Berufsbildung
Bildungsprogramm Landwirt
Das "Bildungsprogramm Landwirt", kurz BiLa-Programm, richtet sich an landwirtschaftliche Unternehmer und Unternehmerinnen, die einen außerlandwirtschaftlichen Beruf erlernt haben und ihren Betrieb im Nebenerwerb weiterführen möchten.
Das BiLa-Programm ist aus dem "Staatlichen Bildungsprogramm Landwirt", kurz StaBiL, hervorgegangen.
Voher hatte die Landwirtschaftsverwaltung seit Mitte der 80er Jahre Nebenerwerbskurse (Grund-, Orientierungs- und Aufbaukurse) angeboten. Unterstützt wurde sie dabei durch den Bayerischen Bauernverband (EDV-Kurse etc.).
Ziel
Mit dem BiLa-Programm bietet die bayerische Landwirtschaftsberatung ein modular aufgebautes Bildungsprogramm an. Die Bausteine können individuell ausgewählt werden.
Mit der Teilnahme an den Seminaren erfüllen die Teilnehmer eine der Voraussetzungen für das Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP). Allein durch die Ausbildung kann die Förderung nicht beantragt werden.
Schließlich ist die Zulassung zur Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Landwirt/in möglich.
Inhalt
Das BiLa-Programm bietet Informationen über Agrarstandards wie den Sachkundenachweis Pflanzenschutz, moderne Produktionsverfahren und aktuelle Inhalte aus der Betriebswirtschaft und dem Steuerwesen.
Die Inhalte sind in den Bausteinen Bildugnsprogramm Landwirt zusammengefasst.
Bausteine Bildungsprogramm Landwirt
1. Einführung zu Zielen und Möglichkeiten des Bildungsprogramms
2. Nachweise
- Grundlagen der pflanzenbaulichen Produktion
- Sachkundenachweis Pflanzenschutz mit Praxistag und Sachkundeprüfung
- Lehrgang Tierschutz beim Transport
- Befähigungsnachweis nach Verordnung (EG) Nr. 1/2005
- Grundkurs Motorsäge und Waldarbeit (2-tägig)
- nach den Mindeststandards der Bayerischen Forstverwaltung
3. Schwerpunktseminar Pflanzenproduktion einschließlich EDV-Fachprogramme
- Getreidebau und Vermarktung
- Hackfruchtbau und Vermarktung
- Ölfruchtbau und Hülsenfruchtbau und Vermarktung
- Ackerfutterbau und Konservierung
- Grünland und Konservierung
- Spezielle Produktionsverfahren der pflanzlichen Erzeugung
- Waldbau
4. Schwerpunktseminar Tierproduktion einschließlich EDV-Fachprogramme
- Milchviehhaltung und Vermarktung
- Rinderaufzucht, Rindermast und Vermarktung
- Ferkelerzeugung und Vermarktung
- Schweinemast und Vermarktung
- Spezielle Produktionsverfahren der tierischen Erzeugung
- Geflügelaufzucht
- Legehennenhaltung
- Schafhaltung
- Pferdehaltung
5. Landwirtschaftliche Betriebswirtschaft einschließlich EDV-Fachprogramme
- Betriebswirtschaftliche Grundlagen
- Wirtschaftlichkeit des Unternehmens
- Unternehmenskontrolle / Buchführung
- Kontrolle von Arbeitsverfahren, überbetriebliche Zusammenarbeit, Kooperation in der Landwirtschaft
- Einstiegseminar Einkommenskombinationen
6. Steuern und Soziales, Recht - mit dem Bayerischen Bauernverband
- Steuern und Versicherungen
- Hofübergabe und Rechtsfragen
7. Informations- und Kommunikationstechnik - mit Bildungsträgern im ländlichen Raum
- Grundlagen der Informations- und Kommunikationstechnik
- Textverarbeitung und Tabellenkalkulation
- Internet
8. Ökologischer Landbau
- Grundlagen des ökologischen Landbaus
- Ökologische Landwirtschaft - Milchviehhaltung im Grünland
- Ökologische Landwirtschaft - Schweinehaltung
9. Alm- und Alpwirtschaft
10. Gäste auf dem Bauernhof
11. Lehrgänge an Tierhaltungsschulen und landtechnischen Lehranstalten
- Tierische Erzeugung - Rind
- Tierische Erzeugung - Schwein
- Landmaschinen - Schlepper und Gerät
- Elektroden-Schweißen
- Schutzgas-Schweißen
- Landmaschinen - Maschinen der Außen- und Innenwirtschaft
Die Lehrgänge an Tierhaltungsschulen und landtechnischen Lehranstalten ergänzen das Grundlagenseminar Pflanzenproduktion und die Schwerpunktlehrgänge hinsichtlich Landtechnik und Tierhaltung. Für Frauen bietet der Bayerische Bauernverband außerdem zwei Landtechnikseminare an.
