Waldumbau mit Buche, Fichtenbestand in der Gemeinde Denklingen

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Sonderbeilage der Forstinfo 06/2013
Hegen und Pflegen ohne Holz zu sägen?

Den eigenen Wald gar nicht oder nur unzureichend nutzen – das kommt nicht nur bei Waldbesitzern vor, die weit weg von ihrem Wald leben oder den Bezug zu ihrem Besitz verloren haben. Viele Waldbesitzer sind zwar oft draußen in ihren Beständen und lieben ihren Wald, dennoch handeln sie fachlich betrachtet ungünstig.

Gerade Selbstversorger für den eigenen Kachelofen nutzen ihren Wald oft nur sehr zurückhaltend. Sie sorgen sich um ihren langfristigen jährlichen Eigenbedarf, obwohl das Zuwachs- und Nutzungspotential ihres Waldes weit darüber hinausginge. Nicht zu unterschätzen ist in manchen Gegenden auch die Hemmschwelle vor der Meinung der Nachbarschaft: „Jetzt muss er schon ins Holz gehen! Geht’s ihm finanziell nicht gut?“ Die Betonung von Besitzerstolz und traditionellem Familienerbe, die Verbundenheit mit dem gewohnten, ästhetischen Waldbild oder Sorge um eine Verschlechterung des Waldzustands führen vielfach zur Zurückhaltung bei der Nutzung. Dabei läuft dieses übervorsichtige Verhalten den genannten Motiven oft direkt entgegen. Waldbesitzer, die so denken, brauchen deshalb eigene, auf ihre Motive, Wünsche und Bedürfnisse zugeschnittene Beratungsempfehlungen. Die Beratungsförster dürfen in diesen Fällen nicht nur die waldbauliche Situation für die Ermittlung des Handlungsbedarfs heranziehen, sondern auch die menschliche Dimension. Davon soll aber hier nicht die Rede sein.

Auch die deutlich stärker wirtschaftlich orientierten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, die mehrheitlich in den Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen organisiert sind, halten sich derzeit mit dem Holzeinschlag sehr zurück. Einzelne Vertreter der Holzindustrie beklagen dies lautstark und lassen meines Erachtens manchmal ein etwas eigenartiges Verhältnis zu unserer Rechts- und Wirtschaftsordnung durchschimmern. Natürlich ist es das gute Recht jedes Eigentümers zu entscheiden, ob und wann er sein Holz nutzt. Der Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ unserer Verfassungsordnung wird durch zurückhaltende Holznutzung sicher nicht verletzt.

Die Entscheidung wann und wieviel er nutzt, kann und darf dem Waldbesitzer niemand abnehmen. Wie der einzelne Waldbesitzer zu dieser Entscheidung kommt, ist jedoch sehr unterschiedlich. Manchmal ist festzustellen, dass diese weniger auf einer umfassenden Analyse der Situation im eigenen Wald oder einer realistischen Einschätzung des aktuellen Holzmarktes basiert, sondern sich von anderen Motiven leiten lässt. An dieser Stelle setzt unsere forstwirtschaftliche Beratung an. Sie bietet geeignete Hilfen an, damit der Waldbesitzer den Handlungsbedarf in seinem Wald richtig einschätzen und eigenverantwortlich die notwendigen Entscheidungen treffen kann. Um diese Hilfestellung leisten zu können, müssen wir uns als Beraterinnen und Berater Klarheit über die Motive unserer „Kundschaft“ verschaffen. Dies geht nicht pauschal für das ganze Land, nicht einmal für ein ganzes Amt oder Revier. Es setzt die Bereitschaft voraus, vertrauensvolle Beziehungen zu den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern aufzubauen. Manchmal werden Entscheidungen, die auf den ersten Blick unerklärlich anmuten, vor dem persönlichen Hintergrund des Waldbesitzers durchaus nachvollziehbar. Auch wenn viele Waldbesitzer wirtschaftlich denkende Menschen sind, gibt es mitunter noch andere Triebkräfte für ihr Handeln als Rendite- und Risikoüberlegungen im engeren betriebswirtschaftlichen Sinn. Diese zu ergründen und zu bewerten setzt beim Berater die Bereitschaft zum Dialog und zu einem fortwährenden Lernen voraus.

