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Leader-Förderprojekt im Fokus
Poesie des Roggens – gekonnt inszeniert in Weißenstadt

Staatsminister Helmut Brunner mit Martin Schöffel, MdL, Dr. Laura Krainz-Leupoldt, 1. Vorsitzende des Fördervereins für Roggenkultur und Heinrich Leupoldt, PEMA Vollkorn-Spezialitäten

"Mit allen Sinnen, interaktiv und auf unterhaltsame, philosophische-poetische Art können Besucher des Rogg-In alles über Roggen erfahren." lobte Brunner in seiner Laudatio.

"Der Förderverein für Roggenkultur und seine zahlreichen Mitstreiter haben mit Begeisterung, Phantasie und Kreativität diese deutschland-, wenn nicht gar europaweit einmalige Einrichtung geschaffen." so Brunner vor den fast 500 Gästen, die zur Einweihung des Roggen-Informationszentrums nach Weißenstadt, Lkr. Wunsiedel im Fichtelgebirge gekommen waren. Auf vielfältige Weise erlebt hier der Besucher das "Gold der Region" und lernt die kulturgeschichtliche und ernährungsmedizinische Bedeutung von Roggen und dessen Kostbarkeit kennen.

ROGG-IN würdigt die Bedeutung eines wertvollen Getreides

Zielsetzung des ROGG-INs: die Wichtigkeit dieses nährstoffreichen Getreides für die Region und seine Bedeutung für eine gesunde Ernährung bewusst zu machen. Die Ausstellung hat es in sich: Das ROGG-IN spricht alle Sinne an. Es ist nicht nur Information, sondern gleichzeitig auch Unterhaltung für die Besucher. Unterhaltsames Lernen pur also: Spielerisch und interaktiv vermittelt es Wissen rund um das Thema Roggen und dessen Verarbeitung. Die Inhalte sind hochwertig und nach neuesten museumspädagogischen Grundsätzen aufbereitet.

So gelangt der Besucher am Anfang der 300 m² großen Museumsfläche durch eine „Schleuse des Halbwissens“, in der jeder sein Wissen über Roggen testen kann. Als nächstes betritt er einen Raumkubus, dessen Wandseiten in Gold gehalten sind. Hier erfährt man vieles über Anbau, Roggensorten und Wachstumsbedingungen dieses "Goldes der Region".

Der Raumkubus erläutert Anbau, Roggensorten und Wachstumsbedingungen dieses "Goldes der Region".

Der Raumkubus erläutert Anbau, Roggensorten und Wachstumsbedingungen dieses "Goldes der Region".
Künstlerisch gestaltete Effekte ermöglichen dem Besucher eine sinnliche Erfahrung der besonderen Art. Von Podesten zur Kubusdecke gespannte, in Gold gehaltene Schnüre symbolisieren Grannen. Große, mit einem Roggenfeld als Motiv bedruckte Vorhänge vermitteln den Eindruck sich sanft im Wind bewegender Roggenähren. Über Kopfhörer hört der Besucher z.B. einen Bauer über den jahreszeitlichen Ablauf des Roggenanbaus erzählen.

Weiter geht es in die Abteilung mit dem Titel „Roggen und seine inneren Werte“. Dort lernt der Besucher Inhaltsstoffe, Mehltypen, die ernährungsphysiologische Bedeutung und die Verwendungsmöglichkeiten von Roggen kennen. Sorgfältig ausgewählte Exponate runden jede Themeneinheit ab. Was kein Besucher verpassen sollte: im Herzstück der Ausstellung erlebt er auf sieben Stationen die „Poesie der Verarbeitung“ vom Mahlen über Teigzubereitung und Backen hin zur Genussmeditation.

Die Ausstellung wird durch einen ca. 1.350 m² großen Roggengarten im Außenbereich ergänzt. Hier gibt es „Roggen zum Anfassen“: In eigens angelegten Roggenfeldern bekommt man vieles über die Grundsätze des Ackerbaus und der Dreifelderwirtschaft zu wissen.

Im Herzstück der Ausstellung erlebt der Besucher auf sieben Stationen die „Poesie der Verarbeitung“ vom Mahlen über Teigzubereitung und Backen hin zur Genussmeditation.

Im Herzstück der Ausstellung erlebt der Besucher auf sieben Stationen die „Poesie der Verarbeitung“ vom Mahlen über Teigzubereitung und Backen hin zur Genussmeditation.

