Dachstuhl mit zahlreichen Verstrebungen

Weindörfer im westlichen Steigerwald
Neun Gemeinden kooperieren und setzen ihre dörflichen Schätze für eine gemeinsame Zukunft in Wert

Bus mit dem Schriftzug „Dorfschätze Express“ fährt auf einer Landstraße. Im Hintergrund Dorf; am Horizont bewaldeter Steigerwaldhöhenzug.

Seit 2007 arbeiten neun Gemeinden mit 18200 Einwohnern in der Integrierten Ländlichen Entwicklung Dorfschätze vertrauensvoll und erfolgreich zusammen. Ziel ist, die Attraktivität der Gemeinden zu erhöhen. Dazu vernetzt der Arbeitskreis „Dialog der Generationen“ interkommunal alle Bevölkerungsgruppen und ermöglicht die intensive Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger. Die Liste der erfolgreichen Projekte ist mittlerweile schon lang. So wird durch die Freizeitlinie „Dorfschätze-Express“ die attraktive Steigerwaldlandschaft erschlossen, was Touristen besonders schätzen. Auch ein integrales Hochwasserrückhaltekonzept, das Thema Innenentwicklung oder jüngst die Arbeit mit Flüchtlingen stehen auf der Agenda.

Dialog der Generationen

Schon zu Beginn der Zusammenarbeit in der Integrierten Ländlichen Entwicklung haben die Verantwortlichen in den Gemeinden erkannt, dass aufgrund der demographischen Entwicklung Handlungsbedarf besteht. Die Bevölkerung nimmt zwar zahlenmäßig nicht ab, aber sie wird älter. Deshalb wurde als erster wichtiger Schritt der Arbeitskreis „Dialog der Generationen“ initiiert. Zur Bewusstseinsbildung finden seitdem regelmäßig Informationsvorträge und Exkursionen statt.

In einem zweiten Schritt erfolgte 2013 eine Bürgerbefragung unter dem Motto „Derhem is derhem“. Die Ergebnisse der Umfrage wurden in einer Ausstellung präsentiert und daraus Handlungsempfehlungen für die Gemeinden entwickelt. Im dritten Schritt unterstützt der Arbeitskreis die Umsetzung der Maßnahmen. Dabei sind Flyer zu kleinen Hilfen im Alltag entwickelt worden. Beratungen, beispielsweise zum barrierefreien Umbau, werden angeboten. Es hat sich ein interkommunales Netzwerk mit sehr engagierten Mitstreitern etabliert.

Seit Beginn der Zusammenarbeit besteht im Rahmen der Nachbarschaftshilfe eine enge Kooperation mit dem Verein „Zeit füreinander“ in Wiesentheid. Mittlerweile sind mit Hilfe der Geschäftsstelle der Integrierten Ländlichen Entwicklung Dorfschätze in drei weiteren Ortschaften Zweigstellen entstanden. Mit solchen funktionierenden Strukturen lassen sich auch neue Herausforderungen wie z. B. Hilfen für Flüchtlinge schneller und einfacher organisieren.

Projekte bei Bürgern fest verankern

Die Integrierte Ländliche Entwicklung Dorfschätze legt großen Wert auf eine intensive Kommunika­tion mit den Bürgern und auf eine stetige Weiter­entwicklung. Dazu dienten neben dem Startseminar im Jahr 2006 auch die Strategieseminare an der Schule für Dorf- und Flurentwicklung Klosterlang­heim in den Jahren 2011 und 2014. Zusätzlich beschäftigte sich im Jahr 2013 eine Masterarbeit mit der Evaluation der bisherigen Aktivitäten. Die Auswertung zeigte eine hohe Akzeptanz der durch­geführten Projekte.

Im Jahr 2015 wurde die Aktualisierung des Inte­grierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes ange­gangen. Insgesamt brachten sich dabei 153 Bürger und Gemeinderäte bei einer Auftaktveranstaltung, fünf Ideenwerkstätten und einer Abschlussveran­staltung ein. Dadurch sind die bisherigen Projekte und die neuen Projektideen fest in der Region ver­ankert. Mehrere Master- und Bachelorarbeiten zu den Planungen ermöglichten eine bereichernde Sicht von außen.

