Berufe in der Hauswirtschaft

Studie Arbeitsmarkt
Strukturen zur Bedarfsdeckung haushaltsnaher Dienstleistungen – Erkenntnisse aus Modellprojekten in Bayern

Die Gesellschaft braucht dringend hauswirtschaftliche Dienstleistungen. Aber Finanzierung und Personalgewinnung stellen Anbieter vor große Herausforderungen. Das ist ein wichtiges Ergebnis der Studie "Strukturen zur Bedarfsdeckung haushaltsnaher Dienstleistungen – Erkenntnisse aus Modellprojekten in Bayern" des Instituts für empirische Sozialforschung der Universität Erlangen-Nürnberg.

Ausgangssituation

Die Berufstätigkeit beider Elternteile, die Betreuung der Kinder und pflegebedürftiger Angehöriger sowie die Anforderungen durch die Haushaltsführung belasten Familien stark und bringen sie finanziell, zeitlich und emotional an ihre Grenzen. Ein verbessertes Angebot und erleichterte Nutzungsvoraussetzungen für haushaltsnahe Dienstleistungen sollen helfen.

Politik und Anbieter haushaltsnaher Dienstleistungen entwickeln seit mehreren Jahren Konzepte, um Versorgungsengpässe zu beseitigen und ein flächendeckendes, qualitativ hochwertiges Angebot zu schaffen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten förderte beispielsweise die haushaltsnahen Dienstleistungszentren des Markts Erkheim sowie des Markts Weidenbach.

Methode der Studie

Die vorliegende Studie des Institutes für empirische Sozialforschung der Universität Erlangen-Nürnberg (IfeS) erfasst die Situation und die Erfahrungen aus der gesamten Projektlaufzeit (2017 bis 2019). Interviews mit Expert/innen sowie den Leiterinnen und anderen Vertreter/innen der Modellkommunen Markt Erkheim und Markt Weidenbach sowie der überkommunalen Arbeitsgemeinschaft Obere Vils-Ehenbach (AOVE) bilden dafür die Basis. Aus diesen Erkenntnissen leiten die Forscher Handlungsempfehlungen für die staatliche Ebene, die kommunale Ebene sowie die Anbieter ab.

Zentrale Ergebnisse

  • In den Modellkommunen und der AOVE besteht eine bisher nicht abgedeckte Nachfrage nach haushaltsnahen Dienstleistungen. Am häufigsten werden dabei Reinigungsarbeiten nachgefragt. Die befragten Anbieter können die derzeitige Nachfrage nicht mit dem verfügbaren Personal bedienen. Es zeigen sich große Probleme bei der Personalfindung und -bindung.
  • Viele der potentiellen Bewerber/innen verfügen nicht über die notwendigen Qualifikationen. Teilweise haben sie wenig Interesse an einer Tätigkeit, die hauptsächlich aus Reinigungsarbeiten besteht. Das Erbringen dieser Leistungen stufen Beschäftigte als wenig attraktiv ein. Sie wünschen sich ein abwechslungsreicheres Tätigkeitsspektrum.
  • Um die geringe Qualifikation der Beschäftigten auszugleichen, arbeiten die Modellkommunen und der AOVE mit Qualitätsmanagement-Handbüchern und Fortbildungsangeboten. Diese Form der Qualitätssicherung scheint gut zu funktionieren, da die Kundenzufriedenheit bei allen Befragten sehr hoch ist.
  • Viele potentielle Arbeitskräfte ziehen die Schwarzarbeit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung vor. Hier können sie kurzfristig höhere Nettolöhne erzielen. Die Vorteile sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungen sind vielen Personen nicht bewusst oder haben für sie keine Bedeutung.
  • Die Kostendeckung gestaltet sich in beiden Modellkommunen und der AOVE schwierig. Bisher sind nur wenige Haushalte bereit, kostendeckende Stundensätze zu zahlen. Haushalte, in denen die Pflegekasse einen Teil der Kosten erstattet, fragen die Dienstleistung verstärkt nach. Aber auch der hier abzurechnende maximale Stundensatz für haushaltsnahe Dienstleistungen in Höhe von 24,96 € ist bei weitem nicht kostendeckend. Ohne eine weitere finanzielle Unterstützung werden die Modellkommunen Markt Erkheim und Markt Weidenbach ihr Angebot nicht oder nur in sehr reduzierter Form aufrechterhalten können.
Fazit
Für Anbieter kann ein gutes Qualitätsmanagement sowie eine Kombination haushaltsnaher Dienstleistungen mit dem Angebot Alltagsbegleitung dazu beitragen, existenzsichernd zu wirtschaften.
Um Familien sowie unterstützungs- und pflegebedürftige Personen zu entlasten, ist ein qualitativ hochwertiges und flächendeckendes Angebot an haushaltsnahen Dienstleistungen notwendig. Dafür sollte der Staat günstige Rahmenbedingungen schaffen, zum Beispiel durch finanzielle Unterstützung, Modellprojekte und Image-Kampagnen.
Die Studie des Instituts für empirische Sozialforschung der Universität Erlangen-Nürnberg wurde im Auftrag des Kompetenzzentrums Hauswirtschaft erstellt. Sie kann per E-Mail angefordert werden.

E-Mail: poststelle@kohw.bayern.de