Header Ländliche Entwicklung Freiwilliger Nutzungstausch

So haben Landwirte die variablen Bewirtschaftungskosten gesenkt und Gewässer geschützt

Die Rhön ist ein Naturpark mit reizvoller Kulturlandschaft. Landschaftliche Schönheit hat aber auch ihren Preis. Das spüren besonders die Landwirte im nördlichen Unterfranken mit Pachtflächenanteilen bis zu 70 Prozent. Denn die große Zahl kleiner, verstreut liegender Feldstücke, die sich durch Zupacht noch erhöht, steigert den Bewirtschaftungsaufwand beträchtlich und ist ein großer Wettbewerbsnachteil. Die anstehende Flurneuordnung wollten Landwirte aus Aschach deshalb nicht abwarten und realisierten vorher einen Freiwilligen Nutzungstausch.

Initiative mit Impulscharakter

Dem Impuls der Aschacher Landwirte folgten weitere Kollegen aus insgesamt zehn Gemarkungen. Gemeinsam führten sie in zwei Jahren einen Freiwilligen Nutzungstausch durch, in dem sie ihre Wirtschaftsflächen tauschten und zusammenlegten ohne am Eigentum etwas zu ändern. Gleichzeitig wurden Ziele des Gewässerentwicklungsplanes Fränkische Saale umgesetzt.

Effizient und kaum sichtbar

Entlang eines Teilstücks von 15 Kilometern der Fränkischen Saale tauschten 26 Landwirte und 120 Verpächter freiwillig die Nutzung von 206 ha Grünlandflächen. Besonderheit: Tauschpartner war auch die Wasserwirtschaftsbehörde. Sie setzt bayernweit auf das Bodenmanagement der Flurneuordnung und erwirbt in anstehenden Projekten frühzeitig Flächen zur Berücksichtigung ihrer Belange. Auch in Bad Bocklet wurden 60 Hektar für den Gewässerentwicklungsplan Fränkische Saale gekauft. Die 56 Einzelflächen lagen verstreut und waren meist mit extensiven Bewirtschaftungsauflagen versehen. Nach dem Freiwilligen Nutzungstausch erstrecken sich nun entlang des Flusses 32 Hektar als Uferstreifen. Sie sind zwischen fünf und 30 Meter breit, werden von Landwirten extensiv genutzt und gepflegt und puffern Stoffeinträge in das Wasser des Flusses ab.
Was für den „normalen“ Beobachter so gut wie kaum erkennbar ist, hat aber für die Landwirte große Vorteile. Sie können im Vergleich zu vorher und unter Berücksichtigung von Pachtflächen im Freiwilligen Nutzungstausch fast vier Mal so große Feldstücke bewirtschaften. Unmittelbar sparen Landwirte dadurch variable Bewirtschaftungskosten (Treibstoff, Dünger, Pflanzenschutzmittel und Maschinenreparaturen) ein. Maschinelle Rationalisierungen können weiteren Spielraum ermöglichen. Der bürokratische Aufwand wird durch weniger Feldstücke bei der Antragstellung für Flächenprogramme gesenkt.
Die Landwirte ziehen aus dem Freiwilligen Nutzungstausch eine höchst erfolgreiche Bilanz. Ein Milchviehhalter, der entlang der Fränkischen Saale statt 44 jetzt 22 Feldstücke bewirtschaftet, kann feststellen: „Ich kann meine Flächen für die Silagegewinnung nun in zehn Stunden allein mähen. Früher habe ich fünfzehn Stunden gebraucht, obwohl ich zeitweise noch einen zweiten Schlepper im Einsatz hatte“. Beim Silieren spart er wegen kürzerer Entfernungen zu seinem Hof ein komplettes Transportfahrzeug ein. Die 60 Hektar Grünland eines zweiten Landwirts verteilen sich jetzt nicht mehr auf 30, sondern nur noch auf neun Feldstücke. Er stellt seinen Betrieb gerade auf Bio-Haltung um und nutzt das Grünland vor allem als Weide für seine Mutterkuhherde.

Zutaten zum Erfolg

Sogenannte „Helfer“ – in diesem Fall der Bayerische Bauernverband – leiteten den Nutzungstausch, GIS-Programme berechneten verschiedene Tauschvarianten, Fördergelder gab es aus dem Topf der Flurneuordnung. Kalkulationsgrundlage für die Amortisierung des Aufwandes: Die Verpächter haben den Landwirten die Nutzung ihrer Grundstücke für zehn Jahre zugesichert und erhalten dafür eine einmalige Prämie von 200 Euro pro Hektar. Und danach? „Die Verpächter werden weiter ihre Zustimmung geben, denn Inselgrundstücke in großen Bewirtschaftungseinheiten sind für andere Pächter uninteressant“, so die Meinung der Tauschpartner, die sogar davon ausgehen, dass die jetzt geschaffenen Strukturen noch weiter verbessert werden. Für die Landwirte ist der Freiwillige Nutzungstausch eine effiziente Zwischenlösung bis zur anstehenden Flurneuordnung, in der die Uferstreifen ins Eigentum der Wasserwirtschaft übergehen und weitere Ziele des Gewässerentwicklungsplanes Fränkische Saale umgesetzt werden.

Projektträger
Freiwilliger Nutzungstausch Aschach, Markt Bad Bocklet und Stadt Bad Kissingen, Lkr. Bad Kissingen

Effizienz des Freiwilligen Nutzungstausches in Unterfranken

Anhand von 45 Projekten wurde die Effiziens des Freiwilligen Nutzungstausches betrachtet. Dabei erreichten 359 Bewirtschafter für eine Gesamtfläche von 4 100 Hektar betriebswirtschaftliche Verbesserungen. Anstatt wie bisher über 2 700 Feldstücke sind nun nur noch über 1 200 zu bewirtschaften. In Nordheim, Landkreis Rhön-Grabfeld, bilanzieren die Landwirte ihren Vorteil auf 80 Euro pro Hektar zuzüglich 3 ½ Stunden Zeitersparnis pro Hektar im Feldfruchtanbau. Aktuell bearbeitet die bbv-Landsiedlung in Unterfranken 19 Projekte mit etwa 150 Bewirtschaftern.