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Bündnis "Wir retten Lebensmittel!"

Um die Verschwendung von Lebensmitteln zu bekämpfen, hat Ernährungsminister Helmut Brunner im Jahr 2015 das Bündnis "Wir retten Lebensmittel!" ins Leben gerufen. Die Bündnispartner aus den Bereichen Erzeugung, Verarbeitung, Lebensmittelhandel, Außer-Haus-Verpflegung und von den Verbraucherorganisationen haben erste Vorschläge für "Rettungsmaßnahmen" vorgelegt.

Präambel

Logo zum Bündnis "Wir retten Lebensmittel"

Die Erzeugung von Lebensmitteln ist ein aufwendiger Prozess, der eine Vielzahl von Ressourcen in Anspruch nimmt. Eine Studie der FAO kam 2011 zu dem Ergebnis, dass weltweit 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel auf dem Weg vom Acker bis zum Teller verloren gehen; in Deutschland sind es laut einer Studie des BMEL aus dem Jahr 2012 mehr als 11 Millionen Tonnen. In Bayern existiert alleine ein Vermeidungspotential für Lebensmittelverluste von 1,3 Millionen Tonnen. Dieses Potential besteht über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, von der Erzeugung bis zum Konsum.

Die absolute Zahl in Tonnen sagt aber noch nichts darüber aus, welche versteckten Kosten und Ressourcen notwendig sind, um diese Lebensmittel zu produzieren. Die gesellschaftlichen, umweltbezogenen und volkswirtschaftlichen Mehrkosten betragen ein Vielfaches der unmittelbaren Kosten für die Erzeugung, Verarbeitung oder Logistik von Lebensmitteln. Dabei ist die Ressourcenverschwendung umso höher, je später das Lebensmittel im Verlauf der Wertschöpfungskette verloren geht. Der Verlust von einem Kilogramm Weizenkorn ist deshalb nicht gleichzusetzen mit dem Verlust von einem Kilogramm Brot.

Bayern ist ein Bundesland mit hohem wirtschaftlichem Potential in der Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln und es wird weltweit geschätzt für seine Spezialitäten. Mit seiner großen Bevölkerungszahl erreichen täglich enorme Mengen an Lebensmitteln die bayerischen Verbraucher, die hohe Ansprüche an Qualität und Verfügbarkeit stellen. Daher ist es im Interesse aller Akteure der Lebensmittelwertschöpfungskette, die gesamtgesellschaftliche Verantwortung zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten wahrzunehmen.

Auch wenn dies bereits punktuell geschieht, so sind neue stufenübergreifende Ansätze unabdingbar, um eine deutliche Verbesserung der Lebensmittelverwertung zu erreichen. Appelle zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung alleine sind nicht ausreichend. Um diese Herausforderung über alle Wertschöpfungsstufen hinweg anzunehmen, ist ein Mitwirken aller Akteure notwendig, denn genauso wie kein Akteur die alleinige Verantwortung trifft, so kann auch ein Einzelner alleine keine Lösung herbeiführen.

Das Bayerische Bündnis „Wir retten Lebensmittel!“ hat daher das erklärte Ziel, gemeinsam mit allen Akteuren Strategien und Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, die zur Reduzierung von Lebensmittelverlusten beitragen. Die Handlungsfelder können im Bereich der Sensibilisierung von Konsumenten, verstärkter und verbesserter Zusammenarbeit mit karitativen Einrichtungen, optimierter Prognoseverfahren für die Konsumnachfrage, innovative Weiterverwertung von Reststoffen aus dem Verarbeitungsprozess, verbesserte Lagerhaltung von Lebensmitteln und Erarbeitung von gemeinsamen Kampagnen liegen. Letztlich werden wir aber vor allem Maßnahmen ergreifen müssen, die mehr Wertschätzung der Lebensmittel durch den Einzelnen zum Ziel hat.

Die Partner des Bündnisses „Wir retten Lebensmittel!“ erklären sich bereit, aktiv an der Entwicklung einer gemeinsamen Strategie zur Reduzierung von Lebensmittelverlusten mitzuarbeiten und diese voranzutreiben. Nur so kann es in Zukunft gelingen, neue Wege zu weniger Lebensmittelverlusten zu finden, die sowohl den hohen Qualitätsansprüchen des Konsumenten Rechnung tragen als auch die betriebswirtschaftliche Realität der Unternehmen berücksichtigen.

