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Ein Thema für die Waldpädagogik?
Wald und Gesundheit - Forstinfo 01/2019
von Sabine Frommknecht, LWF

Zwei Spaziergänger mit Hund

© Jan Böhm

Das erste Waldpädagogik-Forum der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) am 22. November 2018 stand unter dem Motto "Wald und Gesundheit". Unter den rund 80 Teilnehmern waren vor allem zertifizierte Waldpädagoginnen und Waldpädagogen, Forstleute, Lehrkräfte sowie Pädagoginnen und Pädagogen hauptsächlich aus Waldkindergärten. Aufgrund des besonders hohen Interesses wurde die Veranstaltung in ähnlicher Form am 29. Mai 2019 am Walderlebniszentrum Tennenlohe wiederholt.

Das LWF-Forum bot den Teilnehmenden zunächst zwei hochaktuelle Vorträge aus der Forschung. Der dritte Vortrag stellte den Brückenschlag in die Umsetzung von Forschungserkenntnissen und innovativen Projekten in die waldpädagogische Praxis dar.

Den Wald therapeutisch nutzen

Lena Friedmann und Dr. Annika Gaggermeier vom Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik der Technischen Universität München referierten zum Thema "Von der Erholung zur therapeutischen Nutzung des Waldes in Bayern". Sie beleuchteten dabei die Erholung und Gesundheit im Wald am Beispiel von Waldbesuchern, Walderlebniszentren und Kliniken. Neben einer umfassenden Medienanalyse zeigten die beiden Wissenschaftlerinnen erste Erkenntnisse und mögliche Zukunftsperspektiven für Therapieangebote im Wald auf.

Waldbaden zum Stessabbau

Gisela Immich vom Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München referierte über die gesundheitsfördernden Effekte von Waldaufenthalten. Das "Waldbaden" – abgeleitet vom japanischen Begriff "Shinrin yoku" – ist eine gute Methode für das Stress-Management. Die Waldtherapie reicht aber auch weit in den medizinisch-therapeutischen Bereich hinein. Die Referentin stellte wissenschaftliche Erkenntnisse zur Auswirkung von Waldbesuchen auf die Psyche und den Körper des Menschen vor. Beispielhaft nannte sie die Senkung der Pulsfrequenz, die Verminderung von ADHS-Symptomen und die Steigerung kognitiver Leistungsfähigkeit.

Immer mehr Ausbildungsangebote im waldpädagogischen Bereich

Dirk Schmechel, Abteilungsleiter für Waldpädagogik an der LWF, rundete die Vortragsreihe mit den möglichen Anknüpfungspunkten zwischen dem Thema "Wald und Gesundheit" und Waldpädagogik ab. Er verdeutlichte, dass viele der pädagogisch orientierten Zielsetzungen der forstlichen Bildungsarbeit eng mit Gesundheitsaspekten verbunden sind wie zum Beispiel beim kreativen Gestalten, bei Meditationen, bei Aktivitäten mit besonderem Fokus auf Sinneswahrnehmungen oder bei Bewegungsaktivitäten. Daher erscheint es in Anbetracht von aktuell stark anwachsenden Ausbildungsangeboten zu Waldgesundheitstrainern oder Waldtherapeuten sinnvoll, dass diese zukünftig auch Wege der Kooperation und Abstimmung mit Waldpädagogen und insbesondere auch mit Waldbesitzern beschreiten.

Workshops bilden Praxistransfer

Die fünf im Anschluss an die Vorträge angebotenen Workshops bildeten den Praxistransfer, welche Aspekte des Themas "Wald und Gesundheit" in waldpädagogischen Angeboten umgesetzt werden können. Die Berichte aus den Workshops am Ende des Tages zeugten von dem großen Potenzial der Waldpädagogik in gesundheitsfördernden Angeboten.
Das Thema "Doktor Wald" kann besonders dazu beitragen, einen offenen und authentischen Dialog des Forstsektors mit der Gesellschaft zu intensivieren und so bestehenden Missverständnissen oder Ängsten entgegenzuwirken. Die bunte Mischung der Forumsteilnehmer aus zertifizierten Waldpädagogen, Forstleuten, Waldbesitzern, Waldgesundheitstrainern und anderen Interessierten konnte mit einer intensiven Diskussion zur zukünftigen Bedeutung und Nutzung des Waldes für gesundheitliche Zwecke einen wichtigen Beitrag leisten.

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