Panoramablick vom Jochberg (StMELF)

Vom Drahtzug bis zum Christbaumschmuck
Historische Christbaumschmuck-Manufaktur im Gilardi-Haus in Allersberg

Gilardihaus
Als der Mailänder Jacob Gilardi im Jahre 1708 die Witwe Sybilla Heckel heiratete, übernahm er auch das Allersberger Drahtzuggeschäft und baute den sogenannten "Leonischen Drahtzug" im Laufe der Jahre zu einem blühenden Handelszweig mit Weltruhm aus. Von dieser Geschichte erzählt das Gilardi-Haus in Allersberg im Landkreis Roth, das dank einer Generalsanierung nun wieder in neuem Glanz erstrahlt. Mit Hilfe von LEADER konnte hier in einem ehemaligen Fabrikationssaal eine bemerkenswerte Ausstellung eingerichtet werden, die die Geschichte der Christbaumschmuck-Manufaktur und deren Bedeutung ansprechend darstellt.

LEADER macht Ortsgeschichte erlebbar

Christbaumschmuck ist in den unterschiedlichsten Facetten und Materialien seit Jahrhunderten bekannt. Leonischer Schmuck verzierte die Tannenbäume seit dem 17. Jahrhundert bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in allen Regionen. Vor allem Allersberger Christbaumschmuck aus Silber- und Goldplätt galt als hochwertig und weltbekannt.
Die Herstellung Leonischer Drahtwaren und von Christbaumschmuck im Gilardi-Anwesen war über Jahrhunderte hinweg der wichtigste Wirtschaftsfaktor Allersbergs. Der wirtschaftliche Aufstieg Gilardis führte zu Wohlstand in ganz Allersberg und prägte die Ortsgeschichte. Von dieser Glanzzeit zeugt das barocke Gilardi-Haus.
Dank einer LEADER Förderung von knapp 83.000 Euro kann sich nun der interessierte Besucher in der Gilardi-Ausstellung über die Geschichte des Leonischen Drahtzuges und die Herstellung von Christbaumschmuck informieren.

Glanzlichter der Christbaumschmuck-Manufaktur

Abgeleitet wird der Begriff Leonische Waren von den Städten León in Spanien, dem wahrscheinlich ersten Fertigungsort dieser Waren, und Lyon in Frankreich. In Nürnberg soll 1570 oder 1569 ein Franzose namens Anthoni Fournier mit der ersten fabrikmäßigen Erzeugung begonnen haben.
Leonischer Draht ist fein gezogener Kupferdraht, der verzinkt, versilbert oder vergoldet für die Verzierung von Uniformen, kostbaren Gewändern oder Fahnen sowie für Christbaumschmuck verwendet wurde.

Mit Original-Exponaten der Stiftung "Firma Gilardi, Familie Geiershoefer/Schulenburg - Markt Allersberg" werden die Anfänge des Leonischen Drahtzuges im Jahr 1689 und als Schwerpunkt der neu gestalteten Gilardi-Ausstellung, die Christbaumschmuckproduktion der Firma Jacob Gilardi bis zum Jahr 2006 präsentiert. Die Besucher können historische Maschinen der ehemaligen Manufaktur in Betrieb sehen und den Weg der Produkte vom Ausgangsmaterial bis zum Christbaum nachvollziehen. Anhand von historischen Anleitungen kann sich jeder Besucher ein Bild von der Herstellung des Christbaumschmucks machen und dies auch selbst ausprobieren.

Ein weiteres Highlight der Gilardi-Ausstellung ist ein virtueller Christbaum, der interaktiv mit in der Firma Jacob Gilardi hergestellten "Originalprodukten" geschmückt werden kann. Die Ausstellung zeigt umfangreiches Dokumentationsmaterial, unter anderem kurze Dokumentarfilme, die Erinnerungsinterviews mit Zeitzeugen enthalten. Allersberg hat damit ein herausragendes geschichtliches und technisches Zeugnis seiner eindrucksvollen Wirtschafts- und Sozialgeschichte geschaffen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes echtes LEADER-Glanzlicht!

Die Gilardi-Ausstellung ist an jedem ersten Sonntag im Monat und im Dezember an jedem Adventssonntagnachmittag geöffnet. Am 7. und 8. Dezember 2019 findet ein Weihnachtsmarkt statt, bei dem die Produktion des Christbaumschmucks so gezeigt wird, wie dies früher in Heimarbeit üblich war. Der handgefertigte Christbaumschmuck kann auch käuflich erworben werden.

Fotos: Markt Allersberg
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