Priorisierte Maßnahmen des Bündnisses

"Lebensmittelretter-Führerschein" in Schulen
Ziel ist es, Schulkinder für das Thema Wertschätzung von Lebensmitteln und Vermeidung von Lebensmittelverschwendung zu sensibilisieren. Unterschiedliche teilnehmende Bündnispartner nutzen dafür bereits vorhandene Materialien und Methoden, die gezielt um einen entsprechenden Baustein zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung zu ergänzen sind.
Positionspapiere "Wir retten Lebensmittel!"
Das Bündnis erarbeitet in den themenspezifischen Fokusgruppen Positionspapiere zu relevanten Aspekten der Lebensmittelverluste und -verschwendung (z. B. Mindesthaltbarkeitsdatum), deren Inhalte alle Bündnispartner mittragen.
Verzehrsindikator
Die Entwicklung eines geeigneten und praxistauglichen Verzehrsindikators wird von den wissenschaftlichen Einrichtungen des Bündnisses vorangetrieben und von den weiteren Bündnispartnern unterstützt. Der Verzehrsindikator soll eine bessere Orientierung des Konsumenten ermöglichen, zu welchem Zeitpunkt genau ein Lebensmittel noch verzehrsfähig ist.
Start-Up Wettbewerb
Ambitionierte Gründerteams präsentieren in einem Wettbewerb ihre Geschäftsideen für eine sinnvolle Weiterverwertung von Nebenprodukten aus der Lebensmittelherstellung (z. B. Trester aus der Obstverarbeitung). Die besten Ideen werden anschließend prämiert. Die Bündnispartner unterstützen die Preisträger bei der Weiterentwicklung ihrer Ideen.
Fortlaufende Erfassung von Lebensmittelverlusten in Bayern
Das Bündnis erklärt sich bereit, die fortlaufende Erfassung von Lebensmittelverlusten in Bayern auf Basis der erstmals vorgestellten Daten im Jahr 2014 zu unterstützen, so dass zukünftige Entwicklungen der Verluste verfolgt und mögliche Effekte von Maßnahmen gemessen werden können. Die Bündnispartner unterstützen die Erfassung zum Beispiel durch:
▪ Bereitstellung finanzieller Mittel
▪ Unterstützung bei der Ermittlung von Daten und Kennzahlen
▪ Engagement und Netzwerkarbeit zur Gewinnung weiterer relevanter Akteure im Branchenumfeld.
Informationen zum MHD
Gemeinsam mit den Bündnispartnern aus den Bereichen Verbraucher, Handel und Hersteller werden in einem Pilotansatz Maßnahmen für eine bessere Verständlichkeit, Sichtbarkeit sowie EDV-technische Verarbeitung des Mindesthaltbarkeitsdatums durchgeführt.
Wertschöpfungsstufen übergreifendes Medienpaket
Vorhandene Medien und Materialien der Bündnispartner zum Thema "Lebensmittelverschwendung" werden gebündelt und als Medienpaket für interessierte Zielgruppen bereitgestellt. Für Bereiche, in denen noch keine Materialien und Medien vorhanden sind, können mit Unterstützung des Bündnisses neue fachgerechte Medien erstellt werden.
Der Kühlschrank als "Lebensmittelretter"
Eine öffentlichkeitswirksame Kampagne soll über Haltbarkeit und die richtige Lagerung von Lebensmitteln aufklären. Verbraucher können während der Kampagne nützliche Informationen über die richtige Lagerung im und außerhalb des Kühlschranks erhalten.
"Lebensmittelretter-Coaching" für die Außer-Haus- Verpflegung (AHV)
Mitarbeiter, Hauswirtschafterinnen und Küchenleiter in der Außer-Haus-Verpflegung erhalten Kenntnisse und Methoden für die Praxis, um gezielt Lebensmittelverluste zu reduzieren. Dazu werden beispielsweise der Ressource-Manager-Food und weitere bestehende Materialien und Methoden genutzt.
Digitale Logistikunterstützung für Tafeln und weitere karitative Einrichtungen
Im Rahmen eines Pilotprojektes sind neue Ansätze zu erproben, damit Ehrenamtliche der Tafeln und karitativer Einrichtungen früher erfahren, wenn Waren zur Abholung bereit stehen. Ebenso sollen diese Ansätze Marktmitarbeitern die Weitergabe von Spenden erleichtern.
Warenwirtschaftssystem für den Privathaushalt
Mit dem Ziel Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, soll für einen besseren Überblick der Lebensmittel im Privathaushalt eine zukunftsgerichtete Erfassungsmethode entwickelt werden. Die wissenschaftlichen Einrichtungen und Partner des Bündnisses unterstützen die Entwicklung.
Wettbewerb für Lebensmitteleinzelhändler
In einem Wettbewerb können sich Lebensmittelmärkte mit Ideen bewerben, die nachweislich zu weniger Lebensmittelverlusten führen (z. B. mittels optimierter Nachfrageprognose).
Prognosesystem für die Außer-Haus-Verpflegung
In Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen des Bündnisses wird eine Methode zur besseren Vorhersage der Nachfrage in der Außer-Haus-Verpflegung entwickelt und den Bündnispartnern zur Verfügung gestellt. Die Maßnahme dient dazu, Betriebe der Außer-Haus-Verpflegung stärker für die Reduzierung von Lebensmittelverlusten zu sensibilisieren.
Schulungsmaterial für Supermarktpersonal
Filialmitarbeiterinnen und -mitarbeiter erhalten Informationen zum Thema Lebensmittelverschwendung und -verluste. Dazu wird im Rahmen des Bündnisses wissenschaftlich fundiertes Schulungsmaterial erstellt.
Wettbewerb für karitative Einrichtungen
Mit einer Veranstaltung werden die in einem vorausgegangenen Wettbewerb erfolgreichen Tafeln und karitativen Einrichtungen als Vorzeigebeispiele prämiert. Gleichzeitig dient die Veranstaltung dazu, mögliche Spender für die Arbeit karitativer Einrichtungen zu gewinnen und somit die Zusammenarbeit für den guten Zweck zu fördern.
Sammelpunkte-Aktion "Wir retten Lebensmittel"
Kunden und Konsumenten werden in teilnehmenden Filialen des Lebensmitteleinzelhandels durch eine Bonuspunkte-Aktion dazu motiviert, sich mit den Themen Lebensmittelverschwendung und Wertschätzung für Lebensmittel auseinanderzusetzen. Im Aktionszeitraum können Kunden, die zeigen können, wie sie ihren Einkauf planen, an der Sammelaktion teilnehmen. Individuelles Engagement gegen Lebensmittelverschwendung wird so belohnt.
Symposium "Nachfrageprognose im Lebensmitteleinzelhandel"
In einer Fachveranstaltung werden die Ergebnisse möglicher Anwendungen des von der Hochschule Deggendorf entwickelten Systems zur verbesserten Nachfrageprognose im Lebensmitteleinzelhandel vorgestellt. Darüber hinaus sind weitergehende Ansätze und Aktivitäten auf diesem Feld mit den Teilnehmern zu diskutieren.

