Waldschutz

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Waldschutz im Klimawandel
Schädlinge - alte und neue Aufgaben für den Waldschutz

Nicht erst seit den Stürmen Kyrill und Emma ist die Waldschutz-Situation in den bayerischen Wäldern angespannt. Neben einer Vielzahl alter Forstschädlinge wie dem Borkenkäfer bereitet den Waldschutz-Experten darüber hinaus der Klimawandel große Sorgen.

Raupen des Eichenprozessionsspinners auf einem Eichenast. Zoombild vorhanden

Eichenprozessionsspinner (Bild: G. Lobinger, LWF)

Wärmeliebende Forstinsekten beschäftigen den Waldschutz immer stärker. In der Öffentlichkeit tritt v.a. der Eichenprozessionsspinner wegen der gesundheitsschädlichen Wirkung der Brennhaare seiner Raupen in den Vordergrund.

Auch die Globalisierung bringt Gefahren für unsere Wälder und neue Aufgaben für den Waldschutz. Gerade mit Verpackungsmaterial aus Holz werden immer wieder fremde Arten eingeschleppt. So machten in den letzten Jahren der Kiefernholznematode, der Asiatische Laubholzbockkäfer und der Citrusbockkäfer von sich reden.

Diese EU-Quarantäneschädlinge fordern besondere Aufmerksamkeit. Daher arbeiten die für Pflanzengesundheit zuständige Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft und die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft bei den notwendigen Kontrollen und Prognosen intensiv zusammen.

Eschentriebsterben

Die Esche spielt beim Waldumbau hin zu klimastabilen Wäldern als wichtige Mischbaumart eine große Rolle. Doch der Esche setzt ein Pilz zu, dessen pathogene Lebensweise bislang unbekannt war.

Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea ) - ein Name ist Programm
Namensgebend für die deutsche Bezeichnung des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea) ist die Art und Weise wie sich die Raupen auf Nahrungssuche begeben: In oft meterlangen "Prozessionen" ziehen die Eichenprozessionsspinner-Raupen, immer mit dem Kopf das Hinterteil des "Vordermannes" berührend, meist nachts von ihrem Raupennest zu einem neuen Fraßort, einer neuen Eiche. Häufig sind die Raupenprozessionen des Eichenprozessionsspinners mehrreihig.
Kontakt mit Raupen und Nestern des Eichenprozessionsspinners vermeiden
Ab dem 3. Larvenstadium wachsen den Eichenprozessionsspinner-Raupen sehr feine Gifthaare. Diese lösen sich leicht, haben Widerhaken, sind hohl und enthalten verschiedene Allerige auslösende Proteine.
Bei Hautkontakt brechen die feinen Gifthaare leicht ab und entlassen die gelösten Proteine. Beim Menschen führt dies zu pseudoallergischen Reaktionen wie Hautrötungen, Schwellungen, schmerzhaftem Brennen und Jucken sowie Schleimhautreizungen und Bronchitis.
Es ist daher dringend davon abzuraten, die Raupen oder die Raupennester des Eichenprozessionsspinners (frische ebenso wie alte) zu berühren. Aus diesem Grund wurden an den Autobahn-Parkplätzen entsprechende Warnhinweise aufgestellt. Die Autobahndirektion hat zusätzlich die befallenen Eichen mit Trassierbändern gekennzeichnet.

