Leicht hängige Ackerlandschaft mit blühendem Rapsfeld am Bildhorizont. Auf drei von vier weiteren Feldern ist die Saat aufgegangen. Bebuschte Raine strukturieren die Landschaft.

Murnauer Moos - Staffelseemoore
Größtes Moorgebiet Mitteleuropas wird durch Bodenmanagement für die Zukunft gesichert

Die Bauern der umliegenden Gemeinden bewirtschafteten das Murnauer Moos jahrhundertelang sehr arbeitsintensiv in Handarbeit und mit wenig Ertrag. Die bewirtschaftbaren Flächen mähten sie einmal jährlich und nutzten die Mahd als Einstreu. Durch diese extensive Bewirtschaftung entstanden im Lauf der Jahrhunderte besonders artenreiche Feuchtwiesen. Doch im 19. und 20. Jahrhundert wurde im Moos mit neuen Techniken Torf- und Gesteinsabbau im industriellen Umfang betrieben. Entwässerung und Melioration setzten dem Murnauer Moos stark zu. Es war deshalb ein Glücksfall für das Murnauer Moos, dass der Landkreis im Rahmen eines Naturschutzgroßprojekts auf die Zusammenarbeit mit dem Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern setzte. Mit dem Bodenmanagement konnten die Landnutzungskonflikte zwischen Naturschutz einerseits und Landwirtschaft, Gesteinsabbau und Tourismus andererseits gelöst und die Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Moores nachhaltig gesichert werden. Mit seiner Wirkung als riesiger CO²-Speicher trägt das Murnauer Moos auch maßgeblich zur Verwirklichung der Ziele des Klimaschutzes bei. Und die Landwirte profitieren von den agrarstrukturellen Verbesserungen und erzielen durch Übernahme von Pflegearbeiten ein zusätzliches Einkommen.

Das Murnauer Moos - Naturschutzgebiet und einzigartiger Lebensraum

Unmittelbar am Alpenrand, im Stammbecken des würmeiszeitlichen Loisach-Gletschers, liegt die großflächig vermoorte Murnauer Mulde. Seine Entstehung verdankt das Moos harten Gesteinen, die bei Murnau parallel zur Alpenlinie verlaufen. Sie widerstanden den Gletscherbewegungen und bildeten den Rand eines großen Beckens, das sich mit Geröll füllte und Wasser nur langsam abfließen lässt. Je nach Feuchte und Untergrund entstanden darin unterschiedliche Moortypen. Das etwa 7.000 Hektar große Gebiet umfasst eine vielfältige Landschaft mit Streuwiesen, Nieder- und Übergangsmooren, Quelltrichtern, Altwassern und voll ausgebildeten Hochmooren. Eine Besonderheit sind die hochinteressanten, im Inneren fast ungestörten Übergänge zwischen den Moortypen. Große Streuwiesenflächen bei Ohlstadt, Eschenlohe, Murnau, Grafenaschau und Uffing schließen, ebenfalls mit Übergangsbereichen, an diese Moorkomplexe im Randbereich an.
Das Murnauer Moos ist das größte zusammenhängende, noch weitgehend ursprüngliche Moorgebiet Mitteleuropas. Für die Bundesrepublik Deutschland ist das Murnauer Moos von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung. Seit 1980 ist es Naturschutzgebiet und das reichste Brutvogelbiotop in Süddeutschland. Eine enorme Vielfalt seltener und bedrohter Pflanzen- und Tierarten findet ihren Lebensraum in den zahllosen Streuwiesen, den zahlreichen Wasserläufen und Seen sowie den geologisch bemerkenswerten Hügelreihen, den sogenannten Köcheln. Dabei handelt es sich um eine geologische Besonderheit: aus hartem Glaukoquarzit bestehende Gesteinskögel aus der Kreidezeit. Diese wurden in den Hartsteinwerken am Moosberg und am Langen Köchel abgebaut und z. B. zur Pflasterung von Straßen oder als Bahnschotter verwendet. Heute werden diese Flächen renaturiert und teilweise mit Edellaubhölzern wieder aufgeforstet.