Schlusswort

Die Teilnehmer des Bündnisses erklären sich mit der Unterzeichnung der Bündnisschrift dazu bereit:

  • Die Maßnahmen des Bündnisses jederzeit mit den ihnen verfügbaren Mitteln und in vertretbarem Umfang zu unterstützen.
  • Die Maßnahmen des Bündnisses in ihrem Wirkungskreis zu repräsentieren und für die Teilnahme an Aktivitäten des Bündnisses "Wir retten Lebensmittel!" zu werben.
  • Die gemeinsamen Aktivitäten des Bündnisses nur im Sinne der in der Präambel gesetzten Ziele zu nutzen, sodass stets ein maximaler Nutzen für das Bündnis erreicht werden kann.
Die Teilnahme am Bündnis "Wie retten Lebensmittel!" ist jederzeit möglich und erfolgt auf freiwilliger Basis. Die Laufzeit des Bündnisses ist zunächst bis Herbst 2018 zeitlich begrenzt.

Bündnispartner

Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Helmut Brunner, Staatsminister Verwaltung & Behörden
AMIDORI Food Company GmbH & Co. KG Friedrich Büse, Gründer & Partner Privatwirtschaft
Bayerischer Bauernverband Anneliese Göller, Landesbäuerin Verbände & Vereine
Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern e. V. Ulrich N. Brandl, Präsident Verbände & Vereine
BayernBankett Gastronomie GmbH

