Buchenstamm und -zweig mit Frühlingslaub (Foto: Jan Böhm)

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Ein Jahr im Wald...
Junge Freiwillige in der Forstverwaltung: FÖJ und BFD - Forstinfo 05-06/2017
von Astrid Fischer, Staatsministerium

Wer sich in Bayern freiwillig und ehrenamtlich für Natur und Gesellschaft engagieren möchte, hat dazu vielerlei Möglichkeiten. Zu den wohl bekanntesten zählt das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ). Im Rahmen dieses Jugendfreiwilligendienstes können junge Menschen bis zum 27. Lebensjahr zwölf Monate lang in Einrichtungen, die sich dem Naturschutz oder der Umweltbildung widmen, mitarbeiten und dabei wertvolle Erfahrungen sammeln. Auch der Bundesfreiwilligendienst (BFD) als Nachfolger des früheren Zivildienstes bietet solche Möglichkeiten und steht Frauen und Männern jeden Alters offen.

Die Bayerische Forstverwaltung bietet bereits seit Langem Einsatzstellen für Freiwillige an. Mehr als 20 junge Erwachsene treten jedes Jahr zum 1. September ihren Dienst an den Walderlebniszentren sowie an der Fachstelle für Schutzwaldsanierung in Kempten (Allgäu) an, wo sie ein Jahr lang an der Seite der Försterinnen und Förster im täglichen Betrieb mitarbeiten und viel Interessantes über den Wald erfahren.

Vorbereitung auf die Praxis

Kleine Schalen an Stöcken gefüllt mit Essen werden über ein Feuer gehalten (Foto: Bergwalderlebniszentrum)Zoombild vorhanden

Pfannkuchen backen über offenem Feuer. (Foto: Bergwalderlebniszentrum)

Nach dem ersten Hineinschnuppern in den neuen Arbeitsplatz besuchen die Freiwilligen einen gemeinsamen 5-tägigen Einführungslehrgang im Bergwalderlebniszentrum Ruhpolding. Dieser bereitet die jungen Menschen auf die bevorstehenden Aufgaben vor. Dort geht es um die Bedeutung und die verschiedenen Funktionen der Wälder, die wichtigsten Tier- und Pflanzenarten, aber auch um Begriffe wie Nachhaltigkeit oder die Grundzüge der Waldbewirtschaftung.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erarbeiten eigenständig Konzepte für Waldführungen und probieren diese in der Gruppe aus. Dabei werden sie vom Schulungsteam beobachtet und bekommen ein Feedback und viele Tipps für ihre spätere Arbeit in der Forstverwaltung. Selbstverständlich dient die gemeinsame Zeit auch dem Kennenlernen und Austausch in der Gruppe.

Waldpädagogik oder Schutzwaldsanierung?

Wenn die Freiwilligen an ihre jeweilige Einrichtung zurückkehren, können sie das Gelernte ausprobieren und weiterentwickeln. Dabei werden sie von den erfahrenen Forstleuten und Waldpädagogen an ihren Einsatzstellen intensiv begleitet und geführt. Zu den Hauptaufgaben der jungen Ehrenamtlichen an den Walderlebniszentren gehört es, Waldführungen und andere waldpädagogische Veranstaltungen zu organisieren und auch selbständig durchzuführen. In den Einrichtungen mit Übernachtungsbetrieb helfen sie auch bei der Betreuung und Versorgung der Schulklassen mit.

Bei der Fachstelle für Schutzwaldsanierung begleiten und unterstützen die Freiwilligen die Försterinnen und Förster bei Planungs- und Inventurbegängen im oft nur schwer zugänglichen Bergwald. Daneben pflanzen sie gemeinsam mit den Waldarbeitern junge Bäumchen, damit der Schutzwald auch in Zukunft vor Lawinen, Hochwasser oder Steinschlag schützen kann. Schließlich wirken die Freiwilligen oft bei Ausstellungen und Infoständen der Forstverwaltung mit und unterstützen so die forstliche Öffentlichkeitsarbeit.

Freiwilligenzeit zur beruflichen Orientierung

Für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist der Freiwilligendienst ein erster Einblick in die Berufswelt und hilft ihnen bei ihrer eigenen beruflichen Orientierung. Nach dem Jahr bei der Forstverwaltung fällt vielen von ihnen die Entscheidung leichter, welchen Studiengang oder welche Ausbildungsrichtung sie einschlagen wollen. Natürlich profitieren auch die Einsatzstellen ganz gewaltig von der Arbeit der Freiwilligen. Neben der tatkräftigen Unterstützung im Arbeitsalltag freuen sich viele der Forstkolleginnen und -kollegen über den intensiven Kontakt mit jungen Menschen, die stets neue Ideen und frischen Wind mitbringen.
"Ich habe noch nie von solch einem Betriebsklima gehört, wie ich es während meines FÖJ am Walderlebniszentrum Ziegelwies erlebt habe. Meine Chefin sorgte für uns fast rund um die Uhr wie eine Ersatzmutter. Die WG im alten Forstamt in Hohenschwangau war genial. Ich habe im FÖJ eines der schönsten Jahre meines bisherigen Lebens verbracht."