Bodenmanagement schafft Einklang von Naturschutz und Landnutzung

Gemäß dem Leitziel, den großvolumigen Moorkörper für die Zukunft zu sichern, sollen die wertvollen Moorkerne störungs- und nutzungsfreie Naturlandschaft bleiben. Darüber hinaus sollen große Teilbereiche im Murnauer Moos und westlich des Staffelsees im Sinne einer extensiv genutzten Kulturlandschaft mit Streuwiesen und Magerrasen gepflegt werden. Die Besitzzersplitterung im Moos verhinderte jedoch eine standortangepasste, koordinierte Entwicklung und Bewirtschaftung der Flächen. Zu unterschiedlich waren Besitzerinteressen und Nutzungsintensitäten. Nur mit dem Flächen- und Bodenmanagement der Ländlichen Entwicklung war es möglich, die Nutzungskonflikte zu lösen und ein sinnvolles Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft zu erreichen.
Möglich wurde dadurch zum Beispiel der Tausch bisher intensiv genutzter Flächen mit Ersatzflächen außerhalb des Mooses und somit eine standortangepasste extensive Bewirtschaftung. Ein Fokus lag auf der Sicherung von 1.500 Hektar Kernbereichen durch Überführen in die öffentliche Hand. Den Landwirten wurde dafür Ersatzland außerhalb der Kerngebiete angeboten. Die Streuwiesen des Moores wurden gegebenenfalls entbuscht und werden weiterhin bewirtschaftet.

Nur gemeinsam ist ein solches Projekt möglich

Dabei wurde auf eine enge Beteiligung aller Akteure Wert gelegt. Vertreter des Landkreises, die Bürgermeister der hauptsächlich beteiligten Gemeinden und der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes sind im Vorstand der Teilnehmergemeinschaft vertreten. Die örtlichen Landwirte waren immer hautnah ins Geschehen eingebunden. Die untere Naturschutzbehörde, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und das Wasserwirtschaftsamt standen mit fachlicher Unterstützung zur Seite. Insgesamt waren 12 Gemeinden und 700 Besitzstände am Gelingen dieses Vorhabens beteiligt.
In Faltblättern und durch den Besuch von zwei Bayerischen Staatsministern wurde das Projekt der Öffentlichkeit präsentiert. Durch die Erstellung einer naturkundlichen Wanderkarte werden die Besucher zu landschaftlichen Höhepunkten gelenkt und von sensiblen Bereichen ferngehalten.

Die finanzielle und fachliche Unterstützung des Staates trägt Früchte

Mit der Einleitung von vereinfachten Flurneuordnungsverfahren zu Naturschutzzwecken ab 1992 leistete die Verwaltung für Ländliche Entwicklung maßgebliche Hilfe. Mit Grundstücksbewertungen, -täuschen und -käufen half sie, das vom Landkreis initiierte Naturschutzprojekt umzusetzen. Von 1992 bis 2003 erfolgte die Finanzierung als Bundesförderprojekt zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung. Dabei wurden ca. 18 Mio. Euro Fördergelder vom Bundesamt für Naturschutz (75 %), vom Bayerischen Naturschutzfonds (15 %) und vom Landkreis Garmisch-Partenkirchen für den Grunderwerb und die Bodenordnung aufgebracht. Die so erworbenen Flächen wurden ins Eigentum des Landkreises Garmisch-Partenkirchen überführt.
Ab 2004 bis 2010 förderte das Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern auch den Flächenankauf. In diesem Zeitraum wurden nochmals Flächen mit einem Fördervolumen von ca. 1 Mio. Euro von der Teilnehmergemeinschaft mit Mitteln der Ländlichen Entwicklung und des Landkreises erworben. Sämtliche Erwerbs- und Tauschvorgänge in einem Gesamtvolumen von ca. 2.000 Hektar wurden im Rahmen der Flurneuordnung durch die Teilnehmergemeinschaft Murnauer Moos - Staffelseemoore durchgeführt. Davon wurden ca. 1.500 Hektar gekauft, für ca. 500 Hektar erhielten Landwirte Tauschflächen außerhalb der schutzwürdigen Flächen. Außerdem wurden Planungsarbeiten und Landschaftspflegemaßnahmen in Auftrag gegeben. Im Jahr 2010 wurden letztmals Grundstücke erworben. Damit sind die wesentlichen Projektziele erreicht.
Durch den Einsatz öffentlicher Mittel und durch das Flächen- und Bodenmanagement der Ländlichen Entwicklung ist ein einzigartiger Lebensraum nun dauerhaft gesichert. Neben Aspekten des Artenschutzes, der Biodiversität und der Sicherung repräsentativer Landschaftsräume spielen heute auch Klimaschutzziele - das Moos als CO²-Speicher - eine zunehmende Rolle. Wie kaum ein anderes Gebiet in Deutschland ist das Projektgebiet eine „Arche Noah“ von unschätzbarem Wert für viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten (davon fast 200 Arten der Roten Liste!).

Projektträger
Flurneuordnung Murnauer Moos - Staffelseemoore, Landkreis Garmisch-Partenkirchen