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Waldpädagogik
Waldjugendspiele in Ostbayern - Nachhaltigkeit in der Waldpädagogik - Forstinfo 03/2019
von Cornelius Bugl, AELF Regensburg, und Redaktion Forstinfo

Förster mit Kindern im Wald bei den Waldjugendspielen (Foto: Josef Eder)

Förster mit Kindern im Wald bei den Waldjugendspielen
(Foto: Josef Eder)

Zum 50. Mal fanden heuer in Ostbayern Waldjugendspiele statt. 1970 hatte der Forstmann Dr. Hans-Heinrich Vangerow die Idee, Kinder im Rahmen von so genannten Waldjugendspielen auf spielerische Art und Weise mit dem Wald und der Forstwirtschaft in Kontakt zu bringen. Dieses Konzept hat sich im Laufe der Zeit in Ostbayern zu einem echten waldpädagogischen Dauerbrenner entwickelt.

Über 600.000 Kinder haben seitdem an den Waldjugendspielen teilgenommen – eine beeindruckende Erfolgsbilanz, an der auch zahlreiche Unterstützer ihren Anteil haben. Damit handelt es sich um die erfolgreichste und traditionsreichste waldpädagogische Veranstaltungsreihe in Bayern. Inzwischen gibt es die Waldjugendspiele nicht nur flächendeckend an den ostbayerischen Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, sondern teilweise auch in anderen Landesteilen. Selbst andere Bundesländer und das Ausland haben das Konzept Vangerows übernommen.

Wald erleben auf spielerische, erlebnisreiche Art

Sein Ziel war es von Anfang an, Wissen über den Wald nicht per "Förstermonolog" zu vermitteln, sondern dies auf spielerische und erlebnisreiche Art zu tun. Zahlreiche Quiz- und Spielstationen machen im Mix mit ergänzenden Informationen durch den "Forstpaten" oder die "Forstpatin" den Vormittag im Wald für die Kinder abwechslungsreich und lebendig. Dies ist wohl das Erfolgsgeheimnis, warum das Veranstaltungsformat seit nunmehr fünf Jahrzehnten ungebrochen bei Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern Gefallen und Akzeptanz findet.
Wichtige Kooperationspartner der ostbayerischen Forstleute sind von Anfang an der Landesverband Bayern der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sowie seit 2005 an vielen Standorten die Bayerischen Staatsforsten. Zudem gibt es zahlreiche ehrenamtliche Helfer – vor allem viele pensionierte Forstleute – die die Durchführung unterstützen.
Mittlerweile finden die Waldjugendspiele an 16 verschiedenen Spielorten statt und erreichen in jedem Jahr etwa 800 Schulklassen der 3. Jahrgangsstufe mit rund 17.000 Kindern. Neben der kindgerechten Programmgestaltung schätzen die Schulen vor allem auch, dass die Waldjugendspiele verlässlich jedes Jahr stattfinden und sie ihren Sachkunde-Unterricht entsprechend darauf ausrichten können. Bereits seit längerem werden die Waldjugendspiele nicht mehr an allen Spielorten einheitlich nach dem gleichen Strickmuster durchgeführt. So gibt es beispielsweise Spiele mit oder ohne Wettbewerb oder mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung. Diese Freiheit regt die Kreativität an und ist für alle Akteure auch motivationsfördernd.
Portraitfoto: Cornelius Bugl, kommisarischer Bereichleiter Forsten am AELF Regensburg (Foto: Josef Eder)
"Bei uns haben die Schulen die Möglichkeit, zwischen Einzelführungen und Waldjugendspielen zu wählen. Wir schaffen dadurch Verlässlichkeit für die Schulen, Wahlmöglichkeiten für die Lehrkräfte und eine Entlastung unserer Revierleiterinnen und Revierleiter. So gelingt es uns, in jedem Schuljahr beinahe 100 Prozent der dritten Klassen in den Wald zu führen. Daneben stärken wir mit den Waldjugendspielen die Kooperation mit anderen Partnern und erreichen ein positives Echo in der Öffentlichkeit!"

Cornelius Bugl, kommisarischer Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg und langjähriger Koordinator der Waldjugendspiele in Ostbayern

Die Waldjugendspiele als Vorbild für andere Programme

Organisiert werden die Spiele von den jeweiligen Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Am Spielort Passau nehmen seit 1975 jährlich auch zahlreiche oberösterreichische Kinder und Forstpaten teil und machen die dortigen Waldjugendspiele zu einem "Spiel ohne Grenzen". Seit einigen Jahren beteiligen sich in Passau und im Landkreis Cham auch tschechische Schulklassen und verstärken so den europäischen Gedanken eines "Miteinanders in Vielfalt". Daneben gibt es in Regensburg und Passau so genannte integrative Waldjugendspiele, bei denen Schülerinnen und Schüler von Gymnasien mit Kindern aus Behinderteneinrichtungen einen Vormittag lang eine Spielgemeinschaft im Wald bilden.
Gemeinsam mit dem Landesverband Bayern der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald unterstützt die "Servicestelle Waldjugendspiele" am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg die durchführenden Ämter zum Beispiel bei der finanziellen Abwicklung oder der Beschaffung von Preisen und hölzernen Erinnerungsplaketten. Ein "WJS-Newsletter" der Servicestelle dient der Querinformation der ostbayerischen ÄELF.

Zusammengehörigkeitsgefühl wird gestärkt

Da bei den Waldjugendspielen alle Angehörigen des Bereichs Forsten – egal ob forstlich ausgebildet oder nicht – an diesen Tagen zusammenhelfen, stärkt dies auch das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb des Teams. Zudem findet an den Spielorten im Staatswald ein vertrauensvoller Austausch und eine gute Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der Bayerischen Staatsforsten statt. Für die Revierleiterinnen und Revierleiter der Forstverwaltung sind die Waldjugendspiele durch dieses Miteinander vieler Hände und die terminliche Konzentration auf wenige Tage pro Jahr eine wesentliche Arbeitsentlastung bei ihrem waldpädagogischen Auftrag. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Nebeneffekt der Waldjugendspiele ist, dass sie in der Öffentlichkeit und in den Medien sehr positiv wahrgenommen werden. Im Vergleich zur häufig sehr forstkritischen Berichterstattung bekommen der Wald und die Forstleute bei den Waldjugendspielen stets eine "positive Presse".

Festakt zum 50-jährigen Jubiläum

Anlässlich des Jubiläums der Waldjugendspiele fand am 10. Juli 2019 in Lappersdorf (Landkreis Regensburg) ein Festakt statt. Dabei dankte Forstministerin Michaela Kaniber Dr. Hans-Heinrich Vangerow, dem Vater der Waldjugendspiele, sowie zahlreichen Kooperationspartnern.
Ministerin Michaela Kaniber überreicht Dr. Hans-Heinrich Vangerow eine Urkunde (Foto: Martina Groh-Schad)

© Martina Groh-Schad

Forstministerin Kaniber beim Sägespiel mit den anwesenden Schülerinnen und Schülern. (Foto: Martina Groh-Schad)

© Martina Groh-Schad

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