12. Praxistage
- Pflanzenproduktion
- Tierproduktion Schwerpunkt Rinderhaltung
- Tierproduktion Schwerpunkt Schweinehaltung
Berufliche Qualifikation für Einzelbetriebliche Investitionsförderung
Die Mindestanforderungen an die berufliche Qualifikation werden durch den Besuch folgender Seminarbausteine erreicht:
- Grundlagen der pflanzlichen Produktion mit Sachkundenachweis Pflanzenschutz
- Betriebswirtschaftliche Grundlagen
- ein Schwerpunktseminar Pflanzenproduktion oder Tierproduktion
Insgesamt sind mindestens 48 Seminarstunden zu belegen.
Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Landwirt
Streben Kursteilnehmer die Zulassung zur Abschlussprüfung nach § 45 Abs. 2 Berufsbildungsgesetz (BBiG) an, wird zur Vorbereitung ein Ergänzungsseminar angeboten.
Voraussetzung für die Teilnahme ist der Besuch folgender Bausteine aus dem Bildungsprogramm Landwirt:
- die unter Punkt 2 genannten Nachweise
- zwei Schwerpunktseminare Pflanzenproduktion
- zwei Schwerpunktseminare Tierproduktion
- zwei Seminare Landwirtschaftliche Betriebswirtschaft
Insgesamt sind mindestens 120 Seminarstunden aus den Seminaren Nr. 2 bis 5 und 8 zu belegen.
Ergänzungsseminar zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung
- Einführung und betriebliche Zusammenhänge
- Arbeits- und Tarifrecht, Arbeits- und Unfallschutz
- Betriebliche Übung - Pflanzenproduktion
- Betriebliche Übung - Tierproduktion
- Wirtschafts- und Sozialkunde
Bewerber, die eine Verkürzung der nach § 45 Abs. 2 BBIG erforderlichen Praxiszeit anstreben, haben nach dem Besuch des Ergänzungsseminars in einem besonderen Leistungsnachweis Kenntnisse und Fähigkeiten nachzuweisen, die eine Zulassung zur Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Landwirt rechtfertigen.
Organisation
Die Seminare und Lehrgänge werden mit Rücksicht auf die außerlandwirtschaftliche Berufstätigkeit der Teilnehmer auch als Abendveranstaltungen angeboten.
Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) organisieren die Seminare in eigener Verantwortung. Die aktuellen Angebote finden Sie an Ihrem zuständigen Amt. Nutzen Sie auch die Internetinformationen der benachbarten Ämter, denn nicht jedes Amt bietet alle Bausteine an. Für Spezialthemen gibt es zum Teil ein überregionales Angebot.
Akademie
An drei Standorten im Voralpengebiet wird das BiLa-Programm in Form einer Akademie mit 250 Seminarstunden durchgeführt. Diese Akademieprogramme berücksichtigen regionale Betriebsschwerpunkte (Alm- bzw. Alpwirtschaft).
Standorte der ÄELF in Bayern, die das BiLa-Programm als Akademieform anbieten:
Berufe im Agrarbereich
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