Altmühltal • Fränkisches Seenland-Hahnenkamm • Rezattal-Jura
28 Kommunen gestalten die demografische Entwicklung und stärken sich gemeinsam für die Zukunft

Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gehen die statistischen Prognosen davon aus, dass die Bevölkerung von 2012 bis 2032 um ca. 6 % abnehmen wird. Nach Altersgruppen wird der Anteil der unter 18-Jährigen um 20 % schrumpfen, während gleichzeitig die über 65-Jährigen um rund 40 % zunehmen werden. Diese Zahlen sind alarmierend! Aber der Trend wird kurz- bis mittelfristig nicht umkehrbar sein. Deshalb stellt sich die Frage: Was können Kommunen tun, um diesen negativen Trend zu bewältigen und in Kräfte für ihre Entwicklung und die dort lebenden und arbeitenden Menschen freizusetzen?

Region braucht neue Impulse

1970 wurde das wasserwirtschaftliche Großprojekt „Überleitung von Altmühl-Donauwasser in das Regnitz-Main-Gebiet“ begonnen. Das Projekt brachte den Wandel von einer reinen Agrarregion zur Tourismusregion „Fränkisches Seenland“ mit sich.

Bis heute haben sich die Erwartungen erfüllt, was die konstante Anzahl von jährlich rd. 700 000 Übernachtungen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen verdeutlicht. Gleichwohl bedarf es im harten touristischen Wettbewerb und angesichts negativer demografischer Prognosen stetiger Anstrengungen, um die Region für das Leben und Arbeiten ebenso wie für die Urlauber und Naherholungssuchenden aus dem Ballungsraum Nürnberg auch in Zukunft attraktiv zu erhalten und zu gestalten.

Diese Situation griff die Industrie- und Handelskammer Nürnberg 2005 auf und erarbeitete ein regionales Leitbild in den Bereichen Tourismus, Wirtschaft und Kooperationsstrukturen. Zur Umsetzung richtete der Landkreis ein Regionalmanagement ein, das sich von Beginn an das Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken bei der Ausarbeitung eines regionalen Handlungskonzeptes zum festen Partner machte.

Zukunft durch Integrierte Ländliche Entwicklung

Die Hilfen der Ländlichen Entwicklung sieht der Landkreis – wie einst bei der Umstrukturierung zum Fränkischen Seenland – auch heute wieder als unverzichtbar an. Deshalb wurden in enger Abstimmung mit dem Landkreis und den Kommunen die drei Integrierten Ländlichen Entwicklungen Altmühltal, Fränkisches Seenland-Hahnenkamm und Rezattal-Jura gegründet. Ihr Planungsraum erstreckt sich über rund 1 000 qkm mit ca. 95 000 Menschen in 28 Städten, Märkten und Gemeinden. Aufgrund einer früheren interkommunalen Allianz ist auch die Gemeinde Auhausen des Landkreises Donau-Ries Kooperationsmitglied.

Die angestrebten Entwicklungen lassen sich nicht über Nacht herbeiführen. Folglich müssen die Planungen langfristig angelegt sein. Großer Wert wurde darauf gelegt, dass die regionalen Strategien in einem Bottom-up-Prozess entstehen. Denn nur so erhalten sie die erforderliche Akzeptanz von der Entwicklung bis zur Umsetzung.

Demografischen Wandel gestalten

Junge Menschen verlassen ihre Dörfer, Senioren bleiben zurück. Der demografische Wandel führt zu einer überalterten Bevölkerungsstruktur und gleichzeitig verlieren Regionen mehr und mehr an Vitalität. Diese Entwicklung wird in den drei Integrierten Ländlichen Entwicklungen aufgegriffen. Sie haben begonnen, sie in Kooperationen zu steuern. Zunehmend schließen sich dazu Gemeinden mit professionellen Pflegeeinrichtungen in Zweckbündnissen zusammen. Für leer stehende kommunale Gebäude wird derzeit geprüft, ob diese zu bedarfsgerechten Tagespflegeeinrichtungen oder Seniorenwohngemeinschaften umgebaut werden können.

