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Langeneufnach · Siegertshofen · Tronetshofen · Willmatshofen
Flurneuordnung ermöglicht Hochwasserschutz durch weiträumige Wasserrückhaltung in der Fläche

Drei hintereinander folgende Rückhaltebecken, neben denen ein Wirtschaftsweg vorbei führt. Im Hintergrund das Dorf, das die Rückhaltebecken vor Hochwasser schützen sollen.

Flurneuordnung und Hochwasserschutz: Im Tal von Schmutter und Neufnach in den Stauden im Landkreis Augsburg hat diese Kombination gegriffen. Die Hochwasserrückhaltungen in der Fläche wie auch der Hochwasserstaudamm bei Langenneufnach haben ihre erste Bewährungsprobe nach starken Regenfällen bestanden. Flurneuordnungen in den Dörfern entlang der Flusstäler leisteten durch die Möglichkeiten des Bodenmanagements einen effizienten und schnellen Beitrag.

Machbarkeitsstudie zum Hochwasserschutz

Die Gemeinden am Oberlauf der Neufnach und der Schmutter bis hin zum Markt Fischach kooperieren bereits seit 1996 mit weiteren „Staudengemeinden“ im Verein Regionalentwicklung Stauden. Ziel sind gemeinsame Strategien zu neuen Herausforderungen. Ein Hochwasser im Jahr 2002 verursachte starke Überschwemmungen und massive Schäden in Dorf und Flur. Daraufhin erstellte ein Planungsbüro für Fischach, Markt Wald, Scherstetten, Mickhausen, Langenneufnach, Walkertshofen und Mittelneufnach eine Machbarkeitsstudie zur Verbesserung des zentralen Hochwasserschutzes an Schmutter und Neufnach. Die Ergebnisse lagen noch nicht vor, da verursachten im August 2005 erneut starke Regenfälle erhebliche Schäden an Gebäuden und infrastrukturellen Einrichtungen. Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie, gefördert über das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth, enthielt drei Lösungsvarianten. Ausgewählt wurde die Variante mit hoher Schutzwirkung für die betroffenen Kommunen wie auch für die Unterlieger durch einen Ansatz in der Fläche.

Bodenmanagement für Schutz in der Fläche

Zur Umsetzung von Maßnahmen in zehn laufenden Flurneuordnungen veranlasste und förderte das Amt für Ländliche Entwicklung eine Studie zum dezentralen Hochwasserschutz. Ziel war ein Konzept für einen durchgängigen Hochwasserschutz auf einer Fläche von 130 Quadratkilometern für die Ortslagen entlang der Neufnach und Schmutter.

Es fehlten aber zusammenhängende Flächen in der Flur für die vorgesehenen Rückhaltebecken. Einzige Lösung: Das Bodenmanagement in der Flurneuordnung. Nur so konnten die Hochwasserrückhaltungen an den geeigneten Stellen entstehen. Für den zentralen Hochwasserschutz an Schmutter und Neufnach wurden die erforderlichen Flächen in Langenneufnach, Tronetshofen, Siegertshofen und Willmatshofen bereitgestellt.

Vorbildliche Umsetzung in Langenneufnach

Die Gemeinde Langenneufnach setzte das Hochwasserschutzkonzept mit zentralen und dezentralen Hochwasserrückhaltungen vorbildlich um. Die Teilnehmergemeinschaft führte die benötigten Flächen zusammen. Herzstück des Hochwasserschutzes ist der Hochwasserdamm an der Neufnach mit einem Rückhaltevolumen von 272000 Kubikmetern auf einer Fläche von zehn Hektar. Die benötigten Flächen, die zuvor 30 verschiedenen Eigentümern gehört hatten, gingen in das Eigentum der Gemeinde über. Die Rückhaltefläche wird von örtlichen Landwirten als Grünland genutzt. Die weiteren acht dezentralen Wasserrückhaltebecken ergänzen den Hochwasserschutz und halten ein zusätzliches Volumen von rund 26400 Kubikmetern Wasser zurück. Die dazu erforderlichen Flächen stehen mittlerweile im Eigentum der Gemeinden.

Synergien im dezentralen Verbund

Der Markt Fischach ergänzte das Projekt durch den Bau von zwei Hochwasserrückhaltebecken mit einem Rückhaltevolumen von 4320 Kubikmetern in Willmatshofen. Die Flurstücke von ursprünglich zehn Eigentümern, insgesamt ein Hektar, konnten über das Bodenmanagement bereitgestellt und in das Eigentum des Marktes Fischach überführt werden. In den beiden Tälern haben die Teilnehmergemeinschaften 45 dezentrale Biotope mit zusätzlicher, wenn auch geringfügiger Wasserrückhaltung angelegt. In den Flurneuordnungen entstanden außerdem 15 km Pufferstreifen entlang von Gewässern sowie Landschaftspflegeflächen und Kleinstrukturen wie Hecken und Feldraine von rund 75 Hektar. Sehr wirkungsvoll ist die hangparallele Bewirtschaftung von Agrarflächen, um Wasser in der Fläche zurückzuhalten und die Erosion zu mindern. Deshalb setzte man sich in den Flurneuordnungen zum Ziel, den Grundbesitz nach diesen Kriterien neu zu ordnen und das neue Wegenetz dementsprechend zu führen. Nun fließt das Oberflächenwasser viel langsamer ab und verursacht weniger Erosion. In der Folge gibt es weniger Bodeneinträge in die Gewässer, deren Qualität sich dadurch deutlich verbessert.

All das trägt maßgeblich dazu bei, die vielfältige Kulturlandschaft entlang der Flusstäler zu erhalten und die Dörfer vor dem Wasser zu schützen. Aktuell plant der Markt Fischach weitere Hochwasserschutz- und Rückhaltemaßnahmen entlang der Schmutter.
Projektträger
Flurneuordnungen Langenneufnach sowie Siegertshofen, Tronetshofen und Willmatshofen im Markt Fischach, alle Landkreis Augsburg