Rosskastanien-Miniermotte

Welche Bedeutung hat die Kastanienminiermotte für die Rosskastanie in Bayern?
Städte wie München oder Würzburg sind bereits im Sommer durch verbräunte Rosskastanien geprägt, Baumschulen bekommen zunehmende Schwierigkeiten, die Weißblütige Rosskastanie zu verkaufen. Die Auswirkungen auf die bayerischen Wälder sind äußerst gering, da die Rosskastanie nur in wenigen Exemplaren in den Wäldern Bayerns vorkommt.
In München gibt es mehr als 10.000 Exemplare der Rosskastanie. Bedingt durch klimatische Faktoren war der Befall der Rosskastanie beispielsweise im Jahr 2000 deutliche stärker als in den Vorjahren, bereits im Juli 2000 war fast das gesamte Stadtbild durch "braune" Rosskastanien geprägt. Im Jahr 2001 ist dagegen der Befall an der Rosskastanie wieder wesentlich geringer.
Wie sieht die Kastanienminiermotte aus?
Die erwachsenden Kastanienminiermotten sind in Sitzposition rund 5 mm lang. Die Flügelgrundfarbe ist metallisch-ocker mit außen schwarz gerandeten weißen Querstreifen, die Beine sind weißlich, dunkel gescheckt. Die winzigen Eier sind weißlich und von rundovaler Form. Ihre Größe liegt bei nur 0.2-0.4 mm. Sie werden grundsätzlich nur auf der Blattoberfläche der Rosskastanie abgelegt.
Die Larven der Kastanienminiermotte sind je nach Alter 1-5 mm lang. In Anpassung an ihre Lebensweise innerhalb des Rosskastanien-Blattes sind sie stark abgeflacht. Die Puppen sind 3-5 mm lang und braun. Ihr Kopf hat einen spitzen Fortsatz, mit dem die Puppe eine Schlupföffnung in der Blattepidermis erzeugt.
Es gibt nur wenige pflanzenfressende Tiere auf der Rosskastanie, die Minen bilden. So ist die Bestimmung der Kastanienminiermotte eigentlich einfach. Allerdings können die Minen im Blatt der Rosskastanie mit einem Pilz bzw. mit Salzschäden verwechselt werden. Um sicher zu gehen, kann man das Blatt der Rosskastanie gegen das Licht halten. Handelt es sich um eine Mine der Kastanienminiermotte, wird man eine Larve, eine Puppe, zumindest aber Kotkrümel erkennen können.
Wie lebt die Kastanienminiermotte?
Die erwachsene Kastanienminiermotte schlüpft in den frühen Morgenstunden und sammelt sich mit anderen am Stamm der Rosskastanie. Kurz darauf paaren sich die Kastanienminiermotten und die Weibchen legen etwa 20-40 Eier auf der Oberseite der Blätter der Rosskastanie ab. Im Freiland schlüpfen etwa nach 2-3 Wochen aus diesen Eiern die Junglarven.
Die Junglarven sind "Saftschlürfer". Sie fressen innerhalb des Blattes der Rosskastanie von der leeren Eischale aus zunächst 1-2 mm strichförmig parallel zum Blattnerv. Dann beginnen sie wie in einem Bergwerk oder einer Mine (daher der Name: Kastanienminiermotte) ihre Gänge seitlich vorzutreiben. Die Larven im 2. und 3. Stadium sind "Gewebefresser": Die Larven erweitern ihre Mine im Blatt der Rosskastanie zu einem Kreis bis zu einem Durchmesser von 5-8 mm. Die Altlarven sind ebenfalls Gewebefresser, die eine 3-4 cm lange, unregelmäßig geformte Mine fressen, die meist durch 2 Seitennerven läuft. Bei starkem Befall können die Minen der einzelnen Larven sogar zusammenfließen.
Die Puppenruhe der Kastanienminiermotte beträgt im Sommer 12-16 Tage, überwinternde Puppen ruhen etwa 6 Monate. Vor dem Schlüpfen bohrt sich die bewegliche Puppe mit ihrem zugespitzten Kopf halb aus der der oberen Blattepidermis der Rosskastanie heraus. Dies ist notwendig, da ja Schmetterlinge keine beißend-kauenden, sondern leckend-saugende Mundwerkzeuge besitzen und sich so nicht aus dem Rosskastanien-Blatt befreien könnten. Schließlich platzt die Kopfkapsel auf und entlässt den Falter. Zurück bleibt nur noch eine leere Puppenhülle.
Werden auch andere Bäume als die Rosskastanie befallen?
Hauptwirtspflanze der Kastanienminiermotte bei uns in Europa ist die Weißblütige Rosskastanie (Aesculus hippocastanum). Die Rotblütige Rosskastanie (Aesculus x carnea) wird zwar ebenfalls mit Eiern belegt, die schlüpfenden Junglarven sterben jedoch überwiegend ab. Oft besitzt die Rotblütige Rosskastanie im Sommer noch grüne Blätter, während benachbarte Weißblütige Rosskastanien schon vollkommen braun sind. Zum Teil werden auch Bergahorne, die z.B. unter einer stark befallenen Rosskastanie stehen, mit Eiern der Kastanienminiermotte belegt.