Gelingt dies, entsteht eine mehrfache win-win-Situation: Leer stehende Gebäude werden mit neuem Leben erfüllt und behalten ihren prägenden Charakter für das Ortsbild. Zudem entstehen qualifizierte Arbeitsplätze im Dorf. Vor allem aber gewinnen die älteren Bewohner. Denn sie können weiterhin in ihrem vertrauten dörflichen und heimatlichen Umfeld wohnen und die soziale Nähe zu ihren Verwandten und Freunden pflegen. Hilfe im Alter wird so finanzierbar und den alten Menschen bleibt eine Vereinsamung in ungewohnter Umgebung erspart.
Ein Beispiel ist das alte Schulhaus in Burgsalach. Sinkende Schülerzahlen führten 2012 zur Schließung und damit zum Leerstand. Das ehemalige Schulgebäude gehört der Gemeinde Burgsalach und soll jetzt zu einer ambulanten Senioren-Wohngemeinschaft mit elf Wohneinheiten umgebaut werden. Kooperationspartner sind die Gemeinde und das Diakonische Werk. Der Impuls kam aus Arbeitsgruppen der Integrierten Ländlichen Entwicklung, die eine Nachfrage nach seniorengerechtem Wohnraum festgestellt haben. Die Planungen sind weitgehend abgeschlossen und das Projekt kann Ende 2014 mit Unterstützung der Dorferneuerung realisiert werden.

Neues Leben in alten Klostermauern

Im Ortskern von Heidenheim liegt das im Jahre 752 als Keimzelle der Christianisierung in der Region gegründete und derzeit leer stehende Kloster. Dieses kulturelle Erbe soll wieder überregionale Bedeutung erlangen. Der Zweckverband „Kloster Heidenheim“ plant die Anlage in eine Begegnungs-, Bildungsund Dokumentationsstätte umzuwandeln. Verbunden sind damit aufwändige Baumaßnahmen. Das Amt für Ländliche Entwicklung unterstützt dies durch begleitende Beratung und Fördermittel. Die Evangelische Landeskirche und die Diözese Eichstätt werden sich in einem ökumenischem Ansatz am künftigen Betrieb personell und finanziell beteiligen. Gestaltet wird derzeit das Klosterumfeld im Rahmen der laufenden Dorferneuerung. Neue archäologische Befunde zur Ausdehnung unterstreichen die historische Bedeutung der Klosteranlage.

Verbesserungen durch Kernwegenetz

Thema der Integrierten Ländlichen Entwicklung ist auch die Verbesserung der Produktions- und Arbeitsbedingungen in der Land- und Forstwirtschaft. Derzeit genügen den Landwirten die betriebswirtschaftlichen Verbesserungen, die durch Flurneuordnungen im Zuge der tiefgreifenden Umstrukturierung zum Fränkischen Seenland geschaffen wurden. Zupacht bleibt aber eine notwendige Voraussetzung, um Betriebe zu sichern.
In einem Punkt sehen jedoch sowohl die Landwirte als auch die Kommunen dringenden Handlungsbedarf: das ländliche Wegenetz muss in seiner Struktur an die moderne Landtechnik der Betriebe, Maschinenringe und Lohnunternehmen angepasst werden. Zum einen betrifft dies Tragfähigkeit, Breiten und Beläge der Wege. Zum anderen fehlen in der Flur ergänzende Wegeverbindungen, da die Struktur früherer Wegenetze meist nicht auf überörtliche Beziehungen ausgelegt war.
Die kooperierenden Kommunen entschlossen sich im Herbst 2013 dazu, ein Konzept für ein interkommunales Kernwegenetz mit Hauptwegen für die wichtigen Fahrbeziehungen zu erstellen, bei dem auch die Belange von Freizeit und Erholung berücksichtigt werden. Darüber hinaus wird zwischen den 28 Kommunen gleichzeitig abgesprochen, welche Wegebaumaßnahmen in der Prioritätenliste ganz oben stehen. Das Konzept soll mit Hilfe der Ländlichen Entwicklung durch Projekte der Flurneuordnung oder Infrastrukturmaßnahmen ab 2015 umgesetzt werden.

Ressource Kulturlandschaft

Kulturlandschaft ist als Standortfaktor für die Menschen in der Region ebenso wie für den Tourismus von besonderer Bedeutung. Gerade deshalb ist es wichtig, die Kulturlandschaft und ihre prägenden Elemente in den Fokus zu rücken und behutsam zu entwickeln. Im südlichen Bereich des Landkreises gibt es z. B. viele Streuobstlagen. Eine weitere Besonderheit sind die 20 Nussbaumarten am „Gelben Berg“ bei Sammenheim. Klares Ziel ist es, diese prägenden Elemente der Kulturlandschaft langfristig zu erhalten. Um eine wirtschaftliche Nutzung der Nussbäume zu erreichen wurde die genossenschaftliche Vermarktungsinitiative „Gelbe Bürg“ gegründet. Hilfe beim organisatorischen Aufbau sowie zu Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen leistet der Landschaftspflegeverband Mittelfranken.
In den Streuobstanlagen nördlich des Brombachsees gibt es zahlreiche Kirschenanlagen. Der Markt Absberg baut derzeit das denkmalgeschützte ehemalige Schulhaus zu einer Schau- und Probiereinrichtung für die Vermarktung regionaler Produkte um. Schwerpunktmäßig werden in dieser „Prunothek“ die Kirschen in ihren verschiedenen Veredelungsstufen präsentiert.

Neue touristische Attraktivität schaffen

Wassersport ist ein Hauptangebot für Urlauber und Naherholungssuchende im Fränkischen Seenland. Dies trägt aber nur wenige Monate im Jahr. Wichtig ist deshalb eine breite Basis, um die Region ganzjährig erlebbar und attraktiv zu machen. Dazu bringen Gemeinden ihre Initiativen in die Zweckverbände des Fränkischen Seenlandes ein. Über die Integrierten Ländlichen Entwicklungen werden diese auf Landkreisebene unter Berücksichtigung bestehender Potenziale vernetzt und zu gemeinsamen Strategien entwickelt. So ist aus einem lokal gewünschten Rad- und Wanderweg nun ein interkommunal abgestimmtes Netz entstanden und die Wasserqualität der Seen ist ein gemeinsames Anliegen des gesamten Fränkischen Seenlandes geworden.

Ein zentrales Thema des Landkreises ist die Geschichte der Römer. So wurde ein Römisches Theater als Bodendenkmal in den Flurneuordnungen Theilenhofen und Pfofeld-Gundelshalm in öffentliches Eigentum überführt und durch extensive Grünlandnutzung in seinem Bestand gesichert.

Großräumige Kooperation sichert Erfolg

Die bisher gebildeten Strukturen der interkommunalen Zusammenarbeit verfestigten sich in den wenigen Jahren des laufenden Prozesses. Das breite Themenspektrum der Handlungsfelder und die Fülle an konkret erarbeiteten Maßnahmen der Integrierten Entwicklung lassen erwarten, dass im Entwicklungsprozess noch viel Potenzial steckt, um die Kommunen und den ganzen Landkreis voranzubringen. Das breite Angebot an Instrumenten der Ländlichen Entwicklung wird in Ergänzung zum Regionalmanagement den Prozess begleiten und unterstützen.

Projektträger
Integrierte Ländliche Entwicklungen Altmühltal, Fränkisches Seenland-Hahnenkamm und Rezattal-Jura mit den kooperierenden Kommunen Absberg, Alesheim, Bergen, Burgsalach, Dittenheim, Ellingen, Ettenstatt, Gnotzheim, Gunzenhausen, Haundorf, Heidenheim, Höttingen, Langenaltheim, Markt Berolzheim, Meinheim, Muhr a.See, Nennslingen, Pappenheim, Pfofeld, Pleinfeld, Polsingen, Raitenbuch, Solnhofen, Theilenhofen, Treuchtlingen, Weißenburg und Westheim, alle Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen sowie Auhausen, Landkreis Donau-Ries