Die Rezeptur ist erfolgreich aufgegangen – dank LEADER

Man nehme:

  • einen rührigen Verein, der sich stark macht für den Erhalt und die Förderung der Roggenkultur in seiner Region,
  • eine engagierte Lokale Aktionsgruppe, die die zentrale Bedeutung einer kreativen Projektidee für die Umsetzung ihrer Entwicklungsstrategie erkennt,
  • man hole sich die Unterstützung kommunaler und privater Mitstreiter und Befürworter, örtlicher Vereine, Tourismus- und Heimatverbände,
  • greife auf das gebündelte Wissen regionaler und überregionaler Partner zurück und
  • suche die aktive Einbindung berufsständischer Institutionen, Forschungsanstalten und roggenverarbeitender Betriebe sowie die enge Kooperation mit anderen Museen der Region.
Bayernkarte, in der Weißenstadt als roter Punkt markiert ist.

Hier finden Sie das Roggeninformationszentrum.

Damit die Idee aufgeht brauchte es reichlich Finanzmittel. Die größte Dosis teilen sich dabei je zur Hälfte das EU-Förderprogramm LEADER und das Landwirtschaftsministerium. Planung, Gestaltung und Marketing übergebe man in professionelle Hände. Nach weniger als einem Jahr Bauzeit das eindrucksvolle Ergebnis: Ein vernetztes Projekt mit Modellcharakter und Vorbildfunktion, das die Attraktivität und Außenwirkung einer ländlich geprägten Region steigert und ideal andere touristische Glanzpunkte im Fichtelgebirge ergänzt.

Dabei gelingt es dem ROGG-IN die verschiedensten Zielgruppen und alle Generationen anzusprechen. Es vermittelt einerseits Wissen über den Anbau, die Verarbeitung und den Wert des Roggens für eine gesundheitsbewusste Ernährung; andererseits weist es auf die Bedeutung des Roggenanbaus für die heimische Landwirtschaft und die regionale Brotproduktion hin. Schließlich trägt es hervorragend dazu bei, für den Erhalt des biologisch-ökologischen Gleichgewichts zu sensibilisieren.

Roggen - unser tägliches Brot

Als Heimat des Roggens gilt die Region um das Schwarze Meer. Bereits um 6.600 v. Chr. sammelten dort die Menschen Wildroggenarten. Langsam breitete er sich über Südrussland nach Westen aus. In Mitteleuropa baute man ihn aber erst ab ca. 500 n. Chr. an. Während des 12. und 13. Jahrhunderts wurde er dann in vielen Gebieten Deutschlands regelrecht zur Brotfrucht Nr. 1!

In unserem Kulturkreis ist er auch heute noch der wichtigste Bestandteil unseres täglichen Brotes. Was vielleicht nicht jeder weiß: Vielerorts durfte man ihn nicht zu Bier verbrauen, damit die Brotversorgung sichergestellt war - ganz nach dem Motto: Gerste für das flüssige und Roggen für das feste Brot! So gilt Roggen als ein Auslöser für das bayerische Reinheitsgebot des Bieres.

Roggen stellt nur geringe Ansprüche an Klima und Boden. Seine Robustheit war schon immer seine Stärke. Er gedeiht auch auf leichten, nährstoffarmen Böden und verträgt Trockenheit gut. Er ist vital und wenig krankheitsanfällig. In der Fruchtfolge gilt er geradezu als „Gesundungsfrucht“.

Mit wenig Wärme kommt der Roggen gut zurecht. Durch seine rasche Entwicklung kann er im Frühjahr die Winterfeuchte gut nutzen. Eine ideale Wintergetreideart also für klimatisch rauere Regionen wie den Frankenwald und das Fichtelgebirge. Hier wächst er auf flachgründigen Boden, doch traditionell tief verwurzelt in dieser Gegend ist die Verarbeitung von Roggen und das Wissen dazu. Ideale „Standortbedingungen“ also für ein pädagogisch-poetisches Informationszentrum für Roggenkultur.
Roggenreife
Dort, wo der Himmel die Erde berührt
enden die Weiten goldenen Segens,
entwehen Wolken gelben Blütenstaubes
dem wogenen Meer reifer Roggenähren,
deren lange Grannen in Winden schaukeln,
sich vor dem Liebreiz malerischer Blumen galant verneigen,
ihrer Schönheit bewundernd erlegen sind.

Heidrun Gemählin