Ernährung
Konzept „Ernährung in Bayern“
Eine gesundheitsförderliche Ernährung für alle Bürgerinnen und Bürger in Bayern zählt zu den großen gesellschaftspolitischen Herausforderungen.
Das vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten entwickelte Konzept „Ernährung in Bayern“ (Stand Juli 2011) stellt Ziele, Programme und Projekte vor, die dieser anspruchsvollen Aufgabe gerecht werden.
Gesunde Ernährung und mehr Bewegung für alle
Bayern schafft die Voraussetzungen für gesundheitsförderliche Ernährungsverhältnisse. Dies betrifft zum einen das private Umfeld, zum anderen die Verpflegung in Kindertageseinrichtungen, Schulen, Betrieben, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen sowie Freizeiteinrichtungen. Da der Freistaat Bayern keine individuelle Ernährungsberatung für einzelne Personen bieten kann, stellt das Konzept „Ernährung in Bayern“ die zielgruppenspezifische Ernährungsbildung sowie die Akteure und Multiplikatoren der Gemeinschaftsverpflegung in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten.
Vorrangige Ziele des Konzepts „Ernährung in Bayern“
- Kinder und junge Eltern für "Ernährung und Bewegung" motivieren
- flächendeckend niedrigschwellige Ernährungsbildung anbieten
- unabhängiges Ernährungswissen für Konsumenten ermöglichen
- Angebote der Gemeinschaftsverpflegung nach Qualitätsstandards optimieren
- Bewusstsein schaffen für die Auswirkungen des täglichen Einkaufsverhaltens
Das Konzept „Ernährung in Bayern“ passt sich in seiner Programmatik den Vorgaben der aktuellen Bildungspolitik an. Damit leistet es einen wertvollen Beitrag zur Sicherung der Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen.
Ernährungsbildung
Zwei Aufgaben stehen im Fokus der Ernährungsbildung: Die Gründung zielgruppenbezogener regionaler Netzwerke Ernährung – zunächst das Netzwerk „Junge Eltern/Familien mit Kindern bis zu drei Jahren im Themenfeld Ernährung und Bewegung“ – sowie der weitere Ausbau der unabhängigen „Ernährungs- und Verbraucherbildung“ gemeinsam mit qualitätsgesicherten Partnern.
Schwerpunkte
Netzwerk „Junge Eltern/Familien mit Kindern bis zu drei Jahren“
Ziel der Netzwerke „Junge Eltern/Familien mit Kindern bis zu drei Jahren“ ist es, möglichst früh den Grundstein für einen gesundheitsförderlichen, nachhaltigen und bewegungsreichen Lebensstil zu legen. In einem Pilotprojekt entstanden 2010 die ersten sieben dieser Netzwerke in Bayern. Sie führten über 180 konkrete Veranstaltungen für Familien mit Kindern bis zu drei Jahren im Themenfeld „Ernährung und Bewegung“ durch. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Pilotprojekts Anfang 2011 werden diese Netzwerke nun bayernweit aufgebaut. Ist die Aufbauphase des Netzwerks „Junge Eltern/Familien mit Kindern bis zu drei Jahren“ beendet, werden die Netzwerke um weitere Zielgruppen ergänzt.
Netzwerk „Junge Eltern/Familien mit Kindern bis zu drei Jahren“
Unabhängige Ernährungs- und Verbraucherbildung
Viele Verbraucher sind verunsichert. Sie können unter der enormen Informationsflut mit zum Teil widersprüchlichen Aussagen nur schwer kommerziell eingefärbte von unabhängigen Informationen unterscheiden. Daher gehört es zur Kernaufgabe des Staates, den Verbrauchern unabhängige, qualitätsgesicherte Ernährungsinformation zu ermöglichen. Wo das Ernährungsministerium solche Informationen nicht selbst erstellen kann, arbeitet es mit nichtstaatlichen Partnern der Ernährungs- und Verbraucherbildung zusammen. Diese Zusammenarbeit wird kontinuierlich ausgebaut.
Gemeinschaftsverpflegung
In der Gemeinschaftsverpflegung bietet sich die einmalige Chance, einen großen und wachsenden Teil der Bevölkerung mit gesundheitsförderlicher und nachhaltiger Verpflegung zu erreichen. Den Führungs- und Fachkräften der Gemeinschaftsverpflegung kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Sie zu qualifizieren und das Verpflegungsangebot über Qualitätsstandards zu sichern, ist Kernaufgabe im Schwerpunkt Gemeinschaftsverpflegung.
Schwerpunkte
Verpflegung in Kindertageseinrichtungen
Rund 300.000 Kinder von 0 bis 14 Jahren essen regelmäßig in den rund 8250 bayerischen Kindertageseinrichtungen (Kitas). Das sind 61 Prozent aller bayerischen Kita-Kinder. Die Kitas werden mit Workshops und Informationsveranstaltungen unterstützt, ihre Mittagsverpflegung altersgerecht zu optimieren. In der Startrunde 2010 mit 48 zweiteiligen Workshops in ganz Bayern konnten so bereits rund 30000 Kinder erreicht werden. Dieses Qualifizierungsangebot für Verantwortliche in den Kitas und für Anbieter wird daher weiter ausgebaut.
Im Frühjahr 2011 nahmen 26 bayerische Kitas am neu gestarteten Modellprojekt „Kita-Coaching für die Mittagsverpflegung“ teil. Aufgrund der überaus positiven Resonanz wird auch dieses Modellprojekt fortgesetzt und geht in die nächste Runde.
Verpflegung in Schulen
Gesund, schmackhaft und bezahlbar – so soll die Schulverpflegung in Bayern sein.
Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Bayern
- unterstützt, stärkt und motiviert Schulen bei der Entwicklung und Qualitätsverbesserung von Schulverpflegung,
- vernetzt alle an der Schulverpflegung beteiligten Akteure auf Landes- und Regierungsbezirksebene,
- informiert und schult Multiplikatoren und Verantwortliche nach den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE).
Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung hat Angebote sowohl für Einsteiger in die Schulverpflegung als auch für die Qualitätssicherung.
Neben dem Modellprojekt „Coaching in der Schulverpflegung“ bietet sie zudem RegioTreffs, das Förderprojekt Schülerunternehmen „Essen was uns schmeckt“ oder einen Leistungsverzeichnis-Generator an.
Verpflegung in Gesundheits-, Sozialeinrichtungen und Kantinen
Wie lässt sich gesundheitsförderliche Verpflegung nachhaltig mit Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen? Das ist eine der meistgestellten Fragen in Bayerns rund 5740 Kantinen und 2050 Gesundheits- und Sozialeinrichtungen. Um praxisnahe Antworten zu finden, werden bayernweit seit 2009 jährlich stattfindende Fachtagungen für Fach- und Führungskräfte der Gemeinschaftsverpflegung angeboten. Ergänzend zu den Fachtagungen bieten die Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung flächendeckend praxisnahe Arbeitsgruppen für professionelle Verpflegungsanbieter, sogenannte ProfiTreffs an.
Verpflegung in Gesundheits-, Sozialeinrichtungen und Kantinen
Nachhaltige Ernährung
Nachhaltige Ernährung bedeutet, sich so zu ernähren, dass die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt werden, ohne die Bedürfnisbefriedigung kommender Generationen zu gefährden. Für alle gegenwärtig auf der Erde lebenden Menschen wie auch für zukünftige Generationen soll Chancengleichheit herrschen.
Schwerpunkte
In einem ersten Schritt werden Bürgerinnen und Bürger darüber informiert, welche Auswirkungen das tägliche Einkaufsverhalten hat, auf regionaler wie auch globaler Ebene. Auch in der Gemeinschaftsverpflegung ist „Nachhaltigkeit und Regionalität“ ein Thema.
Das Staatsministerium widmet sich im Rahmen der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Ernährung“ (2005 - 2014) dem für das Jahr 2012 vorgesehenen Schwerpunkt „Ernährung“.
Wer setzt die einzelnen Maßnahmen um?
Das Konzept „Ernährung in Bayern“ ist auf eine arbeitsteilige Vorgehensweise ausgelegt. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten initiiert und moderiert den Prozess. Alle beteiligten Ressorts mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten und Aufgaben sind in den Gesamtprozess eingebunden.
Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Zuständig für die Umsetzung der Vorgaben aus dem Staatsministerium sind die 47 Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Sie sind flächendeckend in Bayern präsent und als direkte Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger vor Ort tätig. An jedem AELF gibt es eine spezielle Ansprechpartnerin für Ernährung und Ernährungsbildung. Sie initiiert Netzwerke unter den Akteuren der Ernährungsbildung und vermittelt als eine Art “Drehscheibe“ im Bereich Ernährung ratsuchenden Bürgern kompetente Dienstleister im Dienstbezirk des Amts. An acht Standorten gibt es zusätzlich ein Fachzentrum Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung.
Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung
An den acht AELF-Standorten Augsburg, Bayreuth, Ebersberg, Fürstenfeldbruck, Fürth, Landshut, Regensburg und Würzburg widmen sich die Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftverpflegung speziell den Multiplikatoren und Akteuren der Gemeinschaftsverpflegung (GV). Die Fachzentren sind innerhalb des Regierungsbezirks für sämtliche GV-Projekte zuständig, einschließlich der Vernetzungsstellen Schulverpflegung. Zielgruppen sind Verantwortliche und Akteure in Kindertageseinrichtungen, Schulen, Betrieben sowie Gesundheits- und Sozialeinrichtungen.
Für die Ernährungsbildung steuert eine Projektmanagerin des Fachzentrums die zielgruppenbezogene Vernetzung der Akteure. Derzeit liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf der Zielgruppe „Junge Eltern/Familien mit Kindern bis zu drei Jahren“. Sie arbeitet jedoch auch an neuen Projekten und weiteren Zielgruppen im gesamten Regierungsbezirk. Für die flächendeckende Umsetzung kooperiert sie mit den Sachgebieten Ernährung, Haushaltsleistung der ÄELF.
Regionale Vernetzungsstellen Schulverpflegung
Die regionalen Vernetzungsstellen Schulverpflegung sind innerhalb der acht Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung angesiedelt und setzen die verschiedenen Angebote der Vernetzungsstelle Schulverpflegung in Bayern vor Ort um. Sie unterstützen, vernetzen und informieren Schulen, Schulträger, Schüler, Lehrer, Eltern und Verpflegungsanbieter zu gesundheitsförderlicher Schulverpflegung.
Kompetenzzentrum Ernährung
Das Kompetenzzentrum Ernährung vernetzt die staatlichen und privaten Forschungseinrichtungen der Ernährung eng mit der Ernährungswirtschaft, Dienstleistern und Verbrauchern und bündelt bestehende Kompetenzen. Ziel ist es, den Informationsfluss zwischen allen beteiligten Gruppen zu erleichtern und das aktuelle Wissen rasch in die Praxis zu überführen. Das Zentrum entwickelt maßgeschneiderte Ernährungsbildungs- und Verpflegungskonzepte für Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen.
Das Kompetenzzentrum Ernährung mit seinen beiden Sitzen in Freising-Weihenstephan und Kulmbach hat zum 1. September 2011 die Arbeit aufgenommen.
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