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Klosterlangheim
Ein Jahrhunderte altes Konzept der Klosterlangheimer Mönche: Historie als Vorbild für modernen Hochwasserschutz

Betonwand schützt Häuser vor vorbeifließendem Hochwasser.

Die Ortschaft Klosterlangheim wird auch heute noch geprägt von Teilen der historischen Bauten des in der Säkularisation aufgelösten Zisterzienserklosters Langheim. Und ebenso wie die Mönche des damaligen Klosters müssen sich auch die Bewohner der heutigen Ortschaft mit dem Wasser auseinandersetzen, das oft über die Ufer der Leuchse und ihrer Zuflüsse tritt. Bei der Suche nach Lösungen erinnerte man sich wieder an das ausgeklügelte Hochwasserschutzsystem, das die Mönche bereits vor fast einem Jahrtausend angelegt hatten, das aber zu großen Teilen wieder verloren gegangen war.

Hochwasserschutz und Denkmalschutz im Einklang

Bereits seit 1992 betreut und fördert das Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken in Klosterlangheim mit intensiver Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger eine Dorferneuerung. Die Eindämmung der Hochwassergefahr hat sich als das Hauptziel herauskristallisiert. Die große Herausforderung besteht darin, den Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser zu erreichen und gleichzeitig die denkmalpflegerisch wertvolle Bausubstanz zu erhalten und wiederzubeleben.

Gewässerausbau und Brückensanierungen

Als erstes stand der Schutz von Wohnhäusern im Vordergrund. Dafür wurden Uferschutzmauern in Teilbereichen saniert und erhöht. Die Anlage eines Feuchtbiotops schuf neues Rückhaltepotential und wurde mit einem ökologischen Ausbau der Leuchse im Bereich der Ortschaft kombiniert. Außerdem erfolgte die Sanierung von vier denkmalgeschützten Brücken aus der Klosterzeit.

Schutz durch das System der Mönche

Im Verlauf der weiteren Planungen zum Hochwasserschutz besannen sich die Teilnehmer und Planer immer stärker auf die historischen Grundlagen. Die Mönche hatten sowohl auf Rückhaltungen außerhalb der Ortschaft als auch auf die Anlage eines Stollensystems gesetzt, in dem ankommendes Wasser unterirdisch durch die Klosteranlage geführt wurde. Die Stollen waren aber im Laufe der Zeit immer mehr verlandet. Die Reinigung von mehreren hundert Metern Stollengraben einschließlich Sanierung der Wand- und Deckenflächen sowie die Erneuerung von Zugängen waren daher weitere Maßnahmen der Dorferneuerung.

Die Wasserrückhaltungen außerhalb des Ortes waren als wichtige Bestandteile des historischen Hochwasserschutzes in den letzten 250 Jahren vernachlässigt worden und sind teilweise ganz verschwunden. Einen wichtigen Beitrag zur Reaktivierung leistete das Wasserwirtschaftsamt Kronach: Zusammen mit der Stadt wurde im Osten vor der Ortschaft ein Damm an der Leuchse errichtet und damit eine der Wasserrückhaltungen wieder reaktiviert.

Die bauliche und technische Erneuerung sowie Erhöhung des Rückhaltedamms am noch vorhandenen Oberlangheimer Weiher unmittelbar am westlichen Ortsrand war ein weiterer Schritt, der im Rahmen der Dorferneuerung erfolgte.

Bodenordnung ermöglicht wichtigen Schutz

Die frühere Wasserrückhaltung am Scheubelgraben war nicht mehr vorhanden. Eine Wiedererrichtung dieser etwas weiter außerhalb der Ortschaft gelegenen Rückhaltung erwies sich als der wichtigste der noch fehlenden Bausteine für das neue Hochwasserschutzkonzept. Für eine Verwirklichung der Maßnahme war eine Ausweitung des Projekts der Ländlichen Entwicklung erforderlich. So konnten mit Hilfe der Bodenordnung die dafür benötigten Flächen gewonnen werden. Mit einer Dammlänge von 120 Metern und einer Dammhöhe von 6 Metern ließ sich ein Stauvolumen von 18 000 Kubikmetern realisieren. Zudem wurden in diesem Zusammenhang Abschnitte des Scheubelgrabens renaturiert und Uferschutzstreifen angelegt.

Sanierung traditionsreicher Wege und Wiederbelebung historischer Bausubstanz

Neben der Hochwasserfreilegung hat sich auch sonst viel getan in und um Klosterlangheim herum, u. a. die Sanierung eines Teilstücks des historischen Pilgerwegs nach Vierzehnheiligen, ein neuer Parkplatz am Torweiher, der den Ortsvereinen auch als Festplatz dient, sowie der Neubau eines Wirtschafts- und Radwegs nach Oberlangheim, der die dringend notwendige Erhöhung der Verkehrssicherheit für Radfahrer ermöglicht.

Gemeinsam mit der Städtebauförderung und dem Denkmalschutz wurde ein noch erhaltener Teil des Konventbaus saniert. Mit viel Fingerspitzengefühl wurde darin eine Bildungseinrichtung für den ländlichen Raum in ganz Franken hat integriert: die Schule für Dorf- und Flurentwicklung. Weitere Maßnahmen der Dorferneuerung sollen noch folgen, um die von altehrwürdiger Bausubstanz umrahmte Ortsmitte weiter zu stärken.
Projektträger
Dorferneuerung und Flurneuordnung Klosterlangheim, Stadt Lichtenfels, Landkreis Lichtenfels