Teil eines Dachstuhls mit zahlreichen Verstrebungen

Interkommunale Allianz Oberes Werntal
Entlang von 56 km Autobahn interkommunal Standortqualitäten schaffen – so dienen Dorferneuerung und Flurneuordnung der Landesentwicklung

Für 46 Städte und Gemeinden zwischen der Stadt Schweinfurt und der Landesgrenze zu Thüringen hat die Ende 2005 in Betrieb genommene Autobahn A 71 – ein Verkehrsprojekt Deutsche Einheit – die Standortvoraussetzungen sprichwörtlich auf den Kopf gestellt. Einst lagen sie im Zonenrandgebiet – heute befinden sie sich in zentraler Lage Deutschlands und an der Drehscheibe zwischen Mittel- und Osteuropa. Die strukturellen Nachteile dieses ländlich geprägten Raumes und die zunehmenden demografischen Probleme sind jedoch geblieben. Nun soll die neue Verkehrsachse in einem Gebiet von 730 km² mit 75000 Menschen für stabile und zukunftsweisende Standortqualitäten genutzt werden. Wichtig ist auch, die Abwanderung junger Menschen zu stoppen und eine positive Grundstimmung in der Bevölkerung zu erzeugen. Hierfür kooperieren die Kommunen in den vier interkommunalen Allianzen "Oberes Werntal", "Henneberger Frankenland", "Grabfeldgau" und "Neustadt/Saale-Allianz".
Schon während der Planung der Autobahn begannen acht Kommunen im Oberen Werntal, die bevorstehenden Veränderungen regional zu betrachten. Kurz nach der Einleitung der 21 Flurneuordnungsverfahren – sogenannte Unternehmensverfahren zum Ausgleich der großprojektbedingten infrastrukturellen und agrarischen Veränderungen und Nachteile für Dorf und Landschaft – entstand deshalb die "Interkommunale Allianz Oberes Werntal". Sie war impulsfördernd für die drei weiteren Allianzen der insgesamt 46 Kommunen entlang der Autobahn, für die von 2002 bis Anfang 2004 das raumordnerische Entwicklungskonzept "A 71 – Impuls für Main-Rhön, Entwicklungsachse als Kooperationsraum" – entstand.
Drei dieser Allianzen wählten für ihre Planungen den Ansatz der Integrierten Ländlichen Entwicklung. Zusammen mit der Verwaltung für Ländliche Entwicklung erarbeiteten sie Integrierte Ländliche Entwicklungskonzepte (ILEK), die auf das raumordnerische Entwicklungskonzept des Wirtschaftsministeriums aufbauen. Sie umfassen die Handlungsfelder Dorf und Siedlung, Landschaft und Landnutzung, Landwirtschaft, Wirtschaft und Gewerbeentwicklung, Grund- und Nahversorgung sowie Erholung. Die vierte Allianz plant ihr Entwicklungskonzept aufgrund anderer struktureller Voraussetzungen mit den Möglichkeiten der EU-Initiative Leader.
Die ILEK's kommen nun zur Umsetzung. Gut die Hälfte aller geplanten Maßnahmen fallen in die Zuständigkeit der Ländlichen Entwicklung mit ihren umsetzungsorientierten Instrumenten Dorferneuerung und Flurneuordnung. Ein Teil der Maßnahmen fließt in die bereits laufenden 21 Unternehmensverfahren. Für diese Vorhaben und für weitere neue Flurneuordnungen und Dorferneuerungen in ca. 40 Dörfern und Gemarkungen müssen jedoch Schwerpunkte gebildet werden, die sich an den knappen personellen und finanziellen Rahmenbedingungen des zuständigen Amtes für Ländliche Entwicklung Unterfranken orientieren.
Erstes und sehr wichtiges Schwerpunktthema ist die Innenentwicklung der Dörfer. Dazu werden dringend erforderliche Einzelmaßnahmen – z.B. die Schaffung dörflicher Gemeinschaftseinrichtungen oder die Erhaltung und Umnutzung leer stehender Bausubstanz - umgesetzt. Sie sind Teil einer Dienstleistung aus einer Hand, mit der in Bayern der ländliche Raum durch integrierte ländliche Entwicklung, Dorferneuerung und Flurneuordnung gestärkt wird.

Projekttäger
Interkommunale Allianzen "Oberes Werntal", "Henneberger Frankenland", "Grabfeldgau" und "Neustadt/Saale-Allianz"