass es weltweit mindestens so viele Pilzarten wie Samenpflanzen gibt, ca. 250.000 - 300.000 Arten.

Eine Vielzahl unserer heimischen Pilzarten ist vom Aussterben bedroht. Verantwortungsbewusste Pilzsammler halten sich deshalb beim Sammeln an einige wenige Regeln und können mit gutem Gewissen ein selbst zubereitetes Steinpilz-Carpaccio genießen.

Wir begegnen Pilzen auf Schritt und Tritt. Uns ist das gar nicht bewusst. Es gibt sie beileibe nicht nur im Wald, wo sie ein wichtiges Glied dieser Lebensgemeinschaft sind, oder als "fungis" auf der Pizza. Ohne Pilze müssten wir z. B. Brot, Käse, Wein, Bier und vieles mehr vom Speiseplan streichen. Viele lebenswichtige Medikamente (z. B. Penicillin) könnten ohne ihre Hilfe nicht hergestellt werden.

Pilze können uns jedoch auch empfindlich stören, wenn sie zum Beispiel Brot und Marmelade verschimmeln lassen, als Mehltau den Erdbeerpflanzen zusetzen oder sich als Fußpilz in unseren Socken ausbreiten.

Pilze können sogar zu tödlichen Vergiftungen führen. Entweder durch den Verzehr von Giftpilzen, oder durch den Genuss von Nahrungsmitteln in denen z.B. Schimmelpilze Pilzgifte (Mykotoxine) gebildet haben. Durch die Aufnahme von Sporen können auch schwere Allergien ausgelöst werden.

Fortpflanzung der Pilze

Die Hauptaufgabe der Fruchtkörper besteht darin, Sporen zu bilden, die dann vom Wind oder von Tieren verbreitet werden. Die Stinkmorchel z. B. hat sich zu diesem Zweck etwas ganz Trickreiches einfallen lassen. Da sie auf die Sporenverbreitung durch Insekten angewiesen ist, lockt sie diese mit ihrem für den Menschen unangenehmen Geruch an. Sporen keimen und bilden neue Mycelien, die sich vielfach verzweigen und schnell den jeweiligen Nährboden durchwachsen.

Im Wald werden zum Beispiel die obersten Bodenschichten von Pilz-Mycelien geflechtartig durchzogen. Sie können nachweisbar über 500-700 Jahre alt werden und werden damit älter als so manche Bäume.

Mehr Informationen zu Pilzen bei der Deutschen Mykologische Gesellschaft Externer Link

Wie leben Pilze?

Drei Lebensweisen kommen bei den Pilzen vor:

  • die Zersetzung von totem organischem Material (Saprotrophie)
  • das Schmarotzen in oder an lebenden Tieren und Pflanzen (Parasitismus)
  • die Partnerschaft mit Tieren oder Pflanzen zum gegenseitigen Vorteil (Symbiose)
Baumpilze zersetzen Totholz (Foto: P. Dimke, LWF)

Baumpilze zersetzen Totholz

Pilze als Zersetzer (Saprotrophie)

Unter den Zersetzern spielen Pilze eine große Rolle. Gäbe es sie nicht, würde es dem Wald ergehen wie einer Stadt, in der es keine Müllabfuhr gibt. Meterhoch würden sich Blätter und abgestorbenes Holz auftürmen. Die Bäume müssten verhungern, sobald die Nährstoffvorräte im Mineralboden aufgebraucht wären. Die Pilze, die das verhindern, bezeichnet man als "Streu- bzw. Holzzersetzer".
Durch die Zersetzung der Streu und des Holzes bereiten die Pilze den Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten vor.

Deshalb lässt die Bayer. Staatsforstverwaltung auch bewusst Totholz im Wald, das zahlreichen Pilzarten wie auch Tier- und Pflanzenarten als Lebensgrundlage dienen kann. Bei einer Untersuchung im Naturwaldreservat Waldhaus konnten über 400 Pilzarten nachgewiesen werden.

Neben dem sehr häufigen Zunderschwamm ist als auffälligste Art unter den Holzzersetzern an starken Buchenholz, sicherlich der Ästige Stachelbart zu nennen. Seine Fruchtkörper erinnern an einen eingefrorenen Wasserfall.
Und auch mykologische Raritäten sind unter diesen Pilzen zu finden. So konnte erstmals in Bayern auch ein vom Aussehen unscheinbarer Porling, der Rissige Gallertporling nachgewiesen werden.

Als Holzzersetzer sind die Pilze auch außerhalb des Waldes wahre Spezialisten. Feuchtes Holz ist vor ihnen praktisch nirgends sicher. Nur fachgerecht verbautes, trockenes Holz ist vor einer Zersetzung durch Pilze sicher.

