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Forstpolitik
Stärkung und Förderung der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse in Bayern - Forstinfo 03/2019
von Referat F2 – Privat- und Körperschaftswald

Forstinfo 03/2019 - Revierleiter in Dienstkleidung bei Beratung zweier Männer im Wald (Foto: Robert Götzfried/proHolz Bayern)

Revierleiter Robert Wiechmann (r.) vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen und der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen, Gerhard Penninger (l.), kooperieren bei der Beratung eines Waldbesitzers.
(© Robert Götzfried/proHolz Bayern)

Die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse (FZus) in Bayern haben sich in den zurückliegenden Jahren zu eigenständigen und leistungsfähigen forstlichen Selbsthilfeeinrichtungen für die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer entwickelt.

Mit dem Waldpakt 2018 bekennt sich die Bayerische Staatsregierung auch zukünftig zur Stärkung und Förderung der FZus über das Jahr 2019 hinaus. Gerade in Zeiten, in denen der Klimawandel und seine Folgeerscheinungen die Wälder bedrohen, sind die FZus eine tragende Säule der Privatwaldeigentümer. Deshalb intensiviert die Bayerische Forstverwaltung die Zusammenarbeit mit ihnen. Die Bayerische Staatsregierung hat zudem die Fördermittel für die Zusammenschlüsse deutlich erhöht.

In Bayern gibt es mit 134 Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) – die regional auch als Waldbauern- oder Waldbesitzervereinigungen (WBV) bezeichnet werden – ein deutschlandweit einzigartiges, flächendeckendes Netz an Selbsthilfeeinrichtungen. Zweck der nach dem Bundeswaldgesetz (BWaldG) anerkannten Zusammenschlüsse ist es, die Bewirtschaftung der Waldflächen ihrer Mitglieder zu verbessern und die Nachteile geringer Flächengröße sowie andere Strukturmängel zu überwinden. Viele Klein- und Kleinstwaldbesitzer sind mit der praktischen Waldarbeit oft überfordert. Außerdem ist eine Vermarktung ihres Holzes aufgrund geringer Mengen für den Einzelnen schwierig. Deshalb sind die FZus als Selbsthilfeeinrichtungen unverzichtbar. Sie unterstützen ihre Mitglieder aber nicht nur beim Holzeinschlag und der -vermarktung oder bei Waldpflege- und Kulturmaßnahmen. Sie sind darüber hinaus wichtige Botschafter für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in der Öffentlichkeit. Die Mitgliedschaft in einem anerkannten forstwirtschaftlichen Zusammenschluss empfiehlt sich daher für alle Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer.

Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit den FZus

Grafik: Mögliche Kooperationsfelder zwischen Forstverwaltung und forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen, z.B. Sammelberatung, Öffentlichkeitsarbeit, Waldschutz, Waldbesitzerfortbildungen, Waldbau usw.Zoombild vorhanden

Mögliche Kooperationsfelder zwischen Forstverwaltung und forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen.

Borkenkäfer, Dürre und Stürme setzen dem Wald massiv zu. Damit die FZus ihre Mitglieder bei der nachhaltigen und zukunftsweisenden Bewirtschaftung ihrer Wälder im Interesse der Allgemeinheit bestmöglich unterstützen können, richtet die Bayerische Forstverwaltung ihre Zusammenarbeit mit den forstlichen Selbsthilfeeinrichtungen neu aus. Dazu werden derzeit auf lokaler Ebene Kooperationsvereinbarungen zwischen der Forstverwaltung und den FZus geschlossen. Diese beinhalten gemeinsame Ziele und individuelle Kooperationsfelder. Außerdem klären sie die jeweiligen Rollen und Zuständigkeiten. Das Fundament der Zusammenarbeit ist gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung.

