Drei junge Frauen im Gespräch

Sendereihe "Nachhaltige Haushaltstipps"
Hygiene im privaten Haushalt

Ein Mann putzt eine Oberfläche mit Desinfektionsmittel
Die Werbung stellt den Einsatz von Desinfektionsmitteln im Haushalt oft als unverzichtbares Mittel zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten dar. Fachkräfte dagegen sehen den Einsatz eher kritisch. Studien belegen bisher keinen positiven Effekt auf die Vermeidung von Erkrankungen durch Desinfektion im Haushalt. Ein Team der Hochschule Albstadt-Sigmaringen unter Prof. Dr. Benjamin Eilts hat den aktuellen wissenschaftlichen Stand zusammengefasst. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus stellen wir Ihnen vor.

Produkte zur Desinfektion

Drei Flaschen mit verschiedenen Biozidmitteln
Desinfektionsmittel gehören zur Gruppe der Biozide. Unter Bioziden versteht man Mittel, die Schadorganismen bekämpfen. Im Fall des Desinfektionsmittels sind das Mikroorganismen. Ihr Einsatz ist geregelt in der EU-Verordnung 528/2012 (Biozidverordnung). Biozide sollten immer sachgerecht angewendet und auf ein notwendiges Maß beschränkt werden.

In Deutschland unterscheidet man zwischen Desinfektionsmitteln, die als Arzneimittel gehandhabt werden und solchen, die als Biozid eingesetzt werden. Ein Arzneimittel dient dazu, Krankheitserreger, Parasiten oder körperfremde Stoffe abzuwehren, zu beseitigen oder unschädlich zu machen. Nach dieser Definition werden Desinfektionsmittel, die zur Anwendung am menschlichen Körper bestimmt sind, beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen. Sie müssen einen Hinweis auf Risiken und Nebenwirkungen der Produkte enthalten und dürfen als Originalverbund nicht in andere Verpackungen umgefüllt werden.

Desinfektionsmittel, die Drogerien anbieten und die meist Einsatz im Haushalt finden, gehören zu der Gruppe der Biozide.

Einsatzgebiete und Produktpalette der Biozide

Eine Person reibt sich die Hände mit Händedesinfektion ein
Die Einsatzgebiete von Biozidprodukten sind vielfältig:

Es gibt Produkte zur Flächendesinfektion, antimikrobielle Waschlotionen und Waschmittel sowie Hand- und Hautdesinfektionsmittel. Hersteller werben mit Formulierungen wie „hygienisch rein“ oder „hygienisch sauber“ und behaupten, dass man durch deren Anwendung einen Ausbruch von Infektionskrankheiten verhindern kann.

Auswirkungen von Bioziden auf Mensch und Umwelt

  • Spezielle Verbindungen in Bioziden können Allergien auslösen. Man sollte einen Hautkontakt mit diesen Substanzen vermeiden.
  • Bei unsachgemäßer Handhabung der Desinfektionsmittel (z.B. nicht ausreichende Dosierung oder Einwirkdauer) besteht die Gefahr, dass nicht alle Keime absterben. Die überlebenden Keime können sich an den Wirkstoff gewöhnen und Resistenzen entwickeln.
  • Eine regelmäßigen Desinfektion der Haut tötet auch Mikroorganismen der gesunden Hautflora eines Menschen ab. Das kann zu einer Besiedelung der unbesetzten Hautpartien durch krankheitserregende Keime führen.
  • Risiken für die Umwelt: Desinfektionsmittel können über das Abwasser in Kläranlagen gelangen.
    • Biozidprodukte wirken auch giftig auf Wasserorganismen, die in Kläranlagen eigentlich für deren Abbau verantwortlich sind.
    • Aus diesem Grund können Wirkstoffe oder deren Abbauprodukte in Gewässer gelangen. Dort reichern sie sich in Böden und Wasserpflanzen an. Über die Nahrungskette werden diese von Fischen aufgenommen und stellen so wieder eine Gefahr für den Menschen dar.

Bewertung des Einsatzes von Bioziden

  • Normen und Verordnungen fordern einen sachgemäßen Einsatz von Biozidprodukten. Was das bedeutet, wissen die Verbraucher in der Regel nicht. Es besteht die Gefahr eines unsachgemäßen Einsatzes.
  • Biozide töten auch gesunde Keime ab.
  • Die Infektionsrate kann durch die Verwendung von Desinfektionsmitteln nach derzeitigem Stand wohl nicht weiter gesenkt werden.
    Der Einsatz von Biozidprodukten ist daher grundsätzlich nicht notwendig.

Was schützt zuverlässig vor Keimen im Haushalt?

Einfache Hygieneregeln schützen den Menschen am besten vor krankheitserregenden Keimen. Dazu gehört:

  • Händewaschen, wenn man nach Hause kommt, vor der Zubereitung von Speisen und vor dem Essen, nach dem Kontakt mit Tieren, nach dem Toilettengang und nach der Abfallentsorgung.
  • Richtiges Händewaschen: Das heißt mindestens 20 Sekunden die Hände einseifen.
  • Küchenwasche, Handtücher, Unterwäsche und Bettwäsche mit Vollwaschmittel bei 60 Grad waschen.
  • Häufig Handtücher und Spültücher wechseln.
  • Bei Lebensmitteln auf gute Kühlung und kurze Aufbewahrungszeiten achten.