Leicht hängige Ackerlandschaft mit blühendem Rapsfeld am Bildhorizont. Auf drei von vier weiteren Feldern ist die Saat aufgegangen. Bebuschte Raine strukturieren die Landschaft.

Altusried
Durch Wegebau, Hoferschließung und Bodenmanagement die Landwirtschaft stärken und die Gemeinde entwickeln

Reichhaltig strukturierte Grünlandschaft mit zwei Weilern im Vordergrund und ein Teil von Altusried im Hintergrund

Die umfassende Gemeindeentwicklung Altusried mit der Flurneuordnung Altusried und den Dorferneuerungsmaßnahmen in Krugzell, Frauenzell, Kimratshofen und Muthmannshofen verbesserte nachhaltig die gemeindliche und landwirtschaftliche Infrastruktur, leistete einen bedeutsamen Beitrag zur Erhaltung der Allgäuer Kulturlandschaft, optimierte die Lebensqualität der Bürger und stärkte den Wirkungsraum für Handel, Gewerbe und Dienstleistung. Die Einbindung der Bürger bei allen Schlüsselmaßnahmen hat eine hohe Akzeptanz geschaffen, so dass die Maßnahmen effizient und effektiv umgesetzt werden konnten.

Mit einer Gesamtfläche von 9 200 Hektar gehört Altusried zu den flächengrößten Gemeinden im Landkreis Oberallgäu. Über 170 km Orts- und Gemeindestraßen verbinden die fünf Ortsteile sowie 154 Weiler und Einöden miteinander. Sie sind entstanden durch die Kemptener Vereinödungen im 18. Jahrhundert, die ältesten Bodenordnungsverfahren in Bayern. 261 landwirtschaftliche Betriebe, zahlreiche mittelständische Handwerks- und Gewerbebetriebe und zwei große Milchwerke belegen die Wirtschaftskraft des Marktes.

Flächengrößte Flurneuordnung in Schwaben

Die Anfänge der Flurneuordnung Altusried führen ins Jahr 1985 zurück. Der Markt Altusried suchte Lösungen zur Bewältigung seiner vielfältigen strukturellen Probleme. Der Wandel in der Landwirtschaft sollte aufgefangen und so gesteuert werden, dass die weiterwirtschaftenden Betriebe eine Existenzgrundlage haben. Es zeichnete sich zudem ein Interesse an Bau- und Gewerbegebieten ab und die Entwicklung des Tourismus nahm stetig zu. Eine Zusammenarbeit mit dem Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben wurde vereinbart. Mit einer Neuordnungsfläche von ca. 3 800 Hektar war Altusried die bisher flächengrößte Flurneuordnung in Schwaben. Zeitgleiche Dorferneuerungsmaßnahmen in den Ortsteilen Frauenzell, Krugzell, Kimratshofen und Muthmannshofen führten zur Vitalisierung der Ortskerne und Stärkung der Innenentwicklung.

Sanierung von Straßen und Wirtschaftswegen

Es wurden vor allem Hauptwirtschaftswege saniert, die große Gebiete erschließen und erheblichen landwirtschaftlichen Verkehr aufweisen. Dabei wurden so wenig wie möglich neue Wegetrassen ausgewiesen, da der Straßen- und Wegebau überwiegend auf bestehenden Trassen in Form von Asphalt-, Kies- oder Spurbahnwegen erfolgte. Die örtliche Infrastruktur im Flurneuordnungsgebiet wurde durch den Neubau bzw. die Sanierung von 12 Gemeindeverbindungsstraßen mit einer Gesamtlänge von 9,6 Kilometer und von 160 Hofanschluss- und Wirtschaftswegen mit einer Länge von 33 Kilometer verbessert. Die Wege erfüllen über ihre Erschließungsfunktion hinaus auch andere Ansprüche der Gesellschaft. Sie werden teilweise als Rad- und Wanderwege genutzt und dienen somit der Naherholung und dem Tourismus.

Naturhaushalt gezielt weiter entwickelt

Die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes entwickelte sich durch zahlreiche landschaftspflegerische Maßnahmen, die mit dem Wegebau in enger Verbindung stehen, gezielt weiter. Zahlreiche Bäume, Feldgehölze und Hecken, gepflanzt auf privatem und öffentlichem Grund, zieren das Altusrieder Landschaftsbild. In Krugzell und Frauenzell wurden bei der Gestaltung von öffentlichen Plätzen und Freiflächen begleitende Grünmaßnahmen vorgenommen.

Kulturraum von großer Attraktivität

Die Kulturlandschaft um Altusried ist gekennzeichnet durch besondere Schönheit, Vielfalt und Eigenart. Sie ist ein Lebens-, Wirtschafts- und Kulturraum von großer Attraktivität. Die mit den „Kemptener Vereinödungen“ im 18. Jahrhundert geschaffene Siedlungs- und Landschaftsstruktur sowie die Vielzahl sakraler Elemente in den Fluren seien hier als Beispiele genannt. Rund 50 Hofkapellen, Marterln und Feldkreuze wurden im Rahmen der Flurneuordnung renoviert und sind ein Beitrag zur Erhaltung dieser Kulturlandschaft. Das Aufstellen von Ruhebänken und die Sanierung dieser Kleinode sind Maßnahmen, die die Erholungslandschaft Altusried nachhaltig bereichern und das kulturelle und christliche Erbe bewahren.

Vitalisierung der Ortskerne

Die ortsbildprägenden alten Schulgebäude in Kimratshofen und Muthmannshofen werden heute als Gemeinschaftshäuser genutzt und stehen der Allgemeinheit zur Verfügung. Gestalterische Maßnahmen in den Dorfkernen standen in Krugzell und in Frauenzell mit seiner überregional bekannten barocken Dorfkirche im Vordergrund. In beiden Ortschaften konnten auch sehr effektive Maßnahmen gegen die Hochwassergefahren umgesetzt werden. So wurden die Wohn- und Lebensverhältnisse in den Ortsteilen verbessert und Beiträge geleistet, die Dorfgemeinschaften zu erhalten und zu stärken.

Rechtssicherheit durch Bodenmanagement

Neben den zahlreichen infrastrukturellen Maßnahmen spielte das Bodenmanagement eine bedeutende vermittelnde und ausgleichende Rolle in der Flurneuordnung Altusried. Im Ergebnis konnten im Verfahrensgebiet die Wege gewidmet, die Flächen abgemarkt und vermessen, ungeklärte Grenzverhältnisse geregelt und die neuen Rechtsverhältnisse in die Grundbücher eingetragen werden. Die Rechtssicherheit für die Grundstückseigentümer ist jetzt übersichtlich und nachvollziehbar für die Zukunft geregelt. Die Grundstücksgrenzen sind zweifelsfrei im Gelände erkennbar. Das Bodenmanagement leistete auch einen wichtigen Beitrag zur effizienten Bewirtschaftung der Grundstücke, für den Bau von zwei Windrädern in der Gemarkung Kimratshofen sowie für die Bereitstellung von Flächen für den Hochwasserschutz in Frauenzell.

Projektträger
Flurneuordnung und Dorferneuerung Altusried, Landkreis Oberallgäu