Wie hat sich die Kastanienminiermotte in Europa verbreitet?

  • 1985 Erster Nachweis der Kastanienminiermotte an der Rosskastanie in Mazedonien
  • 1989 wurde sie in Oberösterreich im Raum Linz beobachtet
  • 1992 kamen Meldungen aus Niederösterreich im Raum St. Pölten
  • 1992 fand man sie in Norditalien
  • 1993 wurde die Kastanienminiermotte an Rosskastanien in Süddeutschland registriert
  • 1998 wurde sie in der Schweiz und in Tirol beobachtet.
  • 1998 Einwanderung nach Frankreich und Belgien
  • 1999 Nachweise in Holland
Wie stellt sich die Situation für die Rosskastanie in Deutschland dar?
Im Herbst 1993 konnte die Kastanienminiermotte etwa 20 Kilometer vor München auf Autobahnparkplätzen an isoliert stehenden Rosskastanien nachgewiesen werden. In den benachbarten Orten war sie noch nicht festzustellen. 1998 hatte sie praktisch die Rosskastanie in ganz Bayern besiedelt. In den letzten Jahren hat sich die Kastanienminiermotte über weite Teile Deutschlands ausgebreitet. 1998 wurde sie aus Bonn gemeldet. 2000: Besiedlung weiter Teile des östlichen Niedersachsens. Geringe Dichten an der Rosskastanie in Bremen, Hamburg und Hannover. Erstnachweise für Schleswig-Holstein im Herbst 2000.
Warum breitet sich die Kastanienminiermotte so stark aus?
Die Gründe für die starke Ausbreitung der Kastanienminiermotte sind völlig ungeklärt. Es werden klimatische Faktoren ebenso angeführt wie die Möglichkeit der Einschleppung von Amerika nach Mazedonien. Allerdings ist die Motte in Amerika unbekannt. Auch die Einschleppung aus Asien ist eine Hypothese die erst noch überprüft werden muss.
Ein wesentlicher Grund für die starke Ausbreitung des Schädlings an der Rosskastanie dürfte in dem Fehlen effektiver natürlicher Feinde begründet sein. Inzwischen wurden zwar ca. 15-20 verschiedene Parasitoiden-Arten nachgewiesen, allerdings liegen die Befallsraten fast stets unter 10% liegen.
Warum ist nicht jede Rosskastanie gleich stark befallen?
Die Stärke des Befalls der einzelnen Rosskastanie hängt vom Standort ab. Rosskastanien, unter denen das Herbstlaub nicht entfernt wird, sind deutlich stärker betroffen als solche, bei denen das Laub entweder entfernt oder durch den Wind verweht wird. Auf diese Weise können sich auch kleinräumige Unterschiede im Befall der Rosskastanie durch die Kastanienminiermotte ergeben.
Stirbt die Rosskastanie bei starken Befall?
Über die Auswirkungen des starken Befalls für die Rosskastanie kann bisher nur wenig gesagt werden. Bisher sind in Bayern keine Meldungen eingegangen, dass eine Rosskastanie auf Grund des Motten-Befalls abgestorben ist. Da die Kastanienminiermotte bereits seit einigen Jahren in Österreich auftritt, ist wahrscheinlich, dass die Bäume über einen längeren Zeitraum auch starken Befall ertragen. Trotzdem gibt es deutliche Hinweise, dass kontinuierlich stark befallene Rosskastanien Stresssymptome aufweisen:
So wurde beobachtet, dass die Rosskastanie im Herbst neue Blüten treibt. Denkbar ist auch eine langfristige Schädigung und/oder eine Disposition für andere Krankheitserreger als der Kastanienminiermotte.
Wird die Kastanienminiermotte genauso schnell verschwinden wie sie gekommen ist?
Die Kastanienminiermotte werden wir und die Rosskastanie nicht mehr 'loswerden'. Die Kastanienminiermotte ist somit zu einem festen Bestandteil unserer Fauna geworden.
Welche Methoden gibt es, die Rosskastanie zu schützen?
