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Elsendorf · Margarethenthann
Durch Bodenordnung zum gewünschten Ziel – Hochwasserschutz für kleine Dörfer im Hopfenland Hallertau

Vogelperspektive: Straße führt geschwungen in ein Dorf. Entlang der Straße Rückhaltebecken. Überlauf ermöglicht kontrollierten Wasserabfluss über den unscheinbaren Bach.

Sobald starke Gewitter über der durch Hopfen- und Spargelanbau geprägten Region niedergingen, mussten die Bewohner von Margarethenthann Überschwemmungen im Ort befürchten. Denn die Lage des Dorfes im Talkessel, umgeben von intensiv bewirtschafteten Flächen, hatte einen Nachteil: Wenn es heftig regnete, trat der kleine, sonst unscheinbare Elsendorfer Bach über seine Ufer. Fast jährlich musste die Freiwillige Feuerwehr Hilfe leisten. Auch die unterliegenden Weiler und Elsendorf selber, wo der Elsendorfer Bach in die Abens mündet, waren dann nicht mehr vor dem Wasser sicher.

Zusammen viel erreichen

Wie könnte ein Hochwasserschutz für Margarethenthann aussehen? Gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt, dem Staatlichem Bauamt, dem Landschaftspflegeverband und der Gemeinde plante die Teilnehmergemeinschaft in der Flurneuordnung eine naturnahe Entwicklung des kleinen Fließgewässers und die Schaffung von Wasserrückhaltemöglichkeiten. In Elsendorf selbst sensibilisierte die Gemeinde die Bevölkerung für den Hochwasserschutz und warb für eine Integration des Baches in das Ortsbild mit Verbesserung der Zugänglichkeit.

Bodenmanagement für Wasserrückhaltung, Gewässer- und Naturschutz

Nur durch die Bodenordnung war es möglich, die notwendigen Flächen östlich von Margarethenthann für die Schaffung eines Rückhaltebeckens in das Eigentum der Gemeinde zu überführen. Das Rückhaltebecken mit einem Volumen von 21800 Kubikmetern kann Regenwasser speichern und geordnet ableiten. Auch für die Gestaltung eines natürlichen, für Fische und Kleinlebewesen durchgängigen Bachlaufes mit naturnaher Ufervegetation konnten in der Flurneuordnung Flächen getauscht oder Nutzungsvereinbarungen abgeschlossen werden. Es entstand ein Uferstreifen von 10 bis 20 Metern Breite – kombiniert mit Engstellen, um die Abflussspitzen zu entzerren. Das Bachbett wird nicht gesichert, damit sich innerhalb der Böschungen das Gewässer eigendynamisch entwickeln kann. So entstehen wechselfeuchte, nasse Standorte, ideale Bedingungen für Röhricht und Schilfbestand. Die Tümpel werden zu Laichgewässern für Amphibien und an den feuchten Standorten siedeln sich Salweiden und Erlen an. Das früher bis zum Bach reichende Ackerland wird mit einer kräuterreichen, dem Naturraum angepassten Wiesenansaat zu einem blütenreichen extensiven Grünland.

Gewässer im Blickfeld des Projekts

In der Dorferneuerung Elsendorf wurde der Bachlauf ökologisch aufgewertet und gleichzeitig durch Aufweitungen an zwei Stellen, die Terrassierung mit Sitzstufen und Trittstufen im Bachlauf zugänglich gemacht. Auch hier war die Bodenordnung der Schlüssel zum Erfolg. Die Teilnehmergemeinschaft plant weitere Maßnahmen im Hauptort, ebenso wie entlang des Elsendorfer Baches in der Flur, aber auch an anderen Gewässern. In den nächsten Jahren sollen dort bestehende Wege so aufgebaut werden, dass sie eine Dammfunktion erhalten und damit zur Wasserrückhaltung beitragen.

Hochwasserschutz und EU-Wasserrahmenrichtlinie in der Region

Von den Wegen mit Dammfunktion am Allakofener Bach wird dann vor allem die benachbarte Kommune Attenhofen profitieren, mit der Elsendorf auch in der Integrierten Ländlichen Entwicklung Hallertauer-Mitte zusammenarbeitet. Denn ein Ziel der gemeindeübergreifenden Kooperation im Handlungsfeld „Natur, Bauen, Landwirtschaft“ ist: Gewässer erlebbar machen, Hochwasser- und Gewässerschutz fördern und ausbauen sowie Artenvielfalt auf Dauer sichern.

Neben der Überschwemmungsproblematik beschäftigt die Gemeinde sich aber auch mit der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie im Einzugsgebiet der Abens. 2011 entschloss sich Elsendorf daher, gemeinsam mit den Kommunen Biburg, Abensberg, Siegenburg und Neustadt, Volkenschwand, Mainburg, Attenhofen sowie Wildenberg und Kirchdorf ein vom Wasserwirtschaftsamt Landshut gefördertes Pilotprojekt „Oberflächenwasserkörper Abenszuflüsse“ umzusetzen. Alle Gemeinden sind Mitglied in insgesamt drei Integrierten Ländlichen Entwicklungen, die sich auch dem Gewässerschutz verschrieben haben. Koordinator verschiedener Maßnahmen ist der im Landkreis aktive Landschaftspflegeverband.

Gleichzeitig läuft die kombinierte Flurneuordnung und Dorferneuerung Elsendorf. Dort zeigt sich wieder einmal, wie mit Hilfe der Bodenordnung und der Zusammenarbeit verschiedener lokaler und regionaler Partner den Kommunen, den Dörfern, aber auch den Landwirten geholfen werden kann.
Projektträger
Flurneuordnung und Dorferneuerung Elsendorf, Landkreis Kelheim