Dachstuhl mit zahlreichen Verstrebungen

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Rodachtal
Durch Gemeinsamkeit und regionale Identität wächst zusammen, was zusammen gehört

In einem Raum mit sichtbarem Dachstuhl erläutert eine Ausstellung die frühere deutsche Teilung. Am Boden befindet sich ein Schild mit den Aufschriften  Achtung! Halt! Grenze!

40 Jahre deutsche Teilung trennten die Menschen beiderseits der bayerisch-thüringischen Landesgrenze. Doch der Kontakt ging nie verloren. Bald nach der Wiedervereinigung bemühten sich daher die Kommunen im Rodachtal um die Wiederherstellung der regionalen Identität. Seit den Anfängen im Jahr 2000 ist die Initiative Rodachtal als interkommunale Allianz von inzwischen vier thüringischen und sechs bayerischen Gemeinden die Basis dieser Bemühungen und eine geeignete Plattform für viele Projekte. Die Förderung des Engagements von Bürgern ist dabei nur eine der vielen gemeinsamen Vorgehensweisen, die in der Initiative Rodachtal praktiziert werden.

Randlage in Bayern und Thüringen

Die Menschen und Kommunen an der Grenze der Freistaaten Bayern und Thüringen haben persönliche Verbindungen sowie baukulturelle und naturräumliche Gemeinsamkeiten. Sie haben zudem ähnliche Probleme wegen der Randlage in ihrem jeweiligen Bundesland. Die Herausforderungen durch den demografischen Wandel sind in dieser Region besonders stark ausgeprägt, die Auswirkungen der früheren Zonengrenze als Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung immer noch nicht ganz überwunden.

Weitreichende Entwicklungskonzepte

Nach der Vereinsgründung der Initiative im Jahr 2001 sind in immer wieder fortgeschriebenen Entwicklungskonzepten – zuletzt für 2014 bis 2020 – weitreichende Ziele und Strategien auf unterschiedlichen Handlungsfeldern entwickelt und davon umfangreiche Projekte umgesetzt worden. So hat die Initiative Rodachtal ein spezielles Rahmenprogramm zur Bewältigung des demografischen Wandels entwickelt. Damit soll den negativen Auswirkungen des demografischen Wandels, insbesondere auf die Bereitstellung von Leistungen der öffentlichen Daseinsvorsorge, für das soziale Miteinander der Generationen begegnet werden.

Leitprojekt „Engagiertes Rodachtal“

Den zehn Kommunen ist bewusst, dass ohne bürgerschaftliches Engagement im gesellschaftlichen Leben vieles nur Stückwerk ohne nachhaltige Stärkung bleibt. Sei es durch Ideenfindung, durch tatkräftige Unterstützung kommunaler Projekte oder durch eigenständige Durchführung von Maßnahmen – Vereine und Engagierte aus der Region „sind Gold wert“. Daher stärkt die Initiative Rodachtal bürgerschaftliches Engagement durch Unterstützungsangebote und verbessert z.B. mit der Etablierung eines Bauherrenpreises die Anerkennungskultur.

Tourismusoffensive Rodachtal

Seit 2008 werden auf Basis des Strategiepapiers „Tourismusmarketing im Rodachtal“ Schritt für Schritt Projekte umgesetzt, die wesentlich zur Steigerung der touristischen Attraktivität der Region beitragen. Bereits ein Jahr später wurde ein eigenes Tourismusmanagement eingesetzt.

Zu den Projekten gehört ein Radwegenetzkonzept, in dem die vorhandenen überregionalen Fernradwege mit regionalen und örtlichen Routen verknüpft wurden. Ein neu installiertes Netzwerk der regionalen und lokalen Wegewarte sorgt dafür, dass die 700 km Wanderwege in einwandfreiem Zustand bleiben.
Mit dem neuen Projekt Qualitäts- und Serviceoffensive wird besonders für kleine und mittlere Betriebe in der Tourismusbranche die Möglichkeit einer kostengünstigen und professionellen Betriebsberatung geschaffen.

Auf der Veste Heldburg wurde im Jahr 2016 das Deutsche Burgenmuseum eröffnet, ein in seiner Konzeption und Ausrichtung einmaliges Museum in Deutschland und Europa. Ziel der Initiative Rodachtal ist es, daraus weiterreichende touristische Wertschöpfung für die Region zu generieren. Dies wird aber nur gelingen, wenn eine entsprechende Infrastruktur vorhanden ist, die von Übernachtungs- und Gastronomiekapazitäten bis hin zu ergänzenden Erlebnisbausteinen reicht. Dazu gehören verschiedene thematische Führungen wie z. B. zum Lutherweg, der über die Veste Heldburg führt.

Flächenmanagement und Innenentwicklung

Ein weiteres wichtiges Thema zur Bewältigung des demografischen Wandels ist das Projekt „Flächenmanagement“. Im Zeitraum von 2012 bis 2014 entstand ein Rahmenkonzept für eine nachhaltige und flächensparende Siedlungsentwicklung. Die Anpassung des Siedlungsraumes an die demografische Entwicklung, die Sicherung der Tragfähigkeit der Versorgungsinfrastruktur und der Erhalt kompakter Ortskerne als Lebens- und Arbeitsraum sowie als touristisches Potential sind nur einige der Ziele, die mit diesem Vorhaben verfolgt werden.

