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Nachhaltige Ernährung (Schritt 6/7)
Fairness genießen - weltweit

"Fairplay" gilt nicht nur im Sport, sondern auch beim Essen. Fair bezahlte und fair gehandelte Lebensmittel sind ein wichtiger Baustein der nachhaltigen Ernährung.

Mein Kaffee kommt aus Tansania,
meine Milch aus Bayern,
der Kakao von der Elfenbeinküste
und der Zucker aus Bayern.

Ich unterstütze mit einer Latte Macciato
mindestens vier Bauernfamilien.
Aber nur, wenn ich fair bezahle.

Unsere deutschen, vergleichsweise niedrigen Lebensmittelpreise spiegeln häufig die tatsächlichen Produktions- und Folgekosten nicht wider. Die Folge: Vor allem kleine und mittlere Landwirte, Verarbeiter und Händler können nicht mehr kostendeckend wirtschaften und müssen aufgeben.

Fair und schonend

Geröstete dunkelbraune Kaffeebohnen in einem Jutesack.
Die Produktionsbedingungen für anerkannt fairen Handel schreiben gewisse Mindeststandards vor. Nicht nur bei den Preisen, auch beim Umweltschutz. Landwirte und Verarbeiter müssen Auflagen zum Trinkwasserschutz, zu Wiederaufforstungen, zur Abfallbeseitigung und zum Einsatz von Pestiziden einhalten. Häufig werden Produkte aus fairem Handel zudem in Bio-Qualität produziert, was Umwelt und Menschen zusätzlich schont.

Fair und sozial

Über die tägliche Einkaufsentscheidung stimmt jeder einzelne Verbraucher darüber ab, wie und was produziert wird. Faire Erzeugerpreise unterstützen die kleinen und mittleren Betriebe in Deutschland. Diese sichern Arbeitsplätze in der Region und die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln. Entscheiden sich Verbraucher für fair bezahlte Lebensmittel aus regionaler Herkunft, so tragen sie zur Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft bei.
Nahaufnahme von frischer Milch, die kronenförmig aufspritzt beim Einschenken.
Erzeuger von fair gehandelten Produkten in Entwicklungsländern haben sich häufig zu Bauerngenossenschaften zusammengeschlossen. Der Mehrpreis, der im fairen Handel bezahlt wird, setzt sich meist aus einem Mindestpreis und diversen Aufschlägen zusammen. Demokratisch entscheiden die beteiligten Landwirte, wie die Mehreinnahmen aus den Aufschlägen eingesetzt werden: in soziale Projekte, Bildungsmaßnahmen, soziale Absicherungssysteme oder Investitionen in die Infrastruktur. Fairer Handel stärkt das Selbstbewusstsein der Bauern und qualifiziert sie. Ausbeuterische Formen der Kinderarbeit schließt der faire Handel aus.

Zur Erinnerung: In Afrika arbeiten rund 40 Prozent aller unter 14-Jährigen, also 80 Millionen Kinder, in ausbeuterischen Systemen. Vier von fünf Kinderarbeitern erhalten keinen Lohn für ihre Arbeit [1].

Fair und gesund

Braune Kakaofrüchte, getrocknete Kakaobohnen und Kakaopulver auf einem Foto.
Fairer Handel achtet auch auf die Gesundheit der Menschen vor Ort. Damit sich Arbeiter und Bauern nicht akut oder schleichend vergiften, wird z. B. bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln das Tragen von Handschuhen und Schutzanzügen vorgeschrieben. Durch die höheren Preise haben die Erzeuger mehr Geld für Lebensmittel und für Bildung zur Verfügung.

Zahlreiche Produkte aus Entwicklungsländern sind in der Ernährungspyramide als Genussmittel eingeordnet, die bewusst und nicht in großen Mengen konsumiert werden sollten: Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade und vieles mehr. Ein bewusster Konsum macht höhere Preise erträglicher und fördert zudem die Gesundheit.

Fair und angemessen

Mix aus weißen und braunen Zuckerwürfeln.
Beim weltweiten fairen Handel erhalten die Erzeuger einen vertraglich vereinbarten Mindestpreis. Dieser liegt über dem Weltmarktpreis und deckt die Produktionskosten. Fairer Handel ermöglicht den Bauern, ihre Existenz zu sichern und menschenwürdig von ihrer Arbeit zu leben. Häufig verzichtet der faire Handel auf Zwischenhandel und kauft die Ware direkt bei den Genossenschaften ein.

Beispiel Kaffee

Der Weltmarktpreis für Rohkaffeebohnen schwankt stark, wie diese Grafik von 1992 bis 2007 zeigt. Steigt der Weltmarktpreis über den garantierten Mindestpreis im Fairen Handel, so steigt der tatsächlich bezahlte Fairhandelspreis mit. Der Weltmarktpreis für 500g gewaschenen Arabica-Rohkaffee betrug 2008 0,87 €. Fair gehandelter Kaffee erzielte einen Mindestpreis von 0,93 € plus einen Aufschlag von 0,07 €, insgesamt also mindestens 1,00 € pro 500g [2].

Grafik zeigt die Preisentwicklung für Rohkaffee zwischen 1992 und 2007.Seit 1995 wird für fair gehandelten Kaffee immer mehr als der Weltmarktpreis bezahlt, selbst wenn dieser über dem Fairtrade-Mindestpreis von 0,93 € pro 500 Gramm liegt.

Weiterführende Informationen

Quellen

[1] International Labour Organisation: About child labour. www.ilo.org, 2009

[2] Transfair: Über Transfair. Kaffee – Wissenswertes. Und: Daten der International Coffee Organisation. www.fairtrade-deutschland.de, 2009

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