Buchenstamm und -zweig mit Frühlingslaub (Foto: Jan Böhm)

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Waldbesitzer bewältigen Sturm und Borkenkäfer - Forstinfo 05-06/2017
von Referat Privat- und Körperschaftswald

Borkenkäfer geschädigte Fichten mit roter Krone

Foto: Florian Stahl

Beim Waldschutz war das zu Ende gehende Jahr für die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ein Jahr großer Herausforderungen. Nach einem verhältnismäßig warmen März flogen die ersten Borkenkäfer in einigen bayerischen Regionen bereits Anfang April in großer Zahl aus. Die anhaltend trocken-warme Witterung im Frühjahr und Sommer begünstigte eine rasche Entwicklung der Käferpopulationen und damit verbunden eine permanente Schwärmaktivität der Schädlinge.

Die durchschnittliche Entwicklungsdauer einer Käfergeneration lag mit rund fünf Wochen auf dem niedrigsten Wert seit zehn Jahren. Neben den klimatischen Faktoren wirkten sich auch die Vorschäden durch Stürme und Käferbefall aus den Jahren 2015 und 2016 negativ auf die diesjährige Waldschutzsituation aus. Die Befallsschwerpunkte lagen heuer in Niederbayern, in der Mitte und im Norden Oberbayerns sowie in der südlichen Oberpfalz.

Sturmtief "Kolle" verschärft die Situation

Am 18. August fegte das Sturmtief "Kolle" mit Orkanböen von bis zu 135 Stundenkilometer über Teile Bayerns und machte vor allem in den niederbayerischen Landkreisen Freyung-Grafenau und Passau innerhalb von 20 Minuten auf mehr als 12 000 Hektar das Lebenswerk mehrerer Waldbesitzergenerationen zunichte. In einzelnen Gemeindegebieten sind bis zu 70 Prozent der Waldfläche betroffen. Mehrere tausend Hektar wurden total zerstört. Auf diesen Flächen können über Jahrzehnte keine Erträge mehr erzielt werden. Insgesamt fielen schätzungsweise rund 2,3 Millionen Festmeter Schadholz an, von denen lediglich rund zwei Drittel für eine stoffliche Verwertung geeignet sind.

Soforthilfeprogramm der Bayerischen Staatsregierung

Bereits nach der sich im Frühjahr abzeichnenden Borkenkäfergefahr erhielt die Bayerische Forstverwaltung zusätzliche Haushaltsmittel, um die betroffenen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer bei der Bekämpfung der Schädlinge unterstützen zu können. Das internetgestützte Borkenkäfer-Monitoring der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft lieferte laufend aktuelle Informationen über die Entwicklung der Käferpopulationen, die für die Beratung wichtig sind.
Nach dem Sturm "Kolle" beschloss die Bayerische Staatsregierung ein Soforthilfeprogramm für die Hauptschadensgebiete mit einem Volumen von 60 Millionen Euro für das Jahr 2017, das später auf Kolle-Schäden im gesamten Freistaat ausgedehnt wurde. Aus diesem Topf wurde die Räumung zerstörter Waldflächen mit bis zu 6.000 Euro je Hektar bezuschusst. Außerdem konnten geschädigte Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer zinslose Darlehen als Überbrückungshilfen sowie die Förderung zusätzlicher Holzlagerplätze beantragen.

Maßnahmen zur Unterstützung der zeitnahen Sturmholzaufarbeitung

Waldarbeiter entastet Baumstamm mit Motorsäge (Foto: Jan Böhm)

Foto: Jan Böhm

Befliegungen der Hauptschadensgebiete unmittelbar nach dem Sturm lieferten wertvolle Erkenntnisse, deren Auswertung präzise Planungsdaten für die Aufräumarbeiten zur Verfügung stellte. Die Bayerische Forstverwaltung ordnete zeitnah Försterinnen und Förster an die hauptsächlich betroffenen Ämter ab, die bis heute die dortigen Kolleginnen und Kollegen bei der Katastrophenbewältigung unterstützen. Beim zuständigen Innenministerium konnte die Forstverwaltung eine Erhöhung der zulässigen Tonnage und eine Aussetzung des Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen für Holz-LKW erwirken.