Sämtliche Bekämpfungsverfahren zum Schutz der Rosskastanie gegen die Kastanienminiermotte sind bisher aus verschiedensten Gründen unbefriedigend verlaufen. Chemische Bekämpfungen sind zudem zu teuer, da die Rosskastanie individuell behandelt werden müsste. Oft schädigen die Rosskastanie mehr, als sie ihr nützen.
  • Dimilin: Ein Häutungshemmer, der für Menschen und Tiere außer Insekten relativ ungefährlich ist. Das Dimilin muss zum Zeitpunkt der Eiablage der Kastanienminiermotte auf die Blattoberseite (Eiablage) der Rosskastanie ausgebracht werden. Bei großen Exemplaren der Rosskastanie müsste man also mit Hochdruckspritzen oder Hubschraubern arbeiten. Die Behandlung müsste jedes Jahr wiederholt werden, mit wesentlichen negativen Einfluss auf die natürlichen Feinde.
  • Confidor: Mit Hilfe von kräftigen Injektionsnadeln wird das Mittel in den Stamm der Rosskastanie eingebracht. Rosskastanien reagieren jedoch auf solche Verletzungen mit Nekrosen (krebsartige Wucherungen rund um die Injektionsstellen). Ein jährlicher Einsatz, der auch bei Confidor notwendig wäre, ist nicht möglich.
Beide Mittel scheinen für den notwendigen jährlichen Einsatz zum Schutz der Rosskastanien nicht geeignet. Aus diesem Grund ist in naher Zukunft nicht mit einem neuen Wundermittel zu rechnen. Die sehr teure Verwendung chemischer Mittel wird sich deshalb nur auf einzelne schützenswerte Exemplare der Rosskastanie beschränken.
Kann man die Kastanienminiermotte mit natürlichen Feinden bekämpfen?
Vögel werden bei den hohen Mengen an Larven und Puppen nie in der Lage sein, die hohen Schädlingsdichten für die Rosskastanie nachhaltig zu senken. Aber auch bei den heimischen Parasitoide deutet sich in Bayern selbst nach 7 Jahren noch keine Steigerung der Wirksamkeit an. Erstaunlicherweise liegen nach den Untersuchungen von Jona Freise scheinbar auch in Mazedonien die Parasitierungsraten meist unter 5-10%, was die These unterstützt, dass die Kastanienminiermotte nicht aus Südosteuropa stammt.
Wie sind die Chancen einer Bekämpfung der Kastanienminiermotte mit Pheromonen?
Prinzipiell gibt es 3 Anwendungsmöglichkeiten:
  • Pheromon-Fallen: Mit herkömmlichen Leimtafeln wird man aber den schlüpfenden Falter nicht Herr werden können. Es müssen also geeignete Fallen entwickelt werden, so das bis zur Praxisreife dieses Verfahrens sicherlich noch einige Jahre ins Land gehen werden.
  • Verwirrmethode:Um die Wirtspflanze wird eine Pheromonwolke erzeugt, in der sich die Männchen nicht mehr zu den Weibchen orientieren können.
  • 'Attract And Kill'-Methode: Hierbei werden die Männchen mit Hilfe des Pheromons an bestimmten Plätzen angelockt und durch ein Kontaktgift getötet. Eine Schädigung anderer Insekten wird so vermieden.
Wie kann der Gartenbesitzer seine Rosskastanie schützen?
Unter günstigen Bedingungen kann eine Entfernung des Herbstlaubes der Rosskastanie (in dem die Puppen überwintern) zu einer deutlichen Senkung des Befalls im Folgejahr führen. Selbst wenn zum Spätsommer der Blattschaden an der Rosskastanie wieder deutlich zunimmt, ist diese Maßnahme sinnvoll. Die Rosskastanie hat so genügend Zeit für den Aufbau von Reservestoffen.
Allerdings wird in einfachen Komposthaufen nur ein geringer Teil der Puppen abgetötet.
Alle Informationen zur Kastanienminiermotte an der Rosskastanie stammen vom Lehrstuhl für angewandte Zoologie der Technischen Universität München.