Johann Gillinger, Prokurist und Bereichsleitung
Catering
Privatwirtschaft
Bundesverband Deutsche Tafel e. V.
Reiner Haupka, Tafel Landesverband Bayern e. V. Vorsitzender und Mitglied des Bundesvorstandes Verbände & Vereine
Center for Digital Technology and Management (CDTM) der Technischen Universität München und der Ludwig-Maximilians-Universität München Prof. Dr. Martin Spann, Scientific Director Forschung & Bildung
Deutsches Institut für Gemeinschaftsgastronomie e. V. (DIG) Dr. Stefan Hartmann, Geschäftsführer Verbände & Vereine
E.A.E. Rohstoff GmbH Hubert Aust, Geschäftsführer Privatwirtschaft
ETEPETETE Handels und Produktions GmbH Georg Lindermair, Gründer und Geschäftsführer Privatwirtschaft
Food & Innovation Consultancy Dr. Mehmet Cicek, Geschäftsführer Privatwirtschaft
Foodbytes Simon Schwaminger, Gründer Privatwirtschaft
FoodLoop GmbH Christoph Müller-Dechent, Gründer und Geschäftsführer Privatwirtschaft
Foodsharing e. V. Julia Peters-Klopp, Regionalvertreterin Verbände & Vereine
Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) Dr. Claudia Schönweitz, stellv. Institutsleiterin Forschung & Bildung
Gartenbauzentrale Main-Donau eG Achim Poetschke, Geschäftsführer Verbände & Vereine
Handelsverband Bayern e. V. Matthias Zwingel, Vizepräsident Verbände & Vereine
Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf Prof. Dr. Volker Henning, Vizepräsident Forschung & Bildung
Impact Hub Munich GmbH Joscha Lautner, Gründer und Geschäftsführer Privatwirtschaft
Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern Kathrin Wickenhäuser-Egger, Vizepräsidentin Verbände & Vereine
Industrievereinigung für Lebensmitteltechnologie und Verpackung e. V. Dr.-Ing. Tobias Voigt, Geschäftsführer Verbände & Vereine
Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft (ISWA) Prof. Dr. Jörg Metzger Forschung & Bildung
joy.foods GmbH Dr. Andreas Raab, Geschäftsführer Privatwirtschaft
Landeshauptstadt München Dieter Reiter, Oberbürgermeister Verwaltung & Behörden
Landes-Innungsverband für das bayerische Bäckerhandwerk Heinz Hoffmann, Landesinnungsmeister Verbände & Vereine
Landesinnungsverband für das bayerische Fleischerhandwerk Konrad Ammon jun., Landesinnungsmeister Rainer Hechinger, Hauptgeschäftsführer Verbände & Vereine
Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft e. V. Günther Felßner, Vorsitzender Verbände & Vereine
Lika GmbH Rupert Lindlmeier, Geschäftsführer Privatwirtschaft
localworld – sustainable business development Marion Fürst, Geschäftsführerin Privatwirtschaft
Maritim München Maritim Hotelgesellschaft mbH Alexander Wolter, Küchenchef Privatwirtschaft
McDonald's Deutschland LLC Holger Beeck, Vorstandvorsitzender und Präsident McDonald's Deutschland LLC Privatwirtschaft
METRO Cash & Carry Deutschland, Region Bayern Swen Betzing, Regionalmanager Privatwirtschaft
Molkerei Gropper GmbH & Co. KG Christian Oppitz, Geschäftsführer Marketing & Vertrieb Privatwirtschaft
Münchner Tafel e. V. Hannelore Kiethe, Vorsitzende, Matthias von Miller, Vorstand Verbände & Vereine
Museum Mensch und Natur Dr. Michael Apel, Leiter Forschung & Bildung
petaFuel GmbH Dr. Peter Schönweitz, Geschäftsführer Privatwirtschaft
Photography Studio Julia Hildebrand & Ingolf Hatz Julia Hildebrand
Ingolf Hatz
Privatwirtschaft
Querfeld UG Stefan Kukla, Gründer und Geschäftsführer Privatwirtschaft
Raab Vitalfood GmbH Dr. Andreas Raab, Geschäftsführer Privatwirtschaft
ResQ Club München Timo Beck, Country Manager Privatwirtschaft
Studentenwerk Augsburg Doris Schneider, Geschäftsführerin Forschung & Bildung
Technische Hochschule Deggendorf Prof. Dr. Peter Sperber, Präsident Forschung & Bildung
Verband der Lebensmittelkontrolleure Bayerns e. V. Michael Förtsch, Landesvorsitzender Verbände & Vereine
VerbraucherService Bayern im KDFB e. V. Juliana Daum, Vorstandsvorsitzende Verbände & Vereine
Verbraucherzentrale Bayern e. V. Marion Breithaupt-Endres, Geschäftsführender Vorstand Verbände & Vereine
Wolf GmbH Bernhard Oeller, Geschäftsführer Privatwirtschaft

Kontakt
Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Referat M5 - Grundsatzangelegenheiten der Ernährung
Ansprechpartner: Dr. Malte Rubach
E-Mail: Ref-M5@stmelf.bayern.de