Die Bayerischen Staatsforsten haben mit einem zeitlich befristeten Einschlagstop für Frischholz zur Marktentlastung beigetragen. Zudem wurde in den beiden am stärksten betroffenen Landkreisen die Förderung des Neubaus und der Instandsetzung von Waldwegen erleichtert. Für die Wiederaufforstung der Schadflächen und den Waldumbau in den Hauptschadensgebieten werden im Jahr 2018 jeweils 20 Millionen Euro im Rahmen der Haushaltsverhandlungen bereitgestellt.
"Ich zögerte keine Sekunde, mich aus dem Ministerium an das Amt in Passau abordnen zu lassen, um die dortigen Kollegen bei der Sturmholzaufarbeitung zu unterstützen. Dies ist für mich auch eine große Herausforderung, da ich bisher kaum praktische Erfahrungen sammeln konnte und im Sturmwurf vieles anders läuft. Ich bin in Niederbayern gut aufgenommen worden, fühle mich hier wohl und habe dabei schon viel gelernt. Außerdem sind wir eine super Truppe von abgeordneten Försterinnen und Förstern und es macht einfach mega Spaß, die Aufräumarbeiten nach dem Sturm voranzubringen."

Bettina Medved, Sachbearbeiterin am Staatsministerium

Waldbauoffensive 2030

Je eine kleine Tanne, Buche und Eiche in Erde werden von zwei Händen gehalten (Foto: Jan Böhm)Zoombild vorhanden

Foto: Jan Böhm

Die Schadereignisse in diesem Jahr zeigen in aller Deutlichkeit, dass der Klimawandel in Bayern nicht bevorsteht, sondern dass wir bereits mitten drin sind. In den bayerischen Privat- und Körperschaftswäldern müssen circa 260.000 Hektar gefährdete Nadelholzreinbestände in klimatolerante Mischbestände umgebaut werden.

Im Rahmen des Klimaprogramms 2020, mit dem Bayern schon frühzeitig auf diese Herausforderung reagiert hat, bauten die bayerischen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer bis heute bereits 60.000 Hektar im Privat- und Körperschaftswald um.
Die jüngsten Wetterextreme bewogen die Bayerische Staatsregierung Anfang September, dem Vorschlag von Forstminister Helmut Brunner zu folgen und die "Waldumbauoffensive 2030" zu beschließen. Mit diesem Programm soll die bisherige Waldumbaurate von ungefähr 6.000 Hektar pro Jahr auf 10.000 Hektar gesteigert und damit beschleunigt werden. Daraus ergibt sich ein neues Gesamtziel bis zum Jahr 2030 von rund 200.000 Hektar umgebauter Waldfläche. Gleichzeitig soll die Bedeutung des Waldumbaus noch tiefer im Bewusstsein der Gesellschaft verankert werden. Dies entspricht auch den Zielen der Bayerischen Klimaanpassungsstrategie. Bei den Waldbesitzern ist die Bereitschaft zum vorausschauenden Waldumbau durch die Sturmereignisse sowie die Hitze- und Trockenjahre mit nachfolgenden Borkenkäferschäden in der jüngsten Vergangenheit deutlich gestiegen.

Um die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in ihrem eigenverantwortlichen Handeln zu unterstützen, sieht die "Waldumbauoffensive 2030" folgende Maßnahmen vor:

  • Intensivierung der Beratung und Fortbildung
  • Erhöhung der Fördermittel und der Personalausstattung der Forstverwaltung
  • Fortsetzung und Erweiterung der erfolgreichen Sonderprogramme Bergwaldoffensive, Waldinitiative Ostbayern und Initiative Zukunftswald Bayern
  • Umfassende Bildungs- und Informationsoffensive für Bürger und Waldbesitzer
  • Weiterentwicklung der Forschungsaktivitäten zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel
  • Krisenbewältigungsstrategien zur schnellen Hilfe für betroffene Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer im Katastrophenfall
Für die "Waldumbauoffensive 2030" hat die Bayerische Staatsregierung insgesamt 200 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Im Jahr 2018 stehen dafür vorerst 20 Millionen Euro zur Verfügung. Die weiteren Finanzierungsschritte werden dann bei den Verhandlungen für den Doppelhaushalt 2019/2020 getroffen. Voraussetzung für die Umsetzung sind personelle Ressourcen. Deshalb werden 200 neue Försterstellen bis zum Jahr 2030 geschaffen. Im Nachtragshaushalt für 2018 sowie in den Jahren 2019 und 2020 sind jeweils 20 neue Stellen geplant, über die letztendlich in den jeweiligen Haushaltsverhandlungen entschieden wird.

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