Fragen nach den Gründen für die derzeitige zurückhaltende Holznutzung im Privatwald werden von den Waldbesitzern immer wieder mit folgenden Argumenten beantwortet: Die Sorge vor einer hohen Steuerlast bei zunehmendem Holzverkauf. Die fehlende Notwendigkeit höherer Liquidität. Die geringen Renditen bei der Wiederanlage von Holzerlösen. Die Flucht in Sachwerte als Reaktion auf Inflationsängste. Die Erwartung weiter steigender Holzpreise in naher Zukunft. Wir müssen diese Argumente ernst nehmen und gleichzeitig darüber nachdenken, wie wir die Waldbesitzer darin unterstützen können, Antworten zu finden, die sowohl ihrer wirtschaftlichen Situation als auch der Zukunft ihrer Waldbestände gerecht werden.

Wer (fast) keine Steuern zahlen will, geht andere Risiken ein.

Der Verheißung steuersparender Anlage- und Beteiligungsmodelle hat schon in der Vergangenheit manchem Zeitgenossen zu der Erkenntnis verholfen: Ich habe zwar keine oder nur niedrige Steuern gezahlt, aber dafür ist mein Kapital ganz oder zum erheblichen Teil verloren! Auf den Wald übertragen heißt das: Der nicht genutzte Holzvorrat kann sich zwar nicht – wie die Beteiligung an einem windigen Anlagemodell – in Luft auflösen. Aber er ist mit abnehmender Bestandsstabilität vermehrt durch Kalamitäten, durch Sturmwurf oder Käferbefall bedroht. Einen „Crash“ am Aktienmarkt kann man gegebenenfalls mit den richtigen Wertpapieren bis zur Markterholung aussitzen. Kalamitätsholz als verderbliches Gut muss zeitnah aufgearbeitet und vermarktet werden. Auch zu Niedrigstpreisen. Da helfen selbst die besten Lagerstrategien nichts.

Wald muss bewirtschaftet und gepflegt werden. Auch wenn sein Eigentümer gerade kein Bargeld braucht oder Angst vor Inflationstendenzen hat. Der Anlagehorizont bei der „Sparkasse Wald“ ist zeitlich nicht unbegrenzt. Und nur standortgerechte, gemischte, gepflegte und somit stabile Bestände eignen sich als Sparkasse. Überdichte, ungepflegte oder überalterte Bestände sind eindeutig echtes Risiko-Vermögen mit der zunehmenden Gefahr kalamitätsbedingter Zwangsnutzungen. Zurückhaltung bei der Holznutzung allein wegen der Erwartung steigender Holzpreise ist keine gute Taktik. Auch hier gibt es Parallelen auf dem Börsenparkett, wo Anleger Aktien bei hohen Preisen behalten und bei tiefen verkaufen statt umgekehrt. Widersinnig, nur weil oft nicht Tatsachen, sondern emotionale Erwartungen Entscheidungen beflügeln!
Für den Waldbesitz kommt noch eine bittere Pille dazu: Wenn die Zurückhaltung beim Holzeinschlag dazu führt, dass die Sägewerke ihren Rohstoffbedarf nicht decken können, scheiden früher oder später Werke aus. Dann werden die Preise nicht weiter steigen, egal wie sich die Konjunktur auf den zunehmend globaler werdenden Märkten entwickelt.

Wald pflegen heißt auch Holz sägen. Jedem in der Branche ist klar, dass dieses eingängige Motto im Wirtschaftswald nur für pflegliches Vorgehen und bei guter Umsetzung gilt. Aber umgekehrt gilt auch: Ohne Holz sägen, geht Wald pflegen nicht!

Günter Biermayer
Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten München