Dorferneuerung und Gemeindeentwicklung

Pottenstein
Eine Kommune mit 35 Ortsteilen wird durch Gemeindeentwicklung zu einer starken Einheit

Sanfte Hügel, prägnante Felsen, naturnahe Freizeiteinrichtungen und das Geotop Teufelshöhle veranlassen jährlich rund 250 000 Übernachtungs- und zusätzlich über 650 000 Tagesgäste, Pottenstein, das Herz der Fränkischen Schweiz, zu besuchen. Die große Flächenkommune hat insgesamt 5 600 Einwohner. Das Felsenstädtchen Pottenstein selbst hat lediglich 1 400 Einwohner, 4 200 verteilen sich auf die weiteren 34 Ortsteile unterschiedlichster Größe. Die topografischen Gegebenheiten und die dezentrale Siedlungsstruktur erfordern enorme Anstrengungen bei der Bewältigung der kommunalen Aufgaben.

Alle Interessen berücksichtigen

Wie kann es gelingen, das attraktive Tourismusstädtchen Pottenstein und seine 34 Ortsteile als Gesamtgemeinde zu stärken, wenn in dem 74 km2 großen Gemeindegebiet teilweise noch immer die ehemals 12 selbstständigen Gemeindebereiche zu spüren sind? Die Voraussetzungen und Bedürfnisse dieser Ortsteile sind sehr unterschiedlich. Aufgrund der sehr positiven Erfahrungen mit der Zusammenarbeit im Rahmen der Integrierten Ländlichen Entwicklung Wirtschaftsband A9 – Fränkische Schweiz stand für den Stadtrat außer Frage: Zur Bewältigung dieser schwierigen Aufgabe ist das Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken (Amt) der richtige Partner. Dafür sprachen auch die guten Erfahrungen bei der erfolgreichen Durchführung von drei Dorferneuerungen und Flurneuordnungen innerhalb der letzten Jahre.
Gemeindeentwicklung mit den Bürgern Der Bedarf nach Verbesserungen in den Ortsteilen war den Stadträten schon lange bewusst und war in diesem Kreis oft diskutiert worden. Doch leider ohne konkretes Ergebnis. Es war deshalb wichtig und zielführend, gemeinsam mit Bürgern aus allen 35 Ortsteilen eine Strategie zu entwickeln, welche die gesamte Gemeinde vorwärts bringen würde.

Um diese Aufgabe zu bewältigen, hat das Amt einen neuen Weg beschritten: Gemeinsam mit der Stadt wurde ein Gemeindeentwicklungsprozess gestartet, der bei den Bürgern und in den einzelnen Ortsteilen ansetzt. Für die Erarbeitung des Gemeindeentwicklungskonzeptes beauftragten die Projektverantwortlichen das Planungsbüro landimpuls. Gemeinsam legten die Planungspartner zu Beginn des Prozesses die Leitlinien zur Gemeindeentwicklung Pottenstein fest:
  • Ideen und Strategien für ein gemeinsames Gemeindeentwicklungskonzept erarbeiten (Tourismus, Demografie, Orts- und Siedlungsentwicklung, Kulturlandschaft)
  • Einzelprojekte aufeinander und auf die Gesamtentwicklung abstimmen
  • Gemeindeentwicklungskonzept als Grundlage für künftige Entwicklungen und gezielte Initiativen bereitstellen
  • Gemeinschaftsgeist und die Identität in der Gemeinde fördern
  • Umsetzungsmöglichkeiten klären
Im Sinne einer intensiven Bürgermitwirkung informierte die Stadt zusammen mit dem Amt und dem Planungsbüro die interessierten Bürger über die geplante Vorgehensweise. Die sehr gut besuchte Auftaktveranstaltung und die Zustimmung der Teilnehmer bildeten den eigentlichen Startschuss zur Erarbeitung des Gemeindeentwicklungskonzeptes.

In allen Ortsteilen fanden zusammen mit dem Bürgermeister, Stadträten und Vertretern der Orte, dem Amt und dem Planungsbüro Begehungen statt. Dabei konnten die Bürger ihre Vorstellungen einbringen. Die Erhebungen wurden vom beauftragten Planer ausgewertet und den Bürgern in Dorfwerkstätten präsentiert. Gemeinsam mit den Bürgern wurden die Stärken und Schwächen herausgearbeitet und die Ziele für die einzelnen Orte in der Gemeindeentwicklung formuliert.

Darüber hinaus wurde in allen 35 Ortsteilen ein Vitalitäts-Check bearbeitet. Er lieferte für die Stadt die wichtigsten Fakten zur Vitalität und Zukunftsfähigkeit der einzelnen Ortschaften. Das Planungsbüro erfasste zusammen mit dem Bürgermeister und Mitgliedern des Stadtrates, die die Situationen in den Dörfern sehr gut kennen, die Bevölkerungsentwicklung sowie leer stehende Gebäude und Flächenpotenziale im Ortskern.

Stadtrat geht mit Ortsergebnissen in Klausur

Als Grundlage für die Erstellung des Gemeindeentwicklungskonzeptes lag nun für jede Ortschaft eine aussagekräftige Beschreibung vor. Darauf aufbauend ist eine Liste mit insgesamt rund 200 Einzelmaßnahmen entstanden, die zum größten Teil auf Anliegen der Bürger beruhen. Sie reichen von der Gestaltung von Ortsmitten, der Schaffung von dörflichen und gemeinschaftlichen Einrichtungen, über die Verbesserung von Rad- und Wanderwegen und die Förderung von Angeboten für Senioren bis hin zur Einrichtung einer Natur- und Umweltschule in einem ehemaligen Schulhaus.
Mit diesen Zwischenergebnissen gingen der Stadtrat und die Ortssprecher unter Leitung des Amtes an die Schule für Dorf- und Flurentwicklung in Klosterlangheim in eine vom Planungsbüro vorbereitete zweitägige Klausur. Hier wurden die Maßnahmen diskutiert und in ihrer Dringlichkeit bewertet. Die Auflistung und Priorisierung aller Maßnahmen verschaffte den Stadtvertretern auch eine Grundlage für weitere notwendige Entscheidungen.

Umsetzung mit Instrumenten der Ländlichen Entwicklung

Welche Unterstützung und Förderung die Stadt für die Umsetzung der Maßnahmen in Anspruch nehmen könnte, war ebenfalls Thema der Klausurtagung. Sowohl die Vertreter der Stadt als auch des Amtes sehen die Notwendigkeit, in vier Orten mit einfacher und in fünf Dörfern mit umfassender Dorferneuerung sowie mit infrastrukturverbessernden Maßnahmen die Umsetzung zu begleiten. Um die begrenzten finanziellen und personellen Möglichkeiten der Stadt und des Amtes optimal einsetzen zu können, galt es, eine Reihenfolge in der Abarbeitung der Projekte festzulegen.

Kommunale Handlungsfelder definiert

Der Stadtrat sieht das Gemeindeentwicklungskonzept als Grundlage, um künftige Entwicklungen und gezielte Initiativen aus der Sicht der gesamten Stadt besser beurteilen zu können. Dazu wurden die über 200 Einzelmaßnahmen den fünf definierten Handlungsfeldern zugeordnet:
  • Bauen und Dorf gestalten
  • Verkehren, versorgen, entsorgen
  • Landschaft nutzen und gestalten
  • Tourismus und Wirtschaft
  • Miteinander leben im Dorf
Jedes Handlungsfeld wurde auf Gemeindeebene innerhalb einer Themenwerkstatt nochmals konkretisiert und mögliche Entwicklungsstrategien diskutiert. Hierzu wurden zusätzlich örtliche Fachleute und Interessierte eingeladen. Ergänzt wurden die Ergebnisse der Themenwerkstätten durch fachliche Erhebungen sowie durch Auswertung vorhandener Daten, Planungen und Konzepte. Wir sind Pottenstein Nur 15 Monate dauerte der intensive Gemeindeentwicklungsprozess. Im Juni 2013 präsentierten die Projektverantwortlichen den Bürgern in der Abschlussveranstaltung die Ergebnisse des Gemeindeentwicklungskonzeptes unter dem Motto „Wir sind Pottenstein!“.

Bereits im gleichen Jahr hat die Stadt Pottenstein mit Hilfe der Bürger erste kleinere Maßnahmen umgesetzt. Das Amt hat Infrastrukturmaßnahmen gefördert und zwei Dorferneuerungen begonnen. Eine einfache und eine umfassende Dorferneuerung sowie eine von den Bürgern gewünschte Flurneuordnung werden zurzeit vorbereitet.

Nicht einfach, aber höchst erfolgreich

Die Gemeindeentwicklung Pottenstein ist ein Erfolg der Bürgerinnen und Bürger, der Verantwortlichen der Stadt, des Planungsbüros und des Amtes für Ländliche Entwicklung. Dank der bewährten Arbeitsweisen und Methoden der Ländlichen Entwicklungen in Bayern war es selbst für eine Kommune mit 35 Ortsteilen möglich, eine abgestimmte Zukunftsstrategie für die Entwicklung der gesamten Gemeinde zu erarbeiten.

Mit einem einvernehmlichen Stadtratsbeschluss und ohne Reibereien zwischen den Ortsteilen hat Pottenstein sein Gemeindeentwicklungskonzept, das von Akzeptanz und Unterstützung der Bevölkerung mitgetragen wird, aufgestellt und damit begonnen, es umzusetzen. Das freigesetzte Potenzial gibt Mut und Zuversicht, die erbrachten Ergebnisse der Gemeindeentwicklung Schritt für Schritt zu realisieren und weitere Synergieeffekte für eine starke Stadt Pottenstein zu generieren.

Projektträger
Gemeindeentwicklung Pottenstein, Lkr. Bayreuth