Pilze als Schmarotzer (Parasitismus)

Die Parasiten unter den Pilzen haben es auf lebende Organismen abgesehen. Parasitische Pilze sind häufig Krankheitserreger bei Pflanzen in ihrer Bedeutung vergleichbar mit den Bakterien und Viren bei Mensch und Tier. Sie können ihre Wirtspflanzen schwächen oder - wie z.B. der Hallimasch - sogar zum Absterben bringen, wenn es diesen nicht gelingt, den Angriff des Pilzes abzuwehren.

Vielen Pilzen gelingt es, über Wunden an den Zweigen, am Stamm und an den Wurzeln (z.B. Wurzelschwamm und Hallimasch) in das Innere der Bäume zu gelangen.

Gesunde, kräftige Bäume sind in der Regel gegen Infektionskrankheiten, die durch Pilze verursacht werden, gut geschützt. Ihr Abwehrsystem ist dem Immunsystem bei Mensch und Tier ähnlich, auch hier können Pilze kleinere Schäden und Wunden verursachen - z.B. Fußpilz oder Nagelpilz.
Wenn auch ein extremer Pilzbefall für den Einzelbaum tödlich sein kann, sind naturnahe Wälder durch Pilzbefall in der Regel nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Fallen Bäume durch Pilze aus, können in dem Licht das durch die Lücke im Kronendach fällt, wieder junge, gesunde Bäume heranwachsen.

    Symbiose: Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Bäumen (Mykorrhiza)

    Die "Pilzwurzel" (Mykorrhiza) ist eine verbreitete Form der Partnerschaft zwischen Baum und Pilz. Bei dieser Symbiose umspinnt das Pilzgeflecht die feinen Endverzweigungen der Baumwurzeln und tritt in Kontakt mit der Wurzelrinde.
    Der Pilzpartner hilft dem Baum bei der Wasser- und Nährstoffaufnahme aus dem Boden, in dem er mit seinem Pilzmantel die Wurzeloberfläche stark vergrößert. Außerdem hilft er bei der Produktion von Hormonen und wehrt Krankheitserreger ab. Als Gegenleistung liefert der Baum dem Pilz vor allem Produkte aus der Photosynthese, also Zucker bzw. Kohlenhydratverbindungen..

    Viele Baumarten sind auf die Lebensgemeinschaft mit Pilzen besonders bei extremen Wuchsbedingungen (z. B. eingeschränkte Wasser- oder Nährstoffversorgung) angewiesen. In unseren Wäldern sind die meisten Bäume symbiotisch mit Mykorrhiza-Pilzen verbunden.

    Umgekehrt ist eine Reihe von Pilzen wie der Steinpilz oder der Pfifferling ohne den Symbiosepartner Baumwurzel nicht in der Lage. Fruchtkörper auszubilden. Diese Pilze können daher auch nicht in Pilzzuchtbetrieben herangezogen werden. Wir müssen sie schon im Wald suchen. Der Champignon dagegen kann, weil er saprophytisch, also nur von totem organischen Material lebt, auf Strohballen gezüchtet werden.

    Spezialisierte Mykorrhizapilze sind streng an bestimmte Baumarten gebunden (z.B. Birkenpilz an Birke). Andere, wie z.B. der Fliegenpilz bilden mit verschiedenen Baumarten Mykorrhizen. Ihn kann man unter Nadelbäumen (z.B. Fichte) genauso wie unter Laubbäumen (besonders häufig unter der Birke) finden.

    Symbiose: Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Insekten

    Auch eine Symbiose zwischen Insekten und Pilzen ist häufig. Besonders erstaunlich ist die Partnerschaft zwischen Borken-, Splint-, Kern- und Werftkäfern, sowie Holzwespen-Larven mit holzabbauenden Pilzen. Die Larven des Nutzholzbohrers z. B. leben vom Ambrosiapilz in den Bohrgängen, den der Käfer überträgt.

    Symbiose: Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Algen

    Pilze bevorzugen normalerweise feuchte Bedingungen. In der Lebensgemeinschaft mit Algen haben es Pilze geschafft, auch die trockenen Standorte zu erobern. Als Flechten besiedeln die Pilze auch die extremen Standorte in arktischer Kälte oder tropischer Hitze, in Wüsten und auf nacktem Gestein.
    Im Wald findet man die unterschiedlichsten Flechten an Baumstämmen, auf Ästen und Zweigen; auf vermoderndem Holz genauso wie auf exponierten Felsen.

    Flechten sind sehr gute Bioindikatoren. Ihr Vorkommen erlaubt Rückschlüsse auf den Reinheitsgrad der Luft. Vergleicht man nach einiger Zeit an einem Standort die Häufigkeit ihres Auftretens und das Artenspektrum, so kann man erkennen, ob sich die Luftqualität in der Zwischenzeit verbessert oder verschlechtert hat.