Traubenkirschengespinstmotte (Yponomeuta evonymellus)

Morphologie
Falter: Vorderflügel: weiß, mit feinen schwarzen Punkten, Hinterflügel: grau;

Flügelspannweite: 15 - 25 mm

Eier: oval, 0,7- 1,0 mm lang; Eiablage als Gelege an Zweigen; Weibchen legt Eier in Häufchen zu ca. 50 Stück ab. Die Form des Eigeleges ist länglich-oval. Gelege wird mit einem Schutzsekret fischschuppenartig überzogen.

Raupen: im letzten Stadium bis zu 20 mm groß; hellgelb bis graubraun gefärbt mit schwarzen Punkten und schwarzem Kopf.

Puppen: in einem weißen, spindelförmigen Kokon; bräunlich gefärbt.
Lebensweise
Wirtspflanze: Traubenkirsche (Prunus padus).

Nach Kahlfraß an Traubenkirsche werden häufig andere Pflanzen, Büsche oder die Bodenvegetation eingesponnen (Raupen sind auf der Suche nach Nahrung)

Fraßzeit: mit Beginn des Knospenantriebs; Eiräupchen fressen zunächst in der Knospe.

Fraß ist (Ende Mai) bis Mitte Juni abgeschlossen (in diesem Jahr früher!).

Während des Fraßes wird die gesamte Pflanze von den Raupen mit einem dichten, reissfesten, weißen Gespinst eingesponnen. Bei Kahlfraß wandern noch nicht verpuppungsreife Raupen unruhig in der Umgebung der befallenen Traubenkirsche umher und spinnen alles ein, "was ihnen in den Weg kommt " (nicht nur Pflanzen, sondern ggf. auch Zäune, Bänke ...)

Verpuppung: fertig entwickelte Raupen (nach dem 5. Larvenstadium) sammeln sich in größe- ren Mengen bevorzugt am Stammfuß oder in Astgabeln, spinnen sich jeweils einen spindelförmigen, weißen Kokon, in dem sie sich verpuppen. Die Kokons stehen ganz dicht nebeneinander und sind alle mehr oder weniger senktrecht ausgerichtet.

Falterflug: Juli/August.

Eiablage: In Gelegen in der Nähe von Knospen; meist an diesjährigen Trieben. Nach 3-4 Wochen schlüpfen unter diesem Schutzschild bereits die Eiräupchen und über- wintern als Raupe unter dem Schutzschild.
Sonstiges
Gradationen: ein- bis mehrjährig; nach 4-5 Jahre Massenauftreten ist ein Zusammenbruch wahrscheinlich, Gradation kann aber auch noch länger anhalten.

Gefahren: Befallene Bäume/Sträucher treiben einige Wochen nach Kahlfraß wieder aus; sterben nicht ab!

Für Menschen/Tiere geht keinerlei Gefahr von der Gespinstmotte aus. Die Raupen tragen keine Brennhaare und auch das Gespinst ist völlig unbedenklich (im Gegensatz z.B. zum Goldafter (Fam. Lymantriidae) oder zum Wollafter (Fam. Lasiocampidae) zwei Schmetterlingsarten, die ebenfalls gespinstähnliche Raupennester ausbilden, deren Raupenhaare aber Allergien hervorrufen können.)

