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Quellwasserschutz im Jurakarst
Mit LEADER die Sipplquelle in Riedenburg-Jachenhausen reaktivieren

Ein LEADER-Kooperationsprojekt soll im Bayerischen Jura dazu beitragen, eine nachhaltige und langfristige Trinkwasserversorgung zu sichern.

Wo Wasser ist, ist Leben

Das Wasser war für die Erdgeschichte der bedeutendste Stoff. Aus ihm entstand einst das Leben. Wasser ist lebenswichtig für Menschen, Tiere und Pflanzen. Deshalb muss es besonders geschützt werden. Wasser ist zudem ein Menschenrecht. So hatte etwa die UNO die Zeit zwischen 2005 und 2015 unter dem Motto "Wasser zum Leben" zur Dekade des Wassers erklärt. Auch in Europa geht es um besseres Wasser. Mit der Wasserrahmenrichtlinie haben sich die EU-Staaten verpflichtet, Flüsse, Seen und das Grundwasser auf einem hohen Niveau zu schützen. Grundsätzliches Ziel ist das Erreichen des "guten Zustands" der Gewässer bis spätestens 2027.

Im Jurakarst weiß man schon lange um die Bedeutung des Grundwasserschutzes

Grundwasser entsteht zum größten Teil aus dem Niederschlag, der im Boden versickert und dort mechanisch und biologisch gefiltert wird. Von der Durchlässigkeit des Untergrundes hängt es ab, wie schnell das Regenwasser nach unten sickert. Je feinkörniger und mächtiger diese Bodenschichten sind, desto stärker ist ihre Filterwirkung und desto besser ist das Grundwasser vor Stoffeinträgen geschützt.

Bodenschichten im Jurakarst sind allerdings häufig nur sehr dünn ausgeprägt und damit äußerst durchlässig. Hier bestehen durch Dolinen vielfach direkte Verbindungen zwischen der Erdoberfläche und dem Grundwasserstrom. Niederschlagswasser, aber auch unerwünschte Stoffe wie Pflanzenschutzmittel können deshalb durch solche „Dellen“ in der Landschaft rasch in das Grundwasser gelangen. Bei starkem Regen rauscht ein Tropfen Wasser fast bis zu 1.000 Meter pro Stunde schnell von der Doline aus durch den steinigen, zerklüfteten Untergrund bis zur Quelle. Die Folge: Bei dieser Geschwindigkeit ist die Reinigungswirkung der Bodenschichten unterwegs nahezu Null. Zum Vergleich: Sickert Niederschlag langsam in den Boden ein, fließt er mit 200 Metern – pro Jahr!
Um die Trinkwasserversorgung und den Trinkwasserschutz auf den wasserarmen Hochflächen des Altmühl-Jura zu sichern, wurde bereits vor über hundert Jahren der „Verein Jachenhausener Wasserversorgungsgruppe“ gegründet. Aus ihm ging der heutige „Zweckverband zur Wasserversorgung Jachenhausener Gruppe“ hervor, der Träger dieses LEADER-Projektes. Die Sipplquelle nutzte man bis 1954 als Wasserspender. Vor einigen Jahren nahm man sie wieder versuchsweise ans Netz. Zum Schutz vor etwaigen Verunreinigungen und zur Entfernung von Schwebstoffen baute man einen Aktivkohle-Filter sowie eine Ultra-Filtrationsanlage ein. Trotzdem ist die Quelle heute nur noch temporär für die Trinkwassernutzung geeignet.

LEADER-Mittel sprudeln zur Reaktivierung der Sippl-Quelle

Nun denkt man darüber nach, sie gänzlich zu reaktivieren.

  • Wie aber lässt sich der dafür notwendige hohe technische Aufwand möglichst gering halten?
  • Wie können Landwirte das Einzugsgebiet der Sippl-Quelle mit freiwilligen Maßnahmen künftig besser schützen?
  • Was also kann getan werden, um die Wasserqualität dieser Quelle mit ihrem rund 35 km² großen Einzugsgebiet langfristig zu sichern?
Diesen Fragen soll in den nächsten Jahren im Rahmen eines vielversprechenden LEADER-Kooperationsprojektes nachgegangen werden.
Am 1. März - einige Tage vor dem jährlichen UN-Weltwassertag - gab Staatsminister Helmut Brunner dazu den Startschuss. Gemeinsam mit Landwirten und Fachbehörden will man ein detailliertes Schutz- und Nutzungskonzept ausarbeiten. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Ausweisung von Schutzarealen im Umfeld der Dolinen: So wird als erstes genau erkundet, von welchen Bereichen der Jura-Hochebene das Wasser zur Sippl-Quelle fließt. Wichtig dabei: Wo könnte es mögliche „neuralgische Punkte“ – etwa besonders erosionsgefährdete Stellen oder Drainagen – geben? Die Ergebnisse fließen anschließend in ein innovatives, dreidimensionales Geländemodell ein. Dies dient dann als Beratungsgrundlage für eine Gruppe von zehn Landwirten, die man mit ins Boot holen will und die umfassende Bewirtschaftungsvorschläge erhalten sollen.

Viele Akteure rudern in eine Richtung

Staatsminister Helmut Brunner mit LAG-Vorsitzenden und Vertretern der Jachenhausener GruppeZoombild vorhanden

Die Akteure des LEADER-Kooperationsprojekts
(Foto: Helga Gebendorfer)

Staatsminister Helmut Brunner lobte bei der Auftaktveranstaltung den Willen der vielen Beteiligten, bei diesem vorbildlichen Projekt gemeinsam zusammen zu arbeiten. Beispielhaft – so Brunner weiter – bündeln hier drei Regierungsbezirke, zwei LEADER-Aktionsgruppen, zahlreiche Fachbereiche und Akteure ihre Kräfte, um eine für Wasserversorger und Landwirte optimale Verbindung von Flächennutzung und Flächenschutz zu erreichen.

Einig war man sich: Wo das Konzept dem Flächenschutz Vorrang vor der Flächennutzung einräumt, ist Extensivierung auf freiwilliger Basis ein mögliches Ziel: also zum Beispiel Umwandlung von Äcker in mäßig gedüngtes und gemähtes Grünland. Entscheidend jedoch wird dabei sein, wie die im harten Wettbewerb stehenden Landwirte den so entstehenden Ausfall von Erträgen kompensieren können. Brunner brachte es auf den Punkt: „Wir dürfen die Landwirte nicht allein lassen beim Schutz von Allgemeingütern wie dem Trinkwasser: Sie haben ein Recht auf Entschädigung“.

Gewusst?

Die Erde ist zwar zu zwei Drittel mit Wasser bedeckt, aber nur ein Prozent des gesamten Wassers stehen als Wasser zum Trinken zur Verfügung.

Der Mensch besteht zu 60 bis 70 Prozent aus Wasser. Ein Mensch von 70 kg Körpergewicht trägt etwa 42 kg Wasser mit sich herum. Unser Gehirn allein besteht zu 75 Prozent aus Wasser und braucht deshalb ständig Nachschub.

Im Katastrophenfall kann der Mensch bis zu 14 Tage ohne Nahrung auskommen, aber bereits nach 36 Stunden ist er verdurstet. Täglich muss er etwa 2 bis 3 Liter Wasser zu sich nehmen. Einen Teil davon nimmt er auch über feste Nahrungsmittel auf.

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