Basis sind eine Gebäude- und Immobilienbörse, die auf der Homepage des Vereins „Initiative Rodachtal“ zu finden ist, sowie die im Rahmen eines Forschungsprogramms des Bundesbauministeriums erarbeiteten „Leitlinien Regionale Baukultur“ für das Rodachtal. Ein Netz aus örtlichen Baulotsen unterstützt die Ziele der Initiative durch Beratungsangebote für Bauwillige. Dazu gehört auch die Benennung und Darstellung guter Beispiele, die Vermittlung von Kontakten zu örtlichen Handwerksbetrieben und die Information zu staatlichen und kommunalen Förderprogrammen, die vier der beteiligten Kommunen anbieten. Mit dem Kompetenzzentrum Bauen in Ummerstadt wurde ein Kristallisationspunkt zur Vermittlung von Wissen und Qualität des Bauens geschaffen.

Back- und Brauhauskultur weiterentwickeln

Backen und Brauen spielten im gesamten Rodachtal seit jeher eine wichtige Rolle. Hinter dem Brauchtum stehen wichtige soziale, wirtschaftliche oder bauliche Funktionen, die das Leben der Dorfgemeinschaften bis heute prägen. Der Erhalt und die bewusste Entwicklung der noch vorhandenen Bauten und Bräuche ist eines der aktuellen Vorhaben der Allianz.

Ein Beispiel ist der Dorfbackofen in Roßfeld, der heute noch eifrig von den Dorfbewohnern zur Herstellung des traditionellen Sauerteigbrots genutzt wird. Das Dorfbrauhaus in Unterelldorf, das von einem Brauverein betrieben wird, wurde bereits im Rahmen der Dorferneuerung saniert. Über 1000 Stunden Eigenleistung der 15 Vereinsmitglieder zeugen dabei von der Leidenschaft, die für diese Tradition besteht.

Mit dem „Zweiländer-Sud“ hat die Initiative eigens ein „identitätsstiftendes Bier“ für die Region gebraut. Ein Teil des Verkaufserlöses soll als finanzielle Basis für die Erhaltung und Wiederbelebung weiterer Zeugnisse der Back- und Brauhauskultur dienen, die fast in jeder der beteiligten Gemeinden zu finden sind.

ÖPNV stößt an Grenzen

Wie in den meisten ländlichen Regionen ist Mobilität ein wichtiges Thema, auch im Rodachtal. Die Initiative Rodachtal hat den Fokus bewusst nicht auf den ÖPNV gelenkt. Ausschlaggebend hierfür war der räumliche Zuschnitt der Allianz, über Länder-, Bezirks- und Landkreisgrenzen hinweg, an die der ÖPNV buchstäblich stößt.

In der Region gibt es bereits unterschiedliche Modelle zur Stärkung alternativer Mobilitätsangebote (z. B. Discobus, Bürgerbus). Im Rahmen einer Mobilitätskampagne soll für die Nutzung der schon bestehenden Angebote sensibilisiert werden. Parallel hierzu müssen auch weitere Angebote geschaffen werden, die den Bürgern zur Verfügung stehen und so einen zumindest schrittweisen Umstieg auf die Nutzung alternativer Mobilitätsangebote ermöglichen. Erste Überlegungen gehen dahin, die bestehende Mitfahrzentrale mit einer Online-Plattform auszubauen. Ein weiterer Ansatzpunkt ist das Car-Sharing.

Ländliche Entwicklung als Wegbereiter

Das Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken hat von Beginn an den Entwicklungsprozess der Initiative Rodachtal maßgeblich mit Projekten der Integrierten Ländlichen Entwicklung, Flurneuordnung, Dorferneuerung, des Ländlichen Straßen- und Wegebaus oder des Freiwilligen Land- und Nutzungstausches sowie mit den Seminaren an der Schule für Dorf- und Flurentwicklung in Klosterlangheim unterstützt. Zehn Projekte der Ländlichen Entwicklung sind im bayerischen Teil bereits abgeschlossen, sieben werden aktuell durchgeführt und sieben weitere sind in der Vorbereitung.

Auch das praktische Herangehen an die Energiewende stellt eine besondere Herausforderung dar. Mit einem Gesamtkonzept für die Region, Machbarkeitsstudien für ganz konkrete Baumaßnahmen in der Gemeinde Ahorn oder für Nahwärmenetze in der Gemeinde Itzgrund sind erste Umsetzungserfolge zu verzeichnen.

Hervorzuheben ist auch die Zusammenarbeit mit der Städtebauförderung, die vor allem im Projekt „Flächenmanagement und Siedlungsentwicklung“ zum Gesamterfolg dieses zentralen Anliegens beiträgt. Weitere Partner, wie die LEADER-Aktionsgruppen auf bayerischer und thüringischer Seite sowie Partner in den Bereichen Energie und Wirtschaft tragen wesentlich zum Erfolg der Leitprojekte bei.

Projektträger
Integrierte Ländliche Entwicklung Initiative Rodachtal mit den Kommunen in Bayern: Ahorn, Bad Rodach, Itzgrund, Seßlach und Weitramsdorf, alle Landkreis Coburg und Untermerzbach im Landkreis Haßberge sowie in Thüringen: Bad Colberg-Heldburg, Straufhain, Ummerstadt und Westhausen, alle Landkreis Hildburghausen