Weitere Gespinstmottenarten, die bei uns häufiger vorkommen

Yponomeuta padellus: an Weißdorn, Schlehe, Vogelbeere, gelegentlich auch an Zwetschge, Pflaume und Süßkirsche (Gespinst sehr viel lockerer als bei Y. evonymelleus)

Y. cognatellus an Pfaffenhütchen

Y. rorellus an Weide, Salix spp.

Hinsichtlich ihrer Lebensweise unterscheiden sich die verschiedenen Gespinstmotten-Arten kaum, und auch die morphologischen Unterschiede sind nur gering. Meist kann aber die Art ziemlich sicher anhand der Fraßpflanze bestimmt werden. Typisch für die Yponomueta-Arten ist nämlich ihre strenge Bindung an eine einzige, oder an wenige, aber eng verwandte Baum- bzw. Straucharten. Auch die Dichte der Raupengespinste sowie Art und Weise wie die Puppenkokons im Gespinst hängen, geben Hinweise auf die Gespinstmotten-Art.

Asiatischer Laubholzbock (Anoplophora glabripennis)

Der Asiatische Laubholz-Bockkäfer (Anoplophora glabripennis) stammt aus Zentralasien. Er wird häufig auch mit seinem englischen Trivialnamen "Asian Longhorned Beetle (ALB)" bezeichnet. Der Käfer ist an Umweltbedingungen angepasst, die sich über tropische, warme bis hin zu kalt-gemäßigten Klimaregionen erstrecken (WULF 1999). In China, Korea und Taiwan ist er als schwerwiegender Forstschädling bekannt (FBVA 2001).

Fichtenblattwespe (Pristiphora abietina)

Die Kleine Fichtenblattwespe (Pristiphora abietina) verursacht in Südostbayem seit über 20 Jahren beträchtliche Fraßschäden in Fichtenbeständen aller Altersklassen. Es handelt sich keineswegs um einen neuen Schädling. Bereits aus dem 18. Jahrhundert sind ihr Vorkommen und zahlreiche Massenvermehrungen bekannt. Dies belegt z. B. ein Erlass des Fürsterzbischofs aus dem benachbarten Salzburg von 1788: "Die Ausbringung und der willentliche Anbau von Feichten ist ab sofort zu unterlassen! Statt dessen seien Aicheln zu sammeln und im Forste auszusähen".

Mäuseschäden

Die Wühlmausarten Erdmaus, Feldmaus und Rötelmaus und Große Wühlmaus (Schermaus) können als die wichtigsten Schädlinge von Laubholzkulturen gelten. In Jahren der Massenvermehrung, die diese Arten regelmäßig durchlaufen, können massive Schäden bis hin zum vollständigen Ausfall bestimmter Baumarten oder auch der ganzen Kultur entstehen.

Informationen zu Mäuseschäden auf den Seiten der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft Externer Link

Phytophthora-Wurzelhalsfäule der Erle (Alnus spec.)

1993 wurde erstmals in England ein weit verbreitetes Absterben von Schwarzerlen (Alnus glutinosa) entlang von Flussläufen sowie in flussfernen Aufforstungen beobachtet. Als Verursacher der Krankheit, die auch an Grauerle (A. incana) auftritt und in Versuchen auch die Grünerle (A. viridis) schädigt, gilt ein neuer und bisher unbekannter Pilz der Gattung Phytophthora.
Er ist vermutlich aus zwei verschiedenen schon bekannten Arten dergleichen Gattung durch Hybridisierung natürlich entstanden. In Bayern wurde die Phytophthora - Wurzelhalsfäule an Erlen 1995 erstmals nachgewiesen. Die Krankheit breitet sich in Europa besorgniserregend schnell aus.

Krankheitsmerkmale

  • kleine, oft vergilbte Blätter sowie wenig Feinreisig, im fortgeschrittenen Stadium zurücksterbende Krone und büschelige Restbelaubung. Merkmale in der Krone treten i. d. R. erst dann auf, wenn die zerstörte Rinde die Energieversorgung der Wurzel verhindert und in der Folge der Wassertransport eingeschränkt wird;
  • oftmals starkes Blühen und Zapfenbildung, auch bei Jungbäumen;
  • orange bis schwarzbraune Schleimfluss-(Teer-)flecken am Stammfuß, z. T. an verholzten Wurzeln sowie orange bis dunkelbraun verfärbtes, zerstörtes Gewebe der äußeren Rinde und des Kambiums, das sich zungenförmig bis zu einer Stammhöhe von 3 m ausdehnt. Stamm umfassende Nekrosen führen zum Absterben des Baumes;
  • Längsrisse am Stammfuß infolge der Überwallungsvorgänge.
Ausbreitung und Vorkommen
Phytophthora-Pilze infizieren die Erlen mit Hilfe aktivbeweglicher Sporen über das Boden-, Oberflächen- und Flusswasser. Dies erklärt das hohe Schadausmaß entlangzahlreicher Fließgewässer in Bayern.