    Pilze sammeln - richtig gemacht!

    Jedermann hat das Recht, "sich wildwachsende Waldfrüchte", zu denen auch die Pilze zählen, "in ortsüblichem Umfang anzueignen". Ausgenommen sind geschützte Arten. So ist es im Bayerischen Naturschutzgesetz (Art. 28) verankert. Einige unserer Waldpilze sind vom Aussterben bedroht und stehen schon auf der Roten Liste.

    Steinpilz im Moos (Foto: T. Bosch, LWF)

    Steinpilz (Boletus edulis L.) im Moos

    Grundregeln für verantwortungsvolle Pilzsammler

    Unsere bekanntesten Speisepilze wie Steinpilze, Maronen oder Pfifferlinge sind aber nicht gefährdet, obgleich sie - wie manch älterer "Schwammerlsucher" schon bemerkt hat - teilweise nicht mehr so häufig sind wie früher. Der Spaß am Suchen in freier Natur und die Vorfreude auf ein schmackhaftes Pilzgericht zieht viele Sammler v.a. in der "Schwammerlzeit" schon frühmorgens in den Wald.

    • Nur sammeln, was man kennt (ggf. Bestimmungsbuch mitnehmen).
    • Pilze vorsichtig abschneiden oder herausdrehen.
    • Entstehende Bodenöffnung zudrücken, damit das Pilzgeflecht nicht austrocknet.
    • Immer einige Exemplare am Wuchsort stehen lassen.
    • Unbekannte oder giftige Pilze nicht umtreten.
    • Sehr kleine Pilze stehen lassen.
    • Überalterte und madige Pilze sind nicht mehr genießbar. Sie können aber noch Sporen abwerfen und bleiben daher am besten im Wald.
    • Nicht mehr sammeln, als man selber auch verwerten kann.
    Noch ein Tipp:
    Werden Pilze in Plastiktüten gesammelt oder zu lange gelagert, so verderben sie sehr leicht und führen bei Genuss zu heftigen Magen-Darm-Erkrankungen (Lebensmittelvergiftung). Verwenden Sie zum Sammeln daher lieber einen offenen Korb.

    Pilze in Gefahr?

    Eine Vielzahl unserer heimischen Pilzarten ist vom Aussterben bedroht. 1984 wurde erstmals eine Rote Liste gefährdeter Großpilze für die Bundesrepublik (West) erstellt. Ergebnis: 35 % der Arten, darunter auch viele Waldpilze, sind gefährdet, z. B. durch Schadstoffeinträge.

    Vor allem ein Artenrückgang der Mykorrhiza-Pilzflora lässt auch Schädigungen und Erkrankungen des Baumpartners erwarten. Die Mykorrhizabildung kann nur funktionieren, wenn sich das komplexe Zusammenspiel der Partner im Gleichgewicht befindet. Eine Schwächung der Bäume kann dazu führen, dass der Pilz plötzlich als Parasit auftritt und seinen Partner schädigt. Andererseits kann ein geschwächter Pilz mit der Baumwurzel nicht in Kontakt treten.

    In den Wäldern kommen Pilze in einer unvorstellbaren Artenvielfalt vor. Je vielgestaltiger unsere Wälder sind, desto größer ist auch die Zahl der Pilzarten, die in ihm leben. Das Ziel der Bayerischen Forstverwaltung, durch naturnahe Forstwirtschaft standortangepasste, artenreiche und vielgestaltige Mischwälder zu erhalten und neu zu schaffen, kommt auch dem Schutz unserer mannigfaltigen Pilzflora zugute.

    Pilzrezept - Steinpilz-Carpaccio

    Die Steinpilze in 2 mm dünne Scheiben schneiden. Bei älteren und größeren Exemplaren werden die Röhren entfernt. Die Pilzscheiben in kochendem Salzwasser sehr kurz blanchieren. Die Pilze auf großen flachen Tellern dekorieren. Öl und Balsamico verquirlen und über die Pilze gießen. Den Parmesan darüberhobeln und mit der Mühle abpfeffern.

    Das Carpaccio ist auch mit rohen Steinpilzen möglich. Dafür werden die Teller mit den angerichteten Pilzen vor dem Servieren 2-3 Minuten in den Grill geschoben und danach der Parmesan darübergehobelt. Nach Geschmack mit etwas Zitronen beträufeln.

    Zutaten

    • 400-600 g Steinpilze
    • 2 Esslöffel Balsamico-Essig
    • 4 Esslöffel Oliven- oder Steinpilzöl
    • Salz, Pfeffer aus der Mühle
    • Parmesan
    Das Rezept ist dem Buch "Pilze sicher bestimmen und delikat zubereiten" entnommen; Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlages Eugen Ulmer.