Jeder Haushalt in den Dorfschätze-Gemeinden erhält zweimal im Jahr die kostenlose „Dorfschät­ze-Zeitung“ mit wichtigen Informationen über das Erreichte sowie die aktuellen und anstehenden Aktivitäten in der Region. Durch diese jahrelange Öffentlichkeitsarbeit sind die „Dorfschätze“ ein fes­ter Begriff und stehen für qualitätvolle Arbeit – für die Zukunft der Region mit ihren Dorfschätzen.

Kulturlandschaft per Express erleben

Der „Dorfschätze-Express“ ist eine Buslinie, die seit 2013 in Kooperation mit dem Landkreis Kitzingen eingerichtet ist. Mit dem „Dorfschätze-Express“ wird die einzigartige Kulturlandschaft zwischen Main und Steigerwald erlebbar, u. a. mit dem wunderschönen mittelalterlichen Städtchen Prichsenstadt oder auch Castell mit seinem barocken Schloss. Der Bus verkehrt von Mai bis Oktober an den Wochenenden zwischen dem Bahnhof Kitzingen und den Dorfschätze-Gemeinden. Die Fahrt ist für Touristen und Einheimische kostenlos und wird von Gästeführern begleitet. In den letzten drei Jahren nutzten fast 8000 Menschen den Express.

In Wiesentheid wurde eine Tourist-Information eingerichtet, über die auch Gäste- und Schlossparkführer gebucht werden können. Die Rad- und Wanderwegekarte „Dorfschätze“ erfreut sich großer Beliebtheit. Ein Meilenstein sind die 2015 eingerichteten TraumRunden, Premiumwanderwege im Kitzinger Land. Drei der beliebten Routen verlaufen im Gebiet der Dorfschätze.

Erfolgreiche Konzepte und Aktionen

Die Zusammenarbeit ist inzwischen gekennzeichnet von einer großen Zahl erfoglreicher Projekte. Beispielhaft sind zu nennen die Konzepte für kommunale Verkehrsüberwachung, Energie (erstes Konzept in Unterfranken), Kernwegenetz, Gewässerentwicklung und derzeit darauf aufbauend für interkommunale Hochwasserrückhaltung.

Derzeit beschäftigen sich die Gemeinden mit der Erarbeitung des Vitalitäts-Checks der Ländlichen Entwicklung in Bayern, mit dem die bauliche, funktionale und soziale Situation in Dörfern und Gemeinden erfasst und in einer Zusammenschau der kooperierenden Kommunen bewertet wird.

Zudem wurde ein kommunales Förderprogramm für den Erhalt der Baukultur auf den Weg gebracht. Direktvermarkter erhalten Unterstützung durch ein gemeinsames Verzeichnis in der Internetpräsentation der Dorfschätze. Auch kleinere Aktionen wie die gemeinsame Beschaffung von Sandsäcken zum Hochwasserschutz oder gemeinsame Schulungen für die Bauhöfe bringen den Gemeinden Vorteile. Generell profitieren alle Kommunen vom hervorragenden Austausch der projektverantwortlichen und vernetzten Akteure. Sie alle vereint das Ziel, gemeinsam die Region voranzubringen.

Zielorientierte und umfassende Unterstützung

Das Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken unterstützt die Integrierte Ländliche Entwicklung Dorfschätze zielgerichtet. So ergänzen zahlreiche geförderte Maßnahmen das Radwegenetz in den Dorfschätzen. Mehrere Dorferneuerungen helfen bei umfassenden Problemstellungen oder schaffen Begegnungsstätten auch in kleineren Ortschaften. In der Flur und im Wald helfen Projekte nach dem Flurbereinigungsgesetz, vom Freiwilligen Landtausch bis zum Unternehmensverfahren. Das Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken wird auch bei der Umsetzung der Innenentwicklung, des Kernwegenetzes und des Hochwasser- und Rückhaltekonzeptes ein wichtiger Partner bleiben.

Projektträger
Integrierte Ländliche Entwicklung Dorfschätze mit den Kommunen Abtswind, Castell, Großlangheim, Kleinlangheim, Prichsenstadt, Rüdenhausen, Schwarzach a. Main, Wiesenbronn und Wiesentheid, alle Landkreis Kitzingen