Die bisherigen FZus-Beraterinnen und -Berater der Forstverwaltung werden über das Jahr 2019 hinaus als Koordinatorinnen und Koordinatoren der künftigen Zusammenarbeit weiterhin zur Verfügung stehen. Der Umwandlungsprozess soll im Rahmen von Workshops gemeinsam gestaltet werden. Hierbei werden die Kolleginnen und Kollegen der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und des Hauptpersonalrats, Vertreter der Verbände, Funktionsträger der FZus sowie Vertreter des Bundes Deutscher Forstleute in bewährter Weise einbezogen.
Mögliche Kooperationsfelder zwischen Forstverwaltung und forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen
  • Öffentlichkeitsarbeit, Waldschutz und Sammelberatungen,
  • Waldführungen, Jadkurs und Waldbesitzerfortbildungen,
  • Waldbau, Fortbildung und Exkursionen,
  • Borkenkäfer, Waldbaugrundsätze und Waldpflege,
  • Waldbau, Winterversammlungen und Forstwirtausbildung,
  • Wegebau, Wald vor Wild und Netzwerkarbeit,
  • Körperschaftswaldbewirtschaftung, Aus- und Fortbildung und Laubholzversteigerung,
  • Infoveranstaltungen, Beratung und Motorsägenkurse,
  • Klimawechsel, Submission und Waldbautage,
  • Waldumbau, Brotzeit und Konfliktgespräche,
  • Waldlust fördern und Image verbessern.

Neue Förderrichtlinie FORSTZUSR2019 in Kraft getreten

Grafik: Ziele und Leitgedanke FORSTZUSR2019: Strukturverbesserung im Kleinprivatwald, Professionalisierung und Forstfachpersonal, Dienstleisungsangebot und Kalamitätsbewältigung, Mitgliederinformation und Öffentlichkeitsarbeit (Quelle: StMELF)Zoombild vorhanden

Die Leitgedanken und Ziele aus den Vorgängerrichtlinien werden auch künftig konsequent weiterverfolgt.
(Grafik: StMELF)

Ab dem Doppelhaushalt 2019/20 werden die FZus-Fördermittel um 5 Mio. Euro auf dann 10 Mio. Euro pro Jahr erhöht. Parallel dazu wurde die Richtlinie zur Förderung der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse (FORSTZUSR) überarbeitet. Sie ist rückwirkend zum 1. Januar 2019 in Kraft getreten. Bewährte Fördertatbestände sind darin beibehalten und zum Teil erweitert worden. Außerdem wurden die Fördersätze in Einzelfällen angehoben. Zudem gibt es auch einige neue Fördertatbestände.

Dazu zählt beispielsweise die Maßnahme "Mitwirkung bei der praxisbezogenen Ausbildung des forstlichen Nachwuchses", mit der Praktikumsplätze bei anerkannten forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen gefördert werden können. Dies bereichert die forstliche Ausbildung dringend benötigter Nachwuchskräfte. Im Rahmen des Projekts "Waldbesitzer vermitteln Forstwirtschaft" können die FZus mit praxisorientierten forstfachlichen Informationsangeboten und durch unmittelbares Erleben die Akzeptanz und Toleranz für die Forstwirtschaft in Bayern steigern. Dieses Projekt war eine Forderung aus dem Waldpakt 2018. Zwischenzeitlich wurde von einer Arbeitsgruppe ein Konzept für die entsprechende Zusatzqualifikation entwickelt. Eine erste Fortbildung hierzu wird noch in 2019 von der Waldbauernschule angeboten.
Wenn ein FZus als Projektträger bei der Borkenkäferbekämpfung die Vorbereitung, Organisation und Durchführung einer insektizidfreien, waldschutzwirksamen Aufarbeitung von Schadholz gemäß WALDFÖPR2018 übernimmt, kann dies als so genanntes strukturverbesserndes Einzelprojekt (sEP) gefördert werden. Für jedes Mitglied, das sich an einer Bekämpfungsaktion beteiligt, erhält der FZus einen Zuschuss von 75,00 Euro.

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