Hitzeschutz in Senioreneinrichtungen

Hitzewellen und Tropennächte stellen Seniorenheime vor große Herausforderungen: Ältere Menschen sind wegen Vorerkrankungen und eines geschwächten Organismus besonders gefährdet. Aber auch Hauswirtschaftskräfte leiden unter extremer Hitze. Sie brauchen Schulungen zum richtigen Verhalten bei Hitze. So lernen Sie, sich und andere Mitarbeitende zu schützen und Seniorinnen und Senioren aufmerksam zu beobachten und bei ersten Anzeichen für Hitzeschäden das Pflegepersonal zu alarmieren. Es sind präventive und praxisnahe Schutzkonzepte dringend nötig.

Aktualisiert am: 11.06.2026
Erstellt von: Kompetenzzentrum Hauswirtschaft
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Thermometer in der Sonne zeigt über dreißig Grad Celsius an© KoHW

Hitzewelle - Was tun?

Zur Erstellung eines Hitzeplans kann ein Team ins Leben gerufen werden, das die Situation vor Ort analysiert, kritische Stellen erkennt und sowohl Maßnahmen für die Mitarbeitenden als auch die Bewohnenden in Senioreneinrichtungen im Blick behält. Ziel sollte es sein, sich durch die Schulung der Mitarbeitenden gegen die nächste anstehende Hitzewelle zu wappnen, indem jeder weiß, was zu tun ist.

Das TOP-Prinzip

Das sogenannte TOP-Prinzip aus dem Projekt "HIGELA" gibt Struktur und Maßnahmen zur Hitzeschutzprävention mit an die Hand.

T steht für "Technische und wohnraumbezogene Maßnahmen"

Technische und wohnraumbezogene Maßnahmen können meist einfach und schnell umgesetzt werden und dürfen bei der Erstellung eines neuen Gebäudekonzeptes nicht fehlen. Sie helfen, das Raumklima idealerweise bei Temperaturen unter 26 Grad Celsius und circa 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit zu halten. Auch Ventilatoren sind nur bis zu diesen Maximalwerten wirksam.

Maßnahmen aus dieser Kategorie sind:
  • Räume durch Rollläden, Verdunklungsfolien, Vorhänge o. ä. vor Sonneneinstrahlung schützen
  • bei kühlen Temperaturen am Morgen oder späten Abend lüften 
  • langfristig Begrünungsmaßnahmen an Fassade, Dach oder in der Umgebung, die das Gebäude und die Umwelt kühlen, die Luftqualität verbessern und die Artenvielfalt fördern 
  • Kälteinseln einrichten, d.h. Räume mit dauerhaft angenehmem Klima zur kurzfristigen Abkühlung und Regeneration; das gelingt z.B. durch den Einsatz von Klimaanlagen - aber Vorsicht es besteht Unterkühlungsgefahr
Wasserglas wird von einer Person hochgehalten © KoHW
O steht für "Organisatorische Maßnahmen"

Organisatorische Maßnahmen sorgen in der Einrichtung für den geregelten Ablauf eines Hitzeschutzplans. Sobald eine Hitzeperiode ansteht, startet idealerwiese die Umsetzung des Plans und ein Hitzeschutzteam initiiert die konkrete Vorbereitung und strukturierte Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen. Dabei sind Kreativität und Teamgeist gefragt.

Maßnahmen aus dieser Kategorie sind:
  • Abonnement beim Deutschen Wetterdienst, um rechtzeitig vorgewarnt zu sein
  • Arbeitsabläufe an die Hitze anpassen, z.B. den Mitarbeitenden ermöglichen, anstrengende Tätigkeiten aufzuteilen und bei kühlen Temperaturen durchzuführen bzw. diese zu verschieben
  • regelmäßige Fortbildungen für Personal und Information zum Thema Hitzeschutz für Bewohnende anbieten
  • heiße Räume meiden, d.h. dortige Aufenthalte kurzhalten oder bestenfalls darauf verzichten
P steht für "Persönliche (und pflegerische) Schutzmaßnahmen"
Folgende Maßnahmen sorgen für den Schutz der einzelnen Mitarbeitenden und der Bewohnenden:
  • ausreichende Flüssigkeitsaufnahme sicherstellen, indem z.B. an verschiedenen Orten Trinkflaschen oder Trinkwasserspender bereitstehen
  • regelmäßig Erholungspausen für Mitarbeitende an kühlen Orten während heißer Tageszeiten einplanen
  • bei sich und anderen Mitarbeitenden den Körper durch feuchte Umschläge, eine Wassersprühflasche, kühles Wasser auf den Handgelenken oder Kühlkleidung und kühlende Accessoires z.B. Kühltücher, Kühlwesten abkühlen
  • darauf achten, dass Bewohnende sich den Temperaturen entsprechend kleiden und, dass Mitarbeitenden entsprechende, funktionale Arbeitskleidung zur Verfügung gestellt wird
  • Anpassung des Speiseplans an heißen Tagen durch pflanzliche, gemüsereiche Gerichte, die viel Wasser enthalten 
  • auf Anzeichen achten, die auf gesundheitliche Schäden durch Hitze bei den Bewohnenden hindeuten, und die zuständige Pflegefachkraft informieren

Bemerkbar macht sich die Hitzeauswirkung durch folgende Symptome:
  • Kreislaufbeschwerden, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Erschöpfungs- oder Schwächegefühl, Krämpfe
  • Unruhegefühl, plötzliche Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit
  • Kurzatmigkeit bzw. schnelle und flache Atmung, schneller und starker Puls
  • starkes oder fehlendes Durstgefühl, kein Schwitzen, verminderte Urinausscheidung und zunehmende Harnkonzentration
  • Mund, Zunge und Haut sind trocken und verminderter Hautturgor (Hautfalte an der Handoberseite bleibt beim Kneifen stehen), gerötete Haut, steigende Körpertemperatur

Treten bei Mitarbeitenden oben genannte Symptome auf, sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden:
  • Bringen Sie die Person an einen kühlen Ort.
  • Empfehlen Sie der Person,  überflüssige Kleidungsstücke auszuziehen.
  • Sorgen Sie dafür, dass die Person sich hinlegt, und legen Sie deren Beine hoch.
  • Kühlen Sie die Person mit kaltem Wasserspray und/ oder einem Ventilator.
  • Legen Sie der Person kalte Tücher oder Kühlpacks auf Nacken, Achseln und den Leistenbereich.

Was ist HIGELA

Der gesamte Artikel basiert zum Großteil auf den Informationen aus dem "Projekt HIGELA". Das Projekt "Hitzeresiliente und Gesundheitsfördernde Lebens- und Arbeitsbedingungen in der stationären Pflege" - steht unter der Leitung der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG) und des Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V. (AWO). Der BKK Dachverband e.V. fördert HIGELA. Das Projekt soll stationären Pflegeeinrichtungen dabei helfen, sich vor den Gefahren, die durch immer extremere Hitzewellen drohen, zu schützen. Schulungen und weitere Präventionsmaßnahmen wurden 2024 durch das Pilotprojekt getestet. Weitere Infos zu HIGELA finden Sie unter:

www.higela.de externer Link

Quellen

Quellen liegen am KoHW vor.

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