Auf regelmäßig überfluteten Standorten schreitet die Krankheit v.a. bei Jungbäumen rasch voran. Auf nicht oder nur unregelmäßig überfluteten Standorten sowie bei Altbäumen kann sich der Absterbeprozess dagegen über mehrere Jahre erstrecken. Gelegentlich erholen sich befallene Bäume, wenn sie zerstörtes Gewebe erfolgreich überwallen. Weniger stark geschädigte Erlen sind allerdings deutlich geschwächt, was sie für den Befall durch Schwächeparasiten anfällig macht.

Flussbegleitende Erlen werden vermutlich über Luftwurzeln und Korkwarzen am Stammfuß infiziert. Bei fortgeschrittener Schädigung können sie die wichtige Funktion der Uferstabilisierung nicht mehr erfüllen, werden unterspült und bei Hochwasser mitgerissen. Bei zahlreichen Fließgewässern in Bayern konnte nachgewiesenwerden, dass die Schäden ausschließlich flussabwärts von Phytophthora-Wurzelhalsfäule der infizierten Kulturen auftraten. Die Gefahr einer möglichen Verbreitung der Erlen-Phytophthora mit infiziertem Pflanzgut wurde durchstichprobenartige Untersuchungen von Baumschulmaterial demonstriert.

Die Krankheit tritt auch in flussfernen Aufforstungen auf. Dies deutet darauf hin, dass der Erreger mit verseuchtem Pflanzmaterial eingeschleppt wurde bzw. wird. Dafür spricht auch, dass auf diesen Standorten die Erkrankung aus dem Wurzelsystem im Stamm aufsteigt. Dieser Prozeß kann in Abhängigkeit vom Bodenwasserhaushalt bis zu acht Jahrebenötigen. Herkunftsbedingte Unterschiede in der Anfälligkeit der Schwarzerle gegenüber dem Erreger konnten bisher nicht festgestellt werden. Die Nachbarschaft symptomloser und absterbender Erlen an Fließgewässern führte jedoch zu der Annahme, dass einzelne Individuen tolerant oder resistent sind.

Gegenmaßnahmen

  • Eine direkte Bekämpfung der Erlen-Phytophthora (z. B. Fungizide) ist wegen der Lebensweise des Pilze sowie gesetzlicher Beschränkungen nicht möglich.
  • Erkrankte Erlen bilden nach dem "Auf-den-Stock-Setzen" oft vitale Stockausschläge, die noch nach Jahrengesund sind und kräftiges Wachstum zeigen. Das Zurückschneiden in Kombination mit einer regelmäßigen Kontrolle der Stockausschläge scheint nach derzeitigem Kenntnisstand die einzige erfolgversprechende Maßnahme zu sein, um v.a. flussbegleitende ökologischwertvolle Erlenbestände zu erhalten.
  • Erlen-Pflanzmaterial nur aus überprüften Baumschulquartieren verwenden, weil das Risiko besteht, dass die Erlen-Phytophthora bereits im Wurzelsystem bzw. in der anhaftenden Erde vorhanden ist. Eine visuelle Kontrolle der meist 2-jährigen Pflanzen reicht nicht aus, da diese i.d.R. noch keine deutlichen Symptome zeigen. Insbesondere bei Fließgewässernsollte das Risiko einer Einschleppung des Pilzes mit Pflanzgut bedacht werden.
  • Bei Eignung des Standorts lassen sich Schwarzerlen z. B. durch Esche, Moorbirke oder verschiedene Weidenarten ersetzen.