Aufgeschlagene Publikation mit darauf liegender Lesebrille symbolisieren umfangreiches Informationsangebot

Europäischer Dorferneuerungspreis 2004 für Weyarn in Oberbayern

BürgerInnen der Gemeinde Weyarn ziehen zum gemeinsamen Feiern auf das "Weyarner Lindl" - ein Aussichtsberg mit langer Tradition.

Ein vom Arbeitskreis Kultur organisiertes Jazzkonzert am Kunstwerk "Tränen der Erde" von Karl Jakob Schwalbach. Es steht am Fuße des Taubenberges.
„Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. In der Dokumentation zum Europäischen Dorferneuerungspreis hat die Europäische Arbeitsgemeinschaft für Landentwicklung und Dorferneuerung das Projekt wie folgt gewürdigt:

Die Gemeinde Weyarn liegt im Landkreis Miesbach, etwa 35 km südöstlich der Landeshauptstadt München, hat direkten Anschluss an die Autobahn A8 Salzburg - München und umfasst 19 Ortschaften sowie 33 Weiler, in denen rund 3 200 EinwohnerInnen leben. Weyarn gehört zum Naturraum Inn-Chiemsee-Hügelland. In geschützter, strategisch günstiger Lage an der Abbruchkante des Mangfallhochufers befindet sich der alte Dorfkern des Gemeindehauptortes Weyarn mit der baulichen Dominante des ehemaligen Augustinerklosters.
Kinder treffen sich und bauen aus Sand und Stein die Zukunft Weyarns
Die Ausweitung des Raum- und Nutzungsanspruches städtischer Kultur und Bevölkerung in den ländlichen Raum und der rasante landwirtschaftliche Strukturwandel stellen insbesondere auf Grund der Lage der Gemeinde Weyarn im Umland der Landeshauptstadt München sowie des Mittelzentrums Rosenheim eine besondere Herausforderung für die dörflichen Wirtschafts-, Sozial- und Ökosysteme dar. Nicht nur die kommunalen VerantwortungsträgerInnen, sondern in gleicher Weise auch die EinwohnerInnen von Weyarn stellen sich in hohem Maße dieser Herausforderung und machen auf Grundlage der intensiven Bürgerbeteiligung die öffentlichen Anliegen und Problemstellungen zu ihren eigenen. Dorfentwicklung wird im wahrsten Sinne als ganzheitlicher Planungsprozess erkannt und gelebt.
Das Luftbild zeigt Weyarn mit der Klosteranlage im Vordergrund und die weitläufige ländliche Umgebung Weyarns.
Durch eine intensive Bestandsaufnahme - unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung - und die Erarbeitung hochwertiger Planungsgrundlagen wurden die eigenen Stärken bewusst gemacht und konsequent ausgebaut und genutzt. Davon hat einerseits die Wirtschaftskraft der Gemeinde profitiert, andererseits wurde ganz wesentlich zur Herausbildung einer eigenen Identität, zu einem großen Maß an Identifikation mit dem Lebensraum und zu einem beeindruckenden Gemeinschaftsbewusstsein beigetragen.

Die gesetzten Initiativen und Maßnahmen sind qualitätvoll, zahlreich, vernetzt und vielfältig, so dass von einer nachhaltigen, beispielhaften und ganzheitlichen Dorferneuerung, die alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche umfasst, gesprochen werden darf. Auf Grund der Fülle und der Dichte der Aktivitäten können nur einzelne Highlights exemplarisch herausgestellt werden, so etwa aus dem Bereich eines vorausschauenden, sozialen und auf Lebensqualität ausgerichteten Ressourcenmanagements: Durch eine aktive Bodenpolitik gelingt es der Gemeinde, die Entwicklung im Sinne des Leitbildes „Wir wollen ländlicher Raum bleiben“ entscheidend mitzugestalten und den GemeindebürgerInnen leistbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Insbesondere ist auf den Ankauf von Grundstücksflächen zur Schaffung von Freihaltezonen und zur Aufrechterhaltung von wichtigen Sichtbeziehungen im alten Dorfkern hinzuweisen.
Der ehemalige Richterstock des Klosters Weyarn, in dem jetzt das Rathaus untergebracht ist. Im Hintergrund schließt die Klosterkirche an.
Tradition und Innovation werden als Nachbarn und Partner verstanden, die nebeneinander Platz haben und sich gegenseitig bereichern. Dies gilt für Landwirtschaft und Wirtschaft, wo vor allem auf regionale Wertschöpfung abgezielt wird, für kulturelles Schaffen und Erleben, für soziokulturelle Einrichtungen und Initiativen, die insbesondere auf die Erhöhung der Lebensqualität und eine umfassende Integration aller Bevölkerungsgruppen ausgerichtet sind, wie auch für Fragen des Bauens und Wohnens. Um die baukulturellen Anliegen auch in den Neubaugebieten zu unterstützen, hat die Gemeinde Weyarn im Dialog mit den bauwilligen Bürgerinnen eine Bebauungsplanung entwickelt.

Große Bedeutung wird auch der Sicherung und ökologischen Aufwertung prägender Kulturlandschaften wie der Hochmoorflächen und Streuwiesen, dem Schließen regionaler Kreisläufe und der Nutzung alternativer Energien, etwa durch ein Biomasseheizwerk, beigemessen. Durch einen breiten Einsatz neuer Medien ist ein hoher Grad an Information für alle BürgerInnen gegeben und nationale wie internationale Allianzen werden intensiv in die anstehenden Problemlösungen einbezogen, um die Schlagkraft zu erhöhen.

Weyarn kann auf eine umfassende und einzigartige Dorfentwicklung verweisen, deren herausragende Stärke ein intensiver Bürgerbeteiligungsprozess ist. Er wird begleitet von Eigeninitiative, gezielter Öffentlichkeitsarbeit und einer auf Nutzung der modernen Kommunikationstechnologien basierenden Informationspolitik, professionell gemanagter Projektentwicklung und -umsetzung sowie privaten Patenschaften zur Pflege öffentlicher Einrichtungen. Besondere Erwähnung verdienen der nachhaltige und Ressourcen schonende Umgang mit dem Natur- und Landschaftsraum, die aktive Bodenpolitik, das ausgeprägte Geschichtsbewusstsein, die hohe Planungskultur und die vielfältigen regionalen Kooperationen.