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Bayerische Eiweißinitiative

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Die Bayerische Eiweißinitiative wurde im März 2011 mit dem Ziel gestartet, heimische Eiweißfuttermittel besser zu nutzen und damit den Einsatz von Soja aus Übersee in der Nutztierfütterung in Bayern deutlich zu reduzieren.

In der Europäischen Union und damit auch in Bayern ist die Tierhaltung bisher in hohem Maße auf die Einfuhr von Sojafuttermitteln aus Übersee angewiesen. Hinzu kommt der Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach Lebensmitteln, die mit gentechnikfreien Futtermitteln erzeugt werden. Es ist wichtig, Konsumenten und Landwirten die Wahlfreiheit zu ermöglichen.

Vor diesem Hintergrund wurde 2011 die Bayerische Eiweißinitiative gestartet. Mit den bis 2018 bereitgestellten Mitteln von insgesamt 7,4 Millionen Euro wurden 29 Forschungs- und Beratungsprojekte finanziert. Dabei wurde großer Wert auf die Beratung und die Umsetzung in die Praxis gelegt.

Ministerin Kaniber überzeugt sich vor Ort vom Erfolgsmodell

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber machte sich am 7. August 2018 in Garching an der Alz (Lkr. Altötting) selbst ein Bild von der erfolgreichen Umsetzung der Bayerischen Eiweißinitiative in der Praxis. Familie Mühlhauser setzt in der Legehennenhaltung heimisch erzeugtes Soja ein und ist seit Jahren als Leuchtturmbetrieb im Sojanetzwerk aktiv.

Ziele der Bayerischen Eiweißinitiative

  • Geringere Abhängigkeit von Eiweißimporten aus Übersee in der Fütterung von Rindern, Schweinen und Geflügel in Bayern
  • Eiweißbedarf in der ökologischen Tierhaltung in Bayern ausschließlich aus heimischer Erzeugung decken
  • Grünland und Leguminosen in Bayern nachhaltig fördern
  • Wertschöpfung von heimischen Eiweißpflanzen stärken

Nutzen heimischer Eiweißfuttermittel

Heimische Eiweißfuttermittel

  • verbessern Bodenstruktur und Bodenfruchtbarkeit,
  • bringen Vielfalt in die Landschaft,
  • ermöglichen die Einsparung mineralischer Dünger,
  • entstammen einer nachhaltigen Produktion,
  • stärken regionale Wirtschaftskreisläufe,
  • verbessern die Versorgungssicherheit,
  • werden ohne Gentechnik erzeugt.

Wo liegen die Potenziale?

Anbau heimischer Eiweißpflanzen ausdehnen

Neben den traditionellen Eiweißpflanzen Ackerbohnen und Erbsen zählt neben der Lupine auch die Sojabohne zu den Leguminosen. Die Praxis zeigt: Wo Körnermais wächst, kann auch Soja angebaut werden.

Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) untersucht in Sortenversuchen den praxistauglichen Leguminosenanbau. Die Lupinen- bzw. Sojazüchtung hat das Ziel, geeignete Sorten für Bayern zu entwickeln. Daneben sollen die heimischen Eiweißressourcen Grünland und Ackerfutter besser genutzt werden.

Grundfutterleistung in der Rinderfütterung steigern

Wichtigste Eiweißquelle in der Rinder- beziehungsweise Milchkuhhaltung ist das betriebseigene Grundfutter (Gras, Klee, Luzerne), dessen Anbau noch ausgeweitet und dessen Qualität verbessert werden kann.

Durch eine optimale Bestandsführung, eine verlustarme Ernte und Konservierung sowie die Erzeugung von hochwertigem Trockengrün können die heimischen Eiweißreserven erschlossen werden. So kann Kraftfutter wie Soja eingespart werden.

Eiweißverwertung in der Fütterung von Schweinen und Geflügel verbessern

Ferkel bei der FutteraufnahmeZoombild vorhanden

Ferkel bei der Futteraufnahme

Knapp die Hälfte des von Bayern importierten Sojaschrotes findet in der Schweinehaltung Verwendung. Der Sojabedarf bei Schweinen kann reduziert werden, wenn die Fütterung noch mehr an das Alter und den Bedarf der Tiere angepasst wird (zum Beispiel Mehrphasenfütterung). Zudem kann durch den Einsatz freier Aminosäuren Eiweiß eingespart werden. Gleiches gilt für die Fütterung von Geflügel, wo Soja ebenfalls ein bedeutendes Eiweißfuttermittel darstellt.

Potenzial eiweißhaltiger Nebenprodukte ausschöpfen

Zwei Hände, die Biertreber aus einer Schale entnehmenZoombild vorhanden

Biertreber

Eiweißhaltige Nebenprodukte entstehen bei der Pflanzenölgewinnung (zum Beispiel Rapsextraktionsschrot), bei der Bioethanolerzeugung (zum Beispiel Schlempe/Protigrain) oder in den Brauereien (Biertreber). Durch einen stärkeren Einsatz dieser wertvollen Eiweißträger in der Fütterung kann Sojaextraktionsschrot eingespart werden.

Wie können die Ziele erreicht werden?

Forschung, Beratung und Wissenstransfer sind zentrale Betätigungsfelder der Bayerischen Eiweißinitiative. Durch Beratungs- und Bildungsangebote sowie Öffentlichkeitsarbeit wird der Informationsfluss in die Praxis unterstützt.
Partner und Netzwerke
Die Kooperation und Vernetzung mit Akteuren auf unterschiedlichen Ebenen ist eine zentrale Aufgabe der Bayerischen Eiweißinitiative. Wichtige Partner und Akteure sind die Institute der LfL im Arbeitsschwerpunkt Eiweiß, die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die Verbundpartner in der Beratung, Landwirte, Berufs- und Erzeugerverbände, Handel und Verarbeiter. Darüber hinaus bestehen Kontakte mit ähnlichen Initiativen in Deutschland und Europa.
Arbeitsschwerpunkt Eiweiß und Bayerische Eiweißinitiative
Forschungsprojekte, Fachbeiträge und aktuelle Informationen zu Eiweißpflanzen, Fütterung und Wirtschaftlichkeit an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

Erfolgreiche Zwischenbilanz

Seit 2010 konnten ca. 300.000 Tonnen Sojaextraktionsschrot in der Fütterung von Rindern und Schweinen eingespart werden. Diese teilen sich auf in:

  • 219.000 Tonnen, 50 % weniger Sojaextraktionsschrot in der Rinderfütterung
  • 80.000 Tonnen, 20 % weniger Sojaextraktionsschrot in der Schweinefütterung
Die Anbaufläche der Leguminosen konnte auf 60.000 Hektar zwischen 2011 und 2017 verdoppelt werden. Der Sojaanbau stieg auf 8.600 Hektar in Bayern 2017.

Bayerische Eiweißinitiative: Zwischenbilanz 2017 (LfL) Externer Link

Fördernde Faktoren für die Entwicklung:

Die Forschungs- und Beratungsprojekte sowie der gezielte Wissenstransfer im Rahmen der Bayerischen Eiweißinitiative waren Grundlage für die Erfolge. Förderlich für die Entwicklung waren zudem:

  • die Preisentwicklung von Sojaextraktionsschrot und alternativen Eiweißfuttermitteln wie Rapsextraktionsschrot
  • die Nachfrage des Lebensmitteleinzelhandels nach Milch ohne Gentechnik
  • die Anerkennung von Leguminosen als Ökologische Vorrangfläche im Rahmen des Greenings und die KULAP-Maßnahme "Vielfältige Fruchtfolge"