Buchenstamm und -zweig mit Frühlingslaub (Foto: Jan Böhm)

Rückblick:
22. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung - Forstinfo 02-03/2018
von Christoph Josten Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan

"Wald - quo vadis?" Mit dieser Frage beschäftigten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beim 22. Statusseminar des Kuratoriums für Forstliche Forschung Mitte März in Weihenstephan. Für sie steht fest, dass die Auswirkungen des Klimawandels den Wald vor zahlreiche Herausforderungen stellen.

Baumarten müssen künftig mit extremerem Klima zurechtkommen

Durch den voranschreitenden Klimawandel ändern sich die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere. Professor Anton Fischer, Geobotaniker an der TU München, präsentierte erstmals eine Karte der potentiell natürlichen – vom Menschen unbeeinflussten – Vegetation in Bayern unter Berücksichtigung möglicher Klimaentwicklungen. Dazu erfasste sein Forscherteam für landesweit 28 Millionen Referenzpunkte alle, das Pflanzenwachstum beeinflussende Daten. Rechnet man zu diesen Werten die Auswirkungen der Klimaerwärmung hinzu, ergibt sich ein ganz neues Bild der potentiell natürlichen Vegetation. "Bei einem Plus von zwei Grad Celsius kommen auf einem Drittel der Landesfläche Standortbedingungen vor, die wir bisher in Bayern nicht vorfinden", verdeutlichte Fischer, "und 1,4 Grad Erwärmung haben wir bereits." Daraus leitete der Wissenschaftler die dringende Notwendigkeit ab, die bayerischen Wälder an das künftige Klima anzupassen. Dies bedeutet, dass in Bayern künftig vermehrt Baumarten gepflanzt und gefördert werden müssen, die besonders gut mit Hitze und Trockenheit, aber auch mit den weiterhin vorkommenden Winter- und Frühjahrsfrösten zurechtkommen.

Kiefer: Diplodia-Triebsterben auf dem Vormarsch

Das sah auch Hans-Joachim Klemmt von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) so. In einem Gemeinschaftsprojekt mit der Technischen Universität München untersuchte er das vermehrte Absterben von Kiefern nach dem Trockensommer 2015. Die Wissenschaftler konnten an allen untersuchten Kiefern einen Pilz aus der Gattung Botryosphaeria nachweisen, der das sogenannte Diplodia-Triebsterben verursacht. In Mitteleuropa ist dieser Pilz seit Jahrzehnten vor allem als Bläue-Erreger an Schnittholz und als Schädling von ein- bis dreijährigen Kiefernsämlingen bekannt. Gravierende Schäden an Altbäumen wurden in der Vergangenheit nur in deutlich wärmen Klimaregionen beobachtet. Für Klemmt ist das Diplodia-Triebsterben in Bayern nach dem Trockensommer 2015 ein deutlicher Hinweis, dass künftig auch im Waldschutz bislang unauffällige Schadorganismen neu bewertet werden müssen.

Eichenanbau birgt Chancen und Risiken

Der frühere LWF-Mitarbeiter Bernhard Loock beschäftigte sich mit der Eiche und den an ihr lebenden Insekten. "Die Eiche ist sehr robust und an Hitze und Trockenheit gut angepasst. Damit ist sie eine ideale Baumart für die Zukunft", erläuterte Loock. "Wenn aber ihre Krone über mehrere Jahre in Folge immer wieder kahl gefressen wird, führt das häufig zum Absterben." Ein Beispiel ist der Eichenprozessionsspinner, dessen Raupen junge Eichenblätter fressen. In der Vergangenheit gab es in Bayern fast ausnahmslos in Unter- und Mittelfranken Massenvermehrungen dieses Falters. Durch die warme Witterung der letzten Jahre kommt er mittlerweile in weiten Teilen Bayerns in höherer Dichte vor. Damit stellen die Raupen des Eichenprozessionsspinners eine zunehmend ernste Bedrohung für Eichenbestände dar.

Bedrohung durch den Klimawandel wirft Fragen auf

Zum Abschluss des Statusseminars waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig, dass die Bedrohungen durch den Klimawandel für das Ökosystem Wald und die Forstwirtschaft in Bayern viele Fragen aufwerfen und auch in Zukunft forstliche Forschung unverzichtbar machen. Die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft nimmt dabei im Verbund mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Technischen Universität München am Forschungsstandort Weihenstephan eine wichtige Rolle ein.

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