Frieder Lindner
über sein Freiwilliges Ökologisches Jahr am Walderlebniszentrum Ziegelwies

Interview

Carolin Hettenhausen und Tanja Schäfer haben ab September 2016 im Rahmen ihres Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) zwölf Monate lang am Walderlebniszentrum Tennenlohe (WEZ) mitgearbeitet. Am Ende eines ereignisreichen Jahres durften wir ihnen noch ein paar Fragen stellen.

Was hat euch auf die Idee gebracht, das FÖJ im Forstbereich zu machen?

Carolin:
Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Die Natur und besonders der Wald hatten schon immer einen hohen Stellenwert für mich. Da ich nach der Schule einen freiwilligen Dienst machen wollte, habe ich mir überlegt, warum nicht bei der Forstverwaltung?
Tanja:
Ich wollte bereits während meiner Schulzeit Försterin werden. Da ich nach dem Abi keine Lust hatte, sofort wieder zu büffeln, hat mir meine Mutter ein Freiwilliges Ökologisches Jahr empfohlen. Im Internet bin ich auf das Walderlebniszentrum Tennenlohe gestoßen. Das Angebot hat mir sofort zugesagt und ich habe mich beworben. Auf diese Weise konnte ich auch gleich testen, ob mir ein Beruf im Wald wirklich zusagt.

Was waren eure Aufgaben in den vergangenen zwölf Monaten?

Carolin:
Hauptsächlich machten wir waldpädagogische Führungen für Kinder und wirkten bei Ferienprogrammen oder Kindergeburtstagen mit. Außerdem halfen wir bei der Instandhaltung der Gebäude und des Außengeländes, unterstützten die Forstwirte bei handwerklichen Arbeiten und erledigten Büroarbeiten. Auch bei Großveranstaltungen wie dem Waldfest, bei Christbaumverkauf oder der Nürnberger Messe durften wir mithelfen.
Tanja:
Neben der Aufzählung von Carolin möchte ich aber auch die Alltagstätigkeiten wie das Auf- und Zuschließen des Geländes oder den Telefondienst nicht vergessen. Und dann waren wir noch an verschiedenen Angeboten unseres Veranstaltungskalenders beteiligt wie beispielsweise dem Waldsportabzeichen oder bei Nachtwanderungen.

Haben sich eure Erwartungen an das FÖJ bei der Forstverwaltung erfüllt oder gab es Überraschungen? Was hättet Ihr euch vorher nicht so vorgestellt?

Carolin:
Freunde, die vor mir ein freiwilliges Jahr absolviert hatten, erzählten immer, dass sie hauptsächlich Hilfsdienste übernehmen mussten oder Arbeiten, die sonst keiner machen wollte. Deswegen hat mich überrascht, dass wir am Walderlebniszentrum viel Raum für Eigeninitiativen hatten, eigene Ideen einbringen konnten und persönlich sehr viel über den Wald und die Natur gelernt haben. Meine Erwartungen wurden damit weit übertroffen.
Tanja:
Auch meine Erwartungen wurden übertroffen. Ich hätte nie gedacht, dass wir so schnell so selbständig arbeiten dürfen. Die Hauptamtlichen haben uns fast keine Grenzen gesetzt. Ich konnte zum Beispiel mit einer Kindergruppe im Walderlebniszentrum übernachten. Begeistert hat mich auch, was ich selbst alles lernen konnte. Ich machte verschiedene Praktika bei verschiedenen Förstern, durfte an einem Motorsägen-Lehrgang teilnehmen und sogar mit der Motorsäge Figuren schnitzen.

Gab es ein besonderes Highlight, von dem ihr kurz berichten wollt?

Carolin:
Highlights waren für mich das Einführungsseminar in Ruhpolding und der Motorsägen-Lehrgang. Toll fand ich auch das Team in dem ich arbeiten durfte – die anderen drei Freiwilligen, aber vor allem die Stammmannschaft. Und auch sonst begegnet man im Forstbereich fast ausnahmslos aufgeschlossenen und sympathischen Menschen.
Tanja:
Mein persönliches Highlight war unser WEZ-Ausflug nach Berchtesgaden. Wir haben uns dort das "Haus der Berge" der Nationalparkverwaltung angeschaut, unternahmen Exkursionen an der österreichischen Grenze und übernachteten in einer Hütte ohne fließend Wasser und Strom. Am Abend saßen wir in der Hütte und haben Gitarre gespielt und dazu gesungen. Dies hat uns im Team noch näher zusammengeschweißt.

Und wie geht’s nun weiter bei euch? Was steht als nächstes an?

Carolin:
Für mich geht es an der Hochschule in Freising weiter. Dort werde ich Forstingenieurwesen studieren. Das freiwillige Jahr im Forst hat mir klargemacht, dass Försterin durchaus ein reeller Beruf ist.
Tanja:
Auch ich werde ab Oktober in Weihenstephan Forstingenieurwesen studieren und dann hoffentlich Försterin werden. Diesen Berufswunsch hatte ich ja bereits zuvor. Das FÖJ hat mich in diesem Entschluss nochmals bestätigt, da mir die Zeit am Walderlebniszentrum so viel Spaß gemacht hat.

Weitere Informationen

Mögliche Einsatzorte sind die zehn bayerischen Walderlebniszentren und die Fachstelle Schutzwaldmanagement des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Immenstadt.
Der Einsendeschluss für Bewerbungen bei den oben genannten Einrichtungen für die erste Runde ist der 7. Februar 2